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M 205» Montag den 4. September.
1876.
NekavntmachUnge» Königl. LandrathSamtS dahier.
Gefunden: Eine Mundharmonika. Ein Hundemaulkorb. Ein Kinderstrohhut. Ein seidenes Tüchelcheu. Ein Spazierstock. Ein Liederbuch von 80 Liedern.
Verloren: Ein goldener Ring mit gelbem Topas, Hanau, am 4. September 1876.
Zum 2. September.
(Für die Nummer am 1. Sept. zu spät eingetroffen.)
H. H. 6. Zum sechsten Male ist heute der große Tag wiedergekehrt, an welchem nicht nur unerhörte Waffenthaten verrichtet wurden durch deutsche Heere, sondern an welchem auch der Sieg in einem großen, blutigen Völkerkriege, dessen Ausgang von Millionen mit bangendem Herzen entgegengesehen wurde, den deutschen Waffen gesichert wurde. Dieser Sieg aber bildete wiederum die Vorbedingung der Wiedererstehung der politischen Einheit Deutschlands und des deutschen Kaiserreichs. Fürwahr der bedeutungsvollste Tag der Neuzeit im Leben des deutschen Volkes!
Von einem Nachbarstaats aus nichtigen Gründen angegriffen, vereinigten sich alle deutschen Stämme in gerechtester, edelster Entrüstung unter der obersten Leitung des mächtigsten deutschen Fürsten, besten trefflicher Führung zu verdanken ist, daß wir dem Gegner zuvorkamen, Laß unsere Truppen sofort den feindlichen Boden betraten, die getrennten Theile des feindlichen Heeres Schlag auf Schlag besiegten und die s Hauptmacht derselben in eine große Feste warfen, worin sie von einemi eisernen Heeresringe festgehalten und unschädlich gemacht wurde. Große, i weittragende Siege waren das! Allein Alles war noch nicht gewonnen. ! Noch war es denkbar, daß die Intelligenz, die Kraft und der Patriotismus des feindlichen Volkes die erlittenen Niederlagen wieder aus« gleichen, den Kampf in's Unabsehbare verlängern würde. Noch war es zweifelhaft, daß das Ende des Krieges so glorreich sein würde wie der Anfang und baß die von den deutschen Patrioten ersehnten großen politischen Ziele, welche von der Besiegung Frankreichs unzertrennlich ! waren, sich erreichen lassen würden. Denn unser Gegner hatte noch eine reguläre Armee von 120.000 Mann im Felde, die bei CtL'ons gebildet worden war. Alles kam darauf an, wie man diese Streitkräfte verwerthen würde. Zog man sie nach Westen zurück und vertheilte man sie unter die hinter Seine und Loire gebildet werdenden großen Volksarmeen, so wäre sie nicht nur überhaupt im Interesse der Vertheidigung Frankreichs verwendet worden, sondern hätte sie auch die kriegerische Leistungsfähigkeit der hinter Seine und Marne entstehenden großen Volksarmeen verzehnfacht, Srege derselben — in Anbetracht ihrer Uebermacht — ermöglicht und dadurch die französische Nation zu den verzweifelsten Anstrengungen angespornt.
Oder hätte die franz. Armee von CHLlons ihren Plan durchzu- führen vermocht, die nach Westen marschirenden deutschen Heere zu umgehen, den deutschen Belagerern vor Metz in den Rücken zu fallen, dieselben im Bunde mit den dort eingeschlossenen Kolonnen deS Marschalls Bazaine zu vernichten, so daß diese beiden vereinigten französ. ; Heereskörper sich auch übermächtig gegen die III. und IV. deutsche Armee hätten wenden können, — so würde es nicht glänzend um die deutsche Sache gestanden haben.
Alles kam sonach darauf an, ob es den Deutschen gelänge, der franz. Armee von ChLionS isolirt den Garaus zu mattiert, so daß sie weder bei Metz noch bei PariS und an der Loire mit in Betracht kommen würde. i n
. Die Schlacht von Sedan hat nun diese Frage im eminentesten Sinne des Wortes zu Gunsten Deutschlands beantwortet. Durch sie kam jene feindliche Armee, welche hätte gefährlich werden können, in deutsche Gefangenschaft, wurde sie vollständig unschädlich gemacht und wurde der endgültige Sieg Deutschlands, sowie die Wiedererstehung des deutschen Kaiserreichs sichergestellt.
Darum ist kein anderer Tag jener großen Zeit in solchem Maße würdig, zum nationalen F-sttage erhoben zu werden wie der Tag von Sedan. Ueberdies ist er ja auch der glänzendste! Eine ganze Armee ergab sich uns, sammt ihrem Kaiser und ihrem glorreichsten Marschall! Das sranrönsche Kaiserreich wurde gestürzt durch deutsche Waffen!
