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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Fei-rtnoe, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial- Eorreipondenz.

Anserrinn».

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DieSipaltigeZeil,

M 207.

Mittwoch den 6. September.

1876.

Das Programm für den Aufenthalt Sr. Majestät des Kaisers und Königs in Leipzig vom 5.-7. September ist, derLeipz. Ztg." zufolge, wie folgt festaestellt: Dienstag, den 5. Septbr.: Ankunft Sr. Majestät in Leipzig, Nachmittags 4 Uhr 30 Minute». Empfang auf dem bayerischen Bahnhöfe. Nach demsilben begeben Sich Se. Majestät durch d e Windmühlenstraße, Königsplatz, Peterssiraße, über den Markt, Grimmaische Straße, Augustusplatz, Bahnhofktraße und Goethestraße nach dem Königlichen Palais.' Diner en famille im Königlichen Palais Abends 6 Uhr. Illumination der Stadt. Mittwoch, 6. Septbr.: Ab­fahrt von Leipzig mit Extrazug nach Böhlen. Parade des XII. (Kö­niglich sächsischen) Armee-Corps bei Pulgar, Vormittags 11 Uhr. Kö­nigliche Tafel im Schützenhause (großes Militärdiner) Nachmittags 4 Uhr. Festvorstellung im neuen Stadttheater Abends 7 Uhr 30 Min. Zapfenstreich auf dem Augustusplatz, Donnerstag 7. Septbr.: Abfahrt von Leipzig per Wagen nach Gruna. Corps-Manöver des XII. (Kö­niglich sächsischen) Arme« Corps bei Magdeborn, Vormittags 9 Uhr, Dejeuner dinatoire im Schützenhause Nachmittags 3 Uhr 30 Minuten. Abreise Sr. Majestät des Kaisers nach Merseburg (thüringischer Bahn­hof) Abends 6 Uhr 30 Minuten.

Berichte aus allen Theilen Deutschlands beweisen, so schreibt derSchw. Merk.", daß die Feier des Sedantages in diesem Jahre wiederum eine ganz allgemeine war. Das Nationalfest hat an den meisten Orten schon bestimmte Formen gewonnen, in denen es sich alljährlich wiederholt. Von überall her wird Mitgetheilt, daß die Be­völkerung in allen Schichten an den Feierlichkeiten Theil nahm. Fast durchaus waren die Geschäfte, wenigstens Fabrik- und Engrosgeschäfte, geschlossen. In Berlin hatten die Detailgeschäfte, welche offen hielten, wenigstens in ihren Schaufenstern durch festliche Dekoration ihre Theil- nähme kundgegeben. Im Norden des Reichs ist die Feier eine ebenso allgemeine gewesen, wie im Süden. Beispielsweise wrrd aus Posen den 2. Sept. berichtet: Zur Feier des Sedanfestes fand hier heute Mittag ein Festzug der Gewerke und Vereine statt. Derselbe begab sich nach dem Wilhelmsplatze, woselbst die Generalität, die Mitglieder des Magistrats und die Stadtverordneten anwesend waren. Oberbür- germeister Köhlers hielt die Festrede und schloß dieselbe mit einem Hoch auf den Kaiser, welcher mit Begeisterung ausgenommen wurde. Die Stadt prangt in reichem Flaggenschmuck. In Hamburg waren die Thürme der Stadt, sowie eine große Anzahl Privathäuser festlich be­flaggt und in sämmtlichen Kirchen fand Gottesdienst statt. Morgens gegen 7 Uhr wurde in den Straßen Hohe Fuhlentwiete. Neustraße rc. von 7 Tambours der alten Hamburger Bürgergarde eine Reverlle aus- ! geführt, während ein Musikkorps an den Ecken der genannten Straßen ewige Märsche spielte. In Bremen wurde die Feier am Abend ! des 1. durch einen Fackelzug des Krieger Vereins eröffnet. Am 2. früh von 7 bis 8 läuteten die Glocken sämmtlicher Kirchen der Stadt und des Gebiets auf Senatsanordnung. Zwischen 8 und 12 fand in allen Krrchen, auch in der Synagoge, Festgottesdienst statt. Von 12 bis 1 Austzrrte eine Kapelle am Kriegerdenkmal auf dem Wall. Von 1 bis 7 Outeten wiederum die Glocken. Gleichzeitig fand auf dem Schützen- Hofe das Festessen statt. Gegen 4 Uhr Nachm. sollte der Krieger-verein «« S Ichützenhofe Hinausmarschiren und vom Vorsitzenden des Festausschusses begrüßt werden, Vr5 Dr. Arthur Breusing daselbst die Festrede halten. Vortage der Liedertafeln, Aufmarsch und Schauturnen oer Lurnvererne, Erleuchtung und Feuerwerk, letzteres auf dem soae- nannten Separationswerk inmitten der Weser beendigen das Fest. t LVrne$ h""e die Badegesellschaft eine Sedanfeier veran-

^"^""ster Böttcher aus Magdeburg brächte den Toast auf Kaiser und Reich unter enthusiastischem Zuruf aus. Aus Leipzig js!"i?.^?^tet: Die gestrige strstungsmäßige Vorfeier des Sedan- verlaufen. Hoch loderte am Napoleonstein, as weite Schlachtfeld von 1813 beleuchtend, die mächtige Flamme des FreudenfemrS zum abendlichen Himmel empor. Mehrere tausend Men­schen umpanden in gehobener Stimmung das riesige Freudenfeuer und stimmten begeistert »n das vom Zöllnerbund unter Musikbegleitung vor­getragene Danklied:Nun danket alle Gott", sowie am Schlüsse der Feier m das Nationallied die Wacht am Rhein ein. Zwischen beiden

