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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hsuan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit bellettistlscher Beilage, rnd Ssmftszs mit der Berliner ProvinMl.Cvrrespsndinz.

Freitag den 2L Juli.

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Die Angelegenheit wegen der Erwerbung der Eisenbahnen 5 durch daS Reich wird gutem Vernebmen nach den Bundesrath zunächst noch nicht beschäftigen und vermuthlich dazu eine gelegenere Zeit abge- wartet werden, da jedenfalls die Neuwahlen zum Reichstage erfolgen werden, ehe weitere Schritte gestehen. Der Reichskanzler hat in öf« fentlicher Sitzung gesagt:Ich selbst habe damals auch mehr auf die Initiative der Regierungen gerechnet, ich habe darauf gerechnet, daß die Regierungen die Verpflichtungen, die sie übernommen haben (die Bun­desregierungen verpflichten sich, die deutschen Eisenbahnen im Interesse des einheitlichen Verkehrs verwalten zu lassen"), ernster nehmen würden, und daß namentlich die !. preußische Regierung das thun würde, ins deren Handelsministerium dieser Theil der Verfassung auSgearbeitet i worden ist. Ich habe mich darin vollständig getäuscht." Andererseits | erklärte der Handelsminister Dr. Achenbach:Die Regierung geht von der Ansicht aus, daß ein allgemeines Eisenbahngesetz zu erlassen sei, s aber sie ist sich bewußt, daß unter den, gegenwärtigen Verhältnissen i dieses Ziel schwer erreicht werden könnte." Danach wird wohl neben einer Elienbahnreform auch ein Eisenbahngesetz zu Stande gebracht ' werden müssen und letzteres am Ende jetzt weniger Schwierigkeiten als früher haben. Das Reichseisenbahnamt hat in seiner Denkschrift über den Bericht der Eisenbahntarif-Enquetekommission bekanntlich den Antrag gestellt: der Bundesrath solle sich für thunlichste Aufhebung der seit dem 1. Auqust 1874 zugelassenen provisorischen Frachtzuschläge bis höchstens 20 PCt. aussprechen. Vor 2 Jahren hatte der Bundesrath die provisorischen Fracktzuschläge gestattet, weil von allen Seiten, so­wohl seitens der Regierungen, als seitens der Privatbahnen, die Noth­wendigkeit einer Erhöhung in Folge der Steigerung der BetriebSaus- : gaben betont wurde. Das R.E.B.A. hat es sich nun angelegen sein lassen, durch statistische Erhebungen festzustellen, daß in den Preisen der wichtigsten Betriebsmaterialien, sowie in den ArbeitSlohnsätzen im Jahre 1875 ein erheblicher Rückgang eingetreten sei. Ein Vergleich war al­lerdings nur möglich zwischen den Jahren 1874 und 1875, da die für 1873 vorliegenden Angaben zu lückenhaft sind. Die Preisverminderung beträgt demnach im I. 1875 gegen 1874 für Güterzug-Lokomotiven 16 pCt. durchschnittlich, für Personenzug- Lokomotiven 19,9 pCt., für ' Tender 10.6 pCt., für Gepäckwagen 10.6 pCt., für bedeckte Güterwagen : 8,7 pCt., für unbedeckte Güterwagen 16,4 pCt.; also für das rollende Material überhaupt 13,7 pCt.; ferner für Eisenschienen 19,9 vCt., für ' Stahlschienen 20,8 pCt., für Kleineisenzeug 19,1 pCt., für eichene Schwellen 15,9 pCt., für kieferne Schwellen 7,6 pCt., für Kohlen 17 0 : Prozent. Dagegen hat der Preis für Klobenholz eine Erhöhung von 8,5 pCt. durchschnittlich erfahren. Die Lohnsätze für Bahnhofsarbeiter sind bei 44 Prozent der Verwaltungen durchschnittlich um 4,3 pCt. : gefallen, bei 12 pCt. um 3,1 gestiegen, bei 30 pCt. unverändert ge­blieben, bei 14 pCt. unbekannt; also im Ganzen um 1,9 pCt. gefallen. Die Lohnsätze der Streckenarbeiter sind bei 36 pCt. der Verwaltungen um 7,2 pCt. gefallen; bei 20 pCt. um 5,6 gestiegen, bei 30 pCt. un- verändert, bei 14 pCt. unbekannt; im Ganzen also um 2,0 pCt. ge- i fallen. Die Lohnsätze für Werkstättenarbeiter sind bei 48 pCt. der! Verwaltungen um 4,3 PCt. gefallen, bei 15. pCt. um 3,5 gestiegen, bei 20 pCt. unverändert, bei 17 pCt. unbekannt; im Ganz-n also um 1 8 s PCt. gefallen. Da demnach die Betriebskosten, deren Höhe die provi- i sortschen Frachtzuschläge seiner Zeit motivirten, nicht unbeträchtlich ver- 5 Binibert sind, ist das R.E.B.A. angesichts der allgemeinen wirthschaft-

Lage der Ansicht: die Reichsgewalt sei nicht mehr in der Lage, - eine Abweichung von der durch Art. 45 der Reichsverf. ihr vorgezeich- i neten Direktive für zulässig zu erachten. Der Bundesrath soll also an Die beteiligten Landesregierungen das Ersuchen richten: die Steigerung der Frachttarife rückgängig zu machen, insoweit das mit der Erhaltung E Leistungsfähigkeit der Eisenbahnen verträglich ist. Die Ver­handlungen, welche zur Einrichtung eines Expreßzuges von Berlin nach Frankfurt a. M. rm Gange waren, sollen jetzt abgeschlossen sein und; Derselbe am 15. Okt. d. I. ins Leben treten. Die Strecke soll in et- uoer acht Stunden zurückgelegt werden. Der Zug soll 2 Wagen- I llaljen mit sich führen, was seine Benutzung um so allgemeiner machen!

wird. (Ein ähnlicher Expreßzug, in 9 Stunden, jedoch nur mit erster Klasse, ist zwischen Berlin und Köln schon seit einiger Zeit in Betrieb. Derselbe verläßt Berlin Mittags 12 Uhr und trifft, Hannover berüh­rend, 9 Uhr 15 Min. Abends in Köln ein.) (Schw. M-rk.)

