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M 153.

fjoniuitr Anzeiger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, md Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

Dienstag den 4, Juli.

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1876.

BekauutMachuKgen Kömgl. LaKdrathsamLS dahier.

Jakob Hau und Peter Jüngling hier sind auf ordnungsmäßige Reinigung der Trinkbrunnen in Stadt und Land, soweit ihnen von Seiten der Staats- oder Gemeindebehörden oder von Privaten Auf­träge zugehen, vereidet worden.

Harau, am 26. Juni 1876.

Gefunden: Ein großer Hundemaulkorb. Ein Ledertäschchen mit gelbem Messingbügel und Riemen. Eine schwarze Kinderschürze. Ein gelbes Centimeter-Maaß. Ein Portemonnaie, enthaltend 1,04 Mark. Eine roth und gelb gestreifte Schürze. Ein Rechnenbuch Eine ge- häckelte weiß-baumwollene Nachthaube. Ein kleines Ledertäschchen, ent­haltend 40 Pf.

Hanau am 4. Juli 1876.

X k g r s s ch k n

Auf der Weltausstellung in Philadelphia hat die deutsche Industrie eine schwere Niederlage erlitten dieses Urtheil tritt so allgemein auf und wird von so sachverständiger Seite bestätigt, daß man es. wie die Nat.-Lib. Corresp. sagt, so schwer es dem Patrioten auch ankommen mag, als feststehend hinnehmen muß. Ein kompetenter Richter, der Professor an der berliner Gewerbe-Akademie F. Reuleaux, welcher als deutsches Jurymitglied gegenwärtig in Philadelphia weilt, hat darüber an die Nat.-Ztg. einen offenen Brief'geschrieben. Es heißt darin u. A.:

Unsere Leistungen stehen in der weitaus größten Zahl der ausge­stellten Gegenstände hinter denen anderer Nationen zurück, nur in wenigen erscheinen wir bei näherer Prüfung ihnen gleich, in einem Minimum von Fällen nur überlegen. Leider ist denn auch die Presse, und vor Allem die deutsch-amerikanische, schonungslos über unsere Ausstellung hergefallen. Der Grund dieser Gereiztheit, welche wahr­scheinlich in einiger Zeit einer wenigstens unparteiischen Auffassung weichen wird, ist einigermaßen erklärlich. Jahrelang haben die Deutsch-Amerikaner von den Leistungen gesprochen, welche Deutschland, das wiedergeborene, erstarkte, an den Tag legen werde; mit Stolz haben sie prophezeit, wie ihr ehemaliges Vaterland die übrigen Na­tionen, wenn nicht in Schatten stellen, so doch vielfach überflügeln werde. Und nun ist von alledem nichts, vielmehr meistens das Ge­gentheil geschehen, und darum sind die über führten ehemaligen Freunde nun die erbittertsten Tadler geworden. Vielleicht sind sie aber den­noch indirekt unsere Freunde, indem sie Deutschland öffentlich den Spiegel vorhalten, den ihm seine Freunde in Europa so oft schon im kleineren Kreise vorzuhalten gesucht, ohne daß ihnen geglaubt wurde. Aber das neue Deutschland ist verwöhnt von seinen Schmeichlern, die Phrase von Deutschlands Bestimmung und Stellung ist ihm so oft ins Gesicht gesagt worden, das Lied seines Ruhmes so oft vor- getrillert worden, daß es die Fühlung mit den Forderungen verloren hat, welche ein internationaler Wettkampf an seine Kräfte stellt. Als Quintessenz aller Angriffe tritt der Wahrspruch auf: Deutschlands Industrie hat das Grundprinzipbillig und schlecht". Zweiter Satz: Deutschland weiß in den gewerblichen und bildenden Künsten keine anderen Motive mehr, als tendentiös-patriotische, die doch auf den Weltkampfplatz nicht hingehören, die auch keine andere Nation hin­gebracht; für die tendenziöse, durch sich selbst gewinnende Schönheit hat es keinen Sinn mehr. In der That, nachdem man uns dies gesagt, beschiercht uns ein beschämendes Gefühl, wenn wir die Aus- stellung durchwandern und in unserer Abtheilung, die geradezu ba- taillonswelse aufmarschirenden Germanien, Borussien, Kaiser, Krön- prmzen,red princes, Bismarck, Moltke, Roon betrachten, die in n,Sß\^ in Bronze, in Zink, in Eisen, in Thon, die h gewirkt, gedruckt, lrthographirt, gewebt an allen Ecken una Enden uns entgegenkommen. Und nun in der Kurstabtheiluna gar zweimal Sedan! Was hat die Commission für Kunstwerke sich bet der Annahme dieser Bilder gedacht! Und wieder in der Ma­schinenhalle: sieben Achtel des Raumes, so scheint es, für Krupp's

