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WUH MÄK Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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DieSsPaltigeZeike
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M 189.
Dienstag den 15. August.
1876.
Bekauutmachuugen Köuigl. Laudrathsamts dahier.
Viele UnglückSfälle gebieten dring nd sämmtliche BeerdigungSplätze für Thierleichen im ganzen Kreise zu inip'ciren, ob die Leichen gut beerdigt sind. ES muß dies in der frühen Morgenstunde geschehen, mit der nöthigen Vorsicht. Man nimmt für 15 Pfennige Salmiakgeist mit, um eine allenfallsige Stichwunde durch Auftropfen von 5—8 Tropfen und Einreiben gleich zu neutralisiren. Doch wird beim Betreten der Plätze in der Frühe nicht leicht etwas vorkommen. Personen, welche schlecht beerdigt haben, müssen zur besseren Beerdigung in der Frühstunde gezwungen und zur Anzeige gebracht werden.
Die OrtSvorstände wollen gefälligst ungesäumt das Erforderliche veranlassen.
Hanau am 10. August 1876.
Die vierte Schulstelle zu Langendiebach mit einem Einkommen von 840 Mark neben freier Wohnung (in einem zu diesem Zweck neu zu bauenden Wohnhause) und 90 Mark für Feuerung ist erledigt.
Bewerber um dieselbe werden aufgefordert, ihre MeldungSgesuche nebst Zeugnissen alsbald dahier oder an den Herrn Metropolitan C,a- l a minus in Langendiebach einzureichen.
Hanau am 11. August 1876.
Gefunden: Zwei Fünf-Markscheine.
Hanau am 14. Auouft 1876._____________________
L » z e K f ch «
— Ueber den Erfolg der gegen die Seeräuber in den ost- asiatischen Gewässern ergriffenen Schutzmaßregeln schreibt der ReichSavz.: Im Mai b. I. hatten die Bark Traviata aus Blankenese, der Schooner Auguste Reimers ebendaher, die Bark Wilhelm aus Kiel und die Bark Sudan aus Hamburg das Unglück, in Folge eines Ta-- funs in den Gewässern Formosas zu stranden. Die Küsten dieser Insel genossen biSh r eines besonders schlechten RufeS wegen der von ihnen aus unbestraft betriebenen Strandräubereien. Bei den gegenwärtigen StrandungSfällen sind derartige Räubereien erfreulicher Weise nicht vorgekommen. Sr. Majestät Sch.ff Adriadne war für den Fall, daß sich | ein militärischer Schutz der deutschen Inten ssm nothwendig erweisen s würde, sofort von Hongkong nach Formosa geeilt. Inzwischen war bereits von den betreffenden einheimischen Behörden durch Entsendung von Militär an die einzelnen Unglücksstätten für die Sicherheit des Schiffguts gegen Räubereien, theilweise auch für dessen gewissenhafte Bergung in anerkennenSwerther Weise Vorsorge getroffen worden. DaS Schiff Sudan ist vollständig verloren gegangen, von der Traviata nur d'e aus Kontanten bestehende Ladung gerettet worden. Die Bark Wilhelm und der Schooner August Reimers wurden kondemnirt und verkauft. Verluste von Menschenleben sind nicht zu beklagen gewesen. Es scheint sonach die Hoffnung begründet, daß die mit dem deutschen Schiffe Anna gemachten Erfahrungen sich nicht wiederholen, vielmehr die durch diesen Fall herbeigeführten eingehenden Verhandlungen und deren erwünschte Erledigung für deutsche und andere Schiffe Schutz gegen Seeräuberei und Schlimmeres in jenen Gewässern erwirkt haben.
— Die Nordd. A. Z. schreibt: Nachdem nunmehr die chinesische Regierung dem Verlangen nach Schadloshaltung deutschen Eigenthums und nach kräftigerem Schutz der deutschen Verkehrsintereffen an den Küsten China's entsprochen, treten in nächster Zeit die Korvetten Adriadne und Hertha die Rückreise nach der Heimath an, während die Glattdeckkorvette Luise und das Kanonenboot Cyklop, zu welchen das Kanonenboot Nautilus stößt, auch ferner in den chinesischen, die gedeckte Korvette Vineta in den japanischen Gewäffern die deutsche Kriegsflagge vertreten werden. Das letztere Fahrzeug behält die Bestimmung als Flaggschiff des, wenn auch nicht m hr zu Hongkong konzentrirten, so doch unter einheitlichem Oberbefehl ferner verbleibenden Geschwaders der ^asiatischen Station. — Auf ihrer Reise nach Ostasien hatte sich
S. Vineta, wie neuere Nachrichten melden, einer ganz besonders entgegenkommenden und auszeichnenden Aufnahme Seitens der Regierung der Hawaischen Inseln während der Anwesenheit in der 1
Hauptstadt Honolulu zu erfreuen und wurde auch von dem König der Inselgruppe besucht, welcher mehreren Exerzitien der Schiffsbesatzung beiwohnte. Sowohl die freundlichen Gesinnungen der Hawaischen Regierung und Bevölkerung, als auch alle übrigen Verhältnisse lassen Honolulu als einen Hafen erscheinen, der sich zu längerem Aufenthalt namentlich für solche Schiffe empfiehlt, welche sich, von Osten kommend, auf dem Wege nach China oder Japan befinden.
