«■Senscmest»« Trr»:
JiiHrN» 9 Mark. :H-ISj. 4 St. 50 L
Vierteljährlich S Start 25 Pfz.
Mr auswärtige «tonnentee «tt dem betreffe», »en Postaufschlsg, Me einzelne Num- stet 10 Bis-
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, lud Samstags mit der Berliner Provinzisü Correspondenz.
StrUt Die i^eMe« *«rm»ndzeiL *. deren Birne
io W
Die «»a». 8* * Pf»
MeSlpaAgrKM * St»-
M 162
Freitag den 14» Juli
1876.
Lagers chkv.
Vom Krieg.
Es liegen zwei Nachrichten vor, die als ein leiseS Eingreifen der Großmächte in den serbisch-türkischen Handel gedeutet werden müssen, vielleicht bereits eine Folge der Kaiserzusammenkunft in Reichstadt sind. Die Pforte hat sich, wie das rumänische Ministerium der Kammer zu Bukarest anzeigte, entschlossen, die Neutralität der Donau anzuerkennen, von der unzweifelhaften Neberlegenheit also, die sie dort gegen Serbien und dessen Hauptstadt besitzt, keinen Gebrauch zu machen. Außerdem soll der im Machtbereich Oestreichs gelegene Hafen von Klek (es ist die Stelle, wo zwischen Spalatro und Ragusa das türkische Gebiet auf eine kleine Strecke an das adriatische Meer grenzt) gesperrt werden, so daß die türkische Regierung künftig verhindert wäre, dort Truppen auSzu- schiffen. Ist eS richtig, daß bei beiden Thatsachen die europäische Diplomatie mit im Spiel ist, so fiele daraus ein bezeichnendes Licht auf die Art und Weise, wie dieselbe die Neutralität, die sie sich vorgezeichnet, auffaßt. Der Grundsatz, den Krieg zu lokalisiren, kann nicht entschiedener durchgeführt werden, als indem man der Türkei verbietet, von der Donau, als einer internationalen Straße, Gebrauch zu machen. Und es ist ein Beweis strengster Neutralität, wenn Oestreich die Begünstigung aufhören läßt, die es bisher in Betreff der Einfahrt in den Kieker Hafen der Türkei gewährte. Also beidemal ein Symptom strengster gewissenhaftester Neutralität. Zum Unglück für die Türkei aber schlägt beidemal diese Neutralität zu ihrem Schaden aus. Dort sind sie verhindert, von ihrer kostspielig herangezogenen Donauflot'lle Gebrauch zu mache«. Hier wird ihr die Zufuhr von Truppen auf ihrem eigenen Grund und Boden erschwert, zu einer Zeit, da eine andere ihrer Verbindungslinien für denselben Kriegsschauplatz bedroht scheint. Da nun die Türkei sicherlich nicht aus eigenem Entschluß und sicher auch nicht auf bloßen Wunsch Rumäniens auf eine Aktion auf der Donau verzichtet, und die Sperrung des Hafens von Klek ausdrücklich als eine Wirkung der Reichstädler Zusammenkunft bezeichnet werd, so fällt damit auf die letztere allerdings ein bezeichnendes Licht. Die Frage ist nur, ob die Serben im Stands sind, aus dieser Vergünstigung, die ihnen indirekt durch die Mächte zu Theil wird, Nutzen zu ziehen. Ihre Armeen rücken nicht von der Stelle, überall sind sie gezwungen, vor den festen Stellungen des Feinde« Halt zu machen. Sie zersplittern ihre Kräfte und nirgends ist ein einheitlicher Plan sichtbar. Dabei sind ihre Verluste bedeutend und mit dem jetzt in Bewegung gesetzten zweiten Aufgebot sind ihre Kräfte erschöpft. Freilich ist auch die Unthätigkeit der türkischen Armee schwer zu erklären. Sie vermag sich wohl in ihren befestigten Plätzen zu halte» aber nirgends den Feind auf sein Gebiet zurückzuwerfe«. Auch auf ihrer Seite wird bereits über demnächstige Erschöpfung geseufzt, dazu ist der Aufstand überall im Zunehmen, und so wird denn über kurz oder lang schon im Interesse der Humanität zu wünschen sein, daß die glücklicherweise einverstandenen Großmächte einschreiten und, da auf dem Wege der Gewalt nicht viel auszurichten ist, den Weg wieder betreten, dessen erste Schritte die Andraffy Note und das Berliner Memorandum waren.
(8chw. Stert.)
^- — Berlin, 12. Juli. Die „Nordd. Allg. Zig." und die »Kreuzzestung" veröffentlichen heute einen Aufruf zur Bildung einer deutsch-konservativen Partei im deutschen Reiche. Der Aufruf ist u. A. unterschrieben von v. Below-SaleSke, v. Malzahn-Giltz, Graf Minni-
Udo Stolberg, Graf Rechter«, Graf Limburg und Strödel (Dresden).
