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Zugleich Amtliches Organ für KreiS und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial Correspondenz.

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bew« Ran« s »fe.

Die «Veit. gelle 2« Pfg.

»ieSfVeltigegeite

30 $f8.

M 186. Freitag bett 11. August. 1876.

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> BekanutmachuKge» KLuigl. LasdrathsemLS dahin.

Für den I. G. Rödel in Hanau hat die AuSwanderungS- Expedition des H. P. Schröder und Comp. zu Bremen um Rückgabe der für denselben als Unteragenten zur Beförderung von Auswanderern nach den überseeischen Häfen deponirte Caution von 300 Thalern nach­gesucht.

ES wird dieses hiermit unter dem Bemerken bekannt gemacht, daß etwaige Ansprüche, welche der Rückgabe der Caution entgegengesetzt werden, binnen 6 Monaten hier anzumelden find.

Hanau am 5. August 1876.

Margaretha Ditter, geb. Frischkorn, von Langendiebach, ist heute als Hebamme eidlich verpflichtet worden.

Hanau am 8. August 1876.

Gef»«de«: Eine Knabenmütze. Ein Kinderstrohhut. Eine MoirLschürze. Eine weiße Mahne. Zwei weiße Taschentücher. Eine lederne Tasche mit Stahlbügel. Ein Portemonnaie mit 1 Mark 15 Pf. Ein eiserner Wagenreif. Ein neuer Sack mit ca. 1 Simmer Hafer.

Verlöre«: Ein Paar neue Kinderschuhe.

Hanau am 11 Auaust 1876

Ein ultramontanes Wahlprogramm.

Als Vorboten der Wahlbewegung erscheinen nach und nach die Parteiprogramme. Den Ankündigungen der neugebildeten deutsch-konser­vativen Partei ist vor einigen Tagen das Programm der Deutschen Reichs- und freikonservativen Partei gefolgt, das durch die Kürze, Klarheit und Offenheit seiner Fassung sich aus'S Vorth-ilhafteste vor jenen nebelhaften, sophistischen, vom Geist der Intrigue eingegebenen Auslassungen dergroßen Rechten" unterscheidet. Jetzt lassen auch die Ultramontanen von sich hören, zunächst die vom Rhein, also von den Stammsitzen der deutschen Römlinge. Es liegen die Wahlmanifeste der Zentrumspartei der Rheinlands und Westfalens vor. Dem letzteren ist zugleich ein Wahlprogramm eingefügt, daS wir nachstehend wörtlich mittheilen, weil es für die Bestrebungen und die Ausdrucksweise der Ultramontanen durchaus charakteristisch ist. DaS Programm lautet: 1) Wiederherstellung und erhöhte verfassungsmäßige Sicherst, llung der Selbstständigkeit und Rechte der römisch-katholischen wie der evangelischen Kirche, vor Allem in Betreff der Ueberwachung, Leitung und Ertheilung des Religionsunterrichtes in der Schule, der kirchlichen Organisation und Disziplin, sowie des kirchlichen Vermögens. 2) Uneingeschränkte Freiheit der Religionsübung und thatsächliche Durchführung der staats­rechtlichen Parität der anerkannten R ligionsbekenntmsse. 3) Volle Wahrung des unveräußerlichen Rechtes der Eltern auf Erziehung ihrer Kinder, unter Beseitigung jedweden dem entgegenstehenden Zwanges, demgemäß konfessionelle Schule und Verwirklichung der verfassungsmäßig verheißenen UnterrichtSfreiheit. 4) Aushebung der den vorstehenden Forderungen und Richten widersprechenden Gesetze und Anordnungen.

5) Endliche Verwirklichung des von der Verfassung geforderten und gegenwärtig mehr als je nothwendigen Gesetzes über die Verantwort­lichkeit der Minister. 6) Allgemeines direktes Wahlrecht behufs Er- wirkung einer auf gesunderen Grundlagen beruhenden Vertretung der verschiedenen Bolksinteressen. 7) Beseitigung der Beschränkungen der Preßfreiheit, sowie des Vereins- und VersammlungsrechteS. 8) Dezen­tralisation der Verwaltung; wahre Selbstverwaltung der Gemeinden, Kreise und Provinzen. 9) Gesetzlichen Schutz gegen Ueberschreitung der Befugnisse der Verwaltung und der Polizei. 10) Festhaltung der föde- ralen Stellung Preußens zum Deutschen Rüche und Bekämpfung aller gegen den verfassungsmäßigen föderativen Charakter der staatlichen Ver­hältnisse in Deutschland gerichteten politischen oder wlrthschaftlichen Bestrebungen. 11) Beschränkung der Staatsausgaben, insbesondere für die Armee, durch angemessene Verkürzung der Dienstzeit und Vermin­derung der Präsenzstärke des Heeres im Frud n. 12) Gleichmäßige und gerechte Vertheilung der Steuern und Lasten; Beseitigung bet. Doppelbesteuerung; Feststellung der jährlich auszusch eibenden Steuer­summen. 13) Erhaltung und Förderung eines kräftigen Mittelstandes^