Die Gesetzentwürfe über die Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben des Reichs wie über die Befugnisse des Reichs-Oberrech« nungshofs sollen, als dringlich und kaum mehr zu entbehren, dem näch- sten Reichstage wiederum vorgelegt werden, obgleich gerade diese Ses­sion der Berathung der Justizgesetze gewidmet sein soll. Dabei kommt in Betracht, daß es sich nicht nur um die Procedur- und GerichtSver- fassungS-Gesetze, wie um die ConcurS- Ordnung handelt (welche letztere ohnehin nicht viel Schwierigkeiten machen wird), sondern auch um die, die ersterwähnten Gesetze vervollständigenden Ausführungsgesetze, wo­runter vorzugsweise die AnwaltSordnung eine hervorragende Stelle ein« nimmt. Die Frage wegen Freigebung der Advokatur harrt gleichfalls noch der Entscheidung und hier kommt die Unterfrage wegen der Frei­zügigkeit der Advokaten zur Erledigung, zumal es in Aussicht genom­men ist, den Advokatenzwang einzuführen. Die alte preußische Theorie war dem Advokatenthum überhaupt abhold und die große Kasuistik deS Landrechts ist dem allerdings nicht zur That gewordenen Bestreben zu danken, die Advokaten überflüssig zu mach-n und den Laien in den Stand zu setzen, sich ohne jede Dazwischenkunft Rath aus dem Gesetz­buch« selbst zu holen. Die an sich gutgemeinte Absicht hat jedoch ledig­lich der Winkelkonsulenz Vorschub geleistet. (Trib.)

Nach einem Bescheide des Kaiserlichen General-Postamts vom 10. b. M. find schriftliche Bemerkungen auf Korrekturbogen, wie:Im­primatur,Druckfertig",Noch eine Revision",Noch einige Abzüge" und Aehnliches als solche Zusätze anzuschen, welche, indem sie die Kor­rektur, die Ausstattung und den Druck betreffen, nach §. 14 unter VII. 7 der Postordnung vom 18. Dezember 1874 der Beförderung der Kor­rekturbogen gegen die ermäßigte Taxe für Drucksachen nicht entgegen« stehen.

Briefsendungen für S. M. S.Nymphe" sind vom 20. Juli bis inkl. 5. August stach Plymouth, vom 6. bis inkl. 9. August nach Madeira (via Liverpool) vom 10. bis inkl. 13. August nach St. Bin« cent-Cap Verdun (via Marseille), vom 14. August bis inkl. 7. Oktober nach Montevideo (via Liverpool), vom 8. Oktober bis inkl. 2. Dezem­ber nach Baxbadoss (via Liverpool), und vom 3. Dezember bis auf Weiteres nach St. Thomas (Westindien) zu dirigiren.

Mün chen, 19. Juli. Se. Maj. der deutsche Kaiser ist heute Abends 5,22 mit großem Gefolge dahier eingetroffen. Der preuß. Gesandte Frhr. v. Werthern hatte sich nach Lindau begeben, um dort den Kaiser zu empfangen. Hr. Oberinspektor Seitz von Kempten fun- girte als Reisekommissär. Der Kaiserzug machte auf dem Rangier- bahnhof Halt, wo der Maschinenwechsel stattfand. Se. Maj. der Kai­ser erschien während des Aufenthaltes am Fenster und grüßte freund­lichst die den Zug erwartenden höheren Betriebsbeamten. Um 5,25 setzte sich der Zug schon wieder in Bewegung. In Rosenheim wurde der Kaiser im Auftrage Sr. Maj. des Königs von dem Prinzen Luit- Pold, welcher sich mit dem um 1,10 Nachmittags abgehenden Postzug dorthin begeben hatte, begrüßt. Der Prinz trug die preuß. Uniform.

Kissin gen, 19. Juli. Die Zahl der Kurgäste ist nach derAugsb. Abendztg." gestern auf 5568 gestiegen, ein Mangel an Wohnungen aber durchaus nicht vorhanden; Fürst BiSmarck wird hier in Kissingen gar nicht gesehen, er wohnt auf der sogenannten alten Saline und wird noch diese Woche, event, so lange der Arzt es für nöthig hält, bleiben, da die Kur ihm gute Dienste leistet. Staats­minister Dr. Delbrück bewegt sich unbemerkt und schlicht unter seinen Racoczy trinkenden Genossen, unter welchen noch eine große Anzahl Exzellenzen sich bewegen, z. B. Feldmarschall v. Steinmetz, Staats- mmister a. D. v. Beenuth und besonders viel Russen, außerdem ist Generalarzt v. Grimm und ein russischer Kontreadmiral hier. Fürst­liche Kurgäste finden wir in den Prinzen von Schönburg-Waldenburg, Sahn-Wutgenstein-Berleburg und einer Herzogin de Castro.

Aschaffenburg, 19. Juli. Auf dem Main trug sich gestern nach derAsch. Ztg." ein schweres Unglück zu, das zwei ange-