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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Freitag den 4. August
1876.
der bestehenden UnterosfizierSschulen ist, wie bekannt, in AuSsicht genommen. Zunächst wird eine solche Schule in Marienwerder (West- Preußen), später aber auch eine in Süddeutschland neu errichtet werden.
(Pr. »L)
— Fürst BiSmarck lebt in Varzin von allen Geschäften gänzlich zurückgezogen, wofür genugsam der Umstand spricht, daß derselbe von keinem Beamten des Auswärtigen Restarts begleitet ist. Ueber den Zeitpunkt seiner Rückkehr zu den Geschäften ist nichts festgestellt. Dagegen scheinen Besprechungen, welche der Fürst mit den hervorragendsten Beamten vor seiner Abreise hatte, sowie Dispositionen, welche er getroffen hat, anzudeuten, daß eine lange Abwesenheit des Fürsten, also mindestens bis zum Zusammentritt des Reichstages, zu erwarten ist. Die letzten Besprechungen des Fürsten mit dem Minister deS Innern Grafen zu Eulcnburg, dürften sich auf die Wahlen bezogen haben; ein Termin derselben ist noch nicht ftstgestellt, dagegen wird vermuthet, daß die Wahlen zum Landtage in der dritten Woche deS September stattfinden dürften. (Irib)
— Wie sich erwarten ließ, macht jetzt der Wahrspruch des ersten deutschen Kommissärs über die deutsche Abtheilung der Ausstellung in Philadelphia und der Brief des preuß. Korresp. der Times die Runde in den englischen Blättern. Die Saturday Review schließt einen Artikel mit den Worten: „Die ungeheuren kriegerischen Erfolge Deutschlands und die Gelehrsamkeit seiner gebildeten Männer haben Europa veranlaßt, mehr zu verlangen, als jetzt schon billig von Deutschland erwartet werden kann. Die Deutschen haben den Stoff in sich, woraus gesittete Nationen sich bilden lassen; aber bis jetzt sind sie noch nicht genug voran, um als Nebenbuhler von Völkern mit älterer Gesittung auftreten zu können. Sie haben noch manche bittere Lektion zu lernen und müssen hart arbeiten, um alle FritdenSkünste zu entwickeln, ehe sie werden können, wie sie der Philadelphische Kommissär haben will. Sie brauchen Zeit, Geduld, Ruhe und der Held auf ihrer Seife kann ihnen zur Erreichung ihres Ideals nicht besser verhelfen, als wenn er in demonstrativer Ruhe in Riffingen sich aufhält und unnöthige Kriege fern hält." cSchw. Stert.)
— Bremen, 31. Juli. Die Untersuchung in Betreff d r Bre- merhavener Dynamitexplosion hat der StaatSkaffe einen so großen Kostenbetrag veranlaßt, baß dessen Deckung aus den für Untersuchungs zwecke dem Amte Bremerhaven bewilligten gewöhnlichen Fonds rucht möglich ist, und nach der „Wcs.-Z." eine Nachbewilligung von etwa 4000 Mark bei der Bürgerschaft beantragt werden muß. Mehr als die Hälfte der in Frage kommenden Kosten sind durch die in Amerika vorgenommenen Untersuchungshandlungen entstanden, die auf Ermittlung von Complicen des Thomas Keith, und auf Feststellung der persönlichen Verhältnisse deS letzteren sich richteten und sich über daS Gebiet der Vereinigten Staaten und Canada auSdehnten. In den Vereinigten Staaten existirt bekanntlich eine staatlich organifirte Polizei überhaupt nicht. Die Polizeibehörden sind munizipale Institute, deren gesetzliche Befugnisse und deren Wirkungskreis sich auf den betreffenden engen territorialen Bezirk beschränken. Eine zentrale Leitung derulben ist nicht vorhanden, Geheimpolizisten stehen ihnen nur selten zur Verfügung; die Verbindung unter den einzelnen Behörden ist eine schwerfällige; Requisitionen ausländischer Behörden treffen vielfach auf Kompetenzbe-- denken. Unter diesen Umständen hat sich in Amerika das Institut der lizenzirten Private Detective Agencies entwickelt, deren geschäftliche Verbindungen sich über die Vereinigten Staaten, über Canada und selbst England erstrecken und die unter sachkundiger einheitlicher Leitung trotz der ihnen vollständig mangelnden öffentlichen Autorität große Resultate erzielen. Unter den betreffenden Agenturen ist die von Allan Pinkerton in Newyork eine der solidesten und ältesten. An diese wandle sich Das deutsche Generalkonsulat mit der Bitte um Aufstellung der im Interesse der ThomaS'schen Untersuchung erforderlichen Nachforschungen, und die dieser Agentur zu zahlenden Vergütungen, Auslagen und Reisekosten bilden wie gesagt den größten Theil der jetzt von der Bürgerschaft zu bewilligenden Gelder. Für die durch einen deutschen Polizeibeamten in England angestellten Ermittlungen sind etwa 1000 Mark Kosten auf- gewandt. Die übrigen durch die ThomaS'sche Untersuchung veranlaßten Ausgaben sind nicht von uen»enSwerthem Betrage.
Tagesscha».
