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KWK Anzeiger.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, rnd Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Donnerstag den 20. Juli.
1876.
BekMUtMachuNgLR Kömgl. Zaudrathsamts dahier.
Kaufmann Karl August Theodor König von hier hat behufs seiner Niederlassung in Wien um Entlassung aus dem Preußischen Unterthanen Verband nachgeiucht.
Hanau am 17. Ju i 1876.
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Dom Krieg.
A. b. Schw. Merk.
Während die Meinung, der serbische Krieg gehe seinem Ende entgegen, schon ziemlich zuversichtlich auftrat und die Gemüther zu erleichtern begann, kommt überraschenderweise die Nachricht, daß inzwischen noch ein weiterer von den Halbvasallen der Türkei Lust bekommen habe, sich dem Unternehmen Serbiens und Montenegros beizugesellen. Auch Rumänien ersieht sich die Gelegenheit, von den Nöthen, welche das Reiär der Osmanli bedrängen, Nutzen zu ziehen. Am 16. Juli brächte der Kriegsminister in der Kammer zu Bukarest eine Vorlage zur Mo- bilisilung der Armee unter Einziehung eines Theils der Reserve ein, und w r etwa glauben mochte, Fü? st Karl nehme diese Rüstungen vor als ein getreuer Lehensmann der Pforte, der er in ihren Bedrängnissen bei'pringen wolle, der sah sich schon anderen Tages enttäuscht durch die MitthUmug der Forderungen, welche Fürst Karl aus dem Hause Hohen- zollern angeblich der h. Pforte hat Überbringer, lassen. Danach würde Rumänien vollends die Durchschnetdung des letzten Bandes, das dieses Fürstenthum an die Pforte knüpft, und noch etwas mehr verlangen. Mit nichts Geringerem wolle es sich zufrieden geben, als daß ihm der Trwut völlig erlassen und das Münzrecht, sowie das Recht, mit frem- den Slüatc« Verträge abzuschließen, zugestanden, dazu aber auch noch die Abtretung der Gulinamündung bewilligt werde. Das stehe in einer am 12. Juli üvergebenen Note und diese Forderungen seien damit begründet, daß Rumänien für die Opfer, die ihm der Krieg an seinen Grenzen auferlege, eine Entschädigung brauche. Die Nachricht kommt um so »»vermutheter, als bisher keinerlei Aufregung in Rumänien sich gezeigt, auch die Regierung angelegentlich ihre Neutralität betheuert und damit auch allen Glauben gefunden hatte, insofern man nicht wußte, daß das Fürstenthum die Bezahtung des jährlichen Tributs so empfindlich nehme und zugleich für seine Handelsinteressen plötzlich die Sulina- Mündung brauche, die übriuens gar nicht mehr der h. Pforte untersteht, sondern, wie bekannt, zu jenem neutralisirten Gebiet gehört, das im Pariser Frieden von 1856 der europäisch n Donaukommission unterstellt worden ist; es war die-, beiläufig gesagt, eines jener AuLkunftSmittel, mit denen die D'plomatie sich über augenblickliche Verlegenheiten hm- weghilft, um damit um so größere Steine des Anstoßes für die Zukunft herbeizuwälzen. Bestätigt sich dieser Inhalt der rumänischen Note, so kommt sie einer Kriegserklärung gleich. Die Pforte wird gerade im jetzigen Augenblick, da sie zur energischen Aktion sich entschlossn hat, am wenigsten Lust haben, sich über einer Anwandlung von Schwäche betreffen zu lassen. Das Kriegstheater würde sich also auf Rumänien ausdehnen. Der Trost will wenig verfangen, daß ja Rumänien j tzt zu spät komme, sofern das Kriegsglück jetzt eine Wendung zu Ungunsten der Serben nehme und nach aller Voraussicht demnächst di- U°berwäl- tigung der serbischen Feldarmee erfolgen werde. Wer steht dafür, daß dies nicht eben durch die Einmischung Rumäniens verhindert werden soll? Der Verdacht liegt nicht so ferne, daß gerade weil die serbischen Heere nicht vorwärts kommen und neuerdinps sogar wieder an Boden verlieren, ein neuer Feind sich wider die Türkei erhoben hat, um ihre Streitkräfte noch aus einem anderen Kriegsschauplatz zu' beschäftigen, ^abon wäre dann freilich der weitere Verdacht schier uuzertrennilch, daß die großen Mächte oder doch ein Theil derselben dir Fortsetzung des Kriegsspiels an der unteren Donau nicht ungerne sähen. Denn man darf doch annchmen, daß Fürst Karl den Rathschlägen der europäischen Mächte sich zugänglicher erweisen würde, als die abenteuernden Fürsten von Serbien und Montenegro. Unter diesen Umständen wäre der Eintritt Rumäniens in den Krieg eine sehr ernste Thatsache. Un
terbleibt er aber, so sind heute die Aus sichten der Serben erheblich vermindert. Ihre Heere kommen nicht nur nicht vorwärts, sondern wichtige Stellungen auf feil dlichem Boden sind sie gezwungen gewesen, wieder zu räumen. So am Timok, wo der Einfall der Türken auf serbisches Gebiet bevorstrht und so neuestens bei Akpalanka, üw Tscher-- najeff in Folge eines geglüdten Simms der Türken seine wichtige Stellung auf den Höhen von Babina-Glava aufgeben und sich ohne Zweifel Über die Berge wieder auf serbisches Gebiet hat zurückziehen müssen. Auch im Westen ist, obwohl die Türken aus dem unteren - breitet zwischen Drina und Save vertrieben find und ihre Verbindung ; auf dem Weg Touzia, Bijelina und Ratscha abgeschnitten ist, doch am 16. Juli auf dem rechten Drinaufer, also auf serbischem Gebiet ge- kämpft worden, nämlich bei Lipenovica, unfern Kleinzwocnik. Man sann nicht sagen, daß diese Verluste wieder ausgewogen werden durch die Fortschritte der Montenegriner, die sich in den Besitz von Klek ge* ! setzt haben und nach glücklichen Gefechten im Anmarsch auf Mostar - begriffen sind. Im Ganzen ist aHo die Lage auf dem Kriegsschauplatz : eine kritische geworden, sie dtohi sich zugleich politisch zu verwickeln s durch die Theilnahme Rumäniens und man darf wohl begierig sein, : wie die Mächte zu dieser neusten Wendung sich stellen werden.
