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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, md SamstagS mit der Berliner Provinziell-Correspondenz.

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Freitag den 7. Juli.

1876.

Das Directorium der deutschen Kunst- und Kunst-Gewerbe-Aus­stellung in München hat beschlossen, die zum jederzeitigen Eintritte in dieselbe berechtigenden Saison-Karten, nicht nur an die Studirenden höherer Bildungsanstalten um die Hälfte des Preises, d. t. um 10 und 5 Mk. für die Perlon (je nach der Dauer, für welche die Karten aus­gestellt sind) abzulassen, sondern auch an solche Schüler anderer öffent­licher Unterrichts-Anstalten, die von den betreffenden Rectoren oder Schulvorständen für diese Vergünstigung besonders würdig be­funden werden und mit einer Legitimation hierüber versehen sind.

Diese Erleichterung soll den bezeichneten Categorien in allen die Ausstellung beschickenden Staaten zu Gute kommen, weshalb wir bereit sind entsprechende Gesuche von Akademieschülern zu unterstützen.

Hanau, den 3. Juli 1876.

Die Direction der Zeichenakademie:

Schrötter. Hausmann. Schleißner. Ed. Roeßler.

Tazersch««.

Vom Kriegsschauplatz.

A. d. Schw. Merk.

Es^war zu erwarten, daß sowohl Serben als Türken sich beeilen würden, Siegesnachrichten in die Welt hinauszuposaunen. Vom ersten Tag an liegt denn auch bereits eine Fluth von Depeschen vor, die je nach dem Ursprungsort günstig für den einen oder den anderen Theil lauten. Sowohl die Serben als die Türken haben einen Sieg zu ver­zeichnen. Es versteht sich aber von selbst, daß es sich bis jetzt nur um ganz unbedeutende Zusammenstöße handeln kann, und die bisherigen Gefechte verdienen es sicher nicht, zu so großen Aktionen aufgebauscht zu werden, wie dies in den vorliegenden Depeschen geschieht. Wir machen den Anfang mit dem türkischen Sieg. Schauplatz desselben ist das Städtchen Zajecar, westlich von Widdin, am Timokfluß, nahe der Grenze. Die Türken sollen die dort befindlichen Schanzen erobert, die Serben mit einem Verlust von 2000 Mann zurückgeworfen und alle umliegenden Stellungen der Serben eingenommen haben. Dies ist die einzige Nachricht, die bis jetzt vom östlichen Kriegsschauplatz vorliegt, der übrigens voraussichtlich die geringste Rolle spielen wird. Dagegen wissen die Serben vom Hauptkriegsschauplatz, nämlich vom südlichen an der Morawa, Günstiges zu berichten. Ein amtliches Bulletin aus Belgrad lautet: An der Südostgrenze haben mehrere ernste Gefechte stattgefunden; nach Mündigem Kampfe erstürmte General Tschernajeff das von mehreren türkischen Bataillonen vertheidigte befestigte Lager bei Babina Glawa; die Türken wurden in die Flucht geschlagen und ver­loren Pferde und Gepäck. Eine andere, ausführlichere, gleichfalls amt- liche Depesche lautet: Am Sonntag 4 Uhr Morgens überschritten die serbischen Truppen bei Suppovac nahe der Morava die Grenze. Die von Milutin Jovanovic befehligte Truppenabtheilung besetzte Sccenica und Dadulic und schlug die Türken zurück. Giorgsvic besetzte die Götzen von Topolnica. Am Montag griff General Tschernajeff das durch mehrere Batterien vertheidigte türkische Lager von Babina Glawa an; nach Mündigem Kampfe wurden die Türken gezwungen, mit Hinter­lassung aller Vorräthe den Rückzug anzutreten. Nach anderen nicht amtlichen Berichten wäre der Vorgang aber lediglich folgender gewesen: Die Batterie des Obersten Assunirkowicz gab am Sonntag Morgen von ihrer Aufstellung bei Sujowatz den ersten Kanonenschuß auf ein befestig­tes steinernes türkisches WachthauS, worauf sich die türkische Besatzung zuruckzog. Der Schuß war das Signal für den Aufbruch der Morawa- «rmee, die sofort die Grenze überschritt, ohne Widerstand zu finden.

