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vischen Welt, die aufrichtigen, uneigennützigen Wünsche des russischen Volkes zu einem raschen entscheidenden Sieg. Seit vor 500 Jahren die Welle des Islamismus nach Europr herüberschlug und auch Serbien verschlang, haben die Slaven (So? und allein?) theils die Türken bekämpft, deren Invasion aufgehalten und deren Joch getragen. Jetzt nach 500 Jahren, beinahe am selben Tage, erhebt sich Serbien, seine Freiheit und die seiner stammverwandten Mitchristen zurück zu erwerben. Die ganze slavische Welt steht auf der Wache und erwartet die Entscheidung. So die neue Zeit. Das Journal de St. Petersburg will noch nicht an den eigentlichen Krieg zwischen Serbien und Türkei glauben, da die Lage seit 1 Jahr schon mehrmals gleich gespannt war und es der Diplomatie doch gelang, den Frieden zu wahren Die Russische Welt endlich meint, Deutschland solle das Prinzip der Nationalität, welches es zu Gunsten des Pangermanismus (?) angerufen, auch zum Vortheil des Panslavismus gelten lassen, solle den Lockungen Englands widerstehen und seinen alten Aliirten ja treu bleiben. Der Ausbruch des Lokalkrieges kann im Uebrigen nur günstig auf die Gemüther wie auf die Geschäftswelt zurückwirken, denn weniger Geschäfte, als in den letzten Wochen während der allgemeinen Spannung in Ungewißheit, können nicht leicht gemacht werden. Alle Branchen in der Kaufmannswelt klagen über Darniederliegen des Handels, des Kredits, des Unternehmungsgeistes. <Schw. Meri.)
— Rom, 1. Juli. Obwohl die italienische Diplomatie in Gemeinschaft mit Deutschland, Frankreich und Oestreich, nachdem sie seit Woch n die Kriegsgefahr zu beschwören versucht haben, ihrer friedlichen Mission getreu Alles aufbieten wird, den Krieg zu lokalisiren und zu verhindern, daß Rußland und England sich in die Haare gerathen, kann doch, so meldet der „Schw. Merk.", Niemand einen günstigen Ausgang ihrer Bemühungen mit Bestimmtheit vorhersagen, weil ein unvorhergesehenes Ereigniß die Lage der Dinge plötzlich umgestalten kann. Die ital. Regierung hielt es daher für ihre Pflicht, die durch derartige Erwägungen gebotenen und gerechtfertigten Vorsichtsmaßregeln ebenfalls ins Auge zu fassen, und es liegt eine ganze Reihe von Anzeichen vor, daß etwa eintretende ernste Ereignisse dieselbe nicht unvorbereitet treffen. Von der einen Seite wird berichtet, daß das Marine- ministerium die umfassendsten Anordnungen getroffen hat, um gegen jede Eventualität gesichert zu sein und jeden Augenblick mit einer ansehnlichen, wohlausgerüsteten Flotte in See stechen zu können. Von anderer Seite meldet man, daß 2 Divisionen der Armee, die an den bevorstehenden Manövern Thül zu nehmen haben, auf Kriegsfuß gesetzt werden, forme daß die Vertheidigungsarbeiten, namentlich nach Nord und Osten hin, mit allem Eifer betrieben werden. Die Forts von Bologna sind durchweg mit neuen Kanonen versehen und das Arsenal der Artillerie mit einer Mauer umgeben worden, damit das Publikum das darin aufg häufte Material nicht zu sehen bekomme. Möge Italien, Hand in Hand mit seinen natürlichen Verbündeten und zumal im Verein mit Deutsch and, die rühmliche Aufgabe gelingen, einer europäischen Verwicklung vorzubeugen.
— Paris, 4. Juli. Der „Agence Hacas" zufolge wurde im Ministerkonseil über die neuesten Ereignisse im Orient Berathung gepflogen: aus den eingelaufenen Informationen habe sich ergeben, daß die Politik der Enthaltung, der Nichteinmischung am meisten Aussicht habe, von den europäischen Mächten adoptirt zu werden, eine Politik, welche auch die der französischen Regierung sei.
