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Dienstag den 20» Juni.
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Die Expedition.
(Waisenbaus, Hammergasie 9.)
»«««WimnHuugen sromgt. LLnvrnrHsaMr» Halter.
Gesnude»: Ein brauner Handkorb nebst schwarz-wollenem Hals- tüchelchen. Ein Hobeleisen.
Verloren: Ein Kinde.strohhut. Ein Kindermantel. Ein Portemonnaie mir einem 10 Markstück nebst Farbzeichen.
Entflogen: Ein Kanarienvogel.
Entlaufen: Ein Neufundländer, Hündin, gelb mit weißen Abzeichen ; vor Ankauf wird gewarnt.
Hanau am 20. Juni 1876.
LagesschsR.
Türkisches.
A. d. Schw. Merk.
Abermals eine blutige Epiwde in dem an aufregenden Szenen so reichen Drama, das sich zur Zeit in Konstantinopel abspielt. In den versammelten Mimsterrath drängt sich ein mißvergnügter Osfizier, drückt seinen Revolver ab, streckte damit zwei Minister, den des Krieges und den des Auswärtigen todt nieder, und bevor es möglich ist, den Mörder unschädlich zu machen, gelingt es ihm. noch einen dritten Minister, den der Marine, zu verwunden und zwei andere Personen zu tödten. Weder der Hergang selbst noch die Motive der That sind bis jetzt genügend aufgtklärt. Man sprach bald nach dem Regierungsantritt Mu- rads von Meinungsverschiedenheiten, die sich im Schooße des Ministeriums, namentlich zwischen dem Alttürken Hussein Avni Pascha, der jetzt ermordet wurde, und dem Jungtürken Midhat Pascha erhoben hätten, indem der Erstere den weiigehenden Resormplanen sich widersetzt hätte, welche dem Letzteren unerläßlich schienen. Einem Gerücht zufolge wäre der Mörder ein Anhänger des entthronten Abdul Aziz, oder ein Werkzeug von dessen Anhängern gewesen; politische Rache also wäre das Motiv der That. Bei den ungewöhnlichen Umständen, unter denen sie verübt wurde, ist man aber allerdings eher geneigt, sich mit der ossiziellen Lesart zu begnügen, welche die Mordthat einfach aus Gründen persönlicher Rache erklären will. Denn wenn es sich um die Verschwörung irgend einer politischen Partei handelte, so wäre schwerlich der Weg per Oeffentlichkert betreten und die Stunde des Ministerraths zur Ausführung ausgesucht worden; man müßte denn nur annehmen, dre Verschworenen hätten gerade durch einen solchen im Ministerrath geführten Schlag sich mit einmal sämmtlicher Staatsmänner der neuen Aera entledigen wollen. Mag übrigens das Motiv der That sein, welches es will, sie bringt jedenfalls einen für die Zukunft der neuen Aera höchst ungünstigen Eindruck hervor; peinlich vor Allem für die- enigen, welche noch eben über den Sieg der britischen Diplomatie tri-
Iumphirt, das Memorandum der Mächte für abgethan, Rußland für gedemüthigt, eine wirkliche Regeneration der Türkei für zweifellos er- klärt hatten. Zum zweitenmal wirft eine Blutthat, die vielleicht so wenig aufgehellt werden wird, als die erste, einen unheimlichen Schatten über die neue Epoche, die es bis jetzt noch nicht über die allgemeinsten i Versprechungen und Vorsätze hinausgebracht hat. Denn das ist das andere Moment, das den Glauben an eine friedliche Entwicklung zum besseren nicht aufkommen lassen will. Wenn die Partei Murads, ob sie nun aus eigenem Antrieb oder im Dienste von England handelte, sich zur Vollziehung der Palastrevolution entschloß, so konnte man glauben, sie werde einen fertigen Reformplan in der Tasche haben, mit dem sie dann am Morgen nach dem Staatsstreiche hervortreten werde, um sich zu legitimiren und die Einmischung des Auslandes abzuwehren.