Liedern hielt Stadtrath Heßler eine schwunghafte Ansprache. Heute begrüßt ein frischer, regenfreier Morgen den Nationalfesttag; allerwärts wehen von den Thürmen und Häusern der Stadt Flaggen und Fahnen, die Kirchenglocken laden die Gemeinde zum Dankesgottesdienste ein und die Schuljugend wandert mit erhobenem Gefühl zu den Festakten. Nachmittags findet zu Ehren des Königs vor dem Palais ein Kinder­festzug und Abends ein Fackelständchen statt. In K ö l n zogen am ; 2. Sept. unabsehbare Schaaren gegen 4 Uhr Nachm. nach dem Gürzenich ; hin, um daselbst der öffentlichen und Hauptfeier des Tages beizuwohnen. ; Bei Beginn derselben war der große Saal sammt seinen Galerien von i Festgenossen aus allen gesellschaftlichen Kreisen dicht besetzt. Die Dr* j chestervorträge, die herrlichen Lieder und die patriotischen Ansprachen i riefen eine Begeisterung hervor, die sich in den stürmischsten Beifalls- ! bezeugungen kund gab. Aus Ems den 2. Sept. schreibt man: ; Heute früh 6 Uhr donnerten unter dem Geläute der Kirchenglocken zum ; Zeichen des Tages von Sedan von den Ems umgebenden Beraeshöhen - Böllerschüsse hernieder, dann wurde am Kriegerdenkmal ei« Choral ae» ' blasen. Die Stadt befindet sich in schönstem Flaggenschmuck. Am ; Abend wird ein Fackelzug und die bengalische Beleuchtung des auf der ! halben Höhe der 850 Fuß hohenBäderlei" sich befindenden Krieger- denkmals stattfinden. Morgen, als Schluß der Feier, Festzug durch j die Straßen und Volksfest auf dem hierzu bestimmten Festplatze.

Nach §. 61 des Strafgesetzbuches beginnt die dreimonatliche Frist für die Stellung eines Strafantrages bei sogenannten Antrags- delikten mit dem Tage, seit welchem der zum Antrag berechtigte von der Handlung und von der Person des Thäters Kenntniß gehabt hat. In Beziehung auf diese Bestimmung hat SaS Ober-Tribunal in einem Erkenntniß vom 5. Mai o. J. die Entscheidung gefällt, daß bei Jn- jurieuprozrssen der verklagte Beleidiger, welcher den Einwar-d erhebt- daß die Kenntniß der Beleidigung Seitens des Klägers länger als drei Monate vor Anstellung der Klage zurückdatirt, diesen Einwand zu be­weisen hat. Die Vorschriften der Gerichtsordnung über Zuziehung der Ehemänner bei P ozessen der Ehefrauen finden, nach einem Er­kenntniß des Ober-Tribunals, Senats für Strafsachen, vom 21. April d. I., aus das Sühneverfahren vor dem Schiedsmanne keine Anwen­dung.

S. M. SchiffeKaiser" undDeutschland" sind am 1. d. M. von Malta nach Gibraltar in See gegangen.

Professor Reuleaux ist seit dem 26. August von Philadelphia abgereist und wird am künftigen Freitag in Berlin erwartet. Er wird dann sofort dem Reichskanzleramt amtlich Bericht erstatten, und man hofft, daß der Bundesrath Gelegenheit nehmen werde, auch seinerseits diesem Berichte näher zu treten. Es kann nicht ausbleiben, daß die Ausstellungsangelegenheit auch im Reichstage zur Sprache kommt. Jedenfalls hört man in hiesigen^parlamentarischen Kreisen, daß die Ab­sicht vorwaltet, über den Stand und die Beurtheilung der deutschen Industrie in Philadelphia eine Verhandlung im Reichstage anzuregen und sich überhaupt über die Unterstützung internationaler Ausstellungs- unternehmungen aus Reichsmitteln aurzusprechen, um gleichzeitig eine Handhabe für die Beurtheilung desselben Punktes bei der Pariser Welt­ausstellung zu bieten. (Trib.)

Reuß ä. L. Greiz, 2. September. General-Feldmarschall Graf Moltke ist nach derLeipz. Ztg." so weit wieder 'hergestellt, daß er die dem Vernehmen nach für morgen in Aussicht genommene Wei­terreise nach Leipzig antreten kann. Gestern Mittag hat er die Ver­treter der Stadt empfangen und dann nach einer Fahrt durch die im Fahnen- und Flaggenschmuck prangenden Straßen der Stadt, negiertet von seinen beiden Adjutanten, im Fürstlichen Park einen Spaziergang gemacht.

München, 4. September. Das kgl. Staatsministerium des Innern wird demnächst eine Entschließung erlassen, daß die Anfertigung der Wählerlisten für die kommende Reichstagswahl zu bethätigen und so zum Abschlüsse zu bringen ist, daß deren Auslegung bis zum Monat Oktober erfolgen kann. Ferner sollen die Vorbereitungen für die Ab­grenzung der Wahlbezirke durch die unmittelbaren Magistrate und die Bezirksämter gleichfalls getroffen werden, damit diese Abgrenzung, so­wie die Ernennung der Wahlvorsteher und ihrer Stellvertreter, dann