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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erschein: täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, rnd Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
Samstag den 8. Juli.
«eNsPaltiz-ZeN» so BK.
1876.
Brüder eintreten werde. Ob er das wohl mit Bewillig ung des Czaren verkündete? Außerdem verspricht das Manifest den Albanesen 5jährige Steuerfreiheit, wenn sie sich an dem Kampf gegen die Türken beteiligen würden. Außerdem stacheln serb. Agenten Griechenland und Rumänien zum Kriege gegen die Pforte auf. Beide scheinen aber noch keine große Lust zu haben, dem ihnen nicht sonderlich sympathischen Südslaventhum auf die Beine zu helfen. Die rumänische, bei der Laudlagseröffnung in voriger Woche verlesn« Thronrede spricht sich für volle Neutralität diesem Kampfe gegenüber aus.
Die türkische Regierung hat nun auf die serbisch montenegrinische Kriegserklärung hin ein Rundschreiben an die Mächte erlassen, welches darauf hinweist, daß sie der friedliche, angegriffene Theil sei und in welchem sie sich der Hoffnung hingibt, daß man ihr nun erlauben werde, von dem Richte der Vertheidigung auch über die serlische und montenegrinische Grenze hinaus Gebrauch zu machen. Außerdem verstä kt sie ihre Str eit fräste auf dem Kriegs schau platze nach Möglich! it, sucht sich fremde Offiziere zu gewinn«n, läßt sie vom polnischen Exdiktator Langie- Niec eine polnische, vom ungarischen Revolutirnsgeneral Kkapka eine ungarische Legion bilden, hat sie ihre Donauflotille in Aktion gesetzt, um die ferbi ch?n Uferstädte zu behelligen und soll sie alle Muhame- dauer vom 17. bis zum 70. Lebensjahre zu den Waffen genesen haben. Wir glauben aber, daß ihr alle diese Anstrengungen nichts nützen werden.
Der Beginn des Kampfes im Südosten hat den deutschen Kaiser am 2. Juli veranlaßt, dem Czaren in Jugenheim einen eintägigen Besuch abzustatten und bewirkt, daß bei der demnächst stattfindenden Zusammenkunft der Kaiser von Rußland und von Oestreich in Reichstadt (Böhmen) auch die beiderseitigen Kanzler assistiren werden. — Der Preuß. Landtag ist am 30. Juni geschlossen worden. Die liberalen Abg. schieden nicht in der freundlichsten Stimmung, da ja verschiedene Borlagen in Folge der Hartnäckigkeit des Herrenhauses nicht erledigt werden konnten und der Minister des Innern in einer der letzten Sitzungen den Nationalliberalen vorgeworfen hatte, daß sie sich von der Fortschrittspartei leider hätten in's Schlepptau nehmen lassen, welcher Meinung die Liberalen aber sehr widersprechen, wobei sie betonen, daß sie sich dadurch nicht ab! alten lassen würden, mit der Fortschrittspartei dieselben guten Beziehungen fortzuerhalten wie mit den Freikonservativen. — Schmerzlich berührte allerwärts in Deutschland die auch vom Generalkommissär der deutschen Ausstellung in Philadelphia als richtig erkannte Nachricht, daß die deutsche Industrie und Technik dortselbst eine schwere Niederlage erlitten haben, daß jetzt in den meisten Branchen die anderen Nationen Besseres leisten. Demungeachtet gedachte man mit allem Rechte am 3. Juli, dem 10jährigen Jubiläum der großen Schlacht von Königgrätz, mit großer Freude des blutigen Tages, welcher die Wieder« st-hung des deutschen Reiches ermöglichte und eine neue, bessere Zeit für Deutschland anbahnte. Ist bei uns auch noch nicht Alles vollkommen, leiden wir auch noch an der soeben angedeuteten Mi öre, so darf man doch angesichts der deutschen Thatkraft und der sonstigen tüchtigen Eigenschaften des deutschen Volkes mit Zuversicht hoffen, daß auch dieser Mißstand ollmählig überwunden werde.
In der Schweiz starb der russische Kommunist Bakunin, der selbst in den sozialistischen Kreisen seines Ultraradikalismus wegen bekämpft wurde.
Oesterreich sammelt Truppen an der serbischen Grenze, um den Ueber tritt ungarischer Serben zu verhindern, die aber trotzdem in großen Haufen hinübergehen, um den Kampf gegen die Türken mitznmachen. Außerdem hat es ebenfalls seine Donar flotille in Bewegung gesetzt.
In Frankreich beschäftigt sich die öffentliche Meinung vornehmlich mit einer Enthüllung, die Gambetta in der Kammer zur Sprache brächte. Man will erfahren haben, daß den Zöglingen der Jesuitenschulen die bei der Aufnahme in die polytechnische Schule zu lösenden Prüfungs- Aufgaben schon vorher mitgetheilt worden seien, auf daß sie sich hätten vorbereiten können. Die erste Untersuchung der Sache hat freilich nichts Bestimmtes zu Tage gefördert. Auf Gambetta'S Beran-
Bekauntmachnugen Kömgl. LKndr«ths«Mts dahier.
