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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, md Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Montag den 12. Juni.

1876.

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Nachdem der Oberkommandant der Hanauer Feuerwehr Hexr Glasermeister Koch basier mit den Funktionen eines Oberbrand- Meisters für den Kreis Hanau in Gemäßheit der seiner Zeit im Hanauer Anzeiger publizirten, zur Regelung des Feuerlöschwesens er­lassenen Vorschriften der Königlichen Regierung vom 23. Mai 1875 beauftragt worden ist, wird derselbe im Laufe dieses Monats die Re­vision der Löschanstalten in den betreffenden Orten vornehmen.

Die Ortsvorstände wollen dafür sorgen, daß dem genannten Oberbrandmeister in keiner Beziehung irgend welche Hindernisse zur Ausführung der Revision entgegentreten.

Hanau am 9. Juni 1876.

Der Landrath.

Die Backsteinfabrikanten Gebrüder Klosterbeck er zu Windecken haben um Gestartung zur Anlage von zwei Kalkbrennöfen auf ihrem Grundstück Karte V. 168 % soff. Acker 33 Rth. rechts am Ostheimer Weg in der Gemarkung Windecken nach §. 16 der deutschen Gewerbe­ordnung nachgesucht.

Dieses Unternehmen wird mit der Aufso derung veröffentlicht, etwaige Einwendungen dagegen binnen 14 Tagen hier vorzubringen.

Die Zeichnungen und Beschreibungen können in meinem Geschäfts­lokal ungesehen werden.

Hanau am 9. Juni 1876.

Der Landrath.

T K A e s s ch K L

Zur politischen Lage.

A. d. Echw. Merl.

Während der vergangenen Woche hat sich in der politischen Lage Europa's ein Umschwung vollzogen, dessen Folgen augenblicklich no'cb unabsehbar sind. An demselben Tage, an welchem die europäischen Großmächte, mit Ausnahme Englands, das aus den Berliner Konfe- renzen hervorgegangene Memorandum in Konstantinopel zu überreichen gedachten, brächte eine Ministerrevolution an Stelle des halb verrückten Sultans Abdul Aziz dessen Neffen Murad auf den Thron der Osma- nen. Die Urheber dieses Staatsstreiches hofften durch diesen Thron­wechsel allen Verlegenheiten und Demüthigungen, mit denen das Me­morandum die Pforte bedrohte, zu entgehen. Durch die neue Regie­rung, an deren Spitze Midhat Pascha als Großvezier steht, ist das Jungtürkenthum", welches eine reformfreundliche Richtung verfolgt, an das Ruder gekommen. Das Regierungsprogramm des neuen Sul­tans, der sich in lächerlicher Nachahmung Napoleons I. Sultanvon Gottes Gnaden und durch den Willen des Volkes" nennt, leidet keinen Mangel an schönen Reformverheißungen. Die Regierung hat zugleich in den vom habsüchtigen Abdul Aziz aufgehäuft n und diesem entrisse­nen Schätzen die erforderlichen Geldmittel gefunden, um den Aufstand in den Piovinzen erfolgreicher als bisher zu bekämpfen. Der erste Eindruck, welchen das unerwartet, gleich einem Märchen aus Tausend und einer Nacht eingetretene Ereigniß auf das überraschte Europa machte, war ein günstiger: schien doch dasselbe die Ausführung der von den Großmächten gewünschten Resormen zu sichern und zu fördern! Bald genug trat aber ein Rückschlag in der Stimmung der öffentlichen Meinung ein. Man begriff, daß mit bloßen Versprechungen, wie sie seit Jahrzehnten oft genug aus dem Munde der osmanischen Herrscher gekommen waren, mochten dieselben auch noch so aufrichtig gemeint sein,

s^ Man sah zugleich ein, daß die Bewältigung des Aufstandes, auch wenn es der Pforte nicht an Geld fehlte, fast unmög­lich geworden sei, nachdem sich der Aufstand nicht bloß über Bulgarien mlsgebreitet hatte, sondern auch Serbien und Montenegro, durch den Thronwechsel in Konstantinopel in ihrer Kriegstust bestärkt, sich ent-

