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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, rnd Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Donnerstag den 8. Juni.

1876.

Bekanntmachung

tetreffexd den Remonte-Ankauf pro 1876. Regierung-Bezirk Caffel.

Zum Ankauf von Remonten im Alter von vorzugsweise drei Jahren und ausnahmsweise vier und fünf Jahren sind im Bereich der Königlichen Regierung zu Cassel für -dieses Jahr nachstehende, Mor­gens um 8 Uhr beginnende Märkte anberaumt worden, und zwar am:

19. Juni HofgeiSmar,

20. Cassel,

21. Lschwege,

22. Sontra,

23. Rotenburg a. d. F.,

24. Melsungen,

26. Gensungen,

27. Wolfhagen,

28. Fritzlar,

30. Homberg,

1. Juli Fulda,

7. Ziegenhain,

8. Gemünden,

10. Frankenberg,

12. Kirchhain,

13. Marburg,

20. Hanau.

Die von der Militär-Kommission erkauften Pferde werden zur Stelle abgenommen und gegen Quittung sofort baar bezahlt.

Pferde mit solchen Fehlern, welche nach den LandeSgesetzen den Kauf rückgängig machen, sind vom Verkäufer gegen Erstattung des Kaufpreis« und der sämmtlichen Unkosten zurückzunehmen, auch sind Krippensetzer vom Kaufe ausgeschlossen.

Die Verkäufer sind ferner verpflichtet jedem verkauften Pferde eine neue starke rindlederne Trense mit starkem Gebiß und Ringen ver­sehen, eine starke Kopfhalfter von Leder oder Hanf mit zwei minde­stens zwei Meter langen, starken Hanfstricken ohne besondere Ver­gütung mitzugeben.

Berlin, 6. März 1876. .

Kriegs-Ministerium, Abtheilung für daS Remonte-Wesen.

Wird veröffentlicht.

Hanau den 9. April 1876.

Der Landrath.

Bekanntmachung.

In letzter Zeit gehen bei dem Königlichen General-Commando des 11. Armee-Corps direkt viele Gesuche um Entlassung und Beur- mubung von Soldaten ein. Ich mache deshalb die Angehörigen von Soldaten darauf aufmerksam, daß derartige Gesuche in keinem Falle das Königliche General-Commando, sondern an den Landrath (Polizei. Präsidenten, Polizei Direktor) zu richten sind, welcher darauf alsbald das Weitere veranlassen wird. Beschwerden gegen abweisende Bescheide des Letzteren sind an das Ober-Präsidium zu senden.

Cassel, den 5. April 1876.

Der Oberpräsident gez. Frhr. v. Ende.

Wird veröffentlicht

Hanau, den 21. April 1876.

Der Landrath

Schrö tter.

Die polizeiliche Anordnung vom 7. Juli 1819, nach welcher an heißen Tagen im Sommer die Straßen der Stadt täglich mit frisiern Wasser begossen bezw. die Flösier von Unreinigkeiten gesäubert werden sollen, wird zur pünktlichen Befolgung durch die zur Straßenreinigung Verpflichteten in Erinnerung gebracht. Die Polizei-Verordnung droht für Unterlassungsfälle 1 Mark Strafe an.

Hanau, am 2. Juni 1876.

Der Landrath.

Der Sebastian Stremmel ist als Fruchtmesser und Wieger am Mainkanal hier bestellt.

Hanau, am 31. Mai 1876.

Tagerscha». Die türkische» Wirre».

A. d. Echw. Merl.

Die Selbstentleibung des deposiedirten Sultans vermehrt die Reihe der unerwarteten Zwischenfälle, die alle zusammengenommen immer mehr den Eindruck hervorbringen, daß daS Reich der Osmanen vor der ent­scheidenden Krisis angelangt ist. Bestimmtere Nachrichten werden nicht auf sich warten lassen, da die Regierung, wie um einen naheliegenden Verdacht abzuwehren, mit Eifer eine genaue Untersuchung deS Thatbe­standes angeordnet hat. Inzwischen ist es gewiß, daß Abdul Aziz todt und mit gebührendem Pomp auch schon begraben ist. Für den neuen Herrscher kommt daS Ereigniß gelegen: es macht ihn von dieser Seite frei, schiebt ein Hinderniß oder doch einen stummen Borwurf beiseite und verhindert, daß die Mächte sich noch lange über die Anerkennung Murad V. besinnen. Es gibt keinen Vorwand der Zögerung mehr, die Anerkennung wird von allen Seiten ungesäumt erfolgen, und die Mächte werden sich nun über die Hauptsache verständigen muffen, nämlich über Form und Inhalt der diplomatischen Aktion, welche dem neuen Herr­scher ebenso bevorsteht, wie sie seinem Vorgänger zugedacht war. Der englische Premier hat zwar die Meinung ausgedrückt, daß das Berliner Memorandum nun eigentlich gegenstandslos geworden sei und wohl ganz unterbleiben werde. Allein diese Meinung theilen die Urheber der Berliner Denkschrift schwerlich, schon aus dem Grunde nicht, weil die Türkei sich zur Zeit nicht blos in einer chronischen, sondern zugleich in einer akuten Krisis befindet. Würde es sich blos um die erstere, um die langsam fortschreitende Hinfälligkeit des türkischen StaatswesenS handeln, so könnte Europa immerhin gelassen zusehen, wie weit die neue Regierung mit ihren Vorsätzen gelangen wird, die ohne Zweifel die allerbesten sind. Die Herstellung des Gleichgewichts des Budgets, die sofortige Verbesserung der Finanzen und des öffentlichen Unterrichts, die Erfindung einer Regierungsform, welche alle Reichsangehörigen glücklich macht und ihnen die Freiheit sichert, das ist gewiß ein Pro­gramm, dessen Durchführung sämmtliche Schäden des Reiches heilen würde. Das Unglück ist nur, daß diese Reformen Zeit b auchen und daß ihre Ankündigung darum von geringem Belang für die augenblick­lichen Bedrängnisse der Pforte ist, nämlich für die Aufstände in der Herzegowina, in Bosnien, in Bulgarien. Jene Reformen könnten im günstigsten Falle doch erst vorgenommen werden, wenn Ruhe und Ord­nung in das Reich zurückgekehrt ist. Nun ließe sich freilich an die Aufständischen das Ansinnen stellen, daß sie mit Vertrauen die Waffen niederlegen und der Ausführung der gemachten Verheißungen entgegen­harren könnten, da ja nunmehr die jungtürkische Partei am Ruder sei, die ihre politische Bildung unmittelbar aus Paris, also aus der hohen Schule der politischen Freiheit bezogen hat. Allein das weitere Unglück ist, daß ähnliche Versprechungen, wie sie jetzt von den Jungtürken ge­macht werden, schon überaus häufig gemacht worden sind, ohne daß die Völker etwas von deren Verwirklichung empfunden hätten. Eben daS ist der Grund, warum die Berliner Ministerkonferenz dem Sultan Ab­dul Aziz nicht blos ein Reformprogramm aufgestellt, sondern sich zu­gleich bemüht hat, Garantien aufzufinden, durch welche auch die that- sächliche Verwirklichung der Reformen gesichert würde. Und in dieser Beziehung ist die Lage durch den Thronwechsel in Konstantinopel un-