: Allein davon ist nicht die Rede. Man steht bis jetzt nichts als schwache Anläufe; ein klares Regiernngsprogramm ist nirgends hervorgetreten» den Aufständischen hat man unbestimmte Zusagen gegeben, und es begreift sich, daß sie keine große Ecke zeigen von btm angebotenen Waffenstillstand Gebrauch zu machen. Kurz, die Türkei hat erst noch den Beweis zu liefern, daß sie unter Sultan Murad refermfähiger geworden ist, als sie es unter Sultan Abdul Aziz war. Täuscht nicht Alles, so steht die europäische Diplomatie in einigen Wochen wieder gerade so vor der h. Pforte, wie am Vorabend des Sturzes von Abdul Aziz. Die Mächte werden ebenso und noch mehr genöthigt sein, mit Nachdruck j auf der Durchführung der verheißenen Reformen zu besühen, wofern > nicht bis dahin enslich die Unmöglichkeit erkannt worden ist, Bosnien und die Herzegowina wieder unter das Joch der Türken zu zwingen.
— Berlin, 19. Juni. Se. Majestät der Kaiser und König hatten am 17. d. MtS. in Ems außer Sr. Majestät dem Kaiser von ■ Rußland mit Allerhöchstdessen Gefolge, den Herzog Georg von Oldenburg, die Botschafter von Oubril, Graf von Karolyi und Vicomte de ; Gontaut-Biron, sowie den russischen Gesandten am italienischen Hofe i Baron Uxkull-Gyllenbandt zur Tafel geladen.
Gestern Nachmittag 3 Uhr haben Se. Majestät der Kaiser von ; Rußland Ems verlassen und Sich nach Jugenheim degeben.
— Berlin, 19. Juni. In der heutigen (18.) Sitzung deL Herrenhauses trat das Haus sofort in die Tagesordnung ein, deren erster Gegenstand der Bericht der Kommission für Jastiz-Angelegenhei- ; ten über den Gesetzentwurf, betreffend die GeschäftSsprache der Behörden, s Beamten und politischen Körperschaften des Staates und die dazu ein-- gegangenen Petitionen war. — Der Referent der Kommission. Graf zur Lippe, stellte bei der Generaldiskussion Namens der Kommission den Antrag: 1) dem Gesetzentwürfe in der Fassung, wie er von dem Hause der Abgeordneten an das Herrenhaus gelangt ist, unverändert die 5 verfassungsmäßige Zustimmung zu ertheilen, 2) die Petitionen als durch diesen Beschluß für erledigt zu erachten.
In der Generaldiskussion nahm zuerst Gr. Mielczinski das Wort, ; um sich gegen die Borlage zu erklären. Er rief durch seine Aeuße- rungen und Vorwürfe gegen die Regierung wiederholt den Widerspruch des Hauses hervor, so daß der Präsident v. Bernuth sich veranlaßt sah, ihn zu ersuchen, seinen Ausdrücken diejenigen Formen zu geben, welche s in diesem Hause üblich seien. — Der Justiz-Minister Dr. Leonhardt erklärte, er halte es deshalb auch nicht für nöthig, auf die Ausführungen des Vorredners noch näher einzugehen. An der Generaldiskus- sion betheiligten sich bis zum Schluß des Blattes die Herren Kohleis, Graf Kwilccki und Dr. Beseler. Auch Graf Kwilccki rief durch seine Aeußerungen wiederholt das Mißfallen des Hauses und Rektifikationen des Präsidenten und schließlich einen Ordnungsruf des letzteren gegen sich hervor.
— Berlin, 19. Juni. Abgeordnetenhaus. (Fortsetzung.) In der heutigen (69) Sitzung gelangte ein Schreiben des Präsidenten deL Staats-Ministeriums Fürsten v. Bismarck zur Verlesung, worin dem Hause die Ernennung des Staatssekretärs v. Bülow und des Präsidenten des Reichskanzler-Amts Hofmann zu preußischen Staats-Ministern