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tonuitr Anzeiger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau^

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, lud Samstazs mit der Berliner Provinzial-Korrespondenz.

Donnerstag den 13. Juli.

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1876.

BskaKuLmachnugen Königl. LandrathsamtZ dahier.

Gefunden: Ein ^unde-Maulkorb mit Schlößchen. Eine Partie Eisen, bistchend in einem großen Niethnsgel, ^t Bohrer u '/, Brech­eisen. Eine schwarze Moiröschürze. Ein graueS Kinderjäckchen. Ein karrirtes kleines Taschentuch, E K. 6 gez. Ein lederner Geldbeutel mit Riemen, enth. 26 Pf, Ein graues Kinder-Filzhütchen; Empfang­nahme beim Herrn Bürgermeister Schmidt in Rüdighnm. Ein Ar­beitsbuch, auf den Namen Joh. Ad. Engelhaupt lautend.

Hanau am 13. Juli 1876.

Tages schsL

Berlin, 12. Juli. Se. Majestät der Kaiser und König sind gestern Abend um 7Vi Uhr wieder in Baden eingetroffen. Auf der Reise von Würzburg dahin wurden Allerhöchdieselben auf allen Statio­nen, welche der Kaiserliche Zug passirte, mit enthusiastischen Kundge­bungen empfangen.

Baden-Baden, 12. Juli. Der Minister des Innern Graf zu Eulenburg und der türkische Botschafter Edhrm Pascha sind hierein- troffen.

Würzburg, 11. Juli. Der gestrige Abend gab Zeugniß von der deutsch-patriotischen Gesinnung der hiesigen Einwohnerschaft. Schon den ganzen Nachmittag wogte auf dem Residenzplatze vor dem Hotel Kronprinz unter den Klängen der Musik eine große Volksmenge auf und ab, um den Kaiser Wilhelm zu sehen, der sich auch mehrere Mal auf dem Balkon zeigte und dem ihm zurufenden Volke dankte. Fürst Bismarck reiste schon wieder um fünf Uhr mit seinem Sohne nach Kissingen zurück. Abends gegen 9 Uhr bewegte sich ein impo­santer Fackelzug vom Markt aus nach dem R.sidenzplatz, gebildet von den angesehensten Bürgern, Gesangvereinen und Studenten. Eine Menschenmasse, wie sie Würzburg selten gesehen, war vor dem Hotel und dem Palais des Regierungspräsidenten Graf Luxburg ver­sammelt. Se. Maj. nahm bei dem Herrn Regierungspräsidenten das Souper ein. Gesangsvorträge, Musik und Hochs auf den Kaiser reih- ten sich aneinander, der freundlichst dankend öfter- am Fenster erschien. Se. Maj. soll von dem enthusiastischen Empfang sehr erfreut gewesen sein. Heute Morgen empfing der Kaiser die Spitzen der Behörden hiesiger Stadt und besichtigte an der Seite des Grafen Luxburg die hiesigen Sehenswürdigkeiten. Fürst Bismarck war um 10 Uhr be­reits wieder hier, um sich vom Kaiser zu verabschieden. Um 1 Uhr Nachmittags setzte Se. Majestät mit Extrazug die Reise nach Baden- Baden weiter. Fürst Bismarck fuhr um dreiviertel zwei Uhr wieder nach Kissingen zurück.

Wir entnehmen demNürnb. Corresp." und Würzburger Blät­tern noch Folgendes über den Aufenthalt des Kaisers in Würzburg: Abends 5 Uhr fand große Tafel statt, bei welcher die beiden Regi­mentsmusiken in großer Uniform vor dem Gasthofe spielten. Er wa­ren die Spitzen der Militair- und Zivilbehörden, der derzeitige Ver­weser der bischöflichen Stelle, Domprobst Dr. Himmelstein, der 1. Prot. Stadtpfarrer und Dekan Dr. Neubig, der Bürgermeister der Stadt, Dr. Zürn, mit dem 1. Vorstände der Gemeindekollegium-, Privatier Beyer, der Rektor der k. Universität, Professor the»l. Dr. Stein, u. A. geladen. Abends 9 Uhr bewegte sich ein wahrhaft impo­santer Fackelzug vom Marktplatze durch die Martin--, Hof- und Maximiliansstraße vor den Gasthof zum Kronprinzen. Etwa 2000 Fackel- und Lichterträger und Sänger waren im Zuge. 3 Musikkorp- zogen mit demselben. Bürger, Beamte, Studenten, Professoren, die berden Veteranen-Vereine rc. rc. nahmen an dieser großartigen Ovation Theil. Der Kaiser, der von der beabsichtigten Huldigung keine Kennt- hatte, befand sich nicht in seinem Hotel, sondern war ganz in der Nähe seines Absteigequartiers beim Regierungspräsidenten Grafen v. Lux­burg zum Thee. Unter den Fenstern des Präsidentenbaues stellten sich nun die Sänger auf, und unter wiederholter bengalischer Beleuchtung des herrlichen königlichen Schlosses sangen ein paar Hundert kräftige Kehlen den Kaiser-Hymnus:Macte imperator. Hochs auf den

