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Haimier Aiiftitztr.
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M 188.
Montag den 14. August.
1876.
T K s e K s ch K R. i
— Berlin, 12. August. Se. Majestät der Kaiser und König ; haben Gastein gestern Bormittag um 10 Uhr verlassen. Bei der Abfahrt hatte sich ein sehr zahlreiches Publikum eingefunden, das Se. Majestät mit enthusiastischen Kundgebungen begrüßte. Allerhöchstdieselben verabschiedeten Sich in huldvollster Weise von dem Kaiserlich österreichischen Minister Ritter v. Chlumecky, dem Fürsten Rohan, dem General v. Biyer und mehreren anderen Persönlichkeiten.
Um 11 Uhr trafen Se. Majestät in Lend ein und setzten nach? kurzem Aufenthalte die Reise nach Rosenheim fort, woselbst die Ankunft ; Abends erfolgte. Die Stadt hatte sich zu Ehren des Allerhöchsten Gastes - reich mit Fahnen geschmückt; von der Bevölkerung wurden Se. Maje- : stät mit lebhaften Hochrufen begrüßt. Das Nachtlager haben Aller- i höchstdieselben im Badehotel genommen. \ (R. u. s^»nz.) '
— Briefsendungen für S. M. S. „Niobe" gehen bis auf Weite- ; res nach Wismar (Mecklenburg).
— Unter den vom GeheimenIStaatSarchiv zu Berlin beabsichtig- s ten Publikationen wird von der Nat.-Ztg. auch eine auf Hessen bezüg- s liche Arbeit genannt. Es wird beabsichtigt, aus dem Urkundenschatze ' des Marburger Provinzialarchivs einen codex diplomaticus Hessiae I und die höchst interessante Correspondenz Philipps des Großmüthigeni mit seinem intimen Freunde, dem reformatorischen Theologen Nutzer, 5 Herauszugebsn. Letztere ist eine Briefsammlung, die namentlich zur Er- i Weiterung der historischen Kenntnisse deS Schmalkaldischen Krieges und - der demselben vorausgehenden Jahre von großer Wichtigkeit ist.
— Die ultramontane Presse ist über die Mittheilungen von dem jüngsten Freimaurerfest im Haag und namentlich über die Rede deS Kronprinzen und der darin enthaltenen Betonung der Gewissensfreiheit und Volksaufklärung arg verstimmt. Dabei wäre an sich nichts Auffälliges. Wenn ober hinzugefügt wird, der Kronplinz werde vermuth- lich über die Veröffentlichung jener Vorgänge sehr ungehalten sein, da er an die Logen vor Kurzem daS Ersuchen gerichtet hätte, ohne Genehmigung Aeußerungen in der Loge nicht zu veröffentlichen, so wissen wir freilich nicht, wie weit die gedachte Vermuthung richtig ist; daS aber können wir verbürgt mittheilen, daß der Kronprinz über Veröffentlichung seiner Aeußerungen in den Logen ohne seine Genehmigung weder eine Aufforderung an die Logen gerichtet hat, noch auch zu richten in der Lage sein konnte, wie Jeder weiß, der den Verhältnissen irgend wie näher steht. Die bedeutsamste Aeußerung, welche der Kronprinz über- Haupt je in einer Loge gethan hat, enthält seine Rede zur Feier deS 100jährigen Bestehens der hiesigen großen LandeSloge (24. Juni 1870). Diese merkwürdige Rede ist gedruckt und hat somit eine weite Verbret- tUNg gefunden. (Trib.)
— Aufsehen erregt in diplomatischen Kreisen Berlins die Abberufung des rumänischen diplomatischen Agenten beim Deutschen Reich, deS Herrn Majorekcu, der eben damit beginnen wollte, die Unterhandlungen über eine Zoll- und Handelskonvention zwischen beiden Ländern j einzuleiten. Major eScu (schreibt die Trib.) gehört zu jener Serie ru- • mürrischer Minister, deren Versetzung in Anklagestand die Bukarester Kammer soeben beschlossen hat. Er gehört zu den bestgehaßten Gegnern der radikalen Majorität, welche die gegenwärtige rumänische Regierung ans Ruder brächte. MajoreScu war einer der Wenigen, welche in Rumänien deutscher Kultur daS Wort redeten, wogegen die Wortführer der Rothen von je ihr bischen Zivilisation allein von Paris zu beziehen pflegten. Zu dieser politischen Gegensätzlichkeit gesellten sich noch persönliche und literarische Gegnerschaften, welche sich der ehemalige Untcrnchtsminister während seiner Amtsführung in den Reihen der Professoren und Advokaten zugezozen.
