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Vierteljährlich x Mark 25 Pf». Wr auswärtige

Monnenten «tt dem betreffen- im Postaufschla«. »e einzelne Rum-

«er 10 Pf».

Hmaucr Anjtigtr.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, rnd Samstags mit der Berliner Prssinzisl-Correspsndrnz.

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Mittwoch den 26. Juli.

1876.

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Berlin, 22. Juli. Die Nachrichten aus Rußland sind bedenklicher Natur. Zwar, wenn man mit gebildeten Russen spricht, so versichern sie gewöhnlich, daß die slavischen Sympathien in Rußland gar nicht der Rede werth seien und daß das Volk ebenso wie der Kai­ser den Frieden wünsche. DaS letztere ist unzweifelhaft, Kaiser Alexander ist wahrscheinlich der friedfertigste Mann in seinem Reich«, aber, wie? alle Selbstherrscher, hat er elementare Strömungen zu beachten, welche; viel überraschender und gewaltiger auftreten, als in den civilisirteren ' Staaten. Wenn der ungebildete Pope (ob es heute schon wirklich der Fall ist, darüber hört man verschiedene Ansichten) in seiner Manier i den Kreuzzug predigt, dann ist eine gewaltige Macht entfesselt und der unbeschränkteste der Monarchen Europa's muß sie berücksichtigen. : Der bekannte Brief des Prof. Reuleaux in der Nat.-Ztg. welcher mit Nr. 1 eine Serie von Ausstellungsberichten begann, war vom 2. Juni datirt und vor länger M 3 Wochen in der Zeitung abgedruckt. Nach dem großen Aufsehen und der lebhaften Polemik, welche der Brief her- i vorgerufin, durfte man auf die weiteren Briese einigermaßen gespannt sein, selbst unter der Voraussetzung, daß der Wiederhall jenes Aufsehens ; «och nicht zu dem Verfasser gedrunz-n sein sollte. Man meinte, der- ; selbe würde das Bedürfniß hab«», seine in dem ersten Briefe so leicht hingeworfene Ansicht weiter und eingehender zu begründen. Heute ist nun der 2. der Berichte, vom 10. Juni datirt, erschienen; aber er ent­hält nichts als eine ganz feuilletonistisch gehaltene Beschreibung eines Ausflugs auf Eisen- ubd Pferdebahnen mrt so dürftigem Inhalt, daß j man aus dem Charakter dieses Briefes in der Annahme bestärkt wird, daß Herr Reulaux auch als er das erste Feuilleton hinwarf, schwerlich < geglaubt hat, daß dasselbe in Deutschland so ernst genommen werden! würde, wie eS der Fall war. UebrigevS tritt diese Ansicht und Wür- i digung des Reulaux'schen BriefeS auch in der Presse mehr und mehr? hervor.

Die schon seit langer Zeit umgehenden Klage« über den bis zur Unerträglichkeit erschwerten Grenzverkehr zwischen dem Deutschen ' Reiche und Rußland haben einen erneuten Widerhall in dem Berichte - deS VorsteheramtS der KönigSberger Kaufmannschaft an den HandelS- i minister gefunden. Es heißt in dem Aktenstücke:Die Zoll- und Grenzverhältnisse Rußlands haben sich im letztverflossenen Jahre, uns gegenüber, nicht geändert. Die Hoffnung, vielleicht bei Gelegenheit der Verhandlungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland wegen Ver­mehrung der russischen Zollämter an der dortigen Grenze auch für uns einige Verkehrserleichterungen zu erlangen, ist nicht in Erfüllung ge­gangen. Unsere große Denkschrift vom 26. August 1873 ist, mit Aus­nahme der seitdem abgeschlossenen Consulats- Convention, noch eben so unerledigt, wie sie bei ihrer Abfassung war. Wir können nicht auf- hören, dieselbe der Beachtung der hohen Reichs- und Staatsbehörden zu empfehlen, welche sie bisher nicht gefunden hat. Möchte doch die politische Freundschaft sich einigermaßen auch auf das kommerzielle Ge­biet übertragen 1" (Xrib.) '

Aus der Bergstraße. Der Stand der Feldfrüchte ist: an der ganzen Bergstraße ein so schöner, wie seit langen Jahren nicht uno verspricht die Erndte eine sehr einträgliche zu werden. Korn, : Weizen und T bak stehen gleich vorzüglich und der Weinstock verspricht' reineren Ertrag, als wie im Vorjahre. Obst gibt es ebenfalls ' r Mich, Nüsse in Hülle und Fülle.

