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Burger zu London die Ermächtigung zur Ausstellung der im §. 41, 1a. und b. deS ersten Theils der deutschen Wehrordnung vom 28. September 1875 bezeichneten Zeugnisse über die Untauglichkeit bezw. bedingte Tauglichkeit derjenigen militärpflichtigen Deutschen ertheilt worden, welche ihren dauernden Aufenthalt in Großbritannien haben.
— Die auS einem Berliner Blatte in andere Zeitungen übergegangene Mittheilung, daß der General-Feldmarschall Graf Moltke den türkischen Ober-Befehlshaber Abdul Kerim Pascha wegen seines Feld- zugsplanes beglückwünscht habe, beruht, wie wir zu erklären ermächtigt sind, lediglich auf Erfindung. M
Was die gleichfalls durch die Tagespressr gemeldete Erkrankung des General-FeldmarschallS betrifft, fo wird uns unterm 29. d. MtS. aus Greiz mitgetheilt, daß derselbe sich bei Leitung der Uebungsreis; des Großen Generalstabes sehr heftig erkältet habe und in Folge dessen seit 2 Tagen das Bett hüten müsse. Derselbe befinde sich jedoch bereits in entschiedener Besserung und gedenke in einigen Tagen die Uebungsreffe fortzuführen, spätestens aber am 5. September er. zur Begleitung Sr. Majestät des Kaisers und Königs bei den großen
Manövern in Leipzig einzutreffen.
(H. L ®t»8tnj.)
— Die Offiziere des Großen GeneralstabeS, welche sich zu den russ. Manövern nach Petersburg begeben hatten, sind zurückgekehrt. Der General-Major Graf v. Wartensleben, Abtheilungs-Chef im Großen Generafftabe, welcher sich an der Spitze dieser Offiziere befand, hat dem Kaiser wiederholt Bortrag über die von ihm gemachten Wahrnehmungen gehalten. Am 28. August haben sich dieselben Offiziere
nach Warschau begeben, um auch den dortigen Manövern beizuwohnen. — Der Präsident heSJ Reichskanzleramtes, Staatsminister Hofmann, wird zum 30. August aus Darmstadt in Berlin erwartet. Zu dieser Zeit siedelt auch seine Familie nach Berlin über. Anfangs September reist Hofmann zum Reichskanzler nach Varzin. Alsbald- nach' seiner Rückkehr von dort wird der Bundesrath sich wieder versammeln, um die Geschäfte seiner bisherigen Session abzuschließen und dann in der neuen Sitzungsperiode vor Allem die Anträge bet Reichstags-Justiz-
kommission in Betreff ^der großen Jastizgesetze in Erörterung zu ziehen. : vorrazendcr Bedeutung belgesteuert hatten. Wunderbar virtuose Thier- Der Reichskanzler wird wahrscheinlich erst gegen Ende Okiober nach stücke haben der aus Biberach gebürtige Anton Braith und H. Zügel
Berlin zurückkehren, um den Reichstag zu eröffnen. Bis zu seiner Abreise von Varzin bleibt dort zu Geschäftserledigungrn auch der Geh. Leqationsrath Bucher. — Im preuß. KultuSministrrium hält man 'die ’ ______„ , , , . . , „
seit Jahr und Tag geplante Idee zur Errichtung einer dramatischen ! Julius Krenlin hier hat eine köstliche Winterlandschaft, Brückenpartie Hochschule fest, und el werden darüber künstlerische Gutachten eingeholt.
