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Montag den 10. Juli.
1876.
TageKscha».
— Se. Majestät der Kaiser und König werden Sich am 10. d. M. früh 9 Uhr von Coblenz über Mainz nach Würzburg begeben und dort um VI4 Uhr eintreffen. Der Aufenthalt daselbst wird bis zum Nachmittage des 11. Juli dauern, an welchem Tage Sich Se. Majestät zum Besuche Sr. Kaiserlichen Hoheit des Großfürsten Michael nach Baden begeben werden.
— Briefsendungen für S. M. S. „Ariadne" find vom 7. Juli er. ab bis auf Weiteres nach Aden zu dirigen. S. M. S. „Luise" ist, telegraphischer Nachricht zufolge, in Hongkong eingetroffen.
— Kiel, 7. Juli. Gestern Nachmittag 12^4 Uhr hat auf der Norddeutschen Werft der Stapellauf der daselbst erbauten Kaiserlichen Macht stattgefunden. Die Jacht erhielt in der Taufe den Namen „Hohenzollern", der Taufakt ward von dem Kontre- Admiral Her.ck vollzogen. Bei dem darauf folgenden Festmahl brächte derselbe den Toast auf Se. Majestät den Kaiser aus.
— Die Verhandlungen der sächsischen Ersten Kammer über das Gesetz, welches die Staatshoheit der kathol. Kirche gegenüber regelt, haben insofern großes Aufsehen erregt, als der muthmaßliche künftige Thronfolger Prinz Georg sich dabei auf den ultramontanen Standpunkt gestellt hat, nach welchem dem Staat überhaupt kein Recht zusteht, die Grenze zwischen sich und der Kirche zu ziehen und zu bestimmen, welche Hoheitsrechte er über dieselbe zu üben habe. Prinz Georg meint, daß diese Frage, statt durch die Gesetzgebung des Staats, durch Konkordat zu lösen sei. Er vertritt also genau den Standpunkt der Herren Windthorst, Reichensperger u. s. w., er stellt dem Sraate die katholische Kirche als vollkommen gleichberechtigte Macht gegenüber, mit der man sich im Wege des völkerrechtlichen Vertrages zu verständigen hat, und muthet damit dem Staate stillschweigend zu, daß derselbe im Falle einer etwaigen Nichtverständigung die feindliche Macht innerhalb seiner eigenen Grenzen als ein Noli me längere zu achten habe. Daß in der Praxis ein derartiges Verhältniß der „Gleichberechtigung" nur auf eine Unterordnung des Staates unter die Ansprüche der römischen Kurie hinauslaufen würde, ist durch eine lange geschichtliche Erfahrung zu sehr erhärtet, als daß es noch eines Beweises bedürfte. An sich hat es nun zwar keine Gefahr, daß die deutschen Staaten in absehbarer Zeit in eine Konkordatspolitik zurückfallen sollten, die schon vor einem halben Jahrhundert, zu Niebuhr's Zeiten, sich als unmöglich erwies und später nur in der traurigen Reaktionsperiode der fünfziger Jahre von einigen deutschen Staaten eingeschlagen wurde, um bald genug wieder verlassen zu werden. Aber man sieht doch an diesem Falle aufs Neue, welch bedeutenden Einfluß die ultramontanen Anschauungen in manchen hohen Kreisen Deutschlands noch haben. Ueber den klerikalen Standpunkt des Prinzen Georg von Sachsen ist man allerdings längst nicht mehr im Zweifel gewesen. Allein wenn er jetzt es für angezeigt gehalten hat, öffentlich eine Kirchenpolitik zu proklamiren, welche nicht allein mit derjenigen Preußens und des Reichs, sondern auch mit derjenigen seines eigenen königlichen Bruders im Gegensatz steht, so ist daraus zu entnehmen, daß er beabsichtigt, die privatim von ihm gehegten Ansichten auch staatsrechtlich zur Geltung zu bringen. Und da ihm oder wenigstens den Nachwirkungen seines väterlichen Einflusses in der Zukunft eine bedeutende Machtfülle vorbehalten ist, so ergibt sich von selbst, daß das deutsche Volk noch auf lange Zeit hinaus in der Wachsamkeit gegenüber ultramontanen Bestrebungen nicht wird nachlassen dürfen. Was im Uebrigen das sächsische Kirchengesetz anlangt, so ist dasselbe äußerlich zum großen Theile der entsprechenden preuß. Gesetz-
nachgebildet, nur sind, wo die letztere Zähne hat, dieselben dem sächsischen Gesetz sorgfältig ausgebrochen. (Schw. Merk.)
