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{) nniiii cr Anzeiger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, md Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

Samstag den 10. Juni.

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1876»

Bekarmtmachungen Königl. LaudrathSamt» dahier.

Die Herren Bürgermeister wollen verhindern, daß dem Betteln ergebene Personen an den Tagen deS Lamboffestes 12, 13 und 14. d. MtS. im Lamboiwalde oder auf den dorthin führenden Wegen be­troffen werden.

Hanau, am 9. Juni 1876.

Der Landrath.

Die OrtSvorstände wollen zur Kenntniß der Herren Lokal-Schul- instektoren und Schullehrer bringen, daß den Lehrern das Aussetzen des Unterrichts Vormittags am ersten Tage jeden Monats zur Empfang- nahme der Stoatszufchüsse nicht mehr gestattet wird, die Steuerkassen find nach bestehender Vorschrift auch des Nachmittags von 2 bis 4 Uhr geöffnet und die Empfangnahme der Staatszuschüsse kann regelmäßig am ersten freien Nachmittage Mittwochs oder Sonnabends geschehen, wenn eS der Lehrer nicht vorzieht unter Einsendung vorschriftsmäßiger Quittung das Geld durch Beauftragte in Empfang nehmen zu lassen.

Hanau am 3. Juni 1876.

Der Landrath.

Nach Mittheilung des Königlichen Consistoriums für den Regie­rungsbezirk Gaffel ist die erledigte Pfarrstelle zu Rückingen in Folge Präsentation des Fürsten zu Jsenburg Birstein vom 1. August er. dem Pfarrgehülfen Fritsch, dermalen zu Langendiebach, übertragen worden.

Hanau am 3. Juni 1876.

Der Lande ath.

Verlöre»: Eine goldene Uhrkette. Ein weiß-wolleneS gestricktes Halstuch. Ein Sonnenschirm.

Gefunden: Ein Lederbeutel, enthaltend ca. 2V1 Mark. Ein Paar weiße Glacehandschuhe. Ein eiserner Hacken mit Riemen. Ein Hunde-Maulkorb. Em Messer. Ein Metzgerstahl.

Zugefloge»: Zwei Kanarienvögel.

Hanau am 10. Juni 1876

Rundschau. |

H. H. C. Die politische Thätigkeit aller europ. Regierungen , dreht sich jetzt auf dem auswärtigen Gebiete mehr denn je um die tür- ; kische Frage und die Ereignisse auf der Balkanhalbinsel, seitdem mit ! der Entthronung deS Sultans Abdul Aziz und dessen Ersetzung durch i den legitimen Thronfolger Murad Effendi, als Sultan Murad V., die I Situation im Südosten plötzlich vollständig verändert worden. Schon i war Rußland auf dem besten Wege, die übrigen Mächte, wenn auch! mit Ausnahme Englands, für seine nächsten Ziele zu gewinnen. Denn ' es stand fest, daß Sultan Abdul Aziz weder auf die Vorschläge der ! Mächte eingehen, noch aus seiner Privatschatulle die Mittel gewähren würde, um den Kampf gegen die Jnsurnklion und die Helfershelfer derselben, Serbien und Montenegro, mit Aussicht auf schnellen Erfolg führen zu können. Da trat plötz ich am 30. Mai der Thronwechsel ein, welcher die jungtürkische Reformpartei zur Herrschaft brächte und die Aussicht eröffnete, daß sich die Pforte nunmehr nicht nur zu allen i berechtigten Konzffsionen an die Rajahs Herbeilaffen, sondern auch durch Beschlagnahme des großherrlichen Privatschatzes in den Stand setzen werde, den Krieg erforderlichenfalls mit aller Kraft weiter zu führen. Sultan Murad versprach sofort, nicht nur dem Reiche eine Verfassung zu geben, sondern auch seine Civillifte auf 900,000 Mark im Interesse des Staates herabsetzen zu lassen. Die an der Erhaltung der Türkei interessirten Mächte verloren nun sofort die Lust, den russischen Absich­ten noch ferner zu dienen, schließen sich jetzt immermehr dem englischen Standpunkte an, wobei ihnen zu Stätten kommt, daß Oesterreich in­nerlich mit ihnen sympathisirt und Deutschland nur aus Gefälligkeit noch einigermaßen bemüht ist, die gänzliche Jsolirung Rußlands zu verdecken. Der türk, Thronwechsel hat den Glauben erweckt, daß sich die Türkei finanziell und politisch regeneriren können werde, und dieser Umstand hat Frankreich, Italien und Oesterreich veranlaßt, ihren Jn-