_ — Ueber die Reorganisation des Reichskanzleramts gehen der Tnb. von bcstunterrichteter Seite folgende Mittheilungen zu. Richtig
gleich nach dem Rücktritt Delbrücks projektirt war, ein selbst- standiges Justizamt, ein eben solches Finanzamt und ein Amt für M.atz-Lothrmgen zu errichten, alle drei Aemter mit Staatssekretären m der Spche, welche direkt dem Reichskanzler untergeordnet sein sollten.
darüber gepflogenen Unterhandlungen wurden indessen alsbald ver- f
tagt. Man wird denselben im Herbst d. I. näher treten, wenn eS sich darum handelt, den Reichshaushaltsetat für 1877/78 festzustellen. Letzterer wird erst dem neuen im Februar k. J. zusommentretknden Reichstage vorgelegt. Bis dahin ist weder von der Bildung eines ReichS- justizamtes unter dem jetzigen Unterftaatiftfretär Friedberg, noch von anderen dahin gehörigen Dingen die Rede.
— München, 12. August. Der Großherzog von Baden gelangte mit Gemahlin heute Vormittag mit dem Landauer Postzug im strengsten Inkognito hierher, stieg im Hotel zu den „Vier Jahreszeiten" ab und begibt sich nach Besichtigung der Kunstausstellung heute Nachmittag um 3 Uhr 20 M. mit dem Kurierzuge über Regensburg nach Bayreuth.
— Das Wiener „Fremdenblati" weist die Seitens russischer Blätter in der letzten Zeit gegen Oesterreichs ehrliche und loyale Politik vorgebrachten Verdächtigungen zurück mit dem Hinweis darauf, daß seit Beginn der orientalischen Wirren kein Staat den allgemeinen europäischen Interessen solche Opfer gebracht hat, wie gerade Oesterreich.
— Man schreibt uns aus Wien, den 9. August: In dem Grade, als die serbischen GroßmachtSträume in den Staub sinken, athmet man hier und in Pesth aus und hält die Lage für vereinfacht. Indessen gilt dies blos für die nächste Zeit, insolange ein Einschreiten der Mächte hinaus geschoben werden kann. Wenn d e Offiziösen läugnen, daß zwischen dm Kabineten Verhandlungen über das künftige Eingreifen in die Orientwirren gepflogen wurden, so ist dies eben offiziöse Haarspalterei; denn man sagt mir neuerdings, und zwar von durchaus glaubwürdiger Seite, daß eigentliche Verhandlungen allerdings nicht vorgekommen seien, daß man sich aber in der T(at über diejenigen Grundzüge zu „verständigen" versucht habe, welche in Hinkunft in der bewegten Richtung maßgebend sein sollen. Und da sei festgestellt worden: 1) Im Sinne der Reichstadter Abmachung hat eine groß- mächtliche Intervention mit geeignetem Nachdruck einzutreten, wenn einer der beiden Kriegführenden hierum ansucht, oder wenn er sich ausdrücklich als besiegt erklärt, oder wenn die Thatsachen dies unwiderleg- lich darthun; 2) nach dem Eintritte eines dieser Umstände versuchen die Nordmächte als geschlossene Gruppe das Einverständniß ganz Europa'S für die Vermittlung herbeizuführen, deren Zweck es ist, die künftigen Gestaltungen auf der Balkanhalbinsel festzustellen; 3) dies schließt aus, daß man diese künftigen Gestaltungen der Pforte selbst anheimstellt oder eine direkte Verständigung zwischen Konstantinopel und Belgrad zuläßt; 4) dagegen ist unter Umständen eine direkte Verständigung zwischen der Pforte und Montenegro, welches zu ersterer nicht im Vasallen-Verhältnisse steht, allerdings statthaft, jedoch mit der Einschränkung, daß eine solche möglich wäre, ohne daß eS die Grundlage der großmächtlichen Vereinbarungen wesentlich alterirt, beziehungsweise, ohne daß eine Großmacht gegen die Forderüngen Montenegro's oder gegen die beabsichtigten Zugeständnisse der Pforte an den Fürsten Nikita Einspruch erhebt. Schon der erste Punkt dieser „Verständigung" lehrt, daß der Zeitpunkt des Eingreifens der Mächte möglicherweise spät ein» treffen kann, ebenso aber, daß er als vor der Thüre stehend betrachtet werden darf. Gänzlich unbekannt bisher war jedoch, daß, wie man jetzt erfährt, die Mächte bei der Frage des Jnslebentreten-Lassens ihrer Aktion auch in Konstantinopeler Zustände in Betracht ziehen. Sie wollen nämlich genau wissen, mit wem sie eS dort zu thun haben, ob mit der alttürkischen Partei, die von vorne herein jedes Zugeständniß an die Christen verwirft, oder mit einer Partei, die wenigstens den Versuch einer Umgestaltung des ottomanischen Reiches auf modernen Grundlagen anstrebt. Die Haltung der Mächte in den künftigen Verhandlungen über die Ergebnisse des jetzigen Krieges wird demnach von den Zuständen in der türkischen Hauptstadt beeinflußt sein. Möglich, daß die türkischen Staatsmänner mit diesem Umstand rechnen, und deßhalb vorläufig ihre Idee aufgegeben haben, den alttürkisch gesinnten Abdul Hamid an die Stelle Murads zu fetzen. (ssro. mem
— Basel, 11. August. Der Synodalrath hat angeordnet, daß die Konsekration des altkatholischen Bischofs Herzog am 10. September in Solothurn stattfinden solle.