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wie auch der Umstand, daß den Bewohnern der Stadt, in der ein so schweres Verbrechen verübt werden konnte, aus der Anwesenheit zahlreicher großer Kriegsschiffe dauernd ein reicher Verdienst erwächst, eine Verlängerung des Aufenthaltes daselbst nicht rathsam erscheinen lassen. Von den übrigen im Mittelmeer stationirten deutschen Kriegsschiffen hat sich die Korvette „Medusa" nach dem westlichen Theil des Mittelmeeres begeben und das Kanonenboot „Nautilus" die Reise nach Ost- asien angetreten. Die Kanonenboote „Komet" und „Meteor" verbleiben bis auf Weiteres in Konstantinopel stationirt."
— Darmstadt, 9. August. Die Industrie-Ausstellung wird heute den 12. d. M., Morgens 10 Uhr, durch den Minister Kempf, in Gegenwart S. K. H. des Großherzogs und der übrigen hohen Herrschaften, uwie der sämmtlichen Spitzen der Civil- und Militärbehörden rc. feierlichst eröffnet werden.
— Bayreuth, 10. August. Die gestrige Generalprobe der „Götterdämmerung" währte bis nach 11 Uhr Nachts. Der Verlauf war ein glänzender. Se. Msj. der König wohnte der Generalprobe vom Anfangs bis zum Schlüsse bei, und sprachen sich Allerhöchstdiesel-- ben gegen Ihre Umgebung mit enthusiastischer Anerkennung über die großartige Schöpfung Wagners aus. Diese Anerkennung ließen Se. Majestät auch zur Kenntniß sämmtlicher Mitwirkenden kommen. Der Flügeladjutant des KönigZ, Major Frhr. v. Stauffenberg, richtete im allerhöchsten Auftrage einen Brief an Meister Wagner, worin derselbe ersucht wird, allen an der Ausführung des Werkes Betheiligten die wohlgefällige Anerkennung für ihre ausgezeichneten Leistungen, sowie den Dank des Königs für den ihm bereiteten hohen Genuß auszu- sprechen. Ein weiteres Schreiben aus dem königl. Kabinete gelangte während der Generalprobe an Herrn Bürgermeister Muncker. Dasselbe lautet wörtlich: „Euer Hochwohlgeboren 1 Geehrtester Herr Bürger- Meister! Se. Maj. der König haben mich beauftragt, vor allerhöchst Ihrer Abreise nochmals die Freude über den bereiteten glänzenden Empfang und die dadurch neuerdings bekundete treue und anhängliche Gesinnung der Stadt und Umgegend auszudrücken, und werden Seine Majestät die hier verlebten Tage zu Ihren schönsten Erinnerungen zählen. Seine Majestät geruhten außerdem anzuordnen, daß Ihnen die Summe von 2000 Mark für die Armen der Stadt zur Verfügung gestellt werde. Schloß Eremitage, 9. August 1876. Euer Hochwohlgeboren ergebenster Frecher von Stauffenberg, Major und Fmgeladju- tant." — Für den Empfang des deutschen Kaisers werden große Vorbereitungen getroffen. Für Sonnabend ist ein Fackelzug angeboten; am Sonntag findet brillante Illumination statt. — König Ludwig hatte den angebotenen Fackelzug abgelehnt.
— Augs bur.g, 11. August. Gestern Mittag machte nach dem „A. Anzbl." eine Deputation des Bürgervereins dem auf der Heimreise begriffenen Kultusminister Dr. Falk, der in der „Goldenen Traube" . bahier abgestiegen war, ihre Aufwartung und sprach ihm Namens der liberalen Parrei den Dank aus für sein mannhaftes, energisches Auf- treten gegen den UltramontaniSmus. Se. Exzellenz betonte in der von ihm in liebenswürdigster Weise gepflogenen Unterredung, daß wir in einer Zeit deS Kampfes leben und jeder fest an seinem Posten stehen müsse. Alle Gerüchte über Aenderung des herrschenden RegierungS- Systems in Preußen, zunächst auch bezüglich seines Rücktrittes, welche jüngst wiederum aufgetreten, seien erfunden und man könne um so mehr der nächsten Zukunft ruhig entgegen sehen, als seiner Meinung nach die Neuwahlen in Preußen keine wesentliche Veränderung des Stimmenverhältnisses im Reichstag her Vorbringen werden. Dr. Falk, im besten Mannesalter stehend, kam direkt von SchrunS in Montavon, wo er fünf Wochen zur Erholung zugebracht und sich auch als rüstiger Bergsteiger bewährt hat. Abends reiste er nach Nürnberg weiter.
