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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Mittwoch den 16. August.

1876

BekaRKtWkchuugm Körrigl. ZaudrmhsaMts dahier.

Gefnnde«: Ein Rohrstöckchen, an dessen Griff ein Hundekopf auSgeschnitzt Ein Messer. Ein braunseidener Sonnenschirm. Ein Pa­pier enth. 55 Pf., Bleistift, Griffel, Fcdcrn rc. Ein goldener Ohrring mit rothen Korallen. Ein ledernes Cigarren Etui auf der einen Seite mit verschiedenfarbiger Perlenstickerei.

Zugelaufen: Ein junger schwarzer Hurd. Ein kleiner Pinscher.

Hanau, am 16. August 1876.________________________

I i 0 e H O 6*

Der Ruf nach Einmischung.

A. b. Schw. Merk.

Am 13. August sollte in Bei grad unter dem persönlichen Vorsitz des Fürsten ein Ministerrath statt finben, von dessen Entschließungen die Fortdauer des Kriegs abhängt. Der Fürst selbst soll für den Frieden, die Mehrzahl seiner Minister für die Fortsetzung des Kriegs sein. In dem einen Fall würde die Einmischung der europäischen Mächte, um den Frieden zwischen der Pforte und ihrem glücklosen Vasallen zu ver­mitteln, unverzüglich eintreten; aber auch im anderen Falle wäre der Diplomatie nur mehr eine kurze Frist thatloleu Zuschauens vergönnt, denn die entscheidende Schlacht im Morawathal, ohne Zweifel zwischen Alexinatz und Csuprija, wird mit Sicherheit innerhalb der nächsten 10 Tage erwartet. Immerhin noch eine lange Frist, wenn man dedenkt, welche Summe von Greueln in dieser Zeit auf dem vom Feind besetz­ten Boden verübt werden wird I Hat schon die Bestätigung der Grau­samkeiten in Bulgarien überall einen Schrei der Entrüstung verursacht, so kann diese Stimmung durch die Kunde von der Art und Weise, wie die Türken auf serbischem Boden einen förmlichen Vernichtungskrieg führen, nur noch verstärkt werden. Die öffentliche Meinung aller Län­der spricht sich denn auch immer lauter für die Beendigung der KriegS- gräuel durch europäische Dazwischenkunft aus. Es mag genügen, eine Stimme aus dem Journal deS DebatS wiederzugeben. Wir lesen hier: „Man kann den Krieg als beendigt ansehen. Es scheinen bereits Unter- Handlungen eröffnet, obgleich diese noch nicht offiziell sind; aber eS ist einleuchtend, daß der Friede, wir sagten vielleicht richtiger, die Be­schwichtigung nur durch die Dazwischenkunft von Europa herbeigeführt werden karn. Wir sind am Vorabende des Tages, an welchem diese Dazwischenkunft erfolgen muß. Es wäre unstreitig gefährlich gewesen, zu früh einzuschreiten, aber es darf auch nicht zu spät geschehen. Wir zweifeln nicht daran, daß die Mächte sich geeinigt haben, im geeigneten Augenblicke gemeinsam zu handeln. Der geeignete Augenblick wird bald gekommen sein. Europa wird dann an die christlichen Interessen im Oriente denken, es wird aber auch seine eigenen Interessen nicht ver­gessen, welche die Erhaltung des Status quo erheischen." In demselben Blatt spricht sich John Lemoinne gleichfalls zu Gunsten der europäischen Aktion auS und schließt feinen Artikel folgendermaßen: „Wir werden nicht aufhören, eS zu wiederholen: die Souveränität und die Unab- Hängigkeit der Türkei sind eine bloße Dichtung. Die Türkei ist nicht blos materiell, sondern auch moralisch die Schuldnerin des Westens. Im Jahre 1840 wurde sie nur durch die Dazwischenkunft Eng andS vor der Eroberung durch den Pascha von Egypten bewahrt. Im Jahre 1854 haben die Waffen von Frankreich und England ihre Eroberung durch Rußland gehindert. Auch in diesem Jahre ist eS Englands Da­zwischentreten gewesen, das den feindseligen AuSbruch der Nachbarn niedergehalten. England hat somit ein Recht, nicht blos Rathschläge zu ertheilen, sondern sie auch befolgen zu machen. Welches war der Ausgangspunkt des gegenwärtigen KriegeS? der schlechte Wille oder die Ohnmacht der Türkei die verheißenen Reformen in der Verwaltung der christlichen Länder zu verwirklichen. Die Frage wird morgen auf- Neue erstehen. Die Versprechungen sind ebenso oft verletzt worden, alS gegeben, und das wird immer so bleiben bis Europa sein Wort mit' spricht." So wie jetzt die Dinge auf dem Kriegsschauplatze stehen, ist auch nicht mehr abzusehen, wie eine europäische Einmischung für den Frieden unter den Mächten bedrohlich sein sollte. Denn die Integrität des oSmanischen Reichs kommt nicht in Frage. Der neugebackene Pear ».ord Beaconfield macht die Aufrechthaltung des territorialen Status quo

