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— München, 8. August. Wenn die „Amberzer Volkszeitung" mittheilt, eS habe die vom KriegSministerium berufene „Kommission zur Berathung der Neubewaffnung die Anfertigung von Mausergewehren für die daher. Armee beschlossen", so mag die Richtigkeit dieser Mittheilung um so mehr dahin gestellt bleiben, als sich die genannte Kommission nur mit technischen Fragen zu beschäftigen hatte; wenn aber das genannte Blatt brifügt, „es werde das dem Lande wieder Millionen von Gulden kosten", so ist die hier ausgedrückte Besorgniß jedenfalls insofern« eine unbegründete, als es sich unter allen Umständen nur um die Verwendung der Mittel handeln kann, welche durch das mit den Kammern erst vereinbarte Gesetz über einen Kredit für außerordentliche Bedürfnisse des Heeres gegeben sind. Es sind durch dieses Gesetz zur Ergänzung des Sollstandss in Infanterie- und Kavalerie-Handfeuerwaffen nicht weniger als 4,528,500 Mark bewilligt und zwar in ganzer Summe für das laufende Jahr. — DaS für die k. Hofhaltung in Bayreuth während der Anwesenheit des deutschen Kaisers daselbst erforderliche Dienstpersonal, sowie Hofeqmprgm und Pferde werden übermorgen Abend von hier nach Bayreuth abgehen. Der k. Oberstallmeister Herr Reichsrath Graf von Holnstein ist beauftragt, während der Anwesenheit des Kaisers in Bayreuth die Honneurs zu machen.
— Bayreuth, 7. August. In der letzten Woche hat sich da- hier ein reges Leben entfaltet. Hatten sich schon zur Zeit der Hauptproben eine Mrnge Kunstjünger und Kunstfreunde hier eingesunden, so steigerte sich düsir Zulauf für die jetzt im Gange befindlichen Generalproben, zu welchen König Ludwig II. von Bayern letzten Samstag Nacht ei-!getroffen, noch in erheblichem Maße. Der König ließ den Extrazug Nachts 1 Uhr in der Nähe des berühmten Rollwenzelhauses (Jean Paul's Liebtingsaufenthalt) auf offenem Bahngeleise anhalten und fuhr sofort in Begleitung Meister Wagners, welcher den König erwartet hatte, mittels bereit gehaltener Equipage nach Schloß Eremitage (1 Stunde von der Stadt entfernt). Für gestern (Sonntag) war die Generalprobe des Rhein, old auf Abends 7 Uhr angesetzt, und hatten sich vor der Auffahrt zum Theater Tausende von Einwohnern der festlich geschmückten Stadt von Fremden und Landvolk aufgestellt, um den König zu sehen. Es war aber nur wenigen dies vergönnt, denn der König berichte bei der Fahrt zum Theater in gedecktem Koupe einen ab» gelegenen Nebenweg und gelangte so ganz unvermuthet am Theaterge- bäude an. Im Koupe an Seite des Königs hatte Meister Wagner Platz genommen. Sofort nach Eintritt des Königs in die Fürstenloge begann dir Generalprobe des Rheingold. Die Ausführung sowohl des musikalischen als des szenischen Theils war eine überaus glänzende und wohlgelungene. Daß die Anwesenheit des Königs Ludwig, des Gönners und Förderers des großen Werkes, dissen königlicher Unterstützung das Gelingen des Werkes hauptsächlichst zu verdanken ist, alle Mitwirkenden zur Entfaltung ihrer höchsten künstlerischen Kraft anspornte, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Während der Probe, die bis ^10 Uhr währie, begann in der Stadt die Illumination. Der Anblick der beleuchteten Kirchtürme und der höher gelegenen Stadttheile bot beim Herabsteigen vom Theater einen unbeschreiblich schönen Anblick. In dem niedriger gelegenen Stadttheile zeichneten sich namentlich das Palais des Herzogs Aikxander von Württemberg, Richard Wagners Wohnhaus, das