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Nach Schluß der Vorstellung wurde Wagner wiederholt gerufen, erschien jedoch nicht. Boyreuth war glänzend illuminirt. Der Kaiser durchfuhr im offenen Wagen die Hauptstraßen, überall mit lebhaften Zurufen empfangen. Die Stimmung ist sehr gehoben.
— Zu N e h e i m ereignete sich am 9. d. M. ein betrübende- Unglück. Ein zugemauerter Brunnen war geöffnet worden. Es stieg zuerst ein Mann hinein, dann ein Zweiter. Beide erstickten und fielen ins Wasser. Ein Dritter, Vater des Einen der Unglücklichen, nicht- Gutes ahnend, befestigt sich an einem Stricke und steigt ebenfalls hinab. Er stürzt auch, der Strick hält ihn aber über Wasser und er konnte noch frühzeitig genug herausgezogen werden. Wäre die einfache Vorsichtsmaßregel beobachtet worden, ein brennendes Licht in den Brunnen hinabzulassen, ehe ein Mensch sich hinunterwagte, so würde das Verlöschen der Flamme in der schädlichen Luft als Warnung gedient und dem Unglück vorgebeugt haben.
— Wien. 12. August. Wie das „Fremdenbl." vernimmt, finden zwischen der Pforte und dem Heiligen Stuhl gegenwärtig Unterhandlungen zum Zweck der Regelung der Verhältnisse der Katholiken der Orients statt. Behufs Regelung dieser Berhältniffe soll der Heilige Stuhl eine zwischen ihm und der Regierung des Sultans zu vereinbarende Cirkumskriptionsbulle erlassen.
— Bern, 10. August. Das bereits gemeldete Attentat, welcher gestern Abend von einer russischen Dame auf den Fürsten Michael Gortschakow, den außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister d° S Kaisers von Rußland bei der schweizerischen Eidgenossenschaft, den Sohn deS russischen Reichskanzler-, auSgeübt wurde, fand außerhalb der Sradt in der Nähe der Wohnung desselben, an dem sogen. Schanzenberg, unterhalb des „Schänzü", dem wegen seiner schönen Aussicht allen Touristen wohlbekanmen Vergnügungsorte statt. Die Dame scheint den aus dem Sommertheater auf dem Schänzli heimkehrenden Fürsten erwartet zu haben. Erst nachdem sie sich vermittelst eines Blickes durch ihr Augenglas von der Identität seiner Person überzeugt hatte, trat sie, das Pistol auf ihn abfeuernd, auf den Fürsten zu. Daß er nicht getroffn wurde, ist bekannt; ebenso daß die Dame verhaftet ist. Die Verhaftung soll, wie ich hörte, von dem Fürsten, bei dem sich noch ein Herr befand, selbst vorgrnommen und die Dame dann auf dem Landjägerposien am nächsten Thor, dem Aarbergerthor, abgeliefert worden sein. Rachegedankeu werden als Motiv ihrer That angegeben. (»ein. Ltg)
— Jnterlaken, 11. August. Das Wetter ist so wunderschön und lockt Fremde aus allen Staaten Europa's so zahlreich hierher, daß die früheren Befürchtungen einer ganz mittelmäßigen Saison sich in freudige Hoffnung umgestalteten. Der Hotelplatz Jnterlaken bildet seit einem halben Jahrhundert den Mittelpunkt des Fremdenverkehrs und unter den vielen hohen anwesenden Persönlichkeiten stehen der deutsche Kronprinz Friedrich Wilhelm und die Kronprinzessin Viktoria allen voran. Das hohe Paar, das am 5. dS. in Pension Jungfraublick ab« stieg besucht die schönsten Punkte des Oberlandes und war am 7. in Grindelwald und auf den Gletschern gleichen NamenS. TagS darauf bestieg es die scheinige Platte, von welcher Stelle aus der schönste Theil der Alpen in großartiger Weise sich dem Bewundernden entfaltet. Im Allgemeinen werden dieses Jahr sehr interessante Bergtouren unternommen. Der Abreisepunkt war Hotel Bellevue auf Wengern Alp und der erste Anhaltspunkt die sog. Guggihütte. Zwei Engländer bestlegen von dort aus mit zwei Führern die Jungfrau. Zu gleicher Zeit erklommen 3 Herren mit 3 Führern das schneeige Haupt des Mönch, der im Unschuldsgewande mit der Jungfrau verwachsen ist. An demselben Montage erstiegen 2 Engländer mit 2 Führern in der unglaublich kurzen Zeit von 6 Stunden von der Guggihütte aus den Eiger und sämmtliche 14 Personen kamen glücklich wieder auf Wengern Alp an.
