Einzelbild herunterladen
 
  

1035

Pest, 29. August. Fünfzig russische Freiwillige, welche auf der Durchreis« nach S-rbi-n hier angehalten wurden, dürfen sich frei einlogiren, aber die Stadt nicht eher verlassen. als bis hierüber die Entscheidung von dem Minister erfolgt ist, welche heute erwartet wird.

Aus Bad Taste in vom 25. d. M. wird gemeldet: Seit heute früh ist hier ununterbrochener dichter Schneefall. Der Schnee liegt schuhhoch in den Straßen, zahlreiche Bäume sind unter der Schnee­last gebrochen. Der Schneefall dauert fort.

Aus St. Petersburg meldet man unter dem 25. August: Die Rede, mit welcher sich Kaiser Alexander im Uebungslager bei sei­ner Abreise verabschiedete, trug einen eminent friedlichen Charakter. Kaiser Alexander vermied sogar die sonst übliche Redewendung, daß er eventuellauf sein getreues Heer zähle." Er schloß mit den Worten: Ich will den Frieden ernstlich bewahren."

Parir, 27. August. Ein Dekret im heutigen Amtsblatt verfügt eine Volkszählung vor Ablauf des Jahres 1876. Der Brief, worin jüngst der Senator Laoergne sich über den ungenügenden Zu­wachs der französischen Bevölkerung beklagt, hat die Runde durch alle Zeitungen gemacht und zahlreiche Kommentare veranlaßt. Tr ist auch im Publikum eifrig besprochen wordm und von allen Seiten verlangt man eineEnquete". Die Enquete ist bekanntlich hierzulande das Uni­versalmittel für alle öffentlichen Schäden. Vielleicht wird man eine offizielle Untersuchung veranstalten, und wenn sie vollendet ist, wird Niemand sich mehr um die Sache kümmern. Das von Lavergne be­hauptete Uebel beruht überdies auf Gründen, gegen welche offizielle Maßregeln schwerlich etwas ausrichten würden.

Auf dem katholischen Congreß zu Bordeaux ist eine Re­solution des Jesuiten-Paters Marqrigny angenommen worden, die folgende Stelle enthält:Die in Bordeaux versammelten Direktoren katholischer Arbeiter-Stiftungen erklären sich einmüthig überzeugt, daß der übernatürliche Einfluß des christlichen Prinzips allein das Wohl­ergehen in die Werkstätten zurückzuführen vermag, und daß der gesell­schaftliche Friede niemals fest begründet sein wird, wenn Der Glaube, die Gerechtigkeit und die Liebe der Kirche nicht das ganze Verhalten der Meister und Gesellen regelt" u. s. w. Mgr. Se zur, die Seele des Untern-hmenS, sah sich zu d m Geständnis ^gezwungen, daß dir Kassen des Vereins bedenklich leer sind, und daß er niht fortbestehen könnte, wenn nicht mit weltlichen Gütern gesegnete Gönner sich seiner an- nähmen.

Wie der Allgemeinen Zeitung aus PariS geschrieben wird, ist die Betheiligung Deutschlands an der nächsten Pariser Weltausstellung «och in keiner Weise offiziell seitens der deutschen Reichsregierung ent­schieden worden. Man zeigt, vielleicht in Rücksicht auf Philadelphia, dem Unternehmen bis heut eine wohlwollende Zurückhaltung. Die Nachricht einiger Blätter, daß der Prinz FrndriÄ Karl das Präsidium der deutschen Ausstellung übernommen Hase, ist sonach mindestens ver­früht. crrw.)

Madrid, 28. August. Der amtlichenGaceta" zufolge hat die Regierung mit verschiedenen spanischen Bankhäusern eine Konvention abgeschlossen, durch welche sich die Letzteren verpflichten, der Regierung ein Kapital von 1525 Millionen Piaster zur Bestreitung der Kosten deS kubanischen Krieges vorzuschießen. Dasselbe soll in 10 Jahren amorlisirt, mit 10 Prozent verzinst und durch die Zollerträznisse CubaS garantirt werden.