terkssen gemäß, die türkenf. rundliche Politik Englands, geheim oder offen, zu unterstützen. Das ist die Situation in diesem Augenblicke. Wie sehr die russischen StaatLleiter fühlen, welch' kräftiger Schlag ihnen durch jenen Thronwechsel versetzt worden ist, erkennt man daraus, daß Kaiser Alexander, der im Bad EmS weilt, beim Empfang der betr. Nachricht ohnmächtig wurde und daß Rußland seitdem mehr denn je um die Freundschaft Frankreichs buhlt. Die in Berlin von den Kanzlern vereinbarten Pacifikationsvorschläge konnten nun der Pforte nicht überreicht werden. Augenblicklich aber bemühen sich die Mächte nicht nur, sich über neue, der türk. Regierung zu machende Vorschläge zu einigen, sondern auch ein Einverständniß betreffs der Anerkennung des neuen Sultans herbeizuführen.

Was die deutschen Angelegenheiten anbelangt, so ist anzuführen, daß vorige Woche Herr Delbrück seinem Nachfolger Hofmann das Reichskanzleramtsprasidium übergab, daß sich die Reichsjustizkommissioir für Abschaffung des Zeugnißzwanges in Preßangelegenheiten, wenn der Redakteur haftbar ist, ausgesprochen; daß das preuß. Abg.-Haus die evangel. Synodalordnung nach den Beschlüssen und auch die Städte« ordnung in 3ter Lesung genehmigt und dann sich bis zum 16. oder 20. Juni vertagt hat, um das Herrenhaus erst genügendes Berathungsma- terial schaffen zu lassen, daß der betreffende Ausschuß des bayer. Abg.- Hauses den von den Ultramontanen geplanten Wahlkreiseintheilungs» entwurf endlich zu Stande gebracht hat, welcher von der Kammer, die am 7. Juni ihre Sitzungen wieder begonnen hat, ohne Zweifel geneh­migt werden wird; daß die zweite sächs. Kammer den von der Regie­rung geforderten Ankauf der thüringisch-sächs. Eisenbahn mit allen gegen 3 St. acc ptirt hat; daß die Bischöfe Eberhard von Trier und Hane- berg von Speyer vorige Woche mit Tod abgegangen sind und der deutsche Kaiser sich demnächst nach Bad Ems begibt, wo er mit dem Czaren wieder zusammentreffen wird.

Die Delegationen, die Gesammtvertretungen des österreichisch­ungarischen Staates, haben ihre Session geschlossen. Sie haben bezüg­lich aller Vorlagen eine Uebereinstimmung erzielt, namentlich auch auf die beantragten Streichungen im Budget verzichtet, wofür ihnen Graf Andrassy den herzlichsten Dank des Kaisers aussprach.

Nicht nur die italienische Regierung, sondern auch der Vatikan begrüßt den türk. Thronwechsel, Letzterer deshalb, weil er hofft, daß nun auch für die römisch-katholische Kirche in der Türkei günstigere Verhältnisse eintreten. Der offiziöseDiritio" stellte als Programm der Regierung in der oriental. Frage Folgendes hin: Erhaltung der Türkei und des europ. Friedens unö Herstellung einer Autonomie für die slavischen Provinzen nach dem Vorbild« Serbien's und Montenegro's.

Die franz. Deputirtenkammer hat sich mit 333 gegen 143 St. für den Antrag des Unterrichtsministers ausgesprochen, das Universi­tätsgesetz dahin abzuändern, daß dem Staate das Recht zur Bertheilung der Grade zurückgegeben werde. Die Bonapartisten spalteten sich bei der Abstimmung. Die Mehrheit stimmte mit den Klerikalen, die Min­derheit aber schaarte sich um den Prinzen Napoleon und stimmte mit den Republikanern. Der Kriegsminister hat 260 Millionen Frc?. ver­langt zur Beendigung der begonnenen Rüstungen und des FestungS- baues. Die kürzlich umgehende Nachricht vom Tode Casimir Pärier'S hat sich nicht bestätigt.

Betreffs Spanien's ist anzuführen, daß sich seine disponible Flotte einem nach den türkischen Gewässern fahrenden englischen Geschwader angeschlossen hat.

England arbeitet mit einem auffälligen Eifer an der Ausrüstung und Vergrößerung seiner Flotte, Geschwader auf Geschwader geht nach dem Mittelmeere ab, um auf Grund des Friedensvertrags von 1856 den fremden Kriegsschiffen eventuell den Zugang nach Constantinopel verwehren zu können. Es unterstützt außerdem die türk. Armee mit Geld und Waffen. Eine so energische Politik nach Außen hin führte England seit langer Zeit nicht. In Folge dessen ist England jetzt die Macht, deren Einfluß auf die Entschließungen der Pforte am größter» ist.