— Konstantinopel, 12. August. Die türkische Regierung hat ihren Vertretern im AuSlande folgende Mittheilung zugehen lassen: Die serbischen Agenten sind im Auftrage ihrer Regierung bemüht, im AuSlande den Glauben zu verbreiten, daß die Kaiserlichen Truppen muthwillig die serbischen Dörfer in Brand stecken, und gehen sogar so- weit, zu behaupten, daß die cirkassischen Hülfstruppen mit Petroleum gefüllte Gefäße auf den Kampfplatz bringen, um die Zerstörungen besser auSführen zu können. Diese doppelte lächerliche Anklage, deren angeblicher Thatbestand nicht einmal nachgewiesen ist, wird hierdurch für durchaus unbegründet erklärt. Wenn einige serbische Dörfer von dem Feuer erreicht worden sind, so ist die- nur in der Hitze des Gefechtes selbst und durch einen unglücklichen Zufall geschehen; dagegen sind seit dem Beginn der Feindseligkeiten etwa 60 Dörfer auf türkischem Gebiete, welche sowohl von Christen als von Muhamedanern bewohnt waren, durch die Serben eingeäschert worden.
— Dagegen meldet ein Telegramm deS „R. u. St.-A." aus St. ut® vE 14 August: Die osficiellen Klagen Serbiens über kt- 1,11 der Türken werden durch Mittheilungen von Per so- Serbien th^t W^e untet ^m rothen Kreuze für die Verwundeten in
Trotz de» vorrücken- der Türken bleibt die Stimmung in Serbien eine muthvolle und vertrauende. Man macht sich auf das Aeußerste gefaßt, selbst auf eine Belagerung Belgrads und eine Wegnahme dessel- ben. Der in Organisation befindliche Guerillakampf gegen die Türken wird erst darlegen, welche Erbitterung im Lande herrscht.
Vom Kriegsschauplatze.
Wien, 12. August. Wie der „Politischen Korrespondenz" mit Belgrad vom heutigen Tage gemeldet wird, hat da- Oberkommando beschlossen, da» Morawathal ohne entscheidende Schlacht nicht aufzugeben. Die Operationen der türkischen Truppen unter OSman Pascha sind vor der Hand auf Paratschin gerichtet, doch scheint da- Morawathal ihr Hauptziel zu sein. — Ejub Pascha steht am Eingang der Defileen von Banja; Bar j a selbst wird befestigt. — Leschjanin steht mit seinem Gros unweit Brefiowatz — In Negotin organisiren die Türken eine Donau» uferpol'zei. Der Ort soll von den NizamS geplündert worden sein.— Saitschar ist fast zur Hälfte niedergebrannt.
Belgrad, 13. August. Von der Drina-Armee wird hierher gemeldet: Zwei Bataillone unter der Führung von CzinieS und Javano« vier haben bei einer RekognoScirung die türkischen Positionen unterhalb Belina genommen. Die Serben wurden dann von den türkischen Trup» pen überfallen schlugen sie aber nach einem dreizehnstündigen Kampfe gänzlich zurück. Während des KampfeS wurde Jania beschossen. Die serbischen BeobachtungStruppen standen bei Belina.