Kaiser ertönten immer und immer und unter dem Gesänge der Wacht am Rhein setzte sich der Zug zum Abmarsch in Bewegung. Nach be­endigter Serenade begab sich der Fackelzug auf den Marktplatz, wo die Fackeln zusammengeworfen wurden und der Zug auseinander ging; die sämmtlichen farbigen Studenten-Korps begaben sich sodann mit einem Musiktorps an der Spitze in die Neue Anlage, wo unter Ande­rem auf das Wohl des Kaisers und später auch auf das des Reichs­kanzlers ein kräftiger Salamander gerieben wurde. Der Kaiser besich­tigte am andern Morgen in Begleitung des kgl. Regierungspräsidenten Grafen v. Luxburg die k. Residenz, hierauf den Dom, wo ihm die Herren Domprobst Dr. Himmelstein und Domkapitular Dr. Schorck das Geleite gaben, fuhr alsdann durch die Stadt, besuchte Festung und Juliusspital.

Seit dem Inkrafttreten des Reglements vom 10. August v. J. für die LandwirthschaftSschulen sind bereits elf solche Anstalten errichtet, und zwar für die Provinz Preußen in Marienburg (bereits 113 Schü­ler), für Schlesien in Brieg und Liegnitz, für Brandenburg in Dahme, für Sachsen in Schkeuditz, für Schleswig-Holstein in FlenSburg, für Hannover in Hildesheim, für Westfalen in Lüdinghauftn (99 Schüler) und Herford, für die Rheinprovinz in Eleve und Bitburg. Es fehlen also nur noch Hessen-Nassau und die beiden zurückgebliebensten Provin­zen Pommern und Posen. Eine LandwirthschaftSschule für Hesfen- Nassau wird indeß im Oktober d. I. in W-ilburg an der Lahn eröff­net werden; für Pommern ist eine solche Anstalt in Eldena und für Pose« ix Fraustadt bestimmt. Der Strafsenat des Ober-Tribunal- hat in einem Erkenntnisse vom 13. Juni d. I. in Beziehung auf die strafgerichtliche Verfolgung von Beleidigungen folgende Sätze ausge­sprochen: Seit Einführung des ReichS-Strafgesetzbuchs können alle Be­leidigungen, gleich anderen Vergehen, vom StaatSanwalt verfolgt wer­den, und nur, wenn dieses nicht geschieht, ist auch die Verfolgung der­selbe» durch den Beleidigten im Civil-Jnjurienprozesse gestattet. Für großjährige Personen, über welche vor dem Jahre 1876 durch testamen­tarische Anordnung der Väter bis zu ihrem dreißigsten Lebensjahre die Vormundschaft verlängert worden ist, ist nach einem Erkenntniß beg Reichr-Ober-HandelSgerichtS vom 16. Juni 1876. am 1. Januar 1876, dem Tage des Inkrafttretens der neuen preußischen BormundschaftS- Ordnung, die Vormundschaft erloschen, auch wenn die Personen dar dreißigste Lebensjahr noch nicht erreicht haben. c«. ». suengo

AuS Kissingen wird geschrieben:Fürst Bismarck lebt so zurückgezogen auf der eine halbe Stunde von hier entfernten Saline, daß feixe Anwesenheit in Kissingen überhaupt kaum bemerkt wird und daß die Neugier der zahlreichen Fremden sich im höchsten Grade ent­täuscht sieht. Morgens 4 Uhr erhält der Fürst für sich unb seine Fa­milie 4 Flasche» Rakoczy-Brunnen zugesendet, die auf einem dem Pu­blikum nicht zugänglichen Spaziergange bei der Saline genossen werden. Um 4 Uhr Nachmittags badet der Fürst auf der Saline und äbexbi fährt er spazieren: da- ist Alles, was man im Publikum über ihn und feixe Tagesbeschäftigung weiß. Als der Fürst das letzte Mal hier war, wurde er von dem Badepublikum, und zwar nicht nur von dem weniger gebildeten, auf eine so zudringliche Weise belästigt, daß seine gegen­wärtige Zurückhaltung nur allzu erklärlich erscheint. Fürst BiSmarck wird dem Vernehmen nach seine Kur in Kissingen bis gegen Ende d. M. antdehne» und sich dann nach einer kurzen Anwesenheit in Berlin voraussichtlich nach Barzin begeben.

Solingen, 10. Juli. Am 5. ds. brannte die hiesige Dampfschleiferei total nieder. Der Brand hat leider noch eine weitere Catastrophe nach sich gezogen. Die Brandstätte wurde heute Morgen vielfach betreten, zum Theil von solchen, die noch hülfreiche Hand an- zulege» hatten, da stürzte plötzlich eS war etwa 9 Uhr daS Ge­simse einer Giebelwand ein und überschüttete eine Gruppe nahestehender Männer. 1214 Personen sind dadurch mehr oder minder schwer ver­letzt worden, vier mußten vom Platze getragen werden. Noch hat man keinen Grund zur Annahme, daß die Verletzungen für keinen der Be­troffenen lebensgefährlich sind.