in einem selbstständigen Bürger-, Bauern- und Handwerkerstands und dahin zielende Reform der wirthschaftlichen Gesetzgebung. 14) Freiheit für alle den gesetzlichen Boden nicht verlassenden Bestrebungen zur Lö­sung der sozialen Aufgaben; Bekämpfung der Grundsätze und Agitatio­nen, welche daS Eigenthum und die soziale Ordnung bedrohen; Unter­stützung der berechtigten Forderungen der Arbeiterstandes und deren Regelung durch ein Gesetz über die Rechte der Arbeiter." So daS Programm, das, wie immer in ultramontanen Ausrufen geschieht, für alle gemeinschädlichen Forderungen die unbefangensten, schönsten und wohlklingendsten Ausdrücke gewäbl hat. ES ist nur gut, daß zum Vor­aus Jedermann weiß was der UltramontaniSmuS unter Religionsfrei­heit, Preßfreiheit, Selbstverwaltung versteht. Auch was die Klerikalen mit den föderativen Staatseinrichtungen meinen, daß sie daS Reich im Innern am liebsten wieder in seine Stücke zerfallen sehen möchten, und daß sie Erleichterung der Militärlasten wünschen, weil sie mit dem Rnche leichter fertig würden, wenn es nach außen machtlos dastünde, auch darüber braucht Niemand ausführlich belehrt zu werden. Am Anfänge die Knechtung der Schule durch die Kirche, in der Mitte die Rückkehr der Jesuiten (die natürlich in der Aufhebung der Maigesetze die Hauptrolle spielen würde) und am Schluß die sozialdemokratische Weltverbesserung, das ist in Wahrheit die Summe des Glücks, daS von den Klerikalen dem deutschen Volke angeboten wird.

Bei dem Rrichskanzleramt laufen jetzt zahlreiche Petitionen um Erlaß eines Patentgesetzes ein, welche im Wesentlichen alle den Anschluß der deutschen Gesetzgebung an die englische und amerikanische als ein düngeMs Gedürfn^ß bezeichnen und in ihrer Begründung die Patentgesetzaebüng als ein Ha^ptmittel zur Hebung der gesunkenen In« dustrie bezeichnen. Von verschiedenen Seiten, so von dem deutschen Patentschutz, Verein, wurden vollständig präzisirte Gesetzentwürfe einge­sandt, welche 15jährige Patentdauer, Veröffentlichung der Patente und die Pflicht der Patentirten auf Ueberlassung ihrer Erfindung an Jeder­mann gegen Entschädigung fordern. Das Reichskanzleramt dürfte die bezüglichen Eingaben drr Er quete> Commission als Material Überwerfen.

(Trib.)

Professor Reuleaux veröffentlicht in der Nat.-Ztg. einen dritten Brief aus Philade'phia, in welchem er zunächst sich über den Widerspruch ausläßt, dem sein V-rdikt über die deutsche Industrie in vielen deutschen Blättern begegnet ist. Nachdem er die ihm gemachten Vorwürfe kurz resumirt hat, fährt er fort:Ich darf mich übrigens nicht auf Widerlegungen einlassen, sondern möchte nur bemerken, daß solche und ähnliche Entgegnungen, Bezweiflungen an der Berechtigung, der Borwurf der Härte des Urtheils, Anspielungen auf meine Stellung die ich, als ich den Brief schrieb, noch nicht inne hatte daß diese auf mich mehr den Eindruck von Flankenangriffen auf die Sache, der ich zu dienen wünsche, machen; sie lenken die Aufmerksamkeit von der Hauptfront ab, ohne aber diese zu erschüttern. Uebrigens ist mein Brief keine Herausforderung, sondern die Mittheilung einer schmerz­lichen Thatsache, für welche eine dumpfe Empfindung bei uns allerwärtS vorhanden, für deren Erkenntniß aber das hat die entstandene Be­wegung bei mir zur Ueber zeugung gebracht bisher das lösende Wort nicht gefunden worden war. Die entstandene Bewegung der Gemüther ist bloß der Lösung jen^r Spannung zuzuschreiben."

Bei dem deutschen Panzergeschwader, welches in die türkischen Gewässer entsandt worden, hat man eine neue Art von Nachtsignalen versucht und davon so befriedigende Resultate erlangt, daß die Einfüh­rung bei der ganzen deutschen Kriegsmarine bevorstehen dürfte. Es werden durch einen eigenthümlich konstruirten Apparat kleine Flammen erzeugt, welche kurze und lange Blitze bilden und Schriftzeichen o^er Zahlen ausdrücken, so daß man es mit einem Lichttelegraphen zu thun hat, dessen Herstellung ohne große Anstrengung auf jedem Schiffe zu ermöglichen ist und nur drei Mann zur Bedienung erfordert. Die Erfindung sieht in Kurzem noch wesentlichen Verbesserungen entgegen.

S. M. S.Nymphe" ist am 7. August cr. in P ymouth und S. M. S.Niobs" am 6 in Leith eingetroffen. An Bord Alles wohl. Das Kommando S. M. TorpedodsmpserZieten" beabsich­tigt, eingegangener Nachricht zufolge, am Donnerstag den 10. oder