London, 13. August. Dem „Reuterschen Bureau" wird au» Semlin vom gestrigen Tage gemeldet: Die Nachricht von dem jüngsten Siege der Türken bei Javor bestätigt sich. Die Verluste sind auf beiden Seiten sehr groß. Die Details über die Schlacht fehlen indeß noch. Demnächst wird eine neue Schlacht bei Banja erwartet. Im Widersprüche hiermit wird demselben Bureau au- B lgrad berichtet: Am Donnerstag ist ein türkisches Bataillon, welcher versuchte, die serbischen Linien bei Javor zu durchbrechen, vollständig geschlagen und beinahe gänzlich vernichtet worden. Die Position der Serben bei Javor ist intakt geblieben. — Ranko Alimpics bewahrt seine Offensiostellungen an der Drina. — Banja ist stark befestigt und von den Truppen deS Generals Tschernajeff besetzt. Die serbische Abtheilung unter Becker behauptet die GebirgSzüge zwischen dem T'.mok und der Morawa. Negotin und Kladova sind nicht in den Händen der Türken. — Fürst Mila» wird sich in einigen Tagen zur Jnspcirung der in BoSnien stehende» Armee begeben. — Circa 30 000 Bulgaren, Greise, Weiber und Kinder, haben sich über Pirot und Nisch nach Serbien geflüchtet.
Pest. 12. August. Aus Belgrad wird vom heutigen Tage gemeldet: Fürst Milan wird morgen hier eintreffen; er will Frieden schließen, während daS Ministerium den Kampf fortsetzen möchte. DaS Hauptquartier ist nach Tschupnja verlegt. Türk sche Truppen bringen auf der Heerstraße über Posarovatz nach Semendria vor und könnten binnen Wochenfrist vor Belgrad stehen.
— Vom 13. d. M. meldet „H T. B." auS Belgrad: DaS Ministerium gab im gestrigen Ministerrathe seine Demission, weil Fürst Milan den Frieden will. die Regierung aber die Fortführung deS Kampfes für nothwendig hält. RisticS las ein ausführliches ExposS Tscher« nojeffS vor, nach welchem nichts zu einem nachtheiligen Friedensschluß berechtigt. Der Fürst hat noch keinen Entschluß gefaßt.
London, 13. August. Aus Belgrad wird hierher gemeldet, daß zahlreiche Zuzüge von Freiwilligen aus anderen Ländern zur serbischen Armee stattfinden. — Garibaldi hat einen Brief an den serbische» Kriegsminister gerichtet, in welchem er anzeigt, daß er den Vorsitz in dem Cowitö übernommen habe, welches sich in Mailand zur Unter« stützung der verwundeten Serben und Montenegriner gebildet hat.
— Unter dem Titel: „Letzte Nachrichten auS Serbien" veröffentlicht die „Pol. Korr." aus B-lgrad vom 12. August das nachfolgende Telegramm:
AlimpicS erhielt den Befehl, nach Zurückloffung eines Corps zur Bewachung der Drinagrenze, die eiligst bei Leschnitza befestigt wird, mit dem Gros seiner Truppen nach dem Innern zu marschiren. DaS Ziel seines Marsches ist nicht bekannt Oberst Czolak AnticS zog sich vorläufig auf Jvantza zurück. Es verlautet, die Jbar»Division soll auf das bedrohte Krusewatz sich zurückziehen. Vorgestern nahmen die Türken Kladowo und rücken aus sehr unwegsamen Bergpfaden gegen Gornje« Mtlanovac vor. (*.n. st-guy)
Lokales von hier «ud Umgegend, sowie Provinzielle».
Hanau 15. August 1876
— Gestern wurde unter außerordentlich zahlreicher Begleitung die irdische Hülle eines EqrenmanneS, unseres Mitbürgers Herrn Hahn JustuS Schlingloff, zu Grabe getragen. Die Säuger des Berems Frohsinn, dessen langjähriges Ehrenmitglied der Verstorbene war, sangen am Grabe ein von dem Verstorbenen selbst verfaßte- G.d cht nach der Melodie „Weh, daß wir scheiden müssen" und verfehlte dieser herrliche Vortrag nicht einen tiefen Emoruck aus die zahl- reichen Freunde deS Verstorbenen heroorzurufen. Am Schluß widmete Herr August Elsaß dem Heimgegangenen einen meisterhaft auSgearbei-