Das Projekt einer dramatischen Hochschule von Staatswegen würde im preuß. Abg.-Hause gewiß nur Billigung finden, vorausgesetzt, daß die Regierung es dicht unterläßt, wie es bei Gründung der musikalischen Hochschule gewesen, dem Landtage ein klares Bild von der zukünftigen dramatische» Hochschule zu geben. Die vor längerer Zeit erschienene Broschüre über die Gründung einer dramatische« Hochschule, hat den bekannten Geh. Oberreg.-Rath Hahn zum Verfasser, der sich für die Angelegenheit sehr interessirt. Eine zweite Broschüre ist von dem begabten Mitgliede des k. Schauspielhauses, Herrn Berndal, angeblich in höherem Aufträge geschrieben worden. Beide Autoren geben der Theaterfreiheit die Hauptschuld an dem jetzigen Verfalle des deutschen Theaters. (Pr. »d
— Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt über das Friedensvermitt- lungs-Gesuch der serbischen Regierung: Damit wäre denn die Bedingung erfüllt, von welcher die europäischen Großmächte den Beginn einer diplomatischen Aktion Behufs Wiederherstellung des Friedens und Anbahnung normaler Verhältnisse im Orient abhängig machten, und es steht zu erwarten, daß die Kabinette dem Wunsch des Fürsten Milan unverzüglich Rechnung tragen und Hand an ein Reformwerk legen werden, bei dessen Gelingen alTe zivilffirten Völker Europa's gleichmäßig interessirt sind. Nach allen von autorisirter Seite in die Oeffentlichkeit gelangten Andeutungen dürfte der Wunsch des Fürsten Milan, den Status quo ante bellum zur Basis der Friedensverhandlungen zu machen, kaum unbillig befunden werden, denn eine Demüthigung Serbiens, wie man sie türkischerseits anstrebt, müßte den Racenhaß zwi
schen Slaven und Muselmännern zu einer Höhe steigern, welche die Wiederkehr normaler Zustände geradezu unmöglich machte und die stündliche Besorgniß vor dem Ausbruch neuer Konflikte wie ein Damoklesschwert über Europa aufhängte. Eine Dämpfung des in Konstantinopel herrschenden Chauvinismus erscheint mithin unumgänglich
nothwendig, wenn überhaupt die Aktion der europäischen Diplomatie" der Beifall des Publikums so enthusiastisch, daß Richard Wagner vom
einen gedeihlichen Anfang und Fortgang nehmen soll. Gewisse Illusionen der ottomanischen Staatsmänner dürften dabei freilich arg in'S G-dränge kommen, namentlich wenn es wahr ist, daß letztere, wie die Wiener „Presst" missen will, „sich nebenbei den Fürsten Bismarck in Mem zum Muster nehmen, was nicht für sie paßt" und wenn die Worte ^treffen, welche ein hochgestellter Türke gegenüber dem Korre- Iponbünten der „Augsb. Allg. Ztg." geäußert haben soll: „BiSmarck '.T ö'^ 3"t des deutsch-französischen Krieges: Wir haben die Arbeit Nr^ ^^' ^ werden auch allein die Rechnung auffchreiben. Dieses Wort haben mir uns gemerkt." Vielleicht hat sich Der zitatkundige
O-mane auch den alten römisch-n Spruch gemerkt: Duo si faciunt idem, non est idem. Europa wenigstens hat seinerseits nur zu klar und deutlich den Unterschied kennen gelernt, der zwischen christlicher und muselmännischer Kriegführung besteht, als daß es nicht darauf dringen sollte, wenigstens bei dem Pazifikationswerke seinen Einfluß in gebührender Weise zur Geltung zu bringen. ES kann von diesem Verlangen um so weniger abzehen, als bereits früher eingegangene moralische Verpflichtungen existiren, welche durch den inzwischen zum Ausbruch gelangten serbisch-türkischen Konflikt, dessen Charakter doch immerhin ein episodischer bleibt, nichts von ihrer Konkludenz eingebüßt habe«. Speziell sind für die orientalische Politik der drei Kaisermächte nach wie vor die Stipulationen des Berliner Memorandums maßgebend.
— Inmitten der allgemeinen Klagen über das Darniederliegen von Handel und Verkehr ist eS doppelt geboten, auch die Ausnahmen, wo sich solche zeigen, hervorzuheben. Aus diesem Grunde ist es von Interesse auS dem Jahresberichte der Duisburger Handelskammer pro 1875 zu constatiren, daß der Steinkohlenverkehr im dortigen Rhein-Ruhr- Hafen im genannten Jahre nicht allein nicht zurückgegangen, sondern von der Mitte des Jahres ab sogar erheblich gestiegen ist — eine Steigerung, welche noch bedeutend größer gewesen sein würde, wenn nicht zu Anfang des Winters die WasserstandSverhältnisse ganz ausnahmsweise hindernd in den Weg getreten wären. Eine gleiche, zum Theil sogar noch weit stärkere Zunahme weisen die beiden Nachbarhäfen auf; während die Steigerung des Steinkohlenversands aus dem Duisburger Ha
fen gegen das Jahr 1874 1,328,218 Centner, und aus dem Hochfelder Hafen 1,466 253 Centner betrug. erreichte sie in dem Ruhrorter Hafen die enorme Ziffer von 6,246,337 Centnern.
