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Zugleich Amtliches Orza« für Kreis und Stadt Hasan.

Erscheint täglich mit »«»nehme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, md Samstag« mit der Berliner Provinzial-Tsrrespsndenz.

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173. Donnerstag den 27. Juli.

1876.

Lagesschs«.

Znr diplomatische« Lage.

A. d. Schw. Merl.

Z« den interessantesten Funden, auf die man in den weitläufigen Räumen des englischen Blaubuchs stößt, gehört die Erklärung deS Lords Derby in der Depesche vom 14. Juni, woraus hervorgeht, daß selbst England darauf verzichtet hat, die volle Integrität bei türkischen Reich» zum unverrückten Zielpunkt seiner Politik zu machen. Lord Derby sagt hier nämlich: Wenn die Türken in dem auSgebrochenen Kampfe unter­liegen, so werden die aufständischen Provinzen ein Recht auf selbststän- dige Stellung wie Serbien und Montenegro haben; siegen sie abrr, so müssen die Aufständischen sich mit Zugeständnissen begnügen, wie sie den Kretern nach ihrem mißlungenen Aufstand 1868 bewilligt wurden. Dar heißt mit anderen Worten, der natürliche Auflösungsprozeß, in dem die Türkei sich befindet, ist auch von England, auch vom gegen­wärtigen Torykabinet, anerkannt; es frazt sich blos, ob es schneller oder langsamer gehen wird: es geht schneller, wenn die Aufständischen im Felde siegen, langsamer, wenn sie unterliegen; dar schließlich; Ende ist nicht zweifelhaft. Schon kürzlich äußerte sich Derby im Parlament ungefähr dahin, man könne alle möglichen Sympathien mit dem kranken Mann haben, aber wider Selbstmord oder die natürliche Auflösung sei kein Kraut gewachsen. In der öffentlichen Meinung Englands ist schon längst ein allmäliger Umschlag in diesem Sinne bcmerkiich, Loro Pal- merston würde seine Engländer nicht mehr kennen. Das Dogma von der Aufrechthaltung der Türkei beginnt außer Mode zu kommen. Selbst die Regierung deutet j-tzt in amtlichen Schriftstücken an, daß die allmälige Lostrennung der christlichen Provinzen die natürliche Lösung sei. Unter diesen Umständen ist nicht leicht zu begreifen, woher denn eine gefährliche Spannung zwischen den europäischen Mächten über die Zukunft der Türkei kommen sollte. Und doch schwirren, kaum daß die letzten Kaiserbegegnungen vorüber sind, wieder von Neuem beun­ruhigende Gerüchte durch die Luft. An jedes gleichgültige Ereigniß heften sich bedrohliche Kommentare. Kaiser Alexander hat den türki­schen Gesandten unsanft angelassen; erinnert das nicht an den berühm­ten Neujahrsempfang in den Turlerien? General Jgnatieff verläßt auf ein paar Wochen Koustantinopel; bedeutet das nicht den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur Pforte? Nüchterne Beurtheiler werden sich indessen vergebens nach triftigen Gründen umsehen, weßhalb gerade jetzt der Friede ernstlicher bedroht sein soll, als bisher. ES hat von Anfang an nicht an Versuchen gefehlt, an der friedlichen Drei- kaiserpolitrk zu rütteln, und eS mag zuweilen eine schwere Arbeit ge­wesen sein, dieselbe zusammenzuhalten. Aber bis jetzt ist eS gelungen. Das Bedürfniß deS Frieden- war stärker, als die Gelüste, ihn zu brechen. Im Augenblick könnte der Friede nur dadurch bedroht sein, daß Rußland und Oestreich sich rurch ehrgeizige Plane auf abjtfüffige Wege verlocken ließen. Daß in Rußland die Sympathie für die ge­quälten Slaven sich lieber heute als morgen in werkthätige Hülfe um» wandeln möchte, ist bekannt. Aber der ausschlaggebende W^lle hat sich bis jetzt hinreichend stark erwiesen, einen Ausbruch zu verhindern, und wenn der Zar vielleicht dem türkischen Botschafter ernstlich seine Mei­nung über die Art der türkischen Kriegführung gesagt hat, so folgt daraus noch nicht, daß er die Absicht hat, von seinen Bundesgenossen sich zu trennen. Von Seiten Oestreichs ist die Gefahr eine doppelte, i sofern einmal die herrschende Magyarenpolitik jeder Veränderung des i Wischen Besitzstandes aufs Aeußerste widerstrebt, während eine andere Partei begierig nach der Beute sich streckt, die aus der türkischen Erb- masse wrnkt. Beidemal ist die Möglichkeit eines Zusammenstoßes mit Rußland vorhanden, zum Glück aber halten beide Richtungen sich selber gegenseitig dermaßen im Gleichgewicht, daß bis jetzt die östreichische Holmk noch nicht aus der glücklichen Bahn der Besonnenheit gerückt worden ist. Zwischen Oestreich und Rußland zu vermitteln, ist die schwierige Aufgabe der deutschen Politik, und man ersieht auch aus dem englischen Blaubuch wieder, mit welchem Eifer und Glück sie die- .