Stadthaus, die k. Regierung, das alte Opernhaus und die Spitalkirche durch brillante Beleuchtung aus. In allen Straßen herrschte fast Tageshelle und in gehobener Stimmung, aber in größter Ordnung wogte durch dieselben eine dichtgedrängte Menge, die Rückfahrt des Königs vom Theater erwartend. Um 10 Uhr kam derselbe vom Theater herab und fuhr in dem zur Auffaht b-nützten Koupe durch die Jägerstraße, Opern- straße, den Markt entlang, um über Schloßplatz, Ludwigsstraße und Rennweg nach Schloß Eremitage zurückzukeyren. Wo der Wagen deS Königs sich zeigte, erschollen begeisterte Hochrufe aus der Menge, deren Zahl ich auf mindestens 8000 schätze, darunter gering gerechnet 2000 Fremde. Es dürste sich für die nächsten Tage der Fremdenzuzug noch steigern, denn gestern früh ist die offizielle Nachricht aus Gastein hier eingelangt, daß der deutsche Kaiser nächsten Samstag den 12. d. Abends ö1/^ Uhr mit einem Gefolge von circa 60 Personen hierorts eintreffen und im kgl. Schlosse Wohnung nehmen wird. Gleichzeitig mit dem Kaiser treffen der Großherzog und die Großherzogin von Baden und Prinz Georg von Preußen k. k. Hoheiten hier ein.
— Wien, 8. August. Die von hier gemeldete Nachricht, Serbien habe bereits die Vermittelung der Großmächte nachgesucht, ist nach Mrttheilung des Telegraphen Korresponvenzbureaus bis jetzt unbegründet.
— In Frankreich geht eine großartige Idee ihrer Verwirklichung entgegen. Es handelt sich darum, den Kanal mit dem Mittelmeer durch eine Wasserstraße zu verbinden. Der französische Bauten- minister Christophle hat zwei Gesetzentwürfe vorgelegt, betreffend die R-gulrrung der Seine zwischen Paris und Rouen und der Rhone zwischen Lyon und Mar,erll-, wonach das Bett der beiden mit einander zu vervmdtnden Ströme üoerad eine Tiefe von mindestens 2,20 Metern A für Seeschiffe fahrbar ist. Die Gesammtkosteu sind auf Mill. Francs veranschlagt.
I — Paris, 7. August. Der Gatineau'sche Gesetzesvorlchlag, nach welchem die Verfolgungen gegen die Mitglieder der Kommune von AmtS wegen eingestellt werden sollen, steht auf der Tagesordnung der Deputirtenkammer für diese Woche.
— Don Carlos hat von der französischen Regierung noch nicht die Erlaubniß zum Aufenthalt in Paris erhalten. Es scheint, daß mehrere Minister Einwendungen erhoben haben.
— Die englische Presse wird, wie man aus London schreibt, bei den Bayreuther Aufführungen stark vertreten sein „TimeS", „Daily News", „Telegraph", „Morning Post", „Standard" und von Wochenblättern „Academy", „Athenäum", und „Despatch" senden Berichterstatter. Auch die ständigen Musikkritik« der zwei größten New Io ker Blätter, des „Herald" und der „New Jork Times", sind bereits in Europa angelangt, um den Bayreuther Aufführungen beizuwohnen.
— London, 8. August. In der gestrigen Sitzung des Unterhauses interpellirte Anderson die Regierung abermals wegen der von den Türken in Bulgarien begangenen Grausamkeiten. Mehrere andere Redner sekundirten demselben und dehnim ihre Angriffe auch gegen den Premier Disraeli und den Botschafter Elliot aus, welche die aus Bulgarien gemeldeten Thatsachen als übertrieben bezeichnet hätten. Der Unter-Staatssekretär Bourke nahm Disraeli und den Botschafter gegen die wider dieselben gerichteten Vorwürfe in Schutz und verlas einen Bericht des Botschafts-Sekretärs Baring, in welchem zuzestanden wird, daß von den Türken Grausamkeiten begangen, gegen 60 Dörfer zerstört und an 12,000 Personen, welche der christlichen Bevölkerung angehören, getödtet worden sind.