— London, 11. August. Dem Parlamente ist die diplomatische Korrespondenz wegen der von den Türken in Bulgarien begangenen Grausamkeiten mitgetheilt worden. DaS erste Schriftstück datirt vom 14. v. Mts., das letzte vom 9. d. Mts. Das zuletzt gedachte ist eine Depesche Lord Derby's an den Botschafter Elliot, worin es heißt, daß die Pforte Grausamkeiten, wie jdie in Bulgarien vorgekommenen, in Serbien nicht geschehen lassen dürfe und daß der Botschafter darauf Hinweisen müsse, daß jede Erneuerung solcher schimpflichen Akte für die Pforte unheilvoller sei, als eine verlorene Schlacht. Der Unwille Europas werde sich unwiderstehlich geltend machen und ganz unvermeidlich eine Intervention in einem für die Türkei feindlichen Sinne zur Folge haben.
— Englische Blätter melden: „In Kemerton, unweit Tewkes- burry starb dieser Tage Josef Pitman aus Bredon in seinem 93. Lebensjahre. Er war der letzte Ueberlebende der Veteranen, die Napoleon auf St. Helena bewachten."
— Bei Laumevero in der Provinz Palermo hat ein Zusammenstoß zwischen Truppen und Briganten stattgefunden, wobei der Räuberhauptmann Rinaldo getödtet wurde.
— Paris, 10. August. Der „Agence HavaS" wird aus Bern vom heutigen Tage telegraphirt: Gestern Abend schoß eine Russin zweimal aus einem Revolver auf den russischen Gesandten Fürsten Gort-
schakoff (einen Sohn des russischen Reichskanzlers), ohne ihn zu treffen. Die Frau ist verhaftet. Den „Basier Nachrichten" wird über das Attentat berichtet: Die verhaftete Frau verweigerte jede Auskunft; sie soll die Verfasserin des vor Kurzem in Genf erschienenen Werkes „un des crimes du gouvernement russe, episode de vie d’une femme“ sein.
— New - Nork. Amerikanische Blätter bringen detaillirte Berichte über die Niedermetzelung von 47 Weißen durch Indianer in den schwarzen Hügeln. Zweiundfünfzig Bergleute wurden, während sie in einer Hütte schliefen, von den Kannibalen angegriffen und größtentheils getödtet, ehe sie erwacht waren. Einer der Neberlebenden erzählt, daß er auf dem Dach schlief, um die MoSkitoS zu vermeiden, als er ein Geräusch in dem darunter befindlichen Raume, wo seine Kameraden schliefen, hörte. Durch eine Ritze in dem Dache blickend, sah er den Raum mit Indianern gefüllt, damit beschäftigt, seine Gefährten hinzu» schlachten. Die Indianer, unter denen sich vier Weise befanden, machten indeß keinen Versuch das Gebäude zu zerstören. Vier der Bergleute entkamen in der Verwirrung, aber 47 Personen blieben todt auf dem Platze, einige derselben entsetzlich verstümmelt.
Vom Kriegsschauplatze»
Konstantinopel, 10. August. Nach hier vorliegenden Nachrichten haben die Serben die Stadt Javor geräumt, Osman Pascha hat sein Hauptquartier in Saitschar aufgeschlagen.