M^r^J u 4 en, 22. Juli. Am 20. find hier in Folge von -üeryaftsbefehlen der einschlägigen Untersuchungsrichter zwei Priester wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit festgenommen worden, nämlich

S^erbauer von Sauerlach und der Benediktinerpater Dichtl von Andechs. Die Verhaftung des Ersteren erfolgte im Kapu-

^? n ^ n'. 2&- 3uli, Vormittags. Die Abgeordnetenkammer Mutigen Sitzung den Gesetzentwurf, betreffend den Kre« dit für die außerordentlichen Bedürfnisse des Heeres. Die einzelnen Positionen desselben wurden ohne erhebliche Debatte, meist nach den An­

trägen des Ausschusses angenommen, nur bei der Position, betreffend die Verbesserung der KasernirungSverhältnisse der Mannschaften wurde die Forderung der Regierung im Betrage von 390,900 Mk. statt der vom Ausschuß beantragten Summe von 100 000 Mk. genehmigt. Die im Ganzen bewilligte Summe beträgt 12 190 072 Mk. die Forderung der Regierung betrug 16,257,800 Mk. Im Laufe der Debatte erklärte der Kriegs-Minister, die Sachverständigen Kommission habe nach ange­stellter Prüfung das avtrrte Werdergewehr für vollkommen knegsbrauch- bar erklärt.

Ueber die furchtbare Feuersbrunst, welche letzten Mittwoch das im badischen Schwarzwald gelegene Dorf Todtnau in Asch: legte, ent­nehmen wir denBasier Nachrichten" folgende Schilderung eines Au­genzeugen :

Das Dorf liegt an zwei Straßin, zwischen welchen von dem be­nachbarten Feldberg her die Wiese durchstießt; das Ganze ist von Ber­gen umgeben. An der Straße nach Zell und an der Wiese liegt Ein­gangs des Thales die Papierfabrik Zwgler-Thoma. Hier brach 12^4 Uhr Mittags, während die Leute des Hauffs beim Mittagessen waren, das Feuer aus und theilte sich dem Dorfe, durch den Wind begünstigt, in so rascher und so umfangreicher Weise mit, daß bis Nachmittags 3 Uhr 88 Häuser in Asche lagen. Zwischen der Fabrik und den andern Fabriketavtrsfements des Dorfes liegt eine große Wiese, diese Entfer­nung bewirkte, daß diese Fabriken unversehrt erhalten wurden; der auf dem rechten Ufer der Wiese g-leaeve Dorftheil ist abg°branrt, ber auf dem linken Ufer gelegene verrchont geblieben. Die an bei Querstraße zwischen der Zeller» und Freiburgerst aße gelegenen drei Gasthäuser sind abgebrannt, drei Bierbrauereien, alle Pinien und Kränerläden, alle Bäckereien, von den Metzgereien rxistirt noch eine; endlich das Post- und Telegraphengebäude- das RattzhauS, das Pfarrhaus und die Kirche, Es stehen auf dem rechten Wiesenufer nur noch die Baumwollspinmrei und Färberei von Meinrad Thoma's Söhne, die Bürftenfabrik von Eduard Faller, die Baumwollwrberei von Willmann und die Weberei von Wolf. 248 Familien sind obdachlos. Verluste an Menschenleben find keine zu beklagen. Wäre das Feuer zur Nachtzeit ausgebrochen, so hätte ein entsetzliches Unglück die Folge sein müssen. Allein auch in diesem Umfange ist das Unglück groß und appellirt an die allgemeine Mildherzigkeit.

Aus Stufen beim schreibt derRosenh. Anz.": Der außer­halb Zorneding seine Strecke begehende Bahnwärter fand auf einer Schiene ein Packet; als er es wegwarf, explodirte eS sofort, und «8 wurde dem Bahnwärter ein Theil der rechten Hand abgerissen. Es ergab sich, daß das Packet eine Dynamitpatrone war, die jedenfalls von ruchloser Hand auf die Schienen gelegt worden, um den kurz darauf von Zorneding nach München abgeyenden Bahnzug zu beschädigen.

DieStraßb. Ztg." vom 21. Juli meldet: Die Pläne für die neue Umwallung von Straßburg sind, nachdem man dieselben einer eingehenden Prüfung unterzogen, vom Kriegsministerium in Berlin unlängst definitiv genehmigt worden, so daß morgen früh 11 Uhr Sei­tens der Fortifikation die Vergebung der Arbeiten für den Bau der Enceinte von der oberen Jll bis zrm Steinthor stattfinden wird. Der Kostenaufwand, welchen der Bau dieser Strecke verursacht, repräsentirt einen Werth von 8 Millionen Mark. Nach Vergebung der Arbeiten steht die Inangriffnahme des Baues unmittelbar bevor, so daß die Stadterweiterung von Straßburg in wenigen Wochen in das Stadium ihrer Verwirklichung treten wird.

Prag, 22. Juli. Sämmtliche böhmische BezirkShauptmann- schaften haben alle Gemeindevorstände zu einer vertraulichen Besprechung eingeladen, um ihnen die Instruktion für eine eventuelle Mobilmachung zu ertheilen. Jeder Gemeindevorsteher erhielt nach derKonst. B.-Ztg." eine Anzahl von Aufrufen, die affichirt werden sollen, sobald die tele­graphische oder Expreß-Nachricht einläuft. Weiters sind die Vorstände beauftragt worden, daß bei einer allgemeinen Mobilmachung jeder ein* berufene Soldat binnen 24 Stunden und bei einer partiellen Mobil-