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M 184.
Mittwoch den 9. August.
1876.
Bekanntmachung.
Für die Dauer des dem Königlichen Lanbrathe Herrn Cornelius zu Fulda zu bewilligenden sechswöchigen Urlaubs ist der Königliche Amtmann Herr Rohde aus Orb zu dessen Vertreter als StaatS- Commiffarius für die bischöfliche Vermögens-Verwaltung in der Diözese Fulda bestellt worden.
Cassel, den 1. August 1876.
Der Ober-Präsident gez. Frhr. von Ende.
BekEKStWachungen Kömgl. ^andratßsamts basier.
Die Frankfurter Anilinfarben-Fabrik von Gans & Leonhardt beabsichtigt auf ihrem ca. 1 Hectar 29 Aren großen, an der Mainkur in der Gemarkung Fechenheim gelegenen Fabrikgrundstück eine weitere gewerbliche Anlage zu dem Zweck zu errichten, aus den bei der Fuchsinfabrikation mittelst Arsensäure abfallenden Rückständen den Arsenik für die Benutzung in der Fabrikation wieder zu gewinnen.
Zeichnungen und Beschreibungen dieser Anlage liegen für vierzehn Tage zur Einsicht resp. Anbringung etwaiger Einwendungen, bevor die nachgesuchte Gestaltung zur Errichtung der Anlage ertheilt ist, offen.
Hanau am 7. August 1876.
Gefunden: Eine weiße wollene Pferdedecke mit rothen Streifen. Zwei Stück tanncne Klafterstümpfe. Eine schwarze Manschette. Ein weißes Taschentuch, E. D. gez. Eine goldene Broche mit schwarzer Emaille und Sternchen (gefunden in der Gastwirthschaft zur WilhelmS- Höhe). Ein Portemonnaie mit etwas Geld. Ein Paar getragene stark benagelte Knabenstiefel. Eine Denkmünze von 1848/49.
Zugeflogen: Ein Kanarienvogel.
Verlöre«: Ein goldener Trauring, inwendig der Name vollständig erngravirt; dem Finder 2 Mark Belohnung. Ein Zwanzig- Marksckein. Ein schwarz-seidener Schirm mit Horngriff.
Entlaufen: Ein grauer Pinscher mit Maulkorb.
Hanau am 8. August 1876.
L « g e s s ch
Dom Kriegsschauplatz.
«. d. Schw. Merl.
Die Stadt Gurgussovatz oder Knjazevatsch ist nach zweitägigem heftigem Kampf den Türken in die Hände gefallen. Den ersten ernst- haften Widerstand, den ihnen die Serben auf dem eigenen Boden ent« gegenstellten, haben sie gebrochen. Der Erfolg ist ein namhafter; durch ihren hartnäckigen Widerstand, den sie hier dem andriugenden Türkenheer entgegensetzten, haben die Serben selbst an den Tag gelegt, welchen Werth sie auf die Behauptung einer Stellung legten, wo sich die Straße aus dem Morawathal von Westen und die Straße aus Saitschar von Norden vereinigen. Gern möchte man wünschen, daß dieser Erfolg der türkischen Waffen dasjenige entscheidende KriegSereigniß sei, auf welches die europäische Diplomatie wartete, um sich zwischen die Streitenden zu werfen und dem Krieg ein Ende zu machen, der die Greuel aller Zeiten nachgerade überbietet. Leider wird man diese Hoffnung immer noch vertagen müssen. Noch neuestenS versicherte ein offiziöses Wiener Blatt, für die Vermittlung der Mächte müsse erst eine Basis geschaffen sein, und diese Basis könne nur ein entscheidender Siez bilden; so lange nicht der eine der beiden Theile vollständig unterlegen sei, könne eine Vermittelung nicht zweckdienlich sein. Jetzt vermitteln, wäre eher Grausamkeit. Jetzt könnte nur ein fauler Friese zu Stande kommen, und in kurzer Frist müßte ein neuer Krieg doch zum Austrag bringen, was diesmal unentschieden geblieben. Vor dieser Gefahr, vor diesem Unglück bleiben die Völker, bleibe der Welttheil bewahrt, wenn die Sache diesmal ausgetragen und entschieden werde. Wenn das die Meinung der Mächte ist, wenn sie auf jenen „entscheidenden" Sieg warten, dann ist allerdings der Augenblick chres eingreifend noch immer nicht gekommen; denn die Bedeutung des türkischen Erfolgs läßt sich für jetzt noch nicht übersetzen. Man weiß nicht, wie theuer Achmed Pascha denselben bezahlt hat, mcn weiß nicht, ob die Hauptmacht Tschsrnajeffs an der Vertheidigung des Timokübergangs betheiligt war oder, wie es bisher