Eine frauzöffsche Stimme über die letzte Volkszählung im deutschen Reich.
In Frankreich, so schreibt der „Schw. Merk", hat die letzte Zäh- lung im deutschen Reich eine recht lebhafte Aufmerksamkeit erregt. Natürlich: wie die Stimmung bei unsern Nachbarn ist, sieht man in derselben vor allem eine Zählung seiner — Gegner. Diese politische Seite wird bei allen Besprechungen der wisienschaftlichen und TageS- blätter zunächst hervorgekehrt: an der Hand der Ziffern, welche die letzte deutsche Aufnahme geliefert hat, stellt man Vergleiche an zwischen der deutschen und französischen Volkskraft. In der letzten Nummer deS Correspondant, einer wisienschaftlichen Wochenschrift, bespricht der ehemalige Abgeordnete Raudot dieses Thema von obigem Gesichtspunkt. Indem er einen Zuwachs der Bevölkerung bei deutschen Reichs von 1,700,000 Seelen in 4 Jahren lediglich in Folge des Ueberschusies der Geburten über die Sterbefälle und trotz der Auswanderung konstatirt, ruft er klagend aus: „Sind diese Ziffern für Frankreich nicht schrecken- erregend, dessen Bevölkerung, abgesehen vom Verluste Elsaß-Lothringens von 1866—1872 fast um eine halbe Million Köpfe abgenommen hat?" Gegenüber dem landläufigen Pochen auf den Geldreichthum Frankreichs und dem Gerede von der Verarmung Deutschlands trotz der Milliarden bemerkt Raudot, dadurch könne sich nur die Oberflächlichkeit beruhigen lassen. Heute zähle Frankreich 6,029,899 Bewohner weniger als Deutschland. Bleibe das Verhältniß in den nächsten 16 Jahren gleich, so werde sich im Jahre 1892 eine Differenz von über 13 Mill. Seelen • zu Gunsten Deutschlands ergeben. Dieselbe werde für Frankreich um so nachteiliger sei», als die militärische und auch produktive Kraft eines Volks nicht blos in der Zahl der Männer reiferen Alters, sondern der Zahl junger und kräftiger Männer bestehe. Je mehr Geburten in einem Lande, desto mehr Rekruten nach 20 Jahren. Wie beredt sind diese Ziffern! Nur in einem Punkt hat Raudot Unrecht. Diese Zah. len haben für Frankreich keineswegs etwas „SchreckenerregendeS", denn unser Wunsch ist bloß vor den Franzosen sicher zu sein. EtwaS Schreckliches könnte er nur darin sehen, daß die Aussichten auf einen erfolgreiche» Angriff auf Deutschland sich für die Franzosen mit jedem Jahr mindern. Darin erblicken aber wir keineswegs etwas Beunruhigendes, sondern im Gegentheil eine sich stets verstärkende Bürgschaft des Frieden«, für welche die Natur selbst sorgt. Befolgt Frankreich eine nichtaggressive Politik, so kann eS die Deutschen ruhig sich mehren sehen wie der Sand am Meer, und Beklemmungen, wie Pharao sie über die Vermehrung der Kinder Israel empfand, sind höchst überflüssig.
— A»S Berlin schreibt man der „KarlSr. Ztg.": Aus zuverlässiger Quelle kann nunmehr die Vermuthung, daß die ReichSregierung bei Abschluß neuer Handelsverträge nicht von den Gesichtspunkten ab. gehen wird, wie sie der Handelspolitik DelbrückS und speziell dem Abschluß des deutsch-französischen Handelsvertrages zu Grunde lazen, als unbedingt richtig bezeichnet werden. Die eigentlichen Verhandlungen zu beginnen, hat man übrigens hier keine Eile, was sich allerdings schon i aus der allgemeinen wirthschaftlichen Lage Europas und der wesentlich; dadurch hervorgerufenen schutzzöllnerischen Strömung erklärt, wie sie sich ! gegenwärtig in allen Staaten mehr oder minder geltend macht. Ist sie * auch nicht dazu angethan, daS FreihandelSprinzip im Großen und Gan- zen zu gefährden, so wäre es doch denkbar, daß sie, falls eS jetzt zum Abschluß von Handelsverträgen käme, dazu führte, die Anwendung des- selben int Einzelnen unnöthiger und verkehrter Weise einzuschränken. Schon mit Rücksicht hierauf empfiehlt eS sich, normalere Verhältnisse avzuwarten, ehe man zu neuen Verhandlungen schreitet.
„ _ ~ Fürst BiSmarck hat, als er kürzlich einige Tage in Berlin verweilte, u. a. den russischen Botschafter Baron Oubril empfangen. , unll wissen, daß bei dieser Gelegenheit ein russischer Bermitt- lungSvorschlag bezüglich der türkischen Wirren zur Sprache gekommen ™ Reichskanzleramt ist man entsprechend den Beschlüssen deS Reichstages in der letzten Session, damit beschäftigt, einen Gesetzentwurf auszuarbeiten, betreffend die für ganz Deutschland nach einer gesetzlichen Norm zu regelnde Unterstützung der Familien zum Dienst einberufener Reserve-, Landwehr- und Landsturmmannschasten. — Eine Vermehrung