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M 146 Montag den 26» Juni.

WM- Abonnements-Einladung. j

Auf das mit dem 1. Juli d. I. ‘ beginnende neue Abonnement des im Verlage des hiesigen Waisenhauses täglich mit Unterhal- t u n g s b l a t t erscheinenden

„Hanauer Alyeiger" erlauben uns hiermit ergebenst einzuladen.

Inhalt: Das Wichtigste der politischen Tagesereignisse, amtliche, - kirchliche und gemeinnützige Anzeigen, lokale und provinzielle Nachrich- i ten, Cours- und Marktberichte, sowie Geschäfts- und Privatanzeigen j aller Art. Letzteren ist durch die bedeutende Auflage des „Hanauer ; Anzeiger" bester Erfolg gesichert. Abonnementspreis 2 M. 25 Pf. ; pro Quartal, nach auswärts kommt noch ein geringer Portosatz hinzu.

Um keine Unterbrechung in der Zusendung eintreten zu lassen, ' wollen die geehrten auswärtigen Abonnenten die Abonnements-Erneuerung bei den Kaiser!. Postanstalten rechtzeitig bewirken. Nicht gekündigte ; Abonnements in der Stadt gelten als stillschweigend erneuert.

Die Expedition.

" _________________(Waisenb aus, Hammergasse 9.) ■

Aekauntmachung.

Zur Controle über den B-folg der Verpflichtung an heißen Ta- - gen die Straßen zu begießen wird h ermst angeordnet, daß dieses ' Beziehen täglich zwischen 6 und 8 Uhr Abends zu geschehen hat. : Unterlassungen ziehen 1 Mark Strafe nach sich.

Das Begießen auch noch außer der oben gedachten Zeit ist ■ natürlich freigestellt.

Hanau am 22. Juni 1876. ;

Der Landrath.

Gefunden: Ein weiß-gesticktes Taschentuch, gez. Elise. Ein; baumwollenes Strickzeug. Ein weches Taschentuch. Ein Kinderstroh­hut mit blauem Band. Ein Hundemoulkorb. Eine gelbe Uhrkette. Zwei weiße Herrenkcagen.

Verloren: Eine goldene Uhr. Eine Stickerei in Wolle. Den Wiederbringern gute Belohnung.

Hanau am 26. Juni 1876.

T k K e s s ch 6 i

Zur politischen Lage.

A. b. Schw. Merl.

Die Zustände in der Türkei werden von Tag zu Tag heilloser. : Auf den angeblichen Selbstmord des Sultans Abdul Aziz ist neuerdings ; die Ermordung zweier Minister gefolgt, welche den Sturz ihres frühe- i ren Gebieters mit herbeigeführt hatten. Das Verbrechen wird amtlich j als ein Akt der Privatrache bezeichnet, der Mörder ist auch alsbald durch den Strang hingerichtet worden. Da die Mordthat indeß im Hause Midhat Pascha's verübt wurde, welcher als die treibende Kraft bei der jüngsten Staatsumwälzung gilt, da derselbe ferner durch den Tod seiner Kollegen von seinen gefährlichsten Gegnern befreit wurde, so ist bis jetzt der nahe liegende Verdacht, der auf ihm ruhte, nicht zer- i streut worden. Welch ein trübes Licht fällt nun aber aus diesen blu- r trgen Staatsstreichen auf das Türkenreich und feine Staatsmänner! ; Wie durch und durch verrottet muß ern Reich sein, in dem sich der- > artige Verbrechen Schlag auf Schlag vollziehen können, und wie können j Staatsmänner, auf denen der Verdacht folcher Schandthaten ruht, bei - dem zivilisirten Europa Vertrauen erwecken?! Unter den obwaltenden i Verhältnissen ist daher die Ausführung von Reformen, wie die von; Jtüotjai Pascha beabsichtigten, deren Durchführung selbst in ruhigen; Zellen außerordentlich schwierig sein würde, weil sie auf eine Umkeh- l ruug des ganzen bisherigen Zustandes der Dinge hinauslaufen, keines- ;