— Die französische Regierung hat die Aushebung von Freiwilligen für dir serbische Armee und die Sammlung von Unterstützungen für Serbien untersagt.
— Toulon, 4. Juli. Die erste Division des französischen Mittelmeergeschwaders hat heute den hiesigen Hafen verlassen, um sich nach Tunis zu begeben.
— Konstantinopel, 4. Juli. Der Fürst von Montenegro hat ein vor acht Tagen an ihn gerichtetes Telegramm des Großveziers mit der von vorgestern datirten Kriegserklärung beantwortet. In derselben spricht der Fürst seinen Dank für die Anerkennung seiner loyalen Haltung auS, erklärt jedoch die Zusicherungen der Pforte nicht annehmen zu können. Die letztere sei durch lügenhafte Berichte ihrer Agenten getäuscht worden. Es Jet Faktum, daß Montenegro von den an der Grenze stehenden türkischen Truppen blokirt gehalten werde, diese seien in der letzten Zeit noch vermehrt worden. Er (bet Fürst) habe in Befolgung des ihm von den Mächten gegebenen Rathes mit Mühe seine Unterthanen von der Betheiligung am Aufstande abgehalten und seinerseits die Pazifikation unterstützt; doch sehe das Volk heute ein, daß die Pforte nicht im Stande sei, den Kampf zu beendigen; er selbst billige diese Ansicht und ziehe es vor, offen den Krieg zu erklären.
— Konstantinopel, 4. Juli. Ein Telegramm des Gouverneurs der Herzegowina aus Mostar vom heutigen Tage meldet über die jüngsten Gefechte Folgendes: „Den Kaiserlichen Truppen, welche die serbisch- Grenze von Widdin her überschritten, ist es nach siebenstündi- kem Kampfe gelungen, sich der dort belegruen Befestigungen zu bemächtigen und haben die Truppen bei Jsor, im Distrikt Zaitchar, Stellung genommen. Die serbischen Truppen, welche die Grenze bei Nisch und
Belina überschritten, sind zurückgeworfen worden. Das gleiche Schicksal hatten die Montenegriner, welche von Podgoritza her einen Angriff versuchten." (Der Ort, welcher durch den ersten feindlichen Zusammenstoß auf serbischem Gebiete merkwürdig geworden und in der ersten Depesche in Zaicur verschrieben ist, ist Saitschar (nach der in Oesterreich jetzt üblichen südslawischen Schreibart Zaicarj (das c. mit Haken darüber) Hauptort des gleichnamigen serbischen Kreises am Flusse Timok, an der östlichen Grenze gegen Bulgarien, von dem es nur durch mäßige leicht zu passirende Höhenzüge getrennt ist, wie überhaupt das ganze Timok-Thal gegen die türkische Donau hin offen liegt und natürliche Hindernisse des weiteren Eindringens in Serbien sich erst in seinem oberen südwestlichen Theil; finden.)
