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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial Lorrespondenz.
N 197
Donnerstag den 24. August
Garmvndzeiic- od» deren Raum
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DieSspaItig-Ael>« SO Pfg.
1876
NeLsMtMSchtMge« Kömgl. LatckrathkaMS da-ier.
Auf Ansuchen des Müs-AmteK Sr. Königlichen Hoheit des Landgrafen von H ssen wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß für die Verwaltung und den Schutz der Landgräflichen Forsten und Jagden im Kriise Hanau die nachbenannten Beamten:
1) der Fa anenmeister Link zu Fasanerie bei Hanau,
2) der Hegeaufseher Kastenbein daselbst,
3) der Fasanenwärter Maisch daselbst,
4) der Jagdaufseher Müller zu Wachenbuchen,
5) der Jagdaufseher Weber zu Bmchköbel
angestellt und auf die Wahrhaftigkeit ihrer Anzeigen beeidigt sind. Hanau am 21. August 1876.
T K S ? ch's K
— In ihrem letzten Wahlartikel schreibt die Nationalliberale Correspondenz über die angebliche Candidatennoth im liberalen Lager: „Daß unter den Männern, die zum großen Theil das ganze letzte Jahrzehnt hindurch die Dopp-llast eines preußischen und eines ReichsmaudatZ getragen haben, nach den langen und arbeitsvollen Sessionen namentlich der jüngsten Legislaturperiode der Ein« oder der Andere das unabweisbare Bedürfniß der Ruhe oder doch einer Erleichterung empfindet und sich deshalb entweder ganz oder wenigstens aus einer der parlamentarischen Körperschaften zurückzuziehen wünscht, liegt m der Natur der Sache; das ist aber eine nach jeder Legislaturperiode sich wiederholende Erscheinung, und es ist gar nicht zu bezweifeln, daß der erforderliche Ersatz gefunden werden wird. Wenn an Bewerbe-n um ein Mandat zu Volksvertretung sich etwa ein geringerer Ueberfluß als in früheren Zeiten Herausstellen sollte, so wäre das eben nicht zu verwundern; von der für die Wahrnehmung der öffentlichen Interessen disponiblen Kraft wird eben ein weit größerer Theil, als früher, durch die neuen SelbstmrValtungseinrichtmigen in Anspruch genommen. Aber daß ein wirklicher Candidaten m a n g e l eintreten, ja daß derselbe, wie hier und da ausgesprochen ist, so weit gehen sollte, daß bloß um dieses Grundes willen die liberale Partei den einen oder andern Parlamentssitz verlieren würde, ist sicherlich eine ganz g-undlose Sorge. Nothwendig aber wird es sein, daß die bisherigen Abgeordneten sich jetzt über die Frage einer etwaigen Wiederannahme des Mandats endgültig entscheiden. Wie wir hören, soll gerade in dieser Beziehung vielfach noch Unklarheit obwalten, während die Beseitigung derselben doch geradezu die Vorbedingung einer energischen Wahlagitation ist." (Trib.)
— Prof. Reuleaux wird in nächster Zeit in Berlin zurückerwartet und wird zunächst dem Rnchskanzleramte einen umfangreichen Bericht über seine Wahrnehmungen in Philadelphia erstatten. Wie man hört, wird das Reichskanzleramt mit einer Veröffentlichung und Beleuchtung des Rmleaux'jchen Urtheils Vorgehen.
— In einem Jnjurienprozesse hatte der verklagte Beleidiger vor dem anbiraumien mündlichen Verhandlungstermine eine von einem Winkelkonsulenten angefertigte, von ihm selbst unterschriebene und von einem Rechtsanwalt mittelst Unterschrift legalisirte Klagebeantwortung eingereicht und in dem Verhandlungstermine unter Bezugnahme auf den Inhalt derselben jede weitere Auslassung verweigert. Trotzdem nun nach §. 3 der Veroronung vom 21. Juli 1846 über das Verfahren in Cwilprozessen der Verklagte befugt ist, statt in dem zur Klagebeantwortung anberaumten Termine zu erscheinen, schon vor oder in dem Termine eine schriftliche Klagebeantwortung einzureichen, welche jedoch von einem Rechtsanwalt unterzeichnet sein muß, so ließ doch der erste Richter den Inhalt der Klagebeantwortung unberücksichtigt, weil dieselbe von einem Winkelkonsulenten angefertigt war, und erkannte gegen den Verklagten auf Strafe. Das zuständige Appellationsgericht erachtete jedoch den Umstand, daß die Klageb-antwortung von einem Winkelkonsulenten angefertigt worden, für nicht geeignet, dieselbe unberücksichtigt zu lassen und wies die Sache in die erste Instanz zur Verhandlung und Entscheidung zurück. Diesem Urtheil schloß sich auch das Ober- Tribunal durch Erkenntniß vom 20. April er. an.
