dem Redakteur der Menschenrechie, BolLtre, zu Theil geworden. Man weiß, daß dieser mit Handschellen und in dem Zellen wagen der gemeinen Verbrecher vor den Untersuchungsrichter geführt wurde. Dufaure gab nur ausweichenden Bescheid, er ließ durchbliöen, daß nach seiner Meinung BolLtre absichtlich' jene Mißhandlung herbeigeführt habe. Er hätte nur, wie er es schon in einem früheren Falle gethan, einen Wagen zu verlangen brauchen und man würde ihm eine Droschke zur Verfügung gestellt haben. Aber er stieg in den Zellenwagen, ohne eine Bemerkung zu machen. Daß BolLtre im Justizpalast mehrere Stunden hindurch in einer Verbrecherzelle eingeschlossen wurde, ehe man ein Verhör mit ihm anstellte, entschuldigte Dufaure mit baulichen Veränderungen, die in diesem Palast augenblicklich vorgenommen werden. Von der Bestrafung eines Beamten sagte er nichts, behauptete im Gegentheil, daß keinem Beamten ein Vorwurf zu machen sei. Endlich jedoch sagte er, daß ein solcher Vorfall sich nicht wiederholen solle. Diese letztere Bemerkung benutzte Spuller, sich für befriedigt zu erklären, wobei er jedoch hinzufügte, daß in manchen Stücken die Rede des Ministers zu wünschen übrig lasse. Viele republ. Blätter halten die Antwort Du- faure'S nicht für genügend. (S-hw. Merl.)
— London, 27. Juni. Wie dem „Reuterschen Bureau" aus Gibraltar gemeldet wird, hat die englische Regierung weitere Anordnungen zur Vervollständigung der Ausrüstung der Festung getroffen.
— Konstantinopel, 26. Juni. Der Marine-Minister Kaisserli Pascha ist von der ihm durch Hassan Bei beigebrachten Wunde wieder« hergestellt. — Essad Bey ist zum Gesandten in Rom ernannt worden. — Riza Pascha begibt sich demnächst nach den Dardanellen, um eine Besichtigung der dortigen BefestigunaSwerke vorzunehmen. — Das türkische Panzergeschwader begibt sich zur Vornahme von Uebungen heute nach dem Archipel.
— Konstantinopel, 26. Juni. DaS türkische Panzergeschwader soll heute zu Uebungszwecken nach dem Archipel absegeln. — 27. Juni. Erhebliche türkische Streitkräfte wurden an der serbischen Grenze konzentrit. Die Haltung Montenegro'S scheint friedlicher. — Der Marineminister ist von seinen Wunden geheilt.
— Den aus Bosnien vorliegenden Nachrichten zufolge sind jetzt an der serbischen Grenze beträchtliche türkische Streitkräfte konzentrirt. Die Haltung dr Regierung von Montenegro der Pforte gegenüber hat sich dem Anschein nach friedlicher gestaltet.
— Wie der „Politischen Korrespondenz" vom 26. d. Mts. aus Belgrad gemeldet wird, werden alle Beschlüsse, welche die Skupschtina im vergangenen Winter für den Fall eines Krieges gefaßt hatte, jetzt ausgeführt. Zunächst werden die Gehälter aller Beamten reduzirt und der größte Theil der Civilbeamten in das Heer eingereiht. Die zweite Milizklasse hat bereits den Fahneneid geleistet. General Zach komman- dirt die West-Morawa-Armee und Ranko die stärkere bei Alimpics stehende Drina-Armee, wo der Uebergang über die Drina vorbereitet wird. Ebenda haben auch die Türken eine zahlreiche Truppenmacht aufgestellt. General Tschernajeff kommandirt die Süd-Armee, welche dem türkischen verschanzten Lager bei Nisch gegenübersteht.
Lokales von hier und Umgegend, sowie Provinzielles.
Hass«, 28. Juni 1876.
Eingesandt.