Hobart Pascha, bekanntlich ein geborener Engländer, der Be­fehlshaber der türkischen Flotte, erhebt in einem Briefe an die Pall Mall Gazette Einspruch dagegen, daß man die Gräuelthaten in der Türkei, welche bei e nem Bürgerkriege leider unvermeidlich seien, nach einem anderen Maß: messen und behandeln wolle, als die Thaten der Russen in Polen, der Engländer in Indien und aller Parteien in Spanien.

AuS China geht die wichtige Mittheilung ein, daß die Eisen­bahn von Shanghai nach Woosung auf der etwa sieben englische Mei- len langen Strecke von Shanghai nach Kangwau am 30. Juni eröffnet worden ist.

Bom Kriegsschauplätze

DiePresse" vom 28. schreibt: Nach mehrfach übereinstimmen­den Nachrichten hat Oberst HorvatooicS wirklich die Bereinigung mit dem serbischen GroS von Alixinatz durchgeführt. Von Tresibaba auf- brechend, schlug er über Dervend bis zum Kloster Soeti Arandjsl den­selben Weg ein, den Achmed Ejub Pascha mit seinem vielfach gerühm­ten Flankenmarsche theilweise verfolgte. HorvatooicS traf am 25. Au­gust im Rücken Ejub Paschas an, und ihm ist es gewiß zum großen Theil zu verdanken, daß TagS darauf die Serben ihre Offensive gegen Katun und Dobrujewatz auSdehnen konnten. Wenn aus N sich vom 24. August telegraphirt wird, daß Ejub Pascha eine Redoute irgendwo bei Alexinatz genommen habe, so fällt dieser übrigens nicht sehr genau prä- M"e Erfolg gegen den am nächsten Tage eingeleiteten Rückzug SjubS nicht sehr inS Gewicht. Die Niederlage bei türkischen Corps am rech­te» Ufer scheint nunmehr eine wirklich glaubwürdige Thatsache.

Belgrad, 28 August. Man versichert, die Türken seien am Montag über den Fluß Topolnica gegen Nisch zurückgegangen. Offi­ziell ist hierüber noch nichts gemeldet. Die Hoffnung auf Frieden hat sich vermindert.

Aus R ag'u s a vom 28. August wird gemeldet: Die Türken haben 13 in der Nähe von Popovopolje gelegene Ortschaften niederge­brannt. («- « ®t.«n»

Lokales vou hier «ud Umgegend, sowie Provinzielle»

Hans«, 30. August 1876.

Eingesandt.

Wenn die Redaktion der^Hanauer Zütung" mit Stadtneuigkeiten aufwarten will, so möchten wir derselben rathen, sich durch wahrheits­getreue Berichterstattungen rappoctiren zu lassen. Dieselbe brächte neu­lich die Mittheilung von einer blutigen Schlägerei in der hiesigen Ju­dengasse und gestern von einer Plünderungsgeschichte in derselben Straße. Die Schlägerei fand vor dem Eingang zur Sanbelmühle und letztere Räubergeschichte reduzirt sich auf daS Einbringen einer jüdischen Schnor­rer-Gesellschaft.

Darum, verehrter Herr Redakteur, sich vorher erkundigen, eh? solche Rinaldo-Rinaldini-Romane in die OÖffentlichkeit geschleudert werden und unserer Stadt nicht alles auftischen. M.

Gestern waren Se. Kgl. Hoheit der Herr Landgraf von Hesse» in unserer Stadt anwesend und verweilten auch , längere Zeit in der Leisler'jchen Teppichfabrik.

Eingesandt.