— München, 28. August. Die gestern eröffnete Woche hat in der seit einem Vierteljahre so ziemlich im Interesse gesunkenen per» manenten Ausstellufiz des Münchener KunstvereineS wieder ein frisches Leben zum Vorschein gebrächt. Das Verdienst gebührt meist einer Anzahl von neu eingelieferten Werken von württembergifchen und schwäbischen Künstlern, welche auch schon in der Vorwoche Einiges von her-
(auch ein Württemberger), dann Karl Rhode (ebenso) geliefert. Sehr gut gearbeitet ist auch der „Wanderfalke" Josef Schmitzberger's hier, wekchr Feldhühner ecschrrckr vor sich her jagt.' Mk"WSrtlMKtM
in Solingen (mit der kleinen Kapelle unweit deS Maill-platzeS mit Heinrich Pfaff's Büstendsnkmal) im dicksten Schneegewande gesendet, ein'anderer Württemberger endlich Franz Häußler Württembergische Infanteristen auf Vorposten vor Mont Mcsiy bei PariS, am Abend des 30. Nov. 1870 vorgeführt. Ein Fischermädchen von H. Canon (früher eine Reihe von Jahren in Stuttgart) entzückt durch flotteste,
feinste Mache.
— Augsburg. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag hat sich in einem hiesigen Gasthofe ein 17jährigeS Mädchen, das längere Zeit in einem Weißwaarengeschäft dahier als Ladnerin servirte, mit einem Revolver erschossen.
— AuS der bayerischen Rheinpfalz den 26. August. Viel Aufsehen hat ein jüngst in Neustadt vorgekommener Fall gemacht: es war ein allgemein sehr geachteter, religiöser und den Arme« stets hülsreicher Altkathottk gestorben. Der kathol. Stadtpfarrer verweigerte bei der Beerdigung, die durch einen altkaihol. Geistlichen vor- genommen wurde, das Grabgeläute. Auf telegraphische Anfrage beim Ministerium in München kam von dort telegraphisch die Weisung, eS sei das Geläute zu gewähren, nötigenfalls zu erzwingen. Aber der Pfarrer hielt die Kirchenthüre verschlossen, so daß der Bürgermeister sie durch einen Schlosser mußte öffnen lassen. Als man auf den Läutboden kam, fand es sich, daß die Klöppel aus den Glocken ausgehängt und die zu ihrer Befestigung dienenden Schrauben und Bolzen entfernt waren. Mit Lederriemen wurden die Klöppel, so gut eS ging, wieder an den Glocken befestigt und dann das Geläute gegeben. In Neustadt war die Entrüstung über das Benehmen des Pfarrers unter Katholiken
wie Protestanten groß. c^q». »er«
— Bayreuth, 28. August. Der heutigen Vorstellung der Walküre wohnte nach der „A. Z." der König, wie der des Rheingold, mit dem Flügeladjutanten Frhrn. v. Stauffenberg und Richard Wagner in der Hofloge der. Die Aufführung des Werkes war eine glänzmde,
König dazu aufgefordert, sich von der Loge auS dankend verneigte. Besondere Ovation der Bürgerschaft hat der König dankend abgelehnt; bei Ankunft und Abfahrt ward Se. Majestät mit Hochrufen begrüßt.
— Greiz, 28. August. Feldmarschall Graf Moltke und der große Generalstab befinden sich als Gäste seit gestern in unsern Mauern. Wie der General-Anzeiger unttheilt, kam der Marschall, welcher Lengenfeld gestern schon leidend und deßhalb zu Wagen verlassen hatte, bedauerllchrr Weise so unwohl hier an, daß er sich sofort in das Bett begeben mußte, befindet sich aber im fürstlichen Residenz- Schlosse in bester Pflege und heute Morgen ganz erheblich besser.