NdonnementL- Preis:
Jährlich 9 Mark Halbj. 4 M. 50 P.
Vierteljährlich * Mark 25 Psg. Für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postausschlag, ^ic einzelne Nummer 10 Pfg.
HmmK MWu
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, - und Samstags mit der Berliner Provinzial-Korrespondenz.
£ nie uien v- Preis:
Die ispaltige Earmondzeile vd. deren Raum
io Pfg.
Die LsPal^ Zeile
20 Pfg.
Die 3spa1tigeZeile
30 Pfg
M 185
Donnerstag den 10. August.
1870.
BekkUktMachnKgeu Köuigl. LaNdrathsamts dahier.
Der Aufsichts.Kommissar, Gutsbesitzer Lade zu Geisenheim, theilte Königlicher Regierung mit, daß zu Anfang April er. aus einer der bedeutendsten Rebschulen zu Erfurt bezogene Reben mit der Reblaus behaftet erkannt wurden. Eine in Folge dessen von dem Reichskanzler- Amte veranlaßte Mitte Mai er. vorgenommene vorläufige Untersuchung der betreffenden Rebschule ergab daS traurige Resultat, daß die Reblaus innerhalb derselben Verbreitung gefunden hatte, während die am 7. und 8. Juni d I. vollzogene eingehendere Untersuchung zu dem Ergebniß führte, daß in fast allen der Rebzucht gewidmeten Abtheilungen der in Rede stehenden ausgedehnten Rebschule und Gärtnern die Reblauskrankheit vollständig zum Ausbruch gelangt war. Mehr als die Hälfte aller untersuchten Reben, sowohl Amerikanische wie Europäische, waren von der Krankheit befallen.
Auch andere Rebschulen und Rebpflanzungen in Erfurt erwiesen sich von der Reblaus inficirt.
Innerhalb der letzten Jahre bis in die jüngste Zeit sind nun aus den vorerwähnten Rebschulen zahlreiche Reben nach den verschiedensten Gegenden Deutschlands versandt worden und ist die Befürchtung begründet daß diese Reben zum großen Theile mit der Reblaus behaftet waren, daß so die Reblaus nach zahlreichen Orten verschleppt wurde und daß Angesichts dessen dem deutschen Weinbau von Orten aus die höchste Gefahr droht, an denen man bisher das Vorhandensein der Reblaus gar nicht vermuthen konnte.
Unter diesen höchst mißlichen Verhältnissen erscheint es nothwendig, selbst jedem einzelnen Rebstock eine ganz besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden.
Die Herren Ortsvorstände veranlasst ichWerdurch innerhalb 14 Tagen über nachstehende Punkte zu berichten:
1. ob in dem Gemeindebezirk Rebschulen vorhanden sind, aus denen Reben käuflich abgegeben werden. Bejahenden Falls haben die Ort? Vorstände die Besitzer dieser Schulen namhaft zu machen, die Größe der letzteren anzugeben^wie auch, ob in den Rebschulen nur deutsche ober auch Reben außerdeutscher Abstammung kulti- v rt werden und wohin die Reben vorzugsweise Absatz finden;
2. ob in den Gärten und Weinbergen ihrer Gemarkung Reben vorhanden sind, welche in den letzten Jahren aus Erfurter Rebschulen bezogen wurden. Ist dies der Fall, so haben die Ortsvorstände die Namen beziehentlich Firmen der Rebschulenbesitzer zu ermitteln, von denen die Reben bezogen worden sind.
Sollten Fälle vorliegen, aus welchen sich das Vorhandensein der Reblaus schießen läßt oder mindestens verdächtig erscheint, so ist unverzügliche Anzeige hierher zu erstatten.
Schließlich werden alle Besitzer von Rebpflanzungen auf die großen Gefahren aufmerksam gemacht, welche aus dem Bezug auswärtiger Reben drohen und aufgefordert auf die Einführung auswärtiger Reben so lange gänzlich zu verzichten, bis die Gefahren völlig verschwunden sind.
Hanau am 8. August 1876.
In der Nähe der Ortschaften Keffelstadt, Mittelbuche«, Wachen- buchen, Hochstadt, Kilianstädteu, Oberdorfelden, Niederdorfelden und Gronau haben sich der Tollwuth verdächtige Hunde gezeigt.
Auf Grund der Polizei- Veroi dnung vom 8. Oktober 1873 haben alle Besitzer von Hunden der genannten Orte solche unverzüglich bis auf weitere Verfügung eingesperrt zu halten.
. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe von 9 bis 30 Mark 0- er entsprechender Haft geahndet. Ausgenommen sind Zughunde, wenn sie pft angeschrrrt und mit sicherem Maulkorb versehen sind; auch Hirtenhunde. — Jagdhunde müssen außerhalb der Jagdrevier t an der Lerne geführt werden.
Die Herren Bürgermeister wollen diese Verfügung in ihren Bezirken noch besonders bekannt machen.
Hanau am 5. August 1876/
TagesschKN.