zur unerläßlichen Bedingung; aber es wird jetzt auch Niemand daran denken, eine Veränderung desselben vorzunehmen. Das Inten ffe der Mächte ist also lediglich das der Humanität und darüber sollte eine Verständigung nicht so schwierig sein, nachdem auch den Engländern durch die Berichte aus Bulgarien das Gewissen geschärft ist. Auch bei Aufrechthaltung der Integrität des Türkenreichs aber bleibt ein weiter Spielraum übrig, um den Christen ein erträglicheres Dasein und eine bessere, ihnen zusagendere Regierungsweise zu sichern. Die Mächte werden am besten für die Dauer des FriedenS sorgen, wenn sie den Türken die Mittel entziehen, ihre Mißregierung über die christlichen Provinzen fortzusetzen. Je weniger sie für die Christen thun, umso- mehr bleibt für diese Rußland die einzige Hoffnung. Auch im engl. Parlament verschließt man sich, wie die jüngste Debatte zeigt, nicht länger der Einsicht, daß die Fortdauer der bisherigen Zustände ledig- lich Wasser auf die Mühle Rußlands ist.

— Berlin, 13. August. Die „N. A. Z." schreibt: „Mit vollem Recht wird darauf hingewiesen, daß daS Anerkennungsschreiben, welches der König von Bayern bei Schluß der parlamentarischen Ses­sion an sein Ministerium gerichtet hat, bei der lebhaften Agitation, die in Bayern stattfindet, und in deren Folgen die „patriotische" Partei schon frühzeitig Triumphgesänge anstimmt, von hoher Bedeutung sei. Diese aus der eigensten Initiative hervorgegangene Kundgebung, durch welche der König Ludwig sich mit der Politik seiner Minister so de­monstrativ einverstanden erklärt, beweist augenscheinlich, daß die klerikale Partei mit ihren Hoffnungen auf einen Wechsel des Ministeriums oder gar des politischen Systems die Rechuung ohne den Wirth gemacht hat."

— Die Meldung: an maßgebender Stelle bestehe die Absicht, drei neue Infanterieregimente;: zu errichten und zwar die ersten cljaß- lothringischen mit den RegimentSnummern 97, 98, 99, wird von einem Berliner Korr. der KarlSr. Z. bestätigt. Derselbe schreibt: Bei der Nummerirung der Infanterieregimente! des deutschen Reichsheeres mit Ausnahme der beiden k. bayerischen Armeekorps sind bekanntlich diese Nummern offen gelassen. Da nun das in Elsaß-Lothringen stehende 15. Armeekorps auS abkommandilten Truppentheilen verschiedener deut­scher Kontingente zusammengesetzt ist, so liegt allerdings der Gedanke nahe, in den Reichslanden durch Formirung heimathlicher Truppen- körper mehr einheitliche Garnisonsverhältnisse Herzustellen. Doch soll dies nur ganz allmälig geschehen und zwar streng nach Maßgabe der Erfahrungen, welche mit den Anfängen dazu gemacht werden. Auch sprechen alle Wahrscheinlichkeitsgründe dafür, daß in dem südwestlichen Srenzlande des deutschen Reiches keineswegs ausschließlich elsaß- lothringische Truppen das Hauptkontingent der dortigen Besatzungen bilden sollen. Die Formirung von drei elsaß-lothr. Jusanterieregimen- tern ist außerdem noch nicht für eine nahe Zukunft in Aussicht genom­men. Hier wenigstens wird es als sehr zweifelhaft hingestellt, daß dem deutschen Reichstage bereits in seiner nächsten Session eine darauf be­zügliche Vorlage zugehen sollte.

— Es bestätigt sich, wie uns berichtet wird, daß die ReichSre- gierung eifrig damit umgeht, durchgehend die Casernirung für die Trup­pen deS Reichsheeres ins Leben zu rufen, doch scheint es, daß man auf lebhaften Widerspruch der Bundesstaaten wegen des FinanzpunkteS ge­faßt ist, daß man indessen thatsächliches Material genug zu haben glaubt, um diesen Bedenken, die vielleicht vom Reichstage nicht einmal getheilt werden, entgegentreten zu können. So sind beispielsweise jetzt die Zustände in Berlin nach Einziehung der Reserven zu dem bevor­stehenden Manöver nahezu unerträglich. Die Bürgerquartiere sind so unzureichend, daß sie von den Leuten nur während der Nachtzeit benutzt werden können, während die Mannschaften den Tag über sich in den Casernen aufhalten, so daß auch hier die disponiblen Räume in jeder Weise überfüllt sind. Mrt»o

— Wiesbaden, 15. August. In dem Prozesse wegen des durch eine Keffelexplosion veranlaßten Untergangs des TrajektbooteS „Louse" am 30. April er. bei Bingen ist heute der Schiffer Baer von Bingen,