falls zu erwarten. Rechnet man dazu noch die Thatsachen, daß sich die modamedanffche wie die christliche Bevölkerung in steigender Aufregung befindet, daß der Aufstand in der Bulgarei fortdauert, daß die Auf­ständischen in Bosnien und der Herzegowina auf den angebotenen Waf­fenstillstand bisher noch keine Miene machen einzugehen, daß endlich auch Serbien und Montenegro trotz der ernsten Aufforderung seitens der Pforte nicht abrüsten wollen, so erscheinen die Zustände der Türkei geradezu als verzweifelt. Die Dreikaisermächte werden daher nach kur­zer Zeit gezwungen sein, ihre Forderungen von Neuem und dann selbst­verständlich mit gesteigertem Nachdruck geltend zu machen. Von einem Z-rfall des Dreikaisecbündmsses ist gegenwärtig keine Rede mehr. Es scheinen sich allerdings Differenzen zwischen den einzelnen Mäc ten ge­zeigt zu haben, als die Weigerung Englands, den Beschlüssen der Ber­liner Konferenz beizutreten, und der Regierungswechsel in Konstanti- nopel zu erneuten Verhandlungen über den einzuschlagenden Weg Anlaß gaben. Aber dieselben müssen schon vor der Abreise des Kaisers Wil­helm nach Ems und des Reichskanzlers nach Kifsingen erledigt worden sein. Jedenfalls beweist der freundschaftliche Verkehr der beiden Kaiser in Ems, sowie die bevorstehende Zusammenkunft des Kaisers Alexander mit dem Kaiser von Oestreich in Böhmen, deutlich genug, daß die drei Kaiser im Interesse des europäischen Friedens nach wie vor entschlossen sind, sich nicht von einander zu trennen, sondern die orientalische Frage auch fernerhin gemeinsam, und zwar, wo möglich im Einverständnisse mit den übrigen Mächten zu töten. Da nun Frankreichs und Italiens Interesse ebenfalls in der Erhaltung des europäischen Friedens liegt, so könnte eine Aenderung der gegenwärtigen friedlichen Gesammklage nur dann eintreten, wenn England sich mit den Bestrebungen der Drei« kaisermächte in offenen Widerspruch setzte. Dazu ist aber glücklicher Weise, fürs Erste wenigstens, keine Aussicht vorhanden. Hatte Ruß land, wie man vielfach annimmt, wirklich die Absicht, sich Konstanti- nopels zu bemächtigen, so hat es diese Absicht in Folge der Vorstel­lungen der deutschen Reichsregierung gegenwärtig aufgegeben.. Die Dreikaisermächte scheinen entschlossen, wie bisher, so auch fernerhin die in der Türkei bevorstehenden Veränderungen aus dem natürlichen Lauf der Dinge heraus sich entwickeln zu lassen. Geht aber ihre Absicht nur auf die Bildung einzelner selbstständiger christlicher Staaten an Stelle der türkischen Provinzen hin, so wird sich England derselben nicht widersetzen, denn Lord Derby hat vor einigen Tagen im Parla­ment öffentlich erklärt, der am 15. April 1856 zwischen England u. Frankreich abgeschlossene Vertrag zum Schutz der Türkei beziehe sich nur auf den Fall, daß letztere von einer auswärtigen Macht angegriffen werde, nicht aber auf den, daß sich Streitigkeiten zwischen der Pforte und ihren eigenen Unterthanen oder Vasallen erheben sollten. Der Ueberblick über die Faktoren, welche bei der Gestaltung der allgemeinen politischen Lage in Betracht kommen, begründet daher die Ueber­zeugung, daß es zwar im Laufe der nächsten Monate zu bedeut: den Veränderungen innerhalb der Türkei kommen, der europäische Friede aber Dank dem Fortbestehen des Dreikaiserbündnisses und der damit zusammenhängenden Zurückhaltung Rußlands, nicht gestört werden wird.

— In der Sitzung des Herrenhauses am 23. Juni wurde das Gesetz über die Städteorvnung mit unwesentlichen Aenderungen nach den Beschlüssen der ersten Lesung genehmigt. Hierauf folgte dir einmalige Schlußberathung über den Gesetzentwurf, betreffend die Befähigung für den höheren Verwaltungsdienst und wurde, ausgenommen §. 10, der eine unwesentliche Aenderung erfuhr, nach den Beschlüssen des Abgeord« netenhauses angenommen.

I- der (23.) Sitzung des Herrenhauses am 24. Juni trat unter Vorsitz des Erste" Vice-Präsidenten von Bernuth das Haus wfort in die Berathung des mündlichen Berichts der Budgetkommission über den Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Veranlagung und Erhebung der dirrkten Staatsstmern nach dem Etatsjahre. Der Referent Herr von Rabe beantragte Namens der Kommission, dem Gesetzentwurf in Ueber-