"unmetzr offen auf die Seite der Aufständischen zu treten. Das Schlimmste war aber, daß sich die Revolution in Konstantinopel je langer desto zweifelloser als ein Manöver Englands enthüllte, durch

welches dieses dem russischen Einfluß entgegen arbeiten wollte. So ist denn der alte Gegensatz zwischen diesen beiden Großmächten, der sich schon durch Englands Weigerung, den Beschlüssen der Berliner Kon­ferenz beizutreten, kundgegeben hatte, aufs Schroffste hervorgetreten und die Orientalische Frage mit Einem Schlage zu einer brennenden ge­worden. Die UeberreichunZ des Berliner Memorandums hat natürlich durch den Thronwechsel in Konstantinopel einen Aufschub erlitten. ES scheint unter den gegenwärtigen Umständen überhaupt fraglich geworden i zu sein, ob die Großmächte dasselbe fernerhin noch festhalten werden, . ob sie nicht vielmehr der neuen türkischen Regierung zunächst Zeit lassen sollen, auf irgend eine Weise mit den Aufständischen fertig zu werden, j Mittlerweile sucht England Frankreich vom Dreikaiserbündniß abzuziehen, i versucht sogar, Oestreich von den beiden anderen Kaisermächten abwen« i dig zu machen. Frankreich spielt gleichzeitig mit Eifer den Vermittler zwischen Rußland und England, um seine alte einflußreiche Weltstel- I lung, wenigstens annähernd, wieder zu gewinnen, und schlägt einen eu* ! ropaischen Kongreß vor, um die orientalische Angelegenheit, nebenbei : vielleicht auch andere ihm näher liegende Dinge, zu ordnen. Die näch- : sten Wochen, vielleicht schon die nächsten Tage, werden zeigen, was aus ! dem gegenwärtigen Zustande der Gährung hervorgeht: ob es England ; gelingt, sich aus seiner bisherigen isolirten Stellung herauszuarbeiten, und eine andere Gruppirung der Großmächte zu Stande zu bringen, oder nicht; hauptsächlich aber, ob sich die Dreikaisermächte durch das Auftreten Englands von ihrem bisherigen Wege abbringen lassen wer­den, ob das Dreikaiserbündniß überhaupt trotz Englands"Jntriguen auf­recht erhalten bleibt, oder nicht. Unter diesen Umständen tritt die ent­scheidende Bedeutung des Dreikaiserbündnisses deutlicher als jemals zu­vor aus Licht. Von seinem Bestände hängt ohne Zweifel der Frieden der Welt ab. Möge es dem Fürsten Brsmarck, der ohne allen Zweifel i den Grund zu diesem Bündnisse gelegt, und dasselbe nunmehr schon 4 ! Jahre aufrecht zu erhalten verstanden hat, auch in dem gegenwärtigen | kritischen Augenblick gelingen, die wünschenswerthe Verständigung zwi- . schen den 3 Kaisern herzustellen, und die Gefahren, von denen der Frieden der Welt augenblicklich bedroht scheint, zu beschwören. Kaiser Wilhelm, der in diesen Tagen die Steife nach Ems zu seinem kaiser­lichen Neffen antritt, wird ohne Zweifel der Träger von Friedens­und Versöhnungsgedanken sein, und dieselben um so erfolgreicher gel­tend machen, da die Welt weiß, welch' eine gewaltige Macht hinter ihm steht.

Das deutsche Mittelmeer- Geschwader ist, telegraphischer Nach­richt zufolge, am 9. d. M. von Gibraltar in See gegangen.

S. M. KanonenbootComet", welches am 29. Mai cr. Ply- mouth verlassen hatte, ankerte am 3. Juni cr. früh vor Lissabon und beabsichtigte, noch an demselben Tage die Reise nach Gibraltar fortzu- setzen. An Bord Alles wohl.

Mit der Ernennung der Minister Hofmann und V. Bülow zu Mitgliedern des preußischen Staatsministeriums sind beide Herren ver­antwortliche preußische Minister ohne Portefeuille geworden, d. h. sie haben im preußischen Staatsministerium Sitz und Stimme, ein Ver­hältniß, welches bisher noch nicht Platz gegriffen hatte. Sowohl der bisherige Präsident des Reichskanzleramtes, Dr. Delbrück, als der Chef der kaiserlichen Admiralität, General v. Stosch, wurden seiner Zeit ge- wissermaßkn nur dem Titel nach preußische Staatsminister, und Gene­ral v. Stosch hat auch heute noch keine Stimme im Ministerium.

Speyer, 8 Juni. Das hiesige Domkapitel hat nach der Pfalz. Ztg." den Tomprobst Busch zum Bisthumsverweser gewählt. Der hochwürdige Herr bekleidet diese Würde bereits schon zum dritten Male.

Freiburg, 9. Juni. In dem Etablissement des Mecha­nikers Grether hier explodirte heute Vormittag eine Bierpression, wobei 3 Arbeiter schwer veiletzt wurden. Dieselben wurden per Tragkorb in das Hospital verbracht.

Ulm, 8. Juni. Gestern fand, nach derUlm. Schn.", hier