Da nun hinlänglich bekannt ist, daß jeder zur Straßenreinigung Verpflichtete sein Terrain auch täglich mit Wasser zu begießen und sein Floß zu reinigen hat, so kann es nicht gefallen, daß diese Vorschrift von Seiten der Stadt, resp, deren Bediensteten so ganz außer Acht gelassen wird, wie dies z. B. an der Heuwaage der Fall ist, an welchem Platze durch den regen Ve kehr mit Fuhrwerken, namentlich bei gegenwärtiger Saison, das Begießen des Pflasters vor derselben gewiß ebenso nothwendig ist, wie vor jedem anderen Hause.
Sicher bleibt dem Diener daselbst noch so viel Zeit oben genannte Vorschrift täglich auszuführen, wenn er von seinen Vorgesetzten hierzu beauftragt wird. Z.
— Das Storchenpaar auf der „Bavaria" scheint wenig Begriff von Elternliebe zu haben; seit gestern hat dasselbe das im Nest sich befindende Junge verlassen. So viel man hört, will ein Bewohner des Marktes sich des dem Hungertode auSgesetzten jungen Storches annehmen und ihn groß zu ziehen suchen.
— Morgen findet dahier im Gasthaus zur Krone die Versammlung des Frankfurter Bezirksvereins deutscher Ingenieure in nachfolgender Weise statt: Nachm. 31/» Uhr Beginn der Sitzung, in welcher vorerst Vereinsangelegenheiten besprochen werden, denen sich ein Vortrag über die Rüdesheimer Kesselexplosion anreiht. Hierauf findet die Besichtigung der Kgl. Pulverfabrik, zu welcher Seitens der Direktion in liberalster Weise die Erlaubniß ertheilt wurde, statt. Abends 71/* Uhr wird ein gemeinschaftliches Abendessen in der Krone den Abschluß bilden.
Versteigerungs- und Verpachtungs-Kalender für Donnerstag den 29. Juni.
Wer die baulichen Herstellungen in der Amtsrichterwohnung zu Bergen zu übernehmen gedenkt, hat dahin bezügliche Anerbieten bis spä- | testens Vormittags 11 Uhr an den Kgl. Bauinspektor Herrn Grau da«
verfrüht, da die Regierung an der Möglichkeit, wenigstens das Campe- > tenzgeietz noch zu Stande zu bringen, noch nicht verzweifelt. Die Berechnungen, die auf den 28. d. M. lauteten, gingen aber von der entgegengesetzten Voraussetzung aus. Da die genannte Vorlage nochmals an das Herrenhaus zurückgehen muß, um fertig zu werden, so hängt ihr Schicksal äußerlich zunächst von der Geduld und Präsenzliste dieses letzteren ab. Die Nordd. Allg. Ztg. mahnt die säumigen Pairs in Sperrdruck, noch wenigstens einigen Sitzungen, voraussichtlich bis zum nächsten Donnerstag, beizuwohnen. Ist diese Mahnung von Erfolg, so schließt die Session nach der „Trib." am Freitag, wenn nicht, vermuthlich Mittwoch.
— Ju gen heim, 23. Juni. Wie nicht anders zu erwarten, kommen und gehen die fürstlichen Besucher und Gäste, seit Kaiser Alexander auf Schloß Heiligenberg weilt. Nachdem Erzherzog Albrecht auf mehrere Tage zum Besuch eingetroffen, statteten Besuche ab der Herzog von Nassau, kamen weiter Herzog Eugen von Württemberg mit Gemahlin (bekanntlich eine russische Prinzessin), ferner der Landgraf von Hessen, sowie der Großherzog von Oldenburg und Herzog Elimar von Oldenburg.
— Michelstadt, 23. Juni. Der Stadtrechner Volk von Er- bach, Rechner der dortigen Volksbank, reiste am Montag nach Frankfurt, verkaufte die Effekten der Volksbank an einen Banquier und — machte eine Vergnügungsreise nach Amerika. Derselbe war nicht nur Stadt- und Volksbankrechner, sondern auch Kirchenrechner und von mehreren umliegende« Orten Gemeinderechner. Das Landgericht ist bereits gestern Mittag eingeschritten und hat Visitation vorgenommen. Spezialitäten können erst später angegeben werden, doch glaubt man, die Effekten der Volksbank hätten 190,000 Mark betragen. Viele ärmere Leute, welche ihre Sparpfennige da angelegt haben, sind in Mitleidenschaft gezogen.