Verloren: Ein brauner Schirm. Zwei kleine Scheeren.
Zugelaufen: Ein schwarzer Spio. Ein röttlick-gelber Togs-N- Hund, männlichen Geschlechts; Meldung beim Ortsdiener Holz in Langenselbold.
Gefunden: Ein grau-s Kinderjackchen. Ein Portemonnaie mit! etwas Geld.
Hanau am 8. Juli 1876.
Rundschau.
H. H. C. Nicht der orientalische Kneg — denn die Mächte ; find nach wie vor fest entschlossen, den europäischen Frieden aufrecht zu ! erhalten — sondern der balkanische Kriex hat mit Beginn dieser Woche ! seinen Anfang genommen. Serbien und Montenegro haben der Pforte • ben Fehdehandschuh hi»g-worfen, und die Streitfröfte beider Staaten i bßben, mit ihrem Fürsten an der Spitze am 2. Juli die Grenze über-i schritten. Die Beweggründe. welche nach den von den Fürsten Milan, uab Nikita erlassenen Kriegsmanifesten den Krieg unvermeidlich gemacht i haben sollen, sind an und für sich sehr lahme; es wird da nämlich der i bedrohlich n Konzentration türkischer Truppen an der Grenze die Schuld m die Schuhe geschoben, während diese Ansammlung von Truppen doch nur die Folge der serbisch-montenegrinischen Unterstützung beä Aufstau des in der Herzegowina und in Bosnien war. Sei dem aber wie ihm wolle, . die Südslaven haben, so gut wie jede andere Nationalität, das Recht, sis^ ^vvbbängig zu machen und zu einem Ganzen zu vereinen; dieses Siecht steht ihnen umsomehr zu, als die türkische Herrschaft erwiesener Maßen nur eine kulturfeindliche, die unterworfenen Völker ruinirenbe fein kann und als 1'/, Millionen Türken unmöglich die Berechtigung haben können, 10 Millionen Slaven zu beherrschen. Der Kampf der Südslaven gegen die Türken behufs Vernichtung der türkischen Macht rn Europa ist auch ein Kulturkampf in des Wortes eigentlichster B-- deutung. Die sich selbst wiedergegeberen Südslaven werden sich ohne; Zweifel bald mehr und mehr civilisirrn und den andern europäischen j Kulturvölkern ähnlich zu werden sich bemühen. Das serbische Kriegs« [ manifest stellt unumwunden die Wiederherstellung des vor 500 Jahren. durch die osmanische Üebermacht zerstörten großen serbischen Czaren- i reichS als Ziel des Kampfes hin, wenn man sich auch mit Montenegro dahin geeinigt hat, daß dieses die Herzegowina, und Serbien nur Bos- i nien und die sonstigen Theild von Alt-Serbien erhalten soll. Während die ganze montenegrinische Armee iit die Herzegowina eingebrochen ist, ; hat sich die serbische in 3 Theile getheilt, von denen der eine unter Alrmpitsch in Bosnien eingebrochen, der andere — die Hauptarmee, bei der sich Fürst Milan befindet — unter dem Russen Tschernajew nach Süden in der Richtung auf die Festung Nisch, wo die türkische Hauptmacht steht, — der dritte nach Süd Osten, d. h. nach Bulgarien abmarschirt ist. Alle 3 serbischen Armeen, die insgesammt 112,000 Mann stark sind, haben schon tüchtige Kämpfe zu bestehen ghrbt. Die bosnische, welche den Bosniak-n durch Proklamation verkündet hat, daß sie nun von serb. Brüdern regiert werden würden und zum Zwecke der Uebernahme der Landesverwaltung ein ganzes Heer von Beamten mit» i genommen hat, nahm schon am 3. Juli die türk. Schanzen bei Bcllina.. i Sie Hauptarmee unter Tschernajew schlug die Türken bis zum 5. Juli wredsrholt, trieb dieselben in die Festung Nisch hinein und begann das Bombardement gegen dieselbe. Nur mit der östlichen Heeresabtheilung schnnt es nicht so recht vorwärts gehen zu wollen. Die Türken berichteten sogar von einem Siege über dieselben, sie wollen die Ver- schanzungen von Zoizar (auf serb. Boden) genommen und den Gegnern einen Verlust von 2000 Mann beigebracht haben. Die Serben dagegen behaupten, daß der türk. Angriff daselbst zurückgeschlagen worden sei, gestehen aber zu, daß ihr Korps bei Zoizar eine Vertheidigungsstellung eingenommen habe. — General Tschernajew hat bei seinem Entrücken m die Türkei auch eine Proklamation erlassen, welche besagt, daß der Befreiungskampf der Südslaven seinen Anfang genommen habe und daß, wenn diese etwa besiegt werden sollten, Rußland zur Rettung seiner I