Einzelbild herunterladen
 

aSsnnementS- Preis;

jährlich 9 Mark Halbj. 4 M. 50 P.

Vierteljährlich 3 Mark 25 Pfg. Für auswärtige Abonnenten mit dem betreffen» ben Poftauflchlag. Die einzelne Num­mer 10 Psg.

Hanaiier Änjcigcr.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

AnsertionS- Preis:

Die Ispaltige

Barnwndzeile ob.

deren Raum

10 Psg.

Die SsPalt. geilt

20 Psg.

Die SspaltigeZeile 80 $fg.

M 194

Montag den 21. August.

1876. -

BekauntWachungen Königl. LandrathsamLs dahier.

Sämmtliche Ortsvorstände werden veranlaßt das Publikum auf die Gefahr aufmerksam zu machen, welche bei der anhaltenden Dürre durch ein unsorgsames Umgehen mit zündenden und leicht feuerfangenden Gegenständen droht. Die Ortsvorstände wollen gefälligst überall per­sönlich einwirken.

Hanau am 21. August 1876.

T K H L I s ch K K.

Berlin, 16. Ar gust. Die Stadt Straßburg wird bekannt­lich seit 3 Jahren von einem kommissarischen Bürgermeister verwaltet. In welchem Geiste dies geschieht, dafür liegt uns soeben im Elsässer Journ., dem Organ der sog. elsästischen Partei, ein erfreuliches Zeugniß vor. Eine der bedeutendsten Schöpfungen der kommissarischen Verwal­tung ist die städtische Realschule, welche es in der kurzen Zeit ihres Bestehens bereits zu einer außerordentlich großen Schülerzahl, und zwar hauptsächlich aus Altelsäßern zusammengesetzt, gebracht hat. Das Elf. J. bespricht nun die vor einigen Tagen stattgehabte Schlußprüfung die- s ser Schule und ist voll Lobes über die erzielten Leistungen wie überi die ganze Organisation der Anstalt und den Geist, in welchcm dieselbe geleitet wird. Freilich macht das Blatt kein Hehl daraus, was ihm an dieser Schule gefällt, nämlich der Umstand, daß das Deutsche und das Französische auf vollkommen gleichem Fuße behandelt werden, und ' es beeilt sich, aus der Thatsache, daß bei den Deklamationen beide Sprachen gleich vortrefflich gesprochen wurden, einen sehr weittragenden Schluß zu ziehen. Bekanntlich ist eine Hauptforderung der Elsaß- lothringer die Wiedereinführung des Unterrichts im Französischen in der Volksschule. Die deutsche V-rwaltung hat dieser Forderuna hmMsäch, lich den pädagogischen Grund entgegengestellt, daß eine befriedigende ' Erlernung zweier Sprachen im Rahmen der Volksschule überhaupt nicht ! zu erreichen sei, jedenfalls aber der Gesammtzweck des Unterrichts da­durch geschädigt werden würde. Wenn das Elf. I. nunmehr diese Streitfrage durch die in der Straßburger Realschule gemachte Erfahrung i zu Gunsten der Ansicht seiner Landleute entschieden g'aubt, so geht es . darin offenbar viel zu weit; denn was möglich und zweckmäßig ist für I den Lehrplan der Realschule, braucht deshalb noch durchaus nicht mög« ; lich und zweckmäßig auch für den Lehrplan der Volksschule zu sein. ! Aber darum wollen wir uns doch die von dem unabhängigen Straß­burger Blatte der gedachten Anstalt gezollte Anerkennung nicht entgehen ; lassen. Wenn die Herren Simonis und Winterer von der Tribüne des ' Reichstags wieder einmal von der unerhörten Mißhandlung des Schul­wesens m Etsaßlothringen deklamiren werden, wird es nicht uninteressant sein, sie mit diesem Artikel des Els. I. zu erfreuen. (se*. sum.;

Berlin, 17. August. Die Schließung des Mainzer Katho­likenvereins, und zwar in dem gesammten Geltungsbe- eiche des Vereins­gesetzes vom 11. März 1850, war durch Einlegung der Nichtigkeitsbe­schwerde gegen das Urtheil des Appellhofes zu Münster bekämpft wor­den. Nachdem diese Nichtigkeitsbeschwerde zurückgewiesen und das Er­kenntniß rechtskräftig geworden, haben die Regierungsbehörden durch ihre Organe eine Bekanntmachung erlassen, worin es heißt:Seit Ein­tritt der Rechtskraft des Erkenntnisses ist jede fernere Vereinsthätigkeit des gedachten Vereins in dem ganzen Geltungsbereiche des Vereinsge­setzes unstatthaft und nach Maßgabe dieses Gesetzes strafbar, und ist insbesondere Jeder, der sich ferner an dem Verein als Mitglied bethei- ligt, oder sich künftig als Mitglied aufnehmen läßt, den im Vereinsge­setz hiefür angedrohten Strafen verfallen." Die Polizeibehörden sind angewiesen worden, jedem Versuche einer ferneren Entfaltung einer Ver- emsthätigkeit Seitens des gedachten Vereins unter Hinweisung auf das gedachte Erkenntniß nach Maßgabe der Bestimmungen des Vereinsze- entgegenzutreten, und insbesondere gegen diejenigen, die sich ferner als Mrtglreder an demselben betheiligen oder demselben künftig beitreten sollten, ungesäumt die gerichtliche Bestrafung zu veranlassen.