— München, 26. Juni. Endlich — in der eilften Stunde — hat die ultramontane Kammermehrheit zu der von Rittler und Sigl längst geforderten großen That sich aufgerafft. Mann für Mann stimmten heute die Ultramontanen gegen den Gesetzentwurf, die Vervollständigung der bayerischen Staatseisenbahnen betr. Der Geschent- wurf ist gefallen; die bayerische Staatsregierung ist in die Lage gebracht, die durch Staatsvertrag vom 23. November 1871 gegenüber dem Groß- herzogthum Baden übernommene Verpflichtung zur Erbauung einer Eisenbahn von Lohr nach Wertheim nicht rechtzeitig ersüllen zu können und daher vorerst als vertragsbrüchig zu erscheinen, die beschlossene Herstellung der für Mittelfranken und Schwaben so wichtigen Eisenbahnverbindung Donauwörth-Treuchtlingen wird neuerdings verzögert; das Ansehen des Landes nach Außen und die inneren Landesinteressen sind schwer geschädigt. Das heißen unsere sog. Patrioten einen Triumph l Erleichtert wurde den Ultramontanen der Sieg durch die unerklärliche Abstimmung der zwei liberalen Abgeordneten Neuper und Sittig, welche den ultramontanen Triumphwagen ziehen halfen, und durch die unentschuldbare Abwesenheit der liberalen Abgeordneten Fei- gel, Föckerer, Laudmann, Leffer, Richter und v. Schauß. (Augsb. »bdztg.,
— Versailles, 26. Juni. Der Senat hat heute den Gesetzentwurf, betreffend die Anleihe der Stadt Paris von 120 Millionen Frcs. genehmigt. — In der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer wurde Seitens der Regierung eine Vorlage, betreffend die Bewilligung eines Kredites von 35 Millonen Frcs. für die Weltausstellung im Jahre 1878 eingebracht.
— Paris, 24. Juni. In der Kammer hatte gestern der Justizminister Dufaure auf zwei Interpellationen zu antworten. Die erste ging von dem Bonapartisten Laroche-Joubert aus. Seit dem Beginn der Session schon zeigt die Partei des Kaiserreichs eine rührende Sorgfalt für das Wohl der arbeitenden und mittellosen Stände. Diese Sorgfalt war es auch, welche Laroche-Joubert antrieb, den Minister darüber zu befragen, was di'e Regierung thun wolle, „um das Loos der großen Menge zu verbessern." Die Fassung der Interpellation erregte schon beträchtliche Heiterkeit; als aber Dufaure sich bereit erklärt hatte, sofort zu antworten und die Kammer darauf die sofortige Erledigung der Interpellation verlangte und Laroche-Joubert, der lieber bis Montag gewartet hätte, auf die Tribüne stieg, um in der sichtlichsten Verlegenheit eine Reihe von Gemeinplätzen über das unglückliche Loos der Menge hervorzustottern, brach die Kammer in ein schallendes Gelächter aus. Dufaure erwiderte spöttisch, er und seine Freunde würden die Welt nicht glauben machen, daß sie das Monopol der Bolksbeglückung hätten; die Regierung thue ihr möglichstes für das Wohl des Landes, aber man dürfe kein Universalmittel von ihr verlangen. Ihre wahre Aufgabe sei es, dem Lande die Sicherheit der Arbeit, der Ruhe und die Ordnung zu gewähren und der Nation zu beweisen, daß sie eine Regierung besitze, welche regelrecht und für die Dauer eingesetzt worden, und „ge^en welche die aufrührerische Parteien nichts ausrichten können." Auf diele mit großer Entschiedenheit oorgeb'achte Aeußerung antwortete die Linke mit einer dreimaligen Beifallsjalve; die Interpellation war abgethan, und Dufaure befand sich in einer günstigeren Lage, um die jetzt folgende Interpellation Spuller'S entgegenzunehmen. Spuller führte Klage über die unwürdige Behandlung, welche einem Journalisten,