Berlin, 13. Juli. Die weiter über die Ergeb«iffe der Mn^^gegnung in Reichstadt vorliegenden Meldungen bestätigen im ?b'nen die bisher veröffentlichten Mittheilungen. Auch die P-ov.- Oorresp. äußert sich darüber in einem längeren Artikel, in dem es W^fae Mittheilung über das Ergebniß der Begeg- b^ Och°rreich und Rußland grundsätzlich über die R.chtnnunschung in die augenblicklichen türkischen Wirren üdereinstim- ,
| men, sich aber vorbehalten, sobald die Kriegserei nisse eine Entschndung s herbeigeführt haben, mit allen christlichen Großmächten ein vertrauliches I Einvernehmen herbeizuführen. Der Eindruck, welchen die Begegnung - gemacht hat, wird von Wien aus dahin bezeichnet, daß jede Gefahr, | den Krieg über die bisherigen Grenzen nach Europa getragen zu sehen, i als beseitigt betrachtet wird .... Der Friedenseindruck, welchen die | Nachrichten von Reichstadt zunächst in Wien hervorgebracht hatten, ist : alsbald überall zur Geltun' gelangt und hat die Zuversicht bestärkt, l daß die mächtige Friedensgemeinschaft, welche in dem Kaiserbunde ihren j festen Mittelpunkt hat, auch die Schwierigkeiten der gegenwärtigen Lage ■ überwinden werde." Aus Karlsbad, 11. Juli, teleoraphirt man ! ber Deutschen Ztg.: „Hier weilende hochadelige Russen erhielten die i direkte Mittheilung, der Czar habe russischen Offizieren gesagt: „In | Reichstadt wurde die Freundschaft mit meinem Verbündeten befestigt; - wir sind in Allem einverstanden und werden keinen Krieg haben." (Tr».)
— Ueber die Anwesenheit des Kaisers in EmS wird dem Rhein. Cour, neuerdings von sehr gut orientier Seite geschrieben, die Cur habe eine ausgezeichnete Wirkung auf den Monarchen gehabt; das zeige sich in seiner ganzen Erscheinung und Haltung, ebenso wie in der Gesichtsfarbe und der Bewegung. Keine so gute Wirkung habe die Emser Cur diesmal auf den Kaiser Alexander gehabt, der sich eine Erkältung ; zugezogen, doch hätten die letzten Nachrichten aus Jugenheim insofern s wieder günstiger gelautet, als sein Husten vollständig ausgehört habe.
‘ — Für den Fall einer Revision des Betriebsreglements für die
- Eisenbahnen Deutschlands sind, nach dem „R. u. S1.-A.", in Bezug auf die Modifikation einzelner Bestimmungen desselben von verschiedene« Seiten Wünsche und Anträge an das ReichS-Eisenbahnamt gelangt. Wir erfahren, daß dasselbe zunächst Veranlassung genommen hat, von de« ihm zuxegangenen Vorschlägen diejenigen, welch- ohne Aenderung der bestehenden Gesetzgebung durchführbar fein würden, den Vorstehern der Kaufmannschaft bedeutender Handelsplätze sowie größeren merkan« tilischen, industriellen und landwirthschaftlichen Vereinen mit dem Ersuchen um Aeußerung sowie um Bezeichnung etwaiger anderer, im allgemeinen Verkehrsinteresse für wichtig erachteter Modifikationen mitzu« theilen. Demnächst liegt es dem Vernehmen nach in der Absicht deS ReichS-Eisenbahnamtes, auch die Eisenbahnverwaltungen über diesen Gegenstand zu hören.
— 3n einer der nächsten Reichstags-Sessionen wird der Entwurf einer Leichenschaugesetzes vorgelegt werden. Dasselbe hat den Zweck, die noch immer vorhandene Möglichkeit des Lebendigbegrabenwerden« zu beseitigen, die Entdeckung von Verbrechen gegen daS Leben möglichst zu sichern, die Behörden in den Stand zu setzen, beim Auftreten ansteckender Krankheiten rechtzeitig durch geeignete Maßregeln die Weiter- verbreitung zu verhüten und die Grundlage zu bilden für eine praktisch und wissenschaftlich verwerthbare Mortalitäts-Statistik, ohne welche die Medizinal-Polizei an die Lösung der wichtigsten hygienischen Fragen nicht herantreten kann. In Deutschland besteht die obligatorische Leichenschau auf Grund genügender Bestimmungen nur i« eiwm Thrile BayernS, in Sachsen, Baden und in der Provinz Hessen-Rassau, während in dem übrigen Theile Deutschlands ganz unzureichende Vorschriften in Geltung sind. Es bedarf der von der Kommission zur Vorbereitung einer Reichs Medizmalstatistck entworfene, von dem Ausschuß des Bundesraths für Handel und Verkehr bereit« im Wesentlichen zweckentsprechend erachtete Entwurf eines Leichenschaugesetzes nur noch einer Durcharbeitung Seitens des Reichs Gesundheitsämter, um dem Bundesrathe und dem Reichstage vorgelegt werden zu können.
— Dresden, 10. Juli. Im vergangenen Jahre war eS Kaiser Alexander, welcher nach seinem Besuche in Berlin der Welt verkündete, daß der Frieden erhalten bleiben werde, und in diesem Jahre war eS Kaiser Franz Josef, welcher nach der soeben in Reichstadt statt- gefnnbenen Begegnung mit dem Kaiser Alexander die Besorgnisse von einem großen Krieg zerstreute. Es war am Samstag in Aussig, wo der Kaiser Franz Josef, nachdem er seinen kaiserlichen Gast bis Bodenbach begleitet hatte, eine kurze Rast hielt, und die schon bekannten, jede