- Riesenkanonen, diekilling machines, wie man sie genannt hat, i hergegeben, die da zwischen all dem friedlichen Werk, das die anderen Nationen gesandt haben, wie eine Drohung stehen! Ist daS wirklich der Ausdruck von DeutschlandsMission" ? Muß man nicht den ChauviniSmuS und Byzantinismus als bei uns in höchster Blüthe stehend annehmen? Zwingen wir nicht die fremden Nationen ge­radezu zu dieser Annahme? Dritter Satz: Mangel an Geschmack im Kunstgewerblichen; Mangel an Fortschritt im rein Technischen. Wiederum müssen wir an unsere Brust schlagen. Wiederum müssen wir auf die Wichtigkeit der Bestrebungen des Gewerbemuseums, auf das geringe Entgegenkommen Hinweisen, welches der Handels-Minister in seiner warmen Fürsorge für diese Frage bei der Industrie findet. Bei allen Nationen, die auf der Ausstellung vertreten sind", sagen die Tadler,haben wir etwas zu lernen gefunden, in Deutschland nichts!" Hart, aber beinahe ganz wahr! Diese sind drei Haupt­argumente, welche gegen uns erhoben werden. Im Allgemeinen ver­mag ich den Vorwürfen nicht zu widersprechen, und kann nur den Wunsch äußern, eS möchten recht viele deutsche Industrielle herüber­kommen, um zu sehen, wie viel zu lernen und wie viel wir zu ver­gessen haben."

Die Nat.-Lib. Corr. bemerkt:Schließlich, meinen wir, nicht die Jndustriebeflissenen allein, sondern die ganze Nation hat einigen Grund, Angesichts des Resultats von Philadelphia in sich zu gehe». Eine In­dustrie mit mangelhaftem Geschmack kann auf die Dauer nicht bestehen, wenn sie nicht von einer mit demselben moralischen Defekt behafteten Käuferschaft getragen wird. Also: bessern wir uns alle!"

Berlin, 3. Juli. Se. Majestät der Kaiser und König haben laut Meldung desW. T. B." aus Jugenheim gestern mit Sr. Majestät dem Kaiser von Rußland in Schloß Heiligenberg das Diner eingenommen und Sich Nachmittags 5 Uhr nach EmS zurückbegeben. Auch Ihre Majestät die Königin von Württemberg hat Schloß Heili­genberg gestern verlassen. <r. *. st^stna.)

Nach übereinstimmenden Nachrichten aus Brüssel hat die deutsche Abtheilung der dortigen internationalen Ausstellung für Ge­sundheitspflege und Rettungswesen einen durchschlagenden Erfolg erzielt. Von allen Seiten wird der in den ausgestellten Gegenständen erkenn- baren Tüchtigkeit, sowie namentlich auch der ernsten und strengen Ein- i Haltung der Grenzen des Programms Anerkennung zu Theil. Auch die zwar prunklose aber würdige, eine bewährte Künstlerhand ver­rathende, dekorative Ausstattung findet allseitigen Beifall.

In den deutschen Münzstätten sind bis zum 24. Juni 1876 geprägt: an Goldmünzen: 1,082,085,960 Mark Doppel­kronen, 324,353,680 Mark Kronen; hiervon auf Privatrechnung: 171,113,805 Mk.; an Silbermünzen: 54,264,200 Mark 5-Markstücke, 172,672 Mk. 2-Markstücke, 139,898,612 Mark 1-Markstücke, 28,483,065 Mark Pf. 50-Pfennigstücke, 27,277,415 Mark 80 Pf. 20-Pfennig- stücke; an Nickelmünzen: 17,442,341 Mark 70 Pf. 10-Pfennigstücke, 10,029,209 Mk. 50 Pf. 5-Pfennigstücke; an Kupfermünzen: 5,571,574 Mark 82 Pf. 2-Pfennigstücke, 3,084,531 Mark 51 Pfennige 1-Pfennig. stücke. Gesammtausprägung: an Goldmünzen: 1,406,439,640 Mark; an Silbermünzen: 250,095,964 Mark 80 Pf.; an Nickelmünzen: 27,471,551 Mark 20 Pfennige; an Kupfermünzen: 8,656,106 Mark 33 Pf.

Magdeburg, 3. Juli. In der Kohlengrube Frose bei Aschersleben ist eine Feuersbrunst ausgebrochen; von 40 Arbeitern sind nur 13 gerettet worden, die übrigen erlitten den Erstickungstod. Bisher sind nur 8 Leichen zu Tage gefördert; die RettungSarbeiten sind wegen starker GaSentwickelung und rascher Wasserzunahme mit Schwierigkeiten verbunden. " (Fr. «Hi.)

München, 1. Juli. In seinem Referate über den Militär- - Etat stellte Hr. Abg. Frankenburger den Antrag:Die Kammer wolle beschließen, es sei die Militär-Verwaltung zu ersuchen, zu veranlassen, daß der Bedarf von Pferden für die bayerischen Armeekorps, soweit