hieß, zwischen Gurgussovatz und Saitschar Stellung nahm, so daß erst nördlich von dieser Stadt die eigentliche Entscheidung zu erwarten wäre, wie denn die Türken schwerlich sich erlauben dürfen, in das Morawa- thal niederzusteigen, bevor sie auch der festen Stellr ng von Saitschar, von der sie sonst in der Flanke, wie von Al^xinacz im Rücken bedroht wären, Herr geworden sind. Dazu kommt noch, daß die Erfolge der Montenegriner gegen Moukhtar Pascha den Erfolg der Türken wenigstens zum Theil wieder aufwiegen, so daß von einem erheblichen Ueber- gewicht des einen Theils über den anderen noch nicht die Rede sein kann. Wahrscheinlich ist es aber den Mächten blos erwünscht, daß der Augenblick für ihre Aktion noch nicht gekommen ist, denn allem Anschein nach sind sie für dieselbe noch schlecht vorbereitet. Ja, es ist zu befürchten, daß. sobald der Metzelei an der unteren Donau ein Veto zugerufen würde, die Gefahr einer erhöhten Spannung zwischen den europäischen Mächten wieder näher rückte. Wäre nicht diese Ratblosigkeit unter der Diplomatie und diese Furcht vor politischen Verwicklungen, so wäre ja längst eine Handhabe für Einmischung gefunden worden in der zum Himmel schreienden Barbarei, mit welcher der Krieg geführt wird. Nur ist nicht abzusehen, was das längere Zuwarten schließlich nützen kann. Denn werden etwa in dem Augenblick, da die Serben niedcrgeworfen sind, die Gegensätze zwischen den Interessen der Großmächte weniger avfeinanderplatzen, als jetzt, da die Aussichten noch in der Schwebe sind? In dem Einen, sollte man denken, hätten alle Mächte einig sein können, der Fortdauer von Zuständen ein Ende zu machen, die, wie der Timeskorrespondent aus Konstantinopel schreibt, ein furchtbares Zeugniß davon sind, was in der Türkei der Mensch von den Menschen zu erdulden hat.
— Es bestätigt sich, wie man der Nat. Ztg. schreibt, daß die preußische Regierung Vorarbeiten zur Herstellung eines umfassenden Canalsystems und zwar mit besonderer Berücksichtigung von Canalver- bindungen mit den Nachbarländern angeordnet hat. In letzterer Beziehung namentlich stützt man sich auf die Conferenzen, welche vor einigen Monaten zwischen Delegirten der preußischen und der königlich niederländischen Regierung hier stattgefunden haben. Die zustehenden diesseitigen Ministerien widmen dieser Angelegenheit eine außerordentliche Sorgfalt, und es scheint, daß man schon in der nächsten Landtagssession in der Lage sein möchte, dieser Angelegenheit näher zu treten. — Man wird sich erinnern, daß vor Jahr und Tag die Absicht gehegt wurde, ein Reichsgesetz über Bittgänge mb Prozessionen und die Beschränkung auf das Innere der Kirchen bezw. der Kirchhöfe zu bewirken. Es ist damals, wie es hieß, auf Grund eines Widerspruchs der bayerischen Regierung nicht zu einer Vorlage gekommen, doch schkint daraus nicht hervorzugehen, daß der frühere Plan ganz aufgegeben ist. Möglicherweise wird man früher oder später die Frage durch Landesgesetz regeln, wenn ihr auf dem Wege der Reichsgesetzgebung Schwierigkeiten entgegen treten. Allem Anschein nach ist man durch Vorgänge der neuesten Zeit in einzelnen Provinzen wieder darauf zurückgekommen.
(Trib)
— Briefsendungen für S. M. Tropedoboot „Zielen" sind bis auf Weiteres nach Wilhelmshaven zu dirigiren.
— Darmstadt, 7. August. An Blutvergiftung, wahrscheinlich in Folge eines vernachlässigten FUegenstiches, starb vorgestern ein hiesiger Realschüler, der heute Vormittag ourch seine Angehörigen, Lehrer und Mitschüler zu Grabe geleitet wurde. Wiederholt weisen wir darauf hin, daß große Vorsicht bei Ftregenstichen noth thut. Befeuchten der Wunde mit Speichel, Ammoniak oder Ausbrennen mit der Cigarre ist anzurathen. Eltern und Lehrer wollen ihre Schüler auch belehren, daß Fliegen, Mücken und andere Insekten, die auf den bei der jetzigen trockenen Hitze zahlreich hemmliegenden Maulwurfsleichen ihre Nahrung holen und von hier aus später Menschen heimsuchen, das gefährliche Leichengift auf letztere übertragen können. Alsbaldiges tiefes Emschar- ren der Thierleichen sollte überall zur Pflicht erhoben werden.
— Nürnberg. Der deutsche Fleischerkon -reß ist mit seinen Berathungen zu Ende. Er erklärte sich für Einführung von Arbeits- büch-rn; dagegen wurde in einer Resolution der Schlachtzwang verur- theilt. In einer weiteren Resolution wurde der Hausirhandel mit fei»