^ ünchen, 7. Juli. Zufolge allerh. Entschließung vom 6.
l ™ Dauer des gegenwärtigen Landtages gemäß Tit. VII. 3- der Verfassungsurkunde bis zum 28. Juli l. J. einschließlich verlängert. ' p
Die Kaiser-Begegnung in Reichstadt bildet den Äugelpunkt, um welchen sich momentan alle politischen Konjekturen und Kombina
tionen drehen. Wünsche und Hoffnungen der diametralsten Natur knüpfen sich an die Begegnung der beiden Monarchen. In Ungarn hegt man gar die Besorgniß, daß zu Reichstadt Abmachungen getroffen werden könnten, deren Spitze sich gegen den ungarischen Staat richten würde. Dem „Pester Lloyd" gehen darüber geheimnißvolle Andeutungen aus Wien zu. Danach existire in den maßgebenden Kreisen eine kleine, aber nicht zu unterschätzende Partei, welche ein Zusammengehen Oesterreichs mit Rußland um jeden Preis befürworte. Für diese Partei bedeute die Allianz mit Rußland nicht die Lösung der orientalischen Frage, sondern jene der ungarischen Frage. Diese Strömung sei um so weriger zu unterschätzen, als sie andererseits an altton?luftigen Elementen einigen Sukkurs finde, welche die gleichen politischen Ziele an- strebten, ohne jedoch deren Konsequenzen nach innen ziehen zu wollen. Auch diese Elemente wollten eine Expansiv-Politik, und von beiden Seiten glaube man, daß die Entrevue in Reichstadt und die AuSeinan« dersitzung mit Rußland naturnothwendig ihre Ziele förden müssen. Der Kalkül Hiebei sei ein höchst einfacher. Von der Ansicht ausgehend, daß Oesterreich Ungarn und Rußland allein über den serbisch montenegrinisch türkischen Konflikt in letzter Linie zu entscheiden berufen seien, glaube man, daß zwischen Oesterreich Ungarn und Rußland förmliche Abmachungen für die extremsten Eventualitäten stattfinden werden. Im Falle des Sieges der Türken denke man sich die Entwicklung der Dinge derart, daß beide Staaten eine Vernichtung Serbiens nnd Montenegros nicht zugeben würden, während andererseits eine Fortdauer des jetzigen Verhältnisses unmöglich geworden wäre. Das Facit wäre eine Wahrung der beiderseitigen Interessen durch Schaffung eines neuen Suze« ränetätS-VerhältnisseS, in das sich Oesterreich-Ungarn und Rußland auf dem Balkan theilen würden. So der Wiener Gewährsmann deS „Pffter Lloyd". Zuletzt bemerkt derselbe, daß Graf Andraffy trotzdem Herr der Situation sei.
— Bodenbach, 8. Juli, Vormittags. Der Kaiser von Rußland, auf der Durchreise nach Reichstadt heute früh 71/4 Uhr dahier eingetroffen, wurde bei seiner Ankunft hierselbst von dem Kaiser Franz Josef empfangen und begrüßten sich die beiden Monarchen auf daS Herzlichste. Der Kaiser Franz Josef trug die Uniform eines russischen Generals, der Kaiser Alexander die ungarische Generalsuniform. Kaiser Alexander begrüßte den Grafen Andraffy auf das Huldvollste und ebenso der österreichische Kaiser den Fürsten Gortschakoff. Die beiden Monarchen fuhren sodann mittelst des russischen Hofzuges nach böhmisch Leipa.
— Bern, 7. Juli. Heute Morgen sind zwei Eisenbahnzüge bei Palözieux zwischen Bern und Lausanne zusammengestoßen, wobei 6 Personen um das Leben kamen.
— Odessa, 6. Juli. Dem serbischen Minister Protitsch ist eS gelungen, bei den hiesigen bulgarischen und griechischen Bankhäusern einen Theil der serbischen Staatsanleihe unterzubringen. Die St. Petersburger Regierung hat dagegen die offizielle Auflegung der Subskription an der Moskauer und St. Petersburger Börse nicht gestattet.
— Auf allen Regierungswerften Großbritanniens herrscht die größte Thätigkeit, und außerordentliche Arbeiten sind ausgenommen, um die Arbeiten so schnell als möglich auszuführen. In Plymouth wird der eiserne Schraubendampfer „Wivern" mit vier Kanonen» welcher - schon seit mehreren Jahren in der Reserve lag, für den sofortigen Seedienst hergestellt. Er wird wahrscheinlich nur für die Küstenvertheidi- gung in Verwendung kommen, da man ihn für seeuntüchtig hält. In PortSmouth werden der eiserne Schmubendampfer „Thunderer" mit vier Kanonen, die eiserne Schraubenfregatte „Sha" mit 26 Kanonen, und das eiserne Schraubenschiff „Tye Lord Warben" mit 18 Kanonen, mit Beiseitelassung aller anderen Arbeiten, derart hergestellt, daß sie schon am 1. August in die See stechen können. Das Schraubenschiff „Shmnon" mit neun Kanonen und der eiserne Schraubendampfer „Dreadnaugho" mit vier Kanonen haben Befehl erhalten, sich so schnell wie möglich für den Dienst in Pembroke bereit zu halten.
— Sultan Murad V., der noch immer nicht feierlich installirt