— Das Ergebniß der neuen preußischen Anleihe hat zu einer | ganzen Reihe sensationeller Gerüchte und zu den lächerlichsten Dekla- ; matlonm über den Credit Preußens Veranlassung gegeben. Positiv ist über jenes Ergebniß bisher wer; g bekannt geworden. Ganz bestimmt s weiß man eigentlich nur, daß der aufgelegte Betrag von 100 Millionen nicht überzeichnet ist. Wenn andererseits behauptet wird, daß nur ein i Viertel des Betrages gezeichnet sei, so fehlt jeder Anhaltspunkt, die | Richtigkeit dieser Behauptung zu kontroliren; jedenfalls aber steht fest, daß das „Fiasko" in erster Linie nicht, wie man es darzustellen be i liebt, die preußische Finanzverwaltung, sondern das Conso tium trifft, s weiches die Anleihe übernommen und aufgelegt hat Immerhin würde i jedoch, auch wenn die Finanz-Verwaltung in Betreff der Ausbringung des vollen B-trageS der Anleihe durch das Konsortium vollständig ge- deckt märe, die Thatsach., daß eine p.eußijche Anleihe mitten im Frie- । den nur zu einem Viertel gezeichnet worden, Stoff zu ernstlichs-em Nachdenken geben. Wir erwähnen, daß gleichzeitig mit dem Gerücht von dem höchst ungünstigen Ergebniß der Subscripiion die Meldung ; aufgciaucht ist, daß an den gezeichneten 25 Millionen überwiegend das kleine Kapital betheili^t sei. Daraus würde zunächst die erfreuliche < Folgerung zu ziehen sein, daß die Sparkcaft unseres Volkes durch die ; wirthschaftliche Calamität der letzten Jahre keineswegs gebrochen ist; s sodann aber ergäbe sich von selbst die Vermuthung, daß der Mißet folg der Anleihe lediglich oder wenigstens in erster Linie durch d^n geringen Zinsfuß von 4 Prozent v rschuldet ist. Das kleine Kap tal legt eben naturgemäß — und ganz besonders nach den traurigen Erfahrungen der Grün .rjah;e! — den Hauptwerth auf die Sicherheit der An-- . läge, während das große Kapital, welches weit leichter ein Wagniß ' unternehmen kann, auch heute noch zunächst auf hohe Verzinsung zu , sehen scheint. (Trib)
— In Beziehung auf §. 114 des Reichs^Strafgefitzbuches s^Wer ■ es unternimmt, durch Gewalt vd r Drohung ein. Behörde oder einen i B-amten zur Vornahme oder Unterlassung einer Amrshanblung zu ' nöthigen, wird mit Gefängniß bestraft") hat das Ober Tribunal in einem Erkenntniß vom 21. Juni d. I. uus^esprochc , daß, wer einen Beamten, welcher eine an sich nicht gerechtfertigte Amtshandlung aus
1 führen will, mit der Veröffentlichung seines Verfahrens in der Presse i bedroht, strafbar ist.
t — Die Tagesordnung des 11. deutschen Journalistentags, der i dieses Jahr in Wiesbaden statifindet, ist nunmehr festgestellt. Aus der- ■ selben stehen außer den geschäftlichen Beruhten: 1) Die Stellung der i Zeitungspreffe zur orthographischen Reform; Referent A. Summers, ; Bremen; Korreferent Dr. Scheu.Lera, Wien. 2) Preßrechtsfragen: > a. Zeugnißzwang; b. Veröffentlichung von Gerichtsverhandlungen;