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M 133.

Freitag den 9. Juni.

1876,

Aekauutmachungen Königl. Landrathsamts dahier.

Nach Mittheilung des Herrn StempelfiScals Bacher zu Cassel wird die Revision der Gemeinde-Rechnungen bezüglich der Stempel- Verwaltung zu den Unteranlagen derselben gegen Ende dieses Monats beabsichtigt. Es wollen die Herren Bürgermeister diejenigen zu den Gemeinde-Rechnungen pro 1873 und 1874 gehörigen Original-Urkunden (Verkaufs- und Verpachtungsprotokolle u. s. w.) welche in den Belege­heften nicht enthalten und zu welchen seiner Zeit Stempel verwendet sind, bezw. hätten verwendet werden sollen, bis zum 20. d. M. anher einreichen.

Hanau, am 7. Juni 1876.

Der Landrath.

TagesschaA.

Berlin, 7. Juni. Bei dem Fürsten Bismarck findet heute zu Ehren Delbrücks ein Abschiedsdiner statt, wozu zahlreiche Einladun­gen ergingen. DerNationalzeitung" zufolge hat Bismarck auf den Wunsch des Kaisers seinen Urlaub unterbrochen.

Die nächste Plenarsitzung des Herrenhauses wird am 16. d. M. stattfinden, während die Städteordnungskommission am 8., die Kompe- tenzgesetzkommisfion am 12. mit ihren Arbeiten beginnen. Das Haus der Abgeordneten wird seine Sitzungen voraussichtlich erst am 20. d. Mts. wieder aufnehmen. ; (R. u. St^An,

^L E ms, 7. Juni. Der zum italienische« Botschafter in Peters­burg ernannte Ritter Nigra ist von Paris hier eingetroffen. Der schwedische Gesandte in Berlin, Baron Bildt, ist ebenfalls hier ange­kommen.

In Folge einer spanischer Seits ergangenen öffentlichen Auf­forderung zum freiwilligen Eintritt in die auf Cuba stehenden spanischen Truppen haben sich auch verschiedene Deutsche gemeldet. Ihre Gesuche sind indeß zurückgewiesen worden, da der Eintritt in die spanische Armee den Besitz der spanischen Nationalität durch Geburt oder Naturalisation voraussitzt.

Bonn, 7. Juni. Die dritte Synode der Altkatholiken des deutschen Reiches wurde heute 71/s Uhr durch einen feierlichen Gottes- dienst von Herrn Bischof Reinkens eröffnet. Die erste Sitzung begann um 9 Uhr mit einer Ansprache des Bischofs, in welcher er die Pflicht hervorhob, allseitig an die zu Recht bestehende Ordnung und Verfassung gewissenhaft sich zu binden und bei vorkommenden Differenzen stets aller Erregung sich zu enthalten. Hierauf fand die Konstituirung der Synode statt. Zu derselben hatten sich bereits 31 Geistliche und 76 Delegirte von Gemeinden eingefunden. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde der Generalvikar Reusch ernannt, zu Schnflfubrern Bankrath Reusch, Dr. Zirngiebl und Pfarrer Höchstem. Geh. ° Rath v. Schulte erstattete Bericht über die Ereignisse und den Zustand der altkatholischen Bewe­gung vom vergangenen Jahre. Diesem Berichte gemäß zählt Preußen 35 Gemeinden und Vereine, Baden 44, Hessen 5, Fürstenthum Birken- feld 2, Bayern 31, Württemberg 1. Die gesammte Seelenzahl be- trägt in Preußen gegenwärtig 20,524, in Baden 17,203, in Bayern 10,110, in Hessen 1042, in Oldenburg 249, in Württemberg 223. Die Zahl der altkatholischen Geistlichen in Deutschland beträgt augen­blicklich 60, hat sich also seit der Wahl des Bischofs (Juni 1873) ge- rade verdoppelt. Generalvikar Reusch referirte über die Vorlage der Repräsentanz bezüglich des deutschen Rituale. Demgemäß wurde be­schlossen, daß das Rituale in allen altkatholischen Gemeinden zu ge­brauchen sei, daß aber, wo besondere Verhältnisse obwalteten,, mit Ge­nehmigung Der Repräsentanz andere, in dem Rituale nicht enthaltene Formulare, namentlich solche aus dem Wessenberg'schen Rituale ge- braucht werden dürften. Reusch referirte ferner über die im Auftrag der Repräsentanz herausgegebenen Bücher für den altkatholischen Reli- glonsunterricht. Es wurde beschlossen, daß die Genehmigung der Re­präsentanz erforderlich sei, wenn andere Bücher gebraucht werden sollen, wofern solche nicht staatlicher Seits bereits vorgeschrieben seien. Meh­

rere Anträge bezüglich Ausarbeitung einer biblischen Geschichte und Einführung der deutschen Sprache bei der hl. Messe wurden abgelehnt. Jedoch wurde der Repräsentanz anheim gegeben, letzteren Punkt weite­rer Erwägung zu unterziehen.