— In den deutschen Münzstätten sind bis zum 5. August 1876 geprägt: an Goldmünzen: 1,085,677,840 Mark Doppelkronen, 328,179,330 Mark Kronen; hiervon auf Privatrechnung: 171,345,164 Mk.; an Silbermünzen: 61,893,640 Mark 5-Markstücke, 9 792,286 Mk. 2-Markstücke, 143,044,720 Mark 1-Markstücke, 32.536,136 Mark 50 Pf. 50 Pfennigstücke, 29,803,490 Mark 80 Pf. 20-Pfennig- stücke; an Nickelmünzen: 19,217,890 Mark 70 Pf. 10-Pfennigstücke, 10,644,457 Mk. 45 Pf. 5-Pfennigstücke; an Kupfermünzen: 5,706,922 Mark 84 Pf. 2-Pfennigstücke, 3,214,824 Mark 2 Pfennige 1-Pfennig- stücke. GesammtauSprägung: an Goldmünzen: 1,413,857,170 Mark; an Silbermünzen: 277,070,273 Mark 30 Pf.; an Nickelmünzen: 29,862,348 Mark 15 Pfennige; an Kupfermünzen: 8,921,746 Mark 86 Pf.
— Posen, 11. August. Die gestern Abend hier abgehaltene polnische Wählerversammlung wurde, nach der „Pos. Ztg.-, wegen heftiger Streitigkeiten zwischen der ultramontanen und der nationalen Partei von der Polizei aufgelöst.
— Bayreuth, 12. August. Die heute hier angelangten Eisenbahnzüge trugen ein wahrhaft internationales Gepräge. Seitdem die Bayreuth-Neumarkter Linie besteht, hat sie wohl keinen Train von solcher Ausdehnung gesehen, wie der war, der in der vierten Nachmit- tagSstunde auf dem hiesigen Bahnhöfe anlangte. Er kam gerade zur rechten Zeit, um die mit ihm Angelangten noch der Kaiserbegrüßung theilhaftig werden zu lassen. Tausende hatten sich zum Empfang auf dem festlich geschmückten Bahnhof eingefunden. Um 5 Uhr Abend lief der Separatzug in die Station ein. In gleich festlicher Stimmung, mit gleichem, vom Herzen kommendem Jubel wie kürzlich den Landesherrn empfing heute die Bevölkerung Boyreuths den deutschen Kaiser. Se. Majestät, sehr wohl aussehend und freundlich und leutselig wie immer, verließ mit jugendlicher Elastizität den Waggon, auf dem Perron von dem Hofkavalier Seiner Majestät des Königs von Bayern, Graf Holnstein, dem kgl. Regierung-- Präsidenten, dem kgl. Stadtkommandanten, dem Bürgermeister und dem Borstande des Bahnamts, dann dem Verwaltungsrathe empfangen. Auch Richard Wagner war zum Empfange anwesend. Seine Majestät ließ sich einzelne der Herren vorstellen und verweilte dann in längerer Unterhaltung mit R chard Wagner und dem Bürgermeister der Stadt. Als der Monarch aus dem KönigSsalon trat und die Gala-Hofequipage bestieg, wurde er von der Menge mit begeisterten Hochrufen empfangen, die, in stets erneutem Jubel, den in langsamem Schritte sich fortbewegenden Wagen begleiteten, während der Kaiser mit der ihm eigenen gewinnenden Leutseligkeit auf die ihm dargebrachten Ovationen dankte. Zahlreiche Blumenbou- quets, von schöner Hand entsendet, flogen während der Fahrt in den offenen Wagen. Nach der Eremitage bewegte sich Abends ein imposanter Fackelzug, dem Erben der alten Mark- und Burggrafen zu künden. daß auch Bayreuth neben der LandeStreue die für Kaiser und Reich zu wahren versteht. Mehr als 10,000 Menschen waren anwesend. Die Fontainen und die großen Bassins der Wasserkünste wurden bengalisch beleuchtet, zweitausend Fackeln erhellten den Park. Unter den Klängen der bayerischen uflb preußischen Nationalhymne erschien der Kaiser mehrmals auf der Schloßterrasse und wurde stürmisch begrüßt. — 13. August. Die Aufführung deS „Rheingold" begann um 7 Uhr und hatte einen großartigen Verlauf. Das unsichtbare Orchester war von zauberhafter Wirkung. Die Stimmen der Sänger gelangten vollständig zur Geltung. Die Dekoration ist unübertrefflich. Kaiser Wilhelm wohnte der Vorstellung bis zu Ende (gegen ^210 Uhr) bei, ebenso der Kaiser von Brasilien und die übrigen Fürsten. Kaiser Wilhelm wurde beim Eintritt in die Loge von dem Publikum stürmisch begrüßt.