— B erliin, 6. August. Die Nachricht, daß der Kaiser Wilhelm mit Kaiser Franz Josef in Jschl zusammentreffen wolle, hat hier überrascht und würde, wenn sie sich bestätigen sollte, den -toff zu einer Menge von Kommentaren liefern. Zunächst wurde jedenfalls der neu- liche JnterventionSartikel eines hiesigen Blattes wieder vorgesucht werden, dem man wieder durch einen ihm angedichteten halbamtlichen Ursprung, ein möglichst großes Relief gegeben hat, so daß schließlich wiederum hat erklärt werden müssen, daß das Auswärtige Amt aar ! keine Beziehungen mit der Presse unterhalte. Wie sehr das Letztere • richtig ist, kann man selbst aus den Aeußerlichkeiten ersehen, daß die Abreise des Fürsten Bismarck erfolgte, als gerade Blätter, welche sich gerne den Anschein von Jnformirtsein geben, ihn noch ein paar Tage länger hier bleiben ließen, und daß kaum versichert war, daß er sich ohne amtlichen Beistand in Varzin behelfe, als Bücher dahin reifte. Bemerkenswerth war an jenem Artikel übrigens viel weniger üas Jn- terventionsprojekt, als die Nuance von Selbstgefühl gegen Rußland, j welche hindurchschimmerte und auch überall empfunden worden ist.
(Schw. Merk.!
— Der Reichskanzler hat dem Bundesrathe unterm 29. v. MtS. die Zusammenstellung der Entwürfe der Reichs Justizgesetze mit den Beschlüssen der Kommission des Reichstags vorgelegt.
— Ueber den Zeitpunkt des Beginnes der Herbstsession des Reichstags verlautet jegt, daß er nicht wesentlich früher, als im vorigen Jahr, d. h. also wohl, daß er in d^ letzte Woche des Oktober fallen werde. Da man allerseits darüber einig ist, Laß diese Session neben den Mstizgesetzen nur mit dem Allernochwendigsteu befaßt werden soll, so kann eine Dauer von etwa 2 Monaten immerhin als genügend betrachtet werden. Ist eine Verständigung über die Justizgesetze möglich, so wird dieselbe in verhältnißmäßig kurzer Zeit erfolgen ; im anderen ; Falle aber, b. h. wenn sich prinzipielle Hinde^aisse ergäben, würde euch = eine doppelt so lange Session nicht ausreiwen, dieselben zu beseitigen. ; Man hofft indeß, daß die erstere Eventualität eintreten wird. Es handelt sich darum, die weitaus wichtigste und segensreichste Aufgabe der ganzen Legislaturperiode, ja der gesammter, bisherigen Wirksamkeit der Reichsgesetzgebung zum Abschluß zu bringen. Niemand kann annehmen, | daß die in Rede stehenden 3 Aes tzmtwürfe von einem künftigen Reichstage mit größerer Gründlichkeit durchberathen werden, noch auch, daß sie eine wesentlich andere Gestalt erhalten würden, als dies jetzt der i Fall ist. In dieser Situation liegt für alle Theile die dringende Er- ' mahnung, die Legislaturperiode nicht ohne die erreichte Verständigung i zu Ende gehen zu lassen. — Die Nachricht, die Wahlen für den preuß. - Landtag würden nach vorhergehender Auflösung schon Mitte September ; stattfinden, ist entschieden irrthümlich. Wie bereits früher mügetheilt worden, soll und kann die Berufung des Landtags mit Rücksicht auf die vor Ende dieses Jahres noch stattfindende ReichStugssession nicht vor ; dem Januar nächsten Jahres erfolgen. Da nun aber zwischen der : Auflösung und der Wiederberufung des Landtages nach der Vers, nur 90 Tage liegen dürfen, so ist die Auflösung nicht vor der ersten Häffte des Okrbr. zulässig, es können also die Wahlen frühestens erst für die zweite Hälfte des Okt, angesetzt werden. (spr. ®d
— Die vielfach verbreiteten Angaben, welche eine Vermittlung der Mächte in der orientalischen Frage As mehr oder minder bevorstehend bezeichnen, werden nach einer Berliner Korr. der Kln. Ztg. von bestunterrichteter Seite als zur Zeit völlig grundlos erklärt. „Es ist davon direkt gar nicht die Rede gewesen; noch grundloser, so versichert man, ist alles, was von Kongreßplanen verbriet wird. Thatsächlich haben derartige Ideen wenig Freunde ur d als Hauptgegner ist bie hiesige Regierung cnzusehen, weil dieselbe davon ausgeht, daß durch einen Kongreß ohne bestimmtes Programm nur Weiterungen entstehen können, denen man gerade aus dem Weae gehe» möchte."
— In drr Müller'schen Maschistenbauanstalt zu Sommerfeld (Reg. B-z. Frankfurt) wurden durch eine K-sfel-xplosioa ungeheuere Verwüstungen angerichtet und 6 Personen «stöbst. Ursache bet Ex- i Plosion soll die ungenügend- Speisung des Kessels gewesen sein.