Kultusminister Falk hat sich in einem Schreiben an Justiz- rath Gutzloe in Essen ganz bestimmt für die Wiederannahme eines Mandats zum Preuß. Abg.. Haus für den Kreis Duisburg rc. erklärt. Was betreffende Schreiben lautet: Berlin, 13. Aug. 1876. Heute früh »on meiner Erholungsreise zurückgekehrt, finde ich die gefällige Anfrage

i des verehrten Wahlkomites vom 8. d. M. vor. Ich erlaube mir, ganz ' ergebenst zu erwidern, daß, falls die Wählerschaft des Kreises Duis­burg-Essen mich durch eine Wiederwahl zum Landtage von Neuem ehren sollte, ich diese Wahl mit aufrichtigem Danke annehmen würde. Ganz ergebenst Falk.

Die Verhandlungen zwischen den einzelnen Bundesregierungen über die Stellung des Bundesrathes gegenüber den letzt n Beschlüssen der Reichs-Justiz-Commission sind, wie wir hören, in vollem Gange und i versprechen, nach Allem, was bisher über sie verlautet, einen günstigen i Abschluß. Nach wie vor bildet die Strafproceßordnung den Gegen­stand der lebhaftesten Erörterungen, während man über Civilproceß und Gerichtsorganisation einig ist und die Corcursordnung ganz nach den Beschlüssen der Kommission annehmen will. Auch darüber besteht Ein- verständniß unter den Regierungen, daß die Einführung der Gesetze so viel wie möglich zu beschleunigen sei. Es sind deshalb Vorkehrungen getroffen, um durch die Justizministerien der Einzelstaaten die Einfüh- luugsgesetz- schon jetzt vorbereiten zu lassen.

Essen. Den hiesigen Altkatholiken ist durch den Oberpräst- dentln die Benützung der kath. Johanniskirche eingeräumt worden.

Breslau, 8. August. Gegen die vom Oberpräsidenten den Alikatholiken bereits zuerkannte Mitbenutzung der St. Corpus-Christi« kirche hat der betr. Kirchenvorstand beim Kultusminister Rekurs einge­legt. Der dieses Jahr hier statifindende Corigreß der Altkatholiken wird am 22., 23. und 24. September tagen, und sind die Einladungen hierzu an alle Gemeinden und Vereine Deutschlands ergangen.

Bayreuth, 18. August. DieGötterdämmerung" wurde gestern mit großem Erfolg aufgeführt. Dauer der Musik 4 Stunden 10 Minuten. Höhepunkte find das Vorspiel auf dem Walkürenfelse», im zweiten Akt die prachtvollen Männerchöre und die große Scene Brünhilde's, der ganze letzte Akt mit der Scene der Rheintöcht-r, Sieg- fried's Tod und Brünhilden's Ende. Nur das Schlußtableau gelang scenisch nicht gut. Frau Matern« als Brünhilde war unübertrefflich, Unger als Siegfried meisterhaft, Sichr als Hagen, Gura als Günther sehr gut. Wagner wurde stürmisch gerufen, sprach kurze Worte des Dankes und schloß:Sie haben gesehen, was wir leisten können. Es wird von Ihnen abhängen, ob wir fortan eine deutsche Kunst haben werden."

Wien, 19. August. Nach angeblich ganz verläßlichen Mel­dungen verspricht, nach derAllg. Ztg.", die englische FriedenSaktion, der sich Frankreich und Italien sofort angeschlossen haben und welcher auch die Unterstützung des Drei-Kaiser-Bundes nicht fehlen werde, un­mittelbare Resultate. Ristitsch, so heißt es weiter, mache einem neuen Kabinet Platz, und dieses werde die Vermittelung der Großmächte au» rufen, sobald Fürst Milan vertraulich verständigt worden sei, daß dieser Anrufung Folge gegeben werde. Die Skupschina wird auf den 28. August einberufen.

Rom, 17. August. Der Papst hat, nach denJtal. Nachr.", in Texas (in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika) eine neue apostolische Präfektur gegründet und sie der Sorgfalt der Benediktiner anvertraut. Es wird demnächst ein Konsistorium im Vatikan statt» finden, worin der Papst eine Encyktika über die Kirche und ihre Ver­folgungen in der Gegenwart zu verlesen gedenkt.

Vom Kriegsschauplätze

Wien, 18. August. Die heute hier eingegangenen serbischen Zei­tungen kündigen die Fortsetzung des Krieges an, schieben die Schuld des Rückzuges der serbischen Truppen auf die apathische Haltung der Bulgaren und Bosnier und erklären sich gegen jede Mediation.

Belgrad, 18. August. Regierungsnachrichten zufolge ist eine türkische Truppenabtheilung beim Dorfe Planmitza zwischen Srüschar und Boljewatz von serbischer Kavallerie unter Sifrem Jovanov c ange­griffen und auseinander gesprengt worden. Die Serben haben Waffen und Pferde erbeutet. Das serbische Kriegsanlehen von 15 Millionen Frcs. ist definitiv abgeschlossen worden. Von einem Friedensschluß ist keine Rede mehr, General Tscheruajeff soll wieder die Offensive ergrei­fen. Die türkische Armee befindet sich in ihren alten Stellungen. Die Skupschtina ist zur Genehmigung des Kriegsanlehens auf dk 28. August einberufen worden.