— Frankfurt a. M., 20. August. Der Versuch ihr Abschaffung des Nachmittagsunterrichts ist nach der „N. Frkf. Pr." während
des Sommerhalbjahrs im hiesigen Gymnasium gemacht und hat den Freunden der Neuerung eine glänzende Rechtfertigung zu Theil werden lassen. Lehrer wie Schüler sind darin einig, daß bei dem konzentrirten Vormittagsunterricht bei geringerer Anstrengung mehr geleistet worden sei, als je zuvor, solange der Nachmittagsunterricht ex stirte. Von Uebermüdung ist nichts zu fvüren gewesen; im Gegentheil der Vormittagsunterricht hatte den günstigsten Einfluß auf die Frische und Elastizität der Schüler. Auch die Eltern der Eymnasiasten, von denen ein beträchtlicher Theil durch die künstlich genährte Agitation gegen den konzentrirten Vormittagsunterricht eingenommen war, sind jetzt in ihrer großen Mehrzahl der Neuerung zugeneigt, nachdem sie sich überzeugt haben, daß dieselbe auch nicht eine Spur von dm Kalamitäten im G:- folge hat, welche die Gegner voraussagten. Das Schulkuratorium hat kürzlich die Eltern um ihre Ansicht gefragt und es haben sich von 294 Eltern 259 für die Beibehaltung des konzentrirten Vormittagsunterrichts für das nächste Sommerhalbjahr ausgesprochen, nur 39 erklärten sich dagegen. Was den Winter an betrifft, so wünschen 104 Eltern eine Konzentrirung auf die Stunden von 8—2 Uhr, während 161 Eltern ihn aus die Zeit von 8—1 Uhr vereinigen und die wenigen über- schießenden Stunden auf zwei Nachmittage vertheilen wollen, während die vier übrigen Nachmittage freibleiben; nur 30 Eltern erklärten sich für Wiedereinführung des früheren Nachmittagsunterrichts.
— Gotha, 22. August. Auf dem Kongresse der deutschen Sozialdemokraten sind etwa 400 Orte durch 100 Delegirte vertreten. Gestern begannen die eigentlichen Verhandlungen. Der Berichterstatter Auer konsiatirte bei Besprechung der Reichstagswahlen, daß dre Partei für die nächsten Wahlen vorläufig 36 Wahlkreise in Aussicht genommen habe.
— Bayreuth, 22. August. Gestern sind vom kgl. Hofstabe in München neuerdings verschiedene für die k. Hofhaltung bestimmte Wagen und Fourzons hierhergekommen, was mir Bestimmtheit darauf schließen läßt, daß Se. Majestät der König zur dritten Aufführung des Frstspiels nochmals hierher kommen wird.
— Zweibrücken. Um den Wanderlagern, Wanderauktionen rc. die Nahrung abzuschneiden, haben vorigen Sonntag viele hiesige Kaufleute und Gewerbetreibende eine Besprechung gepflogen und sind zu dem Beschluß gekommen, die hiesigen Wirthe und Gastgeber zu ersuchen, ihre Lokale zu Wander-Nuktionen u. dzl. nicht mehr he»zugeüen. Alle Gastgeber, welche hierzu geeignete Räumlichkeiten besitzen, haben diesem Wunsche bereitwillig entsprochen.
— Da auch in Frankreich der Wein mehr und mehr mittels Fuchsins gefärbt wird, wurden die Pariser Mauthwächter beauftragt, aus jedem Faß Wein, das die Schranken passirt, eine Probe zu entnehmen. Jede Weinprobe wird chemisch untersucht, und die Fälscher werden strafrechtlich verfolgt. ' Der Seine-Präfekt wird sich ungemein populär machen, wenn er für die strengste Anwendung dieser Maßregel Sorge trägt.
— Paris, 21. August. Wie Opinion wissen will, hat die Kommission für die Wiederaufbauung der Tuilerien folgenden Beschluß gefaßt: Die sämmtlichen gegenwärtig bestehenden Ruinen vor Eröffnung der Weltausstellung bei Seite zu schaffen; in der ganzen Länge des früheren QuergebäudeS einen Neubau aufzuführen und ein neues Museum dar» ein zurichten. Das Bodengeschoß dieses neuen Gebäudes würde zu einer unermeßlichen gedeckten Gallerie gemacht, worin man spazieren gehen könnte.
— Rom, 23. August. Es bestätigt sich, daß die im Orient befindliche italienische Flotte den Befehl zur Rückkehr erhielt; im Orient verbleiben nur einige Stationsfchiffe.
— Madrid, 23. August. Marfori ist wegen eines in verletzender Form abgefaßten, an die Minister gerichteten Schreibens vor die ordentlichen Gerichte gestellt worden.
Vom Kriegsschauplatze
Belgrad, 21. August. Von der Regierung wird das Folgende veröffentlicht: Die offizielle» Telegramme aus Konstantinopel vom 20. b. M. sind unrichtig. Der Uebergang der Türken über die Morawa fand in Mramor, d-muach auf türkischem Gebiete statt. Die türkische Armee, welche am ersten Tage vollständig zurück^schlagen worden war,