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M 179 Donnerstag den 3. August.
1876.
Bekanutmachnuge« Königl. LaudrathSamts dahier.
Dem Jakob Lattich in Wachenbuchen ist ein großer gefleckter Doggenhund zugelaufen.
Hanau am 1. August 1876.
s Der Brief des Kaisers Wilhelm au den Präsidenten Grant.
A. b. Schtv. Merk,
Erst jetzt, nachdem der Wortlaut des BriefeS bekannt geworden, den unser Kaiser an den Präsidenten der nordamerikanischen Union zur hundertjährigen Feier ihres Eintritts in die Reihe der unabhängigen Staaten gerichtet hat, tritt die volle Bedeutung desselben inS Licht. Schon die Anrede, deren sich der gegenwärtig mächtigste Monarch dem Präsidenten der Republik gegenüber bedient, indem er ihn großer und lieber Freund nennt, zeigt die edle Gesinnung, mit welcher der Kaiser, die hohe Würde der Stellung des Präsidenten anerkennend, diesen als seinen Freund neben sich stellt. Bereitwillige und freudige Anerkennung dessen, was der befreundete Staat jenseits des Ozeans im ersten Jahrhundert seines Bestehens geleistet, ist überhaupt der Grundton, welcher sich durch das kaiserliche Schreiben hindurchzieht. Die kurze Andeutung über den Ursprung der Bereinigten Staaten würdigt den reinen Frei- Heitssinn, mit dem die Gründer derselben unter Einsetzung des eigenen Lebens und Eigenthums den kühnen Schritt der Lossagung vom Mutter- lande thaten, um sich als unabhängige und selbstständige Männer selbst Gesetze zu geben, dann aber die selbstgesetzten Ordnungen und Schranken als freie Männer treu zu beobachten. Weiter rühmt der Kaiser ihnen nach, daß sie ihr Staatswesen, nachdem einmal der Grund gelegt war, in weiser Benutzung der Lehren der Geschichte der Staatenbildung und mit weitem Blick in die Zukunft geordnet, und sagt, daß sich dasselbe in einer Entwicklung ohne Gleichen bewährt habe. Dieser Ausdruck bewundernden Lobes ist in der That wohl berechtigt, wenn man bedenkt, aus wie kleinen Anfängen die Union sich zu dem gewaltigen, einen halben Welttheil umfassenden Staat von 40 Millionen Angehörigen entwickelt hat. Das gespendete Lob wird aber noch bedeutsamer, wenn man erwägt, daß der Kaiser damit die befreundete Republik dem von ihm selbst geleiteten Staate ebenbürtig an die Seite stellt. Eine Ge- schichte sonder Gleichen hat bekanntlich der Vorgänger unseres Kaisers auf dem preußischen Throne, dessen Bruder Friedrich Wilhelm IV., zuerst die Geschichte Preußens genannt, und sein Wort ist, zumal nachdem sich daS deutsche Reich aus dem preußischen Staate herausgebildet, zu einem geflügelten Wort geworden, dar sich GeschichtSschreiber und Volk um seines treffenden Ausdrucks willen je länger je mehr angeeignet haben. Die Entwicklung ohne Gleichen stellt die nordamerik. Union in den Augen deS Kaisers mit dem preußisch-deutschen Staate auf Eine Höhe. Erinnerungen an die bisherigen Beziehungen beider Staaten zu einander sind eS denn auch, die den Kaiser veranlassen, seine Glückwünsche zu der staunenSwerthen Entwicklung der Union mit besonderer Freude darzubringen. Seine Freude ist um so größer, als schon der Ahnherr deS Kaisers, König Friedrich II. glorreichen Andenkens, einen FreundschaftSvertrag mit den Vereinigten Staaten geschlossen hatte, dessen Sinnbild die Uebersendung eines EhrendegenS an den General Washington war, und als seit jener Zeit stets eine ungetrübte Freundschaft zwischen Deutschland und Amerika bestanden und sich durch die immer zunehmenden Beziehungen beiderseitiger Angehörigen und in ei- mm fruchtbareren Austausch auf beiden Gebieten des Verkehrs und der Wissenschaft entwickelt und befestigt hat. War doch das deutsche Element bekanntlich gerade in den ursprünglichen Staaten der Union vor-
c vertreten, so stark, daß die deutsche Sprache beinahe zur amtttchen Sprache des neuen Staates erklärt worden wäre. Und im
« ^"^zehnte sind die Beziehungen zwischen beiden Staaten Hunderte, ja Millionen von Deutschen, welche aus ihrem Vater- m Ozean auswanderten, noch mehr gekräftigt worden. Das ^oano zwischen den Ausgewanderten und dem Heimathlande wurde nie- mals ganz zerrissen. Wenn sie es auch für eine Ehre hielten, Bürger der Ver. Stauten zu sein, sie blieben doch in fortwährendem Verkehr
"E^alten Vaterlande und befestigten das gegenseitige enge Ver- haitnlß durch einen regen Austausch auf dem Gebiete des Handels, be
