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M 206. Dienstag den 5. September

1876.

Bekanntmachung, Winter-Ackerbauschule des landwirthschaftliche» Bereius für die Provinz Oberheffen betreffend.

Der Unterricht an der Ackerbauschule zu Friedberg beginnt am 2. November dieses Jahres, in zwei Abtheilungen. Derselbe erstreckt sich auf die Fortbildungsfächer, sowie besonders auf die verschiedenen Zweige der Naturkunde und Landwirihschafislehre. Außer zwei ständi­gen Lehrern und dem Vereins-Wiesenbaumeister unterrichten noch mehrere Hülfslehrer, so daß jedes Fach entsprechen» vertreten ist.

Der Unterricht wird Lurch Besichtigung nahe gelegener Güter rc., sowie durch zahlreiche Lehrmittel unterstützt. Jeden Abend von 79 Uhr finden unter Aufsicht eines Lehrers WiederholungS- und Arbeits­stunden statt, und wird das Verhalten der Schüler in und außerhalb der Schule strenge überwacht. Aufnahmefähig find junge Leute vom 14. Lebensjahre an, welche die in einer Volksschule erreichbaren Kennt­nisse besitzen. Die neu Aufzunehmenden treten in die untere Abthei­lung ein, oder, wenn sie die nöthigen Vorkenntnisse besitzen in die obere, welche von denjenigen Schülern gebildet wird, die im vorigen Jahre den unteren Cursus besucht haben.

Das Schulgeld beträgt für den oberen Cursus 35 Mark, für den unteren 45 Mark. Anmeldungen nimmt das unterzeichnete Cura- torium entgegen, welches auch zu jeder weiteren Auskunft gerne bereit ist.

Friedberg, den 1. September 1876.

Das Curatorium der Ackerbauschule zu Friedberg.

Trapp. Dr. Heus er. Klietsch.

Geh. Regierungsrath. Dirigent der Anstalt. Kreis-Assessor.

BÄNNKtAachLugeN Kömgl. LaALrathsamLS dahier.

Zugelaufen: Ein Rauhpinscher.

Verloren: Eine goldene Damenuhr; dem Finder eine gute Be­lohnung. Ein Portemonnaie mit 4 Mark.

Hanau am 5, September 1876.

Wochenschau.

H. H, in C. Der in Gotha getagt habende sozialdemokratische Kongreß hat unter Anderem auch 2 Kommissionen gewählt, von denen die eine die Stellung der Sozialdemokraten zu den Fragen, ob Schutz­zoll oder Freihandel, Schwurgericht, Schöffengericht oder jurist. Richter­kollegium und endlich zur Eisenbahnfrage präcisiren, die andere den Entwurf eines Arbeitsschutzgesetzes aus arbeiten soll. Im Uebrigen be­schloß der Kongreß bekanntlich, daß die Partei mit größter Energie in den Wahlkampf eintreten solle. In Heidelberg tagte der 10. deutsche Protestantentag. Verschiedene rheinische kathol. Geistliche, die bisher das Staatsgehalt fortbezogen, haben sich in letzterer Zeit veranlaßt ge- sehen, die betr. staatliche Behörde zu ersuchen, ihnen dasselbe nicht mehr verabfolgen zu wollen, um dem Anwachsen des Unfriedens in ihrer Gemeinde vorzubeugen; schon jetzt blieben ihnen bei Beichte und Abend- mahl die meisten Gemeindemitglieder aus. Im Uebrigen sprachen sich diese Geistlichen in der bewußten Zuschrift sehr staatSfreundlich aus. Die Stadt Sulzbach in Bayern hat ihre beiden von der bayerisch- patriotischen Partei kürzlich kassirten Abgeordneten durch die Verleihung des Ehrenbürgerrechts entschädigt.

.. Sn Wien fand vorige Woche der österreichisch-deutsche Juristentag statt, dessen Vorsitz der durch Akklamation zum Präsidenten ernannte Pros. Gneist führte. Auch in Oesterreich wird es demnächst eute ^grarlerpartei geben; in Böhmen wenigstens ist bereits eine solche o g begriffen. In den russen- und slaven-feindlichen Kreisen LseMreich-Ungarn s herrscht rmeder einmal große Erbitterung gegen

1 Bor einigen Tagen wurden nämlich in Unaarn

1 200 russ. Offiziere verhaftet, Die nach Serbien wollten, um dort Knegrdienst« gegen die Türken zu nehmen. Die Behörden frugen nun der Andrasjy an, was mit den Verhaftete» werden solle; dieser aber

antwortete zur allgemeinen Verwunderung: Frei lassen und weiter rei­sen lassen. Die Zeitungen sagten darauf hin:Was nutzt unsere strenge Neutralität, wenn wir die aktive Parteinahme Rußlands für Serbien befördern 1 ?" Die Wiener Regierung hielt sich übrigens in anderer Weise dafür schadlos; sie löste die zechischen Komites auf, welche für die Ser­ben Geld sammeln.