^lt wichtigsten Theil ihres Berufs nachgekommen ist. Es ist ' nicht abzusehen, warum ihr dies nicht auch in Zukunft gelingen sollte. i Wer sich ihrer bisherigen Erfolge erinnert, wird nicht nur die Hoff- s

nung, sondern auch die Zuversicht haben, daß sie einen Zusammenstoß der europäischen Mächte verhindern kann und will.

Berlin, 26. Juli. Se. Majestät der Kaiser und König haben am 24. d. M. den Kaiserlich österreichischen Feldmarschall-Lieute­nant Grafen Festestes, den Königlich bayerischen General v. d. Tann, der TagS zuvor in besonderer Mission Sr. Majestät des Königs von Bay rn in Sastein eingetroffen war, und den Königlich bayerischen Kammerherrn und vormaligen Gesandten Freiherrn v. Thüngen zur Tafel gezogen.

Wie dieProv. Correfp." mittheilt, hat der General v. d. Tann Sr. Majestät dem Kaiser ein Schreiben Sr. Majestät des KönigS Ludwig von Bayern mit einer Einladung zur Theilnahme Sr. Majestät an den bevorstehenden Festspielen in Bayreuth überbracht.

Zwischen dem Deutschen Reiche und Luxemburg ist durch Aus­wechselung von Erklärungen der beiderseitigen Regierungen eine Ueber- einkunft dahin getroffen worden, daß in Bezug auf die Bezeichnung der Waaren oder der Verpackung der letzteren, sowie bezüglich der Fabrik­oder Handelsmarken die Angehörigen des Deutschen Reichs in Luxem­burg und die luxemburgischen Staatsangehörigen im Deutschen Reiche denselben Schutz wie die eigenen Angehörigen genießen sollen, daß fer­ner die Angehörigen des einen Landes, um in dem anderen ihren Mar­ken den Schutz zu sichern, nach Maßgabe der in diesem Lande durch die Gesetze oder Verordnungen vorgeschriebenen Bedingungen U"d Förmlich­keiten die Hinterlegung ihrer Marken, und zwar in Luxemburg bei dem Bezirksgericht in Luxemburg, zu bewirken haben. Die Uebereinkunft tritt vom Tage ihrer Bekanntmachung an in Anwendung. c«. u. s^Anz.)

Die Belastung eines Grundstückes mit einer unkündbaren Hypothek, unter dem Vorbehalt, daß bei einer Veräußerung des ver­pfändeten Grundstückes die Hypothek gekündigt werden kann, räumt nach einem Erkenntniß des Reichs-Ober-HandelsgerichtS I. Senats, vom 13. Juni d. I., dem Hypothekeninhaber nur für eine angemessen kurze Zeit nach Kenntnißnahme der Veräußerung ein Kündigungsrecht ein. Läßt dieser dagegen einen längeren Zeitraum verstreichen und acceptirt er inzwischen vom neuen Besitzer des Grundstückes die fällig gewordenen Z nsen, so hat damit der Hypothekeninhaber für den streitigen Ver- äußerungSfall auf sein Kündlgungsrecht verzichtet.

Der Buchdrucker ist nach einem Erkenntniß deS Ober-Tribu- nals-SenatS für Strafsachen, vom 27. Juni d. I., nur für die Angabe seines eigenen Namens (Firma) auf der Druckschrift haftbar, dagegen hat er für die Nichtnennung des Namens des Verfassers oder Heraus­gebers der Druckschrift, falls er zur Bezeichnung dieser Namen nicht beauftragt ist, nicht einzustehen.

S. M. Kbt.Comet" ist, telegraphischer Nachricht zufolge, am 21. Juli er. von Salonichi in See gegangen und am 24. Juli er. in Konstantinopel eingetroffen. S. M. S.Medusa" hat, derselben Nachricht zufolge, am 21. d. M. Salonichi verlassen und ist nach Malta gegangen. S. M. S.Victoria" ist am 23. Juni cr. von

St. Thomas nach der Rhede von Frederichsted auf St. Croix, Behufs Abhaltung von Schießübungen, in See gegangen, kehrte am 28. nach St. Thomas zurück und beabsichtigte demnächst nach Curatzao zu gehen, um daselbst die auf der Rhede von Frederichsted begonnenen Schieß­übungen fortzusetzen. An Bord Alles wohl.

Siffingen, 25. Juli. Heute beschließt der Reichskanzler seine hiesige Kur und morgen wird er abreisen; er war sonach gerade 6 Wochen, vom 14. Juni an, hier.

München, 25. Juli. Die Kammern deS Landtages werden, nachdem das Berathungsmaterial erschöpft, übermorgen die letzte Sitzung halten. Der feierliche Schluß des Lanvtages wird voraussichtlich am kommenden Samstag Nachmittag 3 Uhr durch den Prinzen Luitpold stattfinden.

Aus Elsaß-Lothringen wird der Magd. Ztg. ge­schrieben:Es ist nunmehr ganz sicher, daß der Kaiser am 25. und 26. September das Reichsland mit seinem Besuche beehren und daß sich in seiner Begleitung höchst wahrscheinlich auch der Kronprinz be­finden wird. Der Besuch gilt zunächst allerdings den bei Hagenau