sonders aber auf dem der Kunst und Wissenschaft; was der theoretische Deutsche auf diesem geistigen Gebiete Neues entdeckte oder erfand, das verwerthete der praktische Amerikaner sofort für Handel und Verkehr, für Industrie und Gewerbe. Heute ist dieser Austausch zwischen beiden Ländern ein so lebhafter, daß das Wohl und Wehe des einen von dem deS anderen mitbedingt wird. Bei dieser engen Verbindung beider Staaten gibt der Kaiser begreiflicher Weise zum Schluß dem Wunsch und der Hoffnung Ausdruck, daß die Wohlfahrt der Ver. Staaten auch fernerhin wachsen möge und mit ihr die Freundschaft beider Völker, welche sich bisher als so segensreich erwiesen. Des Kaisers Wunsch ist um so aufrichtiger, seine Hoffnung um so zuversichtlicher, als beide Völker durch die natürlichen Verhältnisse ihrer Länder selbst auf diesen Freundschaftsverkehr angewiesen sind. Durch einen weiten Ozean von einander getrennt und zugleich mit einander verbunden, ist keines von beiden des anderen Nebenbuhler, deS einen Vorzüge sind vielmehr dazu bestimmt, deS andern Mängel zu decken. Selbst wenn sich die Ver. Staaten im zweiten Jahrhundert ihres Bestehens noch ebenso gewaltig auSdehnten, wie im ersten, sie würden doch noch immer Raum genug haben für deutsche Kräfte, welche jenseits des Ozeans ihre Kenntnisse und Fähigkeiten in der Arbeit erproben, etwas Tüchtiges schaffen und sich Besitz und Eigenthum erwerben.wollen. Für die Zukunft scheint unS das öffentliche und herzliche Jneinanderschlagen der Hände zwischen Kaiser Wilhelm und dem Präsidenten Grant, wie der in Rede stehende Brief es zeigt, um so bedeutungsvoller, da in dem alternden Europa gegenwärtig manches bisher gewaltige Reich in Niedergang begriffen ist und er für das junge preußisch-deutsche Reich nur bte segensreichsten Folgen haben kann, wenn eS mit dem verhältnißmäßig ebenso jungen Weltreich jenseits deS Ozeans einen FreundschaftSbund schließt.
— Nach einer Eirkularverfügung der Finanz-Ministers vom 24. v. M. gehöre« die Einzwölftel-Thalerstücke sächsisch-polnischen Gepräges zu den deutschen LandeSmünzen und sind gleich den übrigen Silberscheidemünzen der Thalerwährung bis zum 31. August cr. von den Ein- lösungSstellen in Zahlung oder zum Umtausch anzunehmen.
— S. M. S. „Victoria" ist am 17. Juli cr. von St. Thomas nach BarbadoeS in See gegangen. An Bord Alles wohl. — S. M. Knbt. „Nautilus" ist am 27. v. MtS. in Smyrna angekommen. — S. M. Torpedodampfer „Zielen" ist am 1. August c. in London, Behufs Ueberführung nach Wilhelmshaven, in Dienst gestellt.
— München, 1. August. Der Kronprinz und Kronprinzessin der deutschen Reiches sind zum Besuche der Ausstellung heute Vormittags eingetroffen.
— Am 1. August ist für die bayer. Staatsbahnen eine neue Signalordnung in Wirksamkeit getreten.
— Ludwigshafen, 1. August. Gestern Nachmittag wurde ein junger Eisenbahnbediensteter begraben, welcher dadurch seinen Tod erlitt, daß er beim Verkoppeln der Wagen mit dem Kopfe zwischen die Puffer kam und durch diese Quetschung sofort verschied.
— In Toulouse sind in einer Pulverfabrik 100,000 Pfund Pulver in die Luft geflogen; dies Pulver war bei der letztjährigen Ueberschwemmung beschädigt worden; man stand im Begriff, eS einer Reinigung zu unterziehen. Nur ein Arbeiter, der sich im Magazin befand, ist verwundet worden.
— Spanien. Der Empfang der Königin Jsabella auf spanischem Bode« hat mit großen Feierlichkeiten stattgefunden. Am 28. Juli begab sich der König von Madrid nach Santander, am 29. traf die Königin in St. Jean de Luz ein, wo sie, von den Spitzen der Civil- und Militärbehörden empfangen, sich nach kurzem Aufenthalt an Bord der Panzerfregatte „Numantia" nach Santander einschiffte. Dort nahmen der König und seine Schwester sowie die Generäle Quesada, MorioneS und Novaliches sie bei ihrer Landung in Empfang. Nachdem man in der Kathedrale die Messe gehört, solgte Abends der Besuch deS Theaters, worauf man sich nach dem Sardinero begab.
— Rom, 27. Juli. Die Verschlimmerung, welche in den letzten Tagen in dem Befinden des Kardinal-Staatssekretärs Antonelli eingetreten ist, wird heute bestätigt und von allen Blättern mehr oder minder ausführlich besprochen. Das Podagra, das den Kardinal seit Iah-