Am Sedantage ist für das Volksfest in Wilhelmsbad die Kapelle des 11. zerbataillons aus Marburg engagirt und wird es mit Freude begrüßt werden, diese ganz ausgezeichnete Kapelle für Blech, musik auch hier einmal hören zu sehnen.1.

In einem Hause der Gärtnergasse biß vorgestern ein Hund dem Kinde seines Herrn das Ogc vollständig ab.

Gestern Morgen mußte eine Anzahl polnischer Schnorrer, die in der Judengasse sich unartig betrugen, hinter Schloß und Riegel ver­bracht werden.

BersteigerungS- und Verpachtung»-Kalender für Donnerstag den 31. August.

Vormittags 9 Uhr werden in der Weiß'schen Wirthschaft zu Mittelbuchen zwei domänensiskalischs Grundstück? der Gemarkung Mit- telbuchen und Vormittags 11 Uhr in der Traudt'schen Wirthschaft zu Wachenbuchen zwei solcher Grundstücke in der Gemarkung Wachenbuchen öffentlich meistbietend verkauft (f. Nr. 193Han. Anz."). Termin zur Vergebung der Arbeiten und Lieferungen (ausschließlich des Bau­holzes) zur Herstellung einer Einsteigehalle auf der Haltestelle Oberrad findet Vorm. 11 Uhr im Bureau des Königl. Eisenbahn-BauinspektorS Schmidt zu Frankfurt a. M. (Mühlbruchstraße Nr. 18) statt und sind diesbezügliche Offerten vor dem Termin an Genannten einzureichen (s. Nr. 196Han. Anz.").

Für heute.Centralhalle": Abends von 8 Uhr ab: Mi« litair-Concert, ausgeführt von der Kapelle des 3. Bat. Hess. Füs.-Reg. Nr. 80, aus Homburg.

Eingesandt.

Untere Nachbargemeinde Hochstadt bereitet sich für nächsten Sonn­tag den 3. September zu einem Fahnenweihefest vor, das, wenn die Witterung einigermaßen günstig, sich einer außerordentlichen Besuchs erfreuen wird. Bis jetzt haben schon 21 Gesangvereine, darunter 5 von Frankfurt, ihre Theilnahme am Feste zugesagt und stehen, da Hochstadt ohnedies ein gern besuchter Ort ist, außerdem viele auswärtige Gäste zu erwarten.

Der ordentliche Professor in der philosophischen Facultät der Akademie zu Münster, Dr. Hermann Suchier, früher in Marburg, ist in gleicher Eigenschaft an die Universität zu Halle versetzt worden.

Fulda, 29. August. Einem sehr fühlbaren Mangel, nament­lich für Fremde, welche Fulda besuchen, hat der Standesbeamte Herr Jäckel dadurch abgeholfen, daß er sich der mühevoll?» Arbeit unterzog und ein Adreßbuch für Fulda zusammenstellte. Dasselbe wird Anfang October im Verlage von Carl Köppel erscheinen uno außer dem alpha­betischen Register der Einwohner Fulda's, auch dieselben den Straßen nach aufführen, ein Verzeichniß der Behörden und einen kurzen Weg­weiser für die Rhön bringen, sodann auch dem Publikum einen Tgeil für Geschäftsannoncen einräumen. (H-N- etob.)

DerFrankfurter.Anzeiger" schreibt unterm 29. August aul Frankfurt am Main: Gestern Abend gerieth der Werkführer der Haus'- schen Fabrik in Offenbach in die Maschine und wurde dadurch sofort gelöster. Verflossene Woche gelangten dahier 46 Wechsel zum Pro­test, davon waren 16 hier domizilirt. Von den auf Hiesige gezogenen Tratten waren mehrere angeblich gefälscht. Wie beliebt und gesucht der Aufenthalt in unserem schönen Palmengarten ist, zeigt wohl am besten der Verkauf der Eintrittskarten. In den ersten 8 Monaten b. I. wurden 101,000 solcher Karten, die zum einmaligen Eintritt be-