Der italienische Minister des Innern, Nicotera, war früher heiß­blütiger Republikaner. Das weiß alle Welt. Um so mehr wundert man sich aber über eine Stelle einer jüngst von ihm gehaltenen Ge­legenheitsrede, welche heißt:Wer die Einheit Italiens liebt, muß auch den König Victor Emanuel lieben, denn einen so freiheitssreundlichen und von konstitutionellem Sinne durchdrungenen König gab es noch nie! Bei den Konsei vativen hat sich Nicotera dadurch einigermaßen beliebt gemacht. Dagegen hat der Justizminister Marcini der be­rühmte Gelehrte und Jurist bei allen Parteien vielen Groll auf sich geladers, dadurch, daß er den König bewog, einen kamorristischen Mör­der, der 1860 einen sehr geachteten Polizeiinspektor in Neapel tödtete, zu begnadigen. Aus welchem Grunde dies geschah, darüber schweigt die Fama noch. Allein es heißt, Mancini werde in Folge dessen seine Demission einreichen müssen. Auf sogen.Urlaub aus Gesundheits­rücksichten" ist er bereits gegangen.

Die Republikaner in Frankreich sind noch immer sehr vergnügt. Haben sie doch in der letzten Zeit in der Deputirtenkammer einen Zu­wachs von 9 Mann erhalten! Letztere erklärte doch 18 antirepublikan. Wahlen wegen nachgewiesener ungesetzlicher Beeinflussung von Seiten Buffet's für null und nicht. Von diesen 18 sind bereits in 16 Wahl- bezirken Nachwahlen vorgenommen worden, und von diesen 16 haben die Republikaner nicht weniger ais 9 erobert. Es zeigte sich dabei, daß die bonapartist. Wählermassen allmählich aber sicher in'S republikan. Lager übergehen. Der Rittmeister de Mun, der Präsident der kathol. Arbeitervereine, die soeben in Bordeaux einen Kongreß abgehalten haben, ist dagegen in seinem Kreise wiedergewählt worden, wenn auch nur mit einer sehr winzigen Mehrheit.

In Spanien begann es, unheimlich zu werden. Nicht nur, daß der Premier Canovar, dessen Geist und Energie den alfonsistischen Rausch allein noch zusammenzuhalten fähig ist, ernstlich erkrankt ist; auch auf den Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern wurde geschossen; in San Sebastian gab es einen karlist. Aufruhr; in Pamplona hat man eine Militärverschwörung entdeckt. Letzteres steht fest, trotz der offiziellen Ableugnung. Die Exkönigin intligmrt mit den Moderados gegen den Fortbestand des Kabinets CanovaS.

Aus dem Südosten kamen in den letzten Wochen viele sich wider­sprechende Nachrichten. Feststehend ist nur Folgendes: Der serbische Obergeneral Tschernajeff telegraphirte nach Belgrad, er habe einen großen Sieg über die Türken errungen, Uns war dieserSieg" aber sogleich verdächtig und wir sahen ihn sofort als das an, waS er war: für einen kleinen partiellen Erfolg der Serben gegen den linken Flügel des Ejub Pascha'schen Korps. Die Serben konnten vor Ermattung den Sieg" nicht einmal ausnutzen. Tschernajeff bauschte diese unbedeutende Affaire so ungeheuer auf, um den Fürsten Milan abzuhalten, sich in Friedensverhandlungen einzulassen. Allein Milan hatte schon am Tage vorher den Vertretern der Mächte seine Friedensgeneigtheit kund gethan und Letztere für Serbien und Montenegro um Intervention ersucht. Der in Belgrad längst durchschaute Tschernajeff vermochte an dieser Thatsache nichts mehr zu ändern. Inzwischen hat sich herausgestellt, durch gleichlautende Nachrichten der Wiener und englischen Zeitungen, daß der türk. Siegeslauf im Morawathal noch keineswegs gehemmt sei, daß der den Türkenin den Rücken gefallene" Horvatovic schachmatt eiligst wieder davon gegangen, daß die Tschernajeff'schen Korps - ach AUxmotz geworfen und daß die Türken darüber sind, diesen festen Platz zu nehmen. Die Türken hoffen, mit Alexinatz bald fertig zu werden, und deshalb haben die Großmächte, welche dem Fürsten Milan ver­sprochen haben, die Türkei zu bewegen, auf Grund der Erhaltung des Status quo ante. in Friedensunterhandlungen zu treten, einen schweren Stand. Die Pforte stillt maßlose Bedingungen, auf welche die Mächte