Mainz, 6. Juni. Gestern Nachmittag zwischen 2 und 3 Uhr ereignete sich ein trauriger Fall. Während nämlich die Leiche eines Mannes auf den Friedhof gebracht wurde, ertrank dessen drei­jähriges Kind im Rheine.

Aschaffenburg, 6. Juni. Gestern Nachmittag wurde auf der Obernauer Chaussee ein Raubanfall gegen einen hiesigen Einwohner f verübt. Es dürfte unserer Gendarmerie gelingen, den Räuber ausfindig ' zu machen.

In Oesterreich hat man für nöthig erachtet, ob durch die türkischen Softas bedenklich gemacht, lassen wir dahingestellt die akademische Freiheit" um einige Grade rückwärts zu dirigiren und die Studentenverbindungen unter das Vereinsgesetz zu stellen. Ein Mini- sterialerlaß ordnet an,daß alle bereits bestehenden Verbindungen, welche als Vereine im Sinne des Gesetzes anzusehen und nicht bereits nach den Vorschriften dieses Gesetzes gebildet sind, sich bei Vermeidung der gesetzlichen Folgen binnen drei Monaten den gedachten Vorschriften gemäß zu benehmen, somit umzubilden oder aber aufzulösen haben, daß ferner alle solche künftig entstehenden Verbindungen nur nach den Be­stimmungen des zitirten Gesetzes sich konstituiren dürfen." Hoffentlich bewahren die Traditionen des deutschen Studententhums unsere studi- rende Jugend vor einer Naäahmung dieses Beispiels für immer. ($ri^

Basel, 7. Juni. Bei der heute in der altkatholischen Na- tionallynodL vorgenommenen Wahl eines Bischofs erhielt der Professor Herzog in Bern 117 von 158 Stimmen und der Pfarrer Schruter in Rheinfelden 34 Stimmen. Professor Herzog lehnte die Wahl ab. 8. Juni. Wie dieBaseler Nachrichten" aus Olten melden, hat Pro­fessor Herzog die W>hl zum schweizerischen Bischof nachträglich ange­nommen.

London, 5. Juni. Die Stimmung des Publikums hatte sich in den letzten Tagen der vergangenen Woche erheblich beruhigt. Dazu hatte die Vertagung des Parlaments und die Abreise der Mini- ; ster nach den Provinzen, die wie gewöhnlich vor sich ging, jedenfalls j das Ihrige beigetragen. Auch aus dem Ausfluge der AdmiralitätslordS nach WilhelmShaven wurden vielfach beschwichtigende Schlüsse gezogen. Wenn der Marineminister mit fast seinen sämmtlichen Kollegen vom Admiralitätsamte noch dergleichen Ferienreisen nach Deutschland machen kann, argumentiren die politischen Weisen unserer Klubs, dann können die Dinge noch kaum so unmittelbar vor der unheilschwangeren Ent­scheidung stehen. In solcher festtäglichen Ruhestimmung wurde die Be­hauptung deS Wochenblattes Vanity Fair, daß demnächst eine Flotte von 15 Schiffen nach der Ostsee gesandt werden solle, kühl abgelehnt. Die heute einlaufenden Allarmnachrichten aus Berlin und Paris ver­ursachen dagegen wieder einige Beklemmung, die nur deßhalb nicht zum unmittelbaren Ausdruck gelangt, weil die Börse geschlossen ist.

London, 8. Juni. Nach einer Meldung derTimes" hätten alle Pensionäre der Marine unter 55 Jahren den Befehl erhalten, sich bereit zu halten, wieder aktiven Dienst zu thun. Denjenigen Marine- Pensionären, welche das 45. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, soll zugleich die Erlaubniß ertheilt worden sein, in der Reserve zu dienen.

Man telegraphirt derN. Fr. Pr." aus Paris, 7. Juni. Neue Versuche wurden von Seite Rußlands gemacht bei dem Duc De cazes, dem Marschall Mac Mahon, Thiers und Gambetta, um Frank­reich für die Petersburger Kombinationen günstig zu stimmen. Thiers hatte deßwegen eine lange Unterredung mit Gambetta. Lord Lyons ist sehr zugeknöpft. Er antwortet Fragern nichts Anderes, als daß der Friede gesichert sei, denn in Europa sei neben Oesterreich-Ungarn für ein großserbisches Reich kein Platz; es gebe kein Mittel, die deutschen, französischen und italienischen Interessen mit einer Anwesenheit Ruß­lands in Konstantinopel zu versöhnen. Frankreich setzt seine Rüstungen s