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ftimft WWU Zugleich Amtliche- Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausushme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und SamßazS mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Freitag den 1. September.
1876.
NekaautMachuagen ÄBnißL LaNdrathsamtS dahier.
Die ledige Margaretha Schäfer an» Breitenbach hat sich wiederholt von hier unter Zurücklaffung eines Pflege bedürftigen KindeS entfernt. Im BetretungSfalle ist dieselbe mittelst Zwangspaß hierher ; zu diriqiren.
Hanau am 29. August 1876.
Johannes Kreß zu Ravolzhausen ist al« Wasenmeister für dasige Gemeinde vereidigt worden.
Hanau am 28. August 1876._________________________________ (
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— Berlin, 28. August. Die Ultramontanen haben den Schmerz, wiederum einen ihrer Kampfgenossen. und zwar einen Mann, auf den sie vor noch gar nicht langer Zeit sehr stolz waren, bedenklich wanken zu sehen. Unter dem Pseudoryn LukianoS DendrostheneS ver- i öffentlicht der bekannte badiscke KreiSrichter Baumstark eine Neue Folge seiner „ Fegst nergeipräche." In diesem Buche werden der ZentrumS- i Partei und ihrer Leitung recht berbe Wahrheiten gesagt. U. a. muß sich auch der Abg. Peter Reichensperger eine abfällige Kritik seiner Schrift „Kulturkampf oder Friede zwischen Staat und Kirche" gefallen lassen. „Wer Frieden wünscht", sagt der Berf.. „der betrete den praktischen Weg konkreter und spezieller Erörterung und verlasse jenen der prinzipiellen und doktrinären Entscheidung." Treffender kann der Rei- chensperger'sche Standpunkt in der That kaum abgefertigt werden. Daß Baumstark über die Haltung des ZentrumS in der Reich»eistnlahnfrage unwillig ist, war bereits früher bekannt; hier wird es sehr nachdrücklich bestätigt. Ueberbaupt hebt der Vers, waS die Reichspolitik betrifft, seine unitarische Gesinnung schärfer als je hervor. Am empfindlichsten j werden sich seine Parteigenossen aber wohl durch seine Auffassung des modernen StaateS verwundet fühlen. Nach seiner Ansicht beruht näm- ‘ lich die moderne Staatsidee in ihrem innersten Kerne auf dem wahren i Gedanken, daß für das äußerliche Leben eine Allen gemeinsame Rechts- i norm zu schaffen sei, innerhalb welcher das vor Gott allein werthvolle | innere Leben ohne Anspruch auf irdische Bevorzugung und ohne Ah- ! Hängigkeit von solcher auf dem festen Grunde reiner Ueberzeugung und ! freiwilliger Hingabe gedeihen kann. ES ist daS so ziemlich da» Gegen« i theil der gewöhnlichen ultramontanen Anschauung. Baumstark setzt die j Einordnung des kirchlichen Lebens in die Rechtsnorm des StaateS voraus, die ultramontane Theorie erstrebt für die Kirche angeblich die • Nebeneinanderordnung mit dem Staate, thatsächlich aber die Ueberord- nung über denselben. Baumstark verzichtet auf alle „irdische Bevorzugung" der Kirche, die ganze Tendenz des UltramontaniSmuS dagegen läuft darauf hinaus, ihr die Stellung der gewaltigen Großmacht zu verschaffen. Würde die Baumstark'sche Anschauung vo« der großen Mehrheit der kathol. Bevölkerung angenommen, dann möchte eS freilich ein Leichte» sein, den Frieden auf kirchenpolitischem Gebjete wieder herzustellen. Der Vers. geht sogar so weit, in einem Traumgesicht den Weg zu» Frieden zu zeigen. „Die ZentrumSfraktion", erzählt er, „hatte sich aufgelöst, der deutsche ReiSStag und der preuß. Landtag wurde von Kaiser und König aufgelöst; die Regierung forderte da» Volk auf, bei Neuwahlen nicht mehr vpn religiösen, sondern nur von politischen Gesichtspunkten auSzugehen. Das Volk that so. Alle» Uebrige fand sich. „Die ultramontane Presse wird natürlich barsch genug über Baumstark Herfalle»"; aber sie wird er schwerlich wagen, den glauben»eifrigen Konvertiten, dem seine Gegner niemals eine unlautere Absicht nachgewiesen haben, als „StaatSkatholiken" und Abtrün- ulgen z« exkommuniziren. Unter diesen Umständen kann e» indeß auf dre Dauer nicht fehlen, daß auch andere besonnene Katholiken in immer werteren Kreisen durch die Baumstark'sche Kritik zu ernstem Nachdenken über die Unfehlbarkeit der Zentrumtpositik angerest werden.
— Berlin. Da« Denkmal des König« Friedrich Wilhelm III. wird nun doch nach den nunmehr fest getroffenen Bestimmungen am kommenden 2. September enthüllt werden. Von einer größeren Feier hat man, da da« Denkmal bereit» am 16. Juni 1871 eingeweiht ist, abgesehen; in einfacher, schlichter Form, wie sie der Gesinnung de» |
Heimgegangenen Königs entsprach, soll die Feierlichkeit vor sich geben. Der Kaiser wird mit der königlichen Familie Vormittags 11 Uhr da» enthüllte Denkmal besichtigen und hierbei von einem Kreise besonder» eingeladener Herren umgeben sein.