— Aus Belgrad liegt vom 4, Juli Abends folgendes Telegramm vor: Ein der serbischen Regierung vom Kriegsschauplatz zugegangenes Bulletin meldet: „Die serbischen Truppen haben am Sonntag um 4 Uhr Morgens die türkische Grenze bei Supowatz (auf der Südgrenze Serbiens an der Morava) überschritten. Eine Truppenabthei- lung JovanovicZ besetzte Secenica und Dudulic und schlug die Türken zurück. Giorgevic besetzte die Höhen von Topolnica (alle 3 Ortschaften liegen südlich von Serbien in der Umgegend von Nisch). Am Montag griff General Tschernajeff, wie bereits gemeldet, das von mehreren Batterien vertheidigte türkische Lager bei Babina Glava (?) an und zwang die dortigen türkischen Truppen nach dreistündigem Kampfe mit Hinterlassung aller ihrer Vorräthe zum Rückzug. Gleichzeitig überschritten die Truppen des Commandeurs der Drina-Armee, Ranko Alimpits, die Drina und drangen bis Belina (oder Bjelina, im nordöstlichsten Theile Bosniens, in der von Drina und Sawe gebildeten Ecke) vor, wo sich ein heftiges Feuergefecht entwickelte." — Die „Polit. Korrespondenz" vom 4. JuÜ wird aus Konstantinopel telegraphisch gemeldet, daß die Pforte gegenüber dem von der serbischen Regierung ihr übermittelten Ultimatum an die Signatarmächte des Pariser Vrrtrages eine Cirkularnote gerichtet habe, in welcher sie erklärt, daß sie sich, falls sie von Serbien angegriffen würde, letzterem gegenüber jeder durch den Vertrag ihr auferlegten Beschränkung entbunden erachten werde und von dem Rechte der Vertheidigung auch über die serbische Grenze hinaus Gebrauch machen werde. — Nach einer aus BoSnien der „Pol. Korrespondenz" zugegangenen Nachricht hat der Sultan auf telegraphischem Wege die Bewaffnung aller Muhamedaner vom 17. bis 70. Lebensjahre daselbst anordnen lassen. — Die „Pol. Korrespondenz" vom 4. Juli erfährt aus zuverlässiger Quelle, die auf der Donau stationirten österreichisch-ungarischen Monitors „Leitha" und „Varos" hätten den Befehl erhalten, nach Semlin zu gehen und sich dort zum Schutze der österreichisch-ungarischen Staatsangehörigen dem Generalkonsul Wrede zur Verfügung zu stellen. Außerdem soll der Grenzkorvon durch eine bei Schabatz aufzustellende Armeediviston verstärkt we den. — Endlich liegen noch folgende Telegramme des „W. T. B." vor: Belgrad, 5. Juli. Von der Regierung wird ferner gemeldet: General Tjchernajeff hat auf dem Vormärsche gegen Pirol Akpalanka (beide auf dem Wege zwischen Nisch und Sofia) genommen. Die Türken haben Saitschar angegriffen, sind aber zurückgeschlagen worden. Die serbischen Truppen in Saitschar halten sich in der Defensive. Ranko Almpits hat die äußeren Schanzen von Belina genommen. Die Vortheile sind bis jetzt überall auf serbischer Seite. — Cettinje, 4. Juli. Die Montenegriner sind in der Richtung von Podgorizza vorgegangen, der Fürst hat die Beschießung und Erstürmung von Medun (befestigter Punkt auf einem Hügel unweit Podgorizza) angeordnet. (R. u. St.-Anz.)
Lokales von hier und Umgegend, sowie Provinzielles.
Hana«, 6. Juli 1876.
— Gestern berührten zwei Wagen Dynamit, von Mainz kommend und nach Bayern bestimmt, unsere Stadt und wurden dieselben mit Beobachtung der nöthigen polizeilichen Vorsichtsmaßregeln bis zur Gemarkungsgrenze geleitet.
— Jmmobilien-Umsätze. Im Jmmobiliengeschäft scheint — ebenso wie mit den hiesigen Lokalnachrichten — die Gurkenzeit begonnen zu haben; es sind uns wenigstens in letzter Zeit keine dahin bezüglichen Nachrichten zugegangen. Dieser Tage soll Herr Bäckermeister Körner von hier seine Villa zu Großsteinheim (früher Wetzlar'sche Besitzung „Sternau") an einen Offenbacher für 46000 Mk. verkauft haben.
— Nach den Bestimmungen des Jagdschongesetzes vom 26. Febr. 1870 dürfen in diesem Monat geschossen werden: Männliches Rothund Dammwild, Rehböcke, Enten, Trappen, Schnepfen, Sumpf- und Wasservögel. Dagegen sind mit der Jagd zu verschonen: Weibliches Roth- und Dammwild, Wildkälber, Ricken, Rehkälber, der Dachs, Aver- und Birkwild, Fasanen, Haselwild, Rebhühner, Wachteln, Hasen.
— Staffel, 5. Juli. Gegenwärtig sind die Krankenwärter-Com- pagnien des 11. Armeecorps, zu 800 Mann an der Zahl, 3 Stabsund 13 Assistenzärzten hier versammelt, und im hiesigen Meßhaus und der Umgegend einquartirt. Es soll, wie wir vernehmen, demnächst m