Lutten zogen sich, das Feuer schwach erwidernd, auf Nisch zurück. W 'n der That nicht anzunehmen, daß General Tschernajeff vor W6 erheblichen Widerstand stößt. Vom westlichen Knegs- Kb ^meldet, daß die Drina-Armee unter Ranko Alimpics T -S°""tage über die Grenze gegangen und bis Bjelina ?°Muckt ist, in dessen Nähe sich ein Feuergefecht entsponnen hat, über ^usgang zedoch noch nichts mitgetheilt wird. Endlich ist es bei Pvogortza m Albamen, also an der südlichen Grenze von Montenegro

zu einem Vorpostengefecht gekommen, das schon darum ohne Bedeutung ist, weil die ganze montenegrinische Streitmacht, in drei Heereskörper getheilt, die von Pelrovich, Dakovich und vom Fürsten selbst befehligt werden, in die Herzegowina, also nordwärts aufgebrochen ist und Mo- star sich zum Ziel seiner Operationen erkoren hat. Dies sind die ersten Kämpfe auf dem vierfachen Kriegstheater. Die Hauptentscheidung dürfte bei dem Heere des Generals Tschernajeff zwischen Alexinacz und Nisch erfolgen. Vorausgesetzt, daß überhaupt von einer Entscheidung so bald gesprochen werden kann. Wir theilen an anderer Stelle die Vermu­thungen mit, die I. v. Wickede über den Verlauf des ausgebrochenen Kriegs äußert. Danach wären die Aussichten ziemlich hoffnungslos, der Krieg unabsehbar; beide Parteien werden von dem bekannten Mi- litärschriftsteller ziemlich geringschätzig als par nobile fratrum beurtheilt. Zu dieser Darstellung ist aber doch zweierlei zu bemerken: einmal darf nicht vergessen werden, daß im ersten Drittel unseres Jahrh. Serbien schon einmal Meister über die Türkei geworden ist und sich seine Un­abhängigkeit erobert hat, sodann aber: wenn Türken und Südslaven in Wuth, Tücke und Grausamkeit sich gegenseitig nichts nachgeben, so wird es eben am besten sein, die unversöhnlichen Feinde werden getrennt.

Berlin, 3. Juli. Der 10jährige Gedenktag der Schlacht bei Königgrätz wird ossiziell in keiner Weise gefeiert. Es entspricht das dem herzlich bruderfreundlichen Verhältnisse, welches zwischen dem neu erstandenen Deutschland und dem jetzigen Oestreich besteht, und welches irgendwie zu trüben auch selbst kein Vorwand gegeben werden soll. Auch die Presse enthält sich fast durchweg einer Hervorhebung des Ta­ges, und wo es der Fall ist, geschieht es, um zugleich der Freude über die erfreuliche Gestaltung der Beziehungen zu Oestreich und über den Aufschwung der östreich.-ungarischen Monarchie selbst neben dem deut­schen Reiche Ausdruck zu geben. Die Schles. Zeitung u. A. hebt in einem Artikel hervor: Was uns aber vor Allem freut und der Erin­nerung an Königgrätz jeden Stachel benimmt, ist die zwiefache That­sache: zunächst daß Oestreich heute politisch enger an Deutschland ge­knüpft ist, daß es uns angesichts einer europäischen Krisis vertrauens­voller verbunden ist als nur je zu Zeiten des Bundestages, dann aber daß Oestreich im rein nationalen Sinne, d. h. nach allen Richtungen des Kulturlebens hin fester mit uns vereint ist denn jemals in ver­gangenen Tagen. Auch die N. Allg. Ztg. feiert den Jahrestag mit einem Leitartikel, in dem es zum Schlüsse heißt:Mit dem Tage von Königgrätz ist Preußen aus der Reihe der deutschen Mächte geschieden und Deutschland an seine Stelle getreten. So soll uns Preußen denn das Gedächtniß dieses Tages fortleben als ein würdiger Abschluß un­serer rühm- und ehrenreichen Geschichte. Den Deutschen allen aber sei und bleibe er eine Mahnung, daß preußische Heldentugend es gewesen, auf welcher das neue Reich sich erhoben, und daß vom Tage von Kö­niggrätz Deutschlands neue Geschichte datirt." Sämmtliche Minister haben unmittelbar nach dem Schluß des Landtags sich auf Reisen be- geben; der Vize-Präsident des Staatsministeriums nach England, der Justizminister nach Norderney, der Kultusminister über Bayern nach : der Schweiz, der Kriegsminister nach seinem Gute in Pommern, der Minister Stosch nach dem Rhein, der Handelsminister nach Westfalen und der landwirthschaftliche Minister nach Schlesien. Zur Zeit befin- den sich nur der Minister des Innern und Minister Hofmann hier. Ersterer wird voraussichtlich erst im August eine Urlaubsreise antreten. Im Jahre 1874 sind im deutschen Reiche nach den Vierteljahrs­heften der Statistik des D. Reichs 400,282 Ehen geschloffen worden. Vergleicht man diese Zahl mit den Ergebnissen der beiden Vorjahre, so zeigt sich eine bemerkenswerthe Abnahme der Eheschließungen, die­selben hadert sich gegen das Vorjahr um 15,676, gegen das Jahr 1872 um 23,618 vermindert. Diese Abnahme, welche noch bedeutender er­scheint, wenn man die inzwischen eingetretene Vermehrung der Bevölke­rung in Betracht zieht, kann nicht wohl dem Umstände' zugeschrieben werden, daß in den Vorjahren viele wegen des Krieges ausgeschobene Ehen geschlossen worden wären, da dies im Jahre 1873 nur noch in