— W,e Morning Post erfährt, haben ^sich die Russen in letzter Zeit stark bemüht, den englischen Einfluß in Afghanistan zu untergraben, und zwar soll zwischen dem Emir von Kabul und General Kaufmann nicht nur ein Austausch von Mittheilungen stattgefunden haben, sondern der letztere auch einen ständigen Agenten am Hofe des Emir halten. „Wenn dies so ist", bemerkt die Morning Post dazu, „und wir haben nicht viel Grund, es zu bezweifeln, dann ist in der That die Zeit für uns gekommen, uns aus unserer Gleichgültigkeit hinsichtlich des Vordringens der Russen im Osten aufzurütteln. Die Zeit für „meisterhafte Unthätigkeit" ist vorbeigegangen und die Regierung sollte sich rühren. Das auswärtige Amt sollte keinen Augenblick verlieren, eine andere Politik anzubahnen, als die leichte, aber gefährliche, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Wenn es nicht im Vereine mit der indischen Regierung eine neue AktionSlinie einnimmt, so können wir, ehe wir es nur wahrnehmen, finden, daß Afghanistan auf immer für unS"' verloren ist. Hoffentlich ist die Nachricht von dieser weiteren Thätigkeit Seitens Rußlands der Regierung nicht unbekannt, und denkt sie auf ein Mittel, derselben entgegenzuwirken." <SHw. Merk.)
Vom Kriegsschauplatze.
Konstantinopel, 8. August. Hier eingegangene Privatde- peschen aus Widdin vom gestrigen Tage bestätigen, daß die türkischen Truppen ohne Kampf in Saitschar eingerückt sind, da das Corps des Oberst Leschjanin in Folge des Sieges der Türken bei Kujazewatz und weil Leschjanin fürchtete, Saitschar möchte von verschiedenen Seiten angegriffen werden, die Stadt räumte. — Durch eine hier eingegangene Depesche Osman Paschas wird amtlich bestätigt, daß Saitschar von den Serben geräumt und dann durch die türkischen Truppen besetzt worden ist. Die Tscherkesien haben den abziehenden Serben auf der Verfolgung erhebliche Verluste beigebracht.
Konstantinopel, 9. August. Der amtliche Bericht der türkischen Regierung über die Einnahme von Saitschar lautet: Osman Pascha hatte nach den erforderlichen Vorbereitungen und nachdem behufs Uebergangs über den Timokfluß Brücken geschlagen worden waren, die Offensive gegen Saitschar ergriffen. Die bei Saitschar befindliche serbische Armee verließ darauf ihre Stellungen und zog sich zurück. Osman Pascha verfolgte dieselbe und drängte sie in Unordnung zurück, die Serben verloren eine große Anzahl Todter und Verwundeter. Die türkischen Truppen haben von Saitschar Besitz ergriffen und die wichtigsten strategischen Punkte dieses Platzes besetzt.
Paris, 8. August. Nach Nachrichten, welche der „Agence Ha- vaS" aus Belgrad zugegangen sind, wird dort die Lage des Landes als eine äußerst gefährdete angesehen. Fürst Milan soll nicht abgeneigt sein, Frieden zu schließen, doch sei das Ministerium und besonders Rfftic für eine Fortsetzung deS Kampfes bis aufs Aeußerste; der Krieg werde daher, wenn das gegenwärtige Ministerium am Ruder bleibe, zunächst noch fortgeführt werden.
— Die „Pol. Korr." erhielt über die neuesten Ereignisse auf dem serbischen Kriegsschauplatze folgenden telegraphischen Bericht aus Belgrad vom 6. August Abends:
„Die Lage der serbischen Armee auf dem südöstlichen Kriegsschauplatze ist eine ernste. Oberst Uzun Mirkovic zog sich auf Vratarnica, in der Richtung gegen Zajcar, zurück, Horwatovic zog sich auf Banja, drei Stunden von Alexinatz entfernt, zurück. Kujazewatz, eine kleine wohlhabende Stadt mit 5000 Einwohnern, existirt nicht mehr. Wäh« j rend des fünftägigen Kampfes um diese Stadt, wurde sie von den