St. Petersburg, 10. August. Nach einer Meldung des „Go- loS" aus Zimony kämpft Horvarovics in dem Engpässe von Bauja und erwartet dort, sich vorläufig halt nd, Verstärkungen von Tscheruajeff. — Dr. Sandwirth hat sich im Austrage der serbischen Regierung nach Widdin begeben, um mit den Türken wegen beiderseitigen Schutzes des rothen Kreuzes zu unterhandeln und Abmachungen zu treffen, damit der Krieg nicht in einer so verwüstenden und Alles dem Feuer und den Flammen übergebenden Weise geführt werde. — Gladvwa und Negotin sind von den Türken besetzt worden.
— London, 10, August. Dem „Reute-scheu Bureau" wird auS Semlin vom heutigen Ta^e gemeldet: Hier eingegangene Nachrichten über den letzten Kampf zwischen den Türken und Seiden melden im Widerspruch mit anderen Berichten über denselben, daß die serbische CentrumSarmee unter dem Oberbefehl Tscholak Antitschs sich von Sie- nitza zurückgezogen habe, und daß General Tschernajeff gegen die Türken in der Richtung auf Banlo Coma zu vorrücke. Die türkischen Truppen rücken nicht in die Serben verlassenen Plätze ein, da sie fürchten, daß dieselben unterminirt sind.
Belgrad, 10. August. Alle serbischen Armeen (auch die Drina« und die Jbar- Armee) sammeln sich im Morawa-Thale. — Der serbische Obrist Despotooic hat am Montag das Kommando über die bosnischen Insurgenten übernommen. Der Aufstand ist dadurch organisict. Des- potovic hat bereits 50 Dörfer genommen. — Die Drina-Armee hat den Rückmarsch nach Kragujewatz angetreten. Horvatovic hat in zweitägigen Kämpfen den Durchmarsch der Türken durch den Toplaer Engpaß verhindert.
— Der türkischen Armee stehen gegenwärtig zwei Linien zur Vor- rückung gegen daS Morawathal offen: die Straße Knjazewatz-Banja- Alexinatz-Deligrad und die Straße Saitschar-Lukowa-Cuprija-Paracin. Die „N. Fr. Pr." sagt: Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß die Türken in beiden Richtungen vordringen werden, und e» kann überhaupt nur in Frage klimmen, auf welcher Straße die türkische Hauptmacht vorrücke» wird. Die Straße Kujazewatz-Banja-Alexinatz-Deligrad ist um etwa zwanzig Kilometer kürzer, als die Linie Saitschar-Lukowa- Cuprija, sie führt jedoch durch mehrere Defileen, einen 717 Meter hohen Sattel, und es finden sich an ihr mehrere der Vertheidigung günstige Positionen» so bei Banja und in der Mehana-Kliffura, einem wildromantischen Engpaß. Sie hat ferner beinahe gar keine Parallelkommu- nikationen,- so daß die ganze Armee meist auf einer Straße marschiren müßte, und debouchirt endlich angesichts der Deligrader und Alexinatzer Besestlgüngen, welche wohl nicht nur gegen Süden, sondern auch gegen Osten angelegt worden sind, in das Morawathal. Die Straße Sait« schai'Lukowa'Cuprija dagegen, obwohl länger, führt meist durch offenes Manöverirterrain; die höchsten Punkte derselben sind nur 511 und 554 Meter über dem Meeresspiegel, und ziehen zu beiden Seilen der Chaussee zahlreiche Parallelstraßen, welche einer Armee die Vorrückung in breiter Front und daher den raschen Aufmarsch in Gefechts-Formation gestatten. Engpässe wie auf der Banjaer Straße finden sich nirgends, doch ist auch diese Linie reich an guten Defensiv-Stellungen. Die Straße von Saitschar führt endlich nördlich der befestigten Stellungen von Alexinatz und Deligrad in daS Morawathal, umgeht sich daher, und es trifft der Offensivstoß, welcher auf ihr geführt wird, direkt aus die Hauptposition des Gegners, auf den Brückenkopf von Cuprija, welcher den letzten serbischen Vertheidigungs-Abschnitt, die Morawa, deckt.
— Ueber die KriegSrüftungen und die Anwerbungen auf der Insel Rhodus schreibt man der „Allgemeinen Zeitung" vom 25. Juli: Täglich gehen Kriegsschiffe von unserer Ja>el ab, beladen mit Truppen,