— Es bestätigt sich, wie unS berichtet wird, daß die Finanzangelegenheiten deS Reiche» in einer Abtheilung deS ReichrkanzleramteS für Finanzsachen bearbeitet werden sollen. Die Einrichtung eines selbst- ständigen Finanzamts, wovon noch hier und da die Rede ist, wird nicht beliebt werden. Der jetzige ReichSkaNfleramtS-Präsident soll besonderen Werth darauf gelegt haben, dies Departement nicht von dem Reichs kavzleramt zu trennen. Was aber einzelne Zeitungen von der SinhdituBQ eines besonderen „ReichSamtS für Handel" unter Leitung des Geb. Raths v. Möller berichten, wird unS von bestunterrichteter Seite als leere Erfindung bezeichnet. <rrib.)
— Nach den vor einigen Monaten ergangenen Vorschriften über die Ausbildung und Prüfung für den StaatSdierst im Bau- und Ma- schinenfach kann in Preußen das akademische Studium aus der Bauakademie in Berlin, auf den polytechnischen Schulen zu Hannover und Nacken zurückgelegt werden. Einer soeben erschienenen Verordnung deS pr. HandelSministerr zufolge sollen künftig die polytechnischen Schulen zu DreSden, München, Stuttgart, Karlsruhe, Tarmstadt, Zürich und Wien den inländischen technischen Hochschulen gleich geachtet und der Uebergang von einer Anstalt auf die andere während des Studiums gestattet werden. Ferner sollen alle deutschen Staatsangehörigen, wie die preuß. zur Prüfung zugelassen werden. Die Vorbildung kann auf allen deutschen Gymnasien erfolgen. Hinsichtlich der deutschen Anstalten, die den preuß. Realschulen erster Ordnung gleich zu achten, bleiben weitere Bestimmungen vorbehalten.
— Die Trierer LdS.-Z. veröffentlicht wieder ein Schreiben eines kathol. Pfarrer», der auf sein bisher bezogenes Staatsgehalt verzichtet. Dasselbe ist von dem Pastor Schu in Salmrohr unterm 24. d. an den Landrath Aldringer in Wittlich gerichtet und lautet im Wesentlichen wie folgt: „Da mehr als die Hälfte meiner Pfarrkinder den Gottesdienst in der Pfarrkirche nicht mehr besucht und auswärts die h. Sakramente empfängt, so beehre ich mich Tw. Hochwohlgeboren ehrfurchtsvoll anzuzeigen, daß ich auf den Fortbezug oe» StaatSgehalteS, um des lieben Friedens wegen in der Pfarrei, so lange verzichte, bis es auch alle AmtSbrüder beziehen, um allen aufwieglerischen und Aergerniß gebenden R-den in der Umgegend ein Ende zu machen. Der hochlöblichen kgl. Regierung statt« ich für das mir geschenkte Zutrauen, daß Hochdieselbe mir da» Staat-gehalt verliehen hat, den innigsten Dank ab, den ich dadurch bethätigen will, daß ich fortfahre, täglich Gott zu bitten für die baldige Herstellung deS lieben FriedenS zwischen Kirche und Staat."
— Das Elsässer Journal, bekanntlich daS Organ der autonomi- schen Partei in Elsaß-Lothringen, beglückwünscht seine Heimath zu dem Ergebniß der vor Kurzem vollzogenen GemeinderathSwahlen, welche, wie schon früher erwähnt, fast ausnahmslos eine sehr beträchtliche Majorität der Wahlberechtigten a» die Urnen gerufen haben. An den Ausdruck seiner Freude über die Niederlage der Abstinenzpolitik knüpft daS Bl^tt die Hoffnung, daß auch die bevorstehenden Reichstagswahlen auf solche Männer fallen, „welche sich verpflichtet haben werden, vor den Abgeordneten von ganz Deutschland den Beweis unserer Männlichkeit, unserer festen und weisen Klugheit, unserer politischen Reife zu führen, die unS befähigt, unsern eigenen Interessen selbst vorzustehen." Wir können nur wünschen, daß sich diese Hoffnung nicht getäuscht sehen möge. In der That wird der AuSfall der ReichStagSwahlen für die Weiterentwicklung der staatsrechtlichen Selbstständigkeit deS ReichSlandeS in den nächsten Jahren voraussichtlich von entscheidender Bedeutung fei». Würde es gelingen, statt der zur Hälfte aus reinen Protestiern, zur Hälfte au» prinzipiell opponirenden Ultramontanen zusammengesetzten Deputation in überwiegender Mehrzahl Männer in den neuen Reichstag zu entsenden, die, gleich den hervorragenderen Mitgliedern deS LandeSauschusseS, rückhaltSloS den Boden der neuen Verhältnisse betreten und von ihm auS die Interessen ihre» Lande» geltend machen,