Und — am Kampfe von Sedan nahmen Truppen fast aller deutsche« Staaten und Stämme Theil!
Das deutsche Volk hat dies auch ganz richtig herausgefühlt. Von Jahr zu Jahr wird die Sedanfeier allgemeiner begangen. In den ersten Jahren nach dem großen Ereignisse, da hielt uns noch die Trauer um die für'S Vaterland in den Tod gegangenen Söhne, Brüder und Freunde ab, ein Freudenfest zu begehen. Je mehr aber diese schmerzlichen Wunden vernarben, desto klarer wird uns die große Bedeutung jenes Ereignisses für unser Vaterland und desto freudiger sind wir gestimmt bei der Wiederkehr des herrlichen Tages vom 2. September.
(Rundschau folgt morgen.)
Patriotismus im Kunsthandwerk.
Die tendenziös-patriotischen Motive deS deutschen KunstgewerkeS figuriren auch unter den vorwurfsvollen Bemerkungen der beutst* amerikanischen Presse, welche Hr. Rmleaux uns vermittelt hat. Ja, als die Franzosen ihren ersten Napoleon, nicht als großen Gesetzgeber und Organisator, sondern als siegreichen Feldherrn verherrlichten, der alle Völker unter die Füße getreten, alle kontinentalen Hauptstädte erobert, alle Kunstschätze in PariS zusammengeschleppt hatte, daS war ganz waS anders l Da sah man Dank den Gaudy, Heine und Saphir, welche den kältesten, eigensüchtigsten Despoten sentimental aufzufassen wußten, Dank den Firmen, welche in jeder Weise Horacr Vernets, Steuben'S u. A. Darstellungen der Großthaten deS Kaisers in Deutschland zu verbreiten bemüht waren, in unserem Vaterland, welches am meisten an Ehre und materiellem Besitz unter diesem Manne verloren, so viele Darstellungen desselben, daß man mit einer leichten Veränderung Goethe'scher Wort« sagen könnte:
Auf Firßgestellen und auch ohne Stehn vielgestalt'ge Napoleons, Gemalt, von Erz, von Holz, aus Stein, Kolosfisch groß und puppig klein, und daß G. Herwegh noch am Anfang der 40ger Jahre, als der mit Rückführung der Asche nach Frankreich auch in Deutschland neu ange- fachte Napoleonkultus in höchster Blüthe stand, singen konnte:
Wie lang mit Lorbeer'n Überschütten, Wollt ihr die fränkische Standarte? WaNn hängt dereinst in dentschen Hütten Der Hütten statt des Bonoparte?
Nun, wir haben seitdem aufgehört, den Urheber unserer Schmach allgemein zu feiern ; ein Theil des Volkes hat an seine Stelle die Männer gesetzt, welchen wir die Wiedergeburt des Vaterlandes verdanken, wir waren sogar so kühn, einem fremden Volke die Bilder dieser Männer, die keinen Eroberungskrieg geführt, sondern einen Angriff glücklich abgewehrt, in mancherlei Formen vorzuführen, und das genügt, damit ein großer Theil der deutschen Presse den Vorwurf nachspricht, die deutsche Industrie huldige einem unausstehlichen Chauvinismus. (S»«. Merk.)
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— Der „R. u. St.-A." enthält: Gesetz, betreffend den AuStritt aus den jüdischen Synagogengemernden. Vom 28. Juli 1876.
— Durch Allerhöchste Kabinets-Ordre vom 29. v. M. sind unter Aufhebung aller entgegenstehenden Festsetzungen neue Bestimmungen über Kapitulationen in der Kaiserlichen Marine erlassen worden.
— S. M. S. „Ariadne" ist am 28. Juli er. auf der Rhede von Singapore eingetroffen.
— Zur Beseitigung vorgekommener Zweifel hat der Minister des Innern Veranlassung genommen, die betreffenden Behörden seines Ressorts dahin anzuweisen, daß die Beträge der in den Strafanstalten durch Vollstreckung von Freiheitsstrafen angewendeten Verpflegungskosten nicht lediglich aus dem Grunde niederzuschlagen sind, weil gleichzeitig auch Seitens eines Gerichtes die Zahlung von Kosten aus dem Vermögen des Sträflings verlangt wird und bei einer vorzugsweise« Berichtigung dieser Kosten jene Beträge im Konkurs- resp. L'quidntiorSverfahren ausfallen würden, daß vielmehr für diese Beträge gleichfalls das Vorrecht deS §. 78 der Konkurs-Ordnung in Anspruch zu nehmen ist.
— Wiewohl Diebstahl und Unterschlagung unter Eheleuten straflos sind, gesetzlich demnach als Verbrechen nicht betrachtet werden, so ist