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an aller Amtiatr.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, tob Samstags mit der Berliner Provinzial-Torrespondenz.

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Dienstag den 6. Juni

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1876

Gefunden: Einen Rock, Hose und Weste von Sommerstoff. Ein Metzle»stahl mit gelbem Griff. Ein Liederbuch mit der Aufschrift .Elisab th Weber." Ein Kinderschuh von Bockleder mit weißer Schnalle.

Ein Taschentuch. Ein Mejsingtheil von einem Thürdrücker.

Entlaufe»: Ein Spanferkel.

Verloren: Auf der Straße von Frankfurt a. M. bis Orb ein Sack, enthaltend zugeschnittene Sommerbuxkinhosen nebst 28 Mark baar.

Hanau am 6. Juni 1876.

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Die Krisis in Konstantinopel.

81. b. Schw. Merl.

Durch den Thronwechsel in Koni antinopel ist die politische Lage mit einmal verschoben. Die Umwandlung der Szene vollzog sich an demselben Tage, an dem das Memorandum der drei Mächte übergeben werden sollte. Jetzt ist die diplomatische Aktion, welche den gemein­samen Willen Europa's ausdrücken sollte, und zu der, mit Ausnahme Englands, alle Großmächte gewonnen waren, unterbrochen. Das über­raschende Ereigniß zwingt zu einer Pause. Es gilt erst die nächsten Folgen abzuwarten, jde der Mächte hat ihre Stellung zu nehmen, bevor daran gedacht werden kann, wieder eine Verständigung unter ihnen einzuleit.n, und so das unterbrochene Werk wieder anzuknüpfen. Es läßt sich voraussehen, daß das ein sehr schweres Stück Arbeit sein wird, denn die verschiedenen Neigungen und Interessen der Mächte sind gerade durch das jüngste Ereigniß wieder sehr grell beleuchtet worden, sie haben sich im Augenblicke der Ueberraschung gleichsam unwillkürlich verrathen. Die Absetzung des kläglichen Abdul Aziz hat die Freunde der Türkenherrschast in einen außerordentlichen Jubel versetzt und die­selben plötzlich zu den angemessensten Hoffnungen begeistert. Das war namentlich in Wien der Fall, wo das Gefühl weit verbreitet ist, daß der Graf Andiassy in Gefahr stehe, durch Rußland aufs Eis geführt zu werden, und wo man demnach eine Lockerung dieser gefährlichen Freundschaft nicht ungerne sieht. Nun sind so jubelt man hier die Spekulationen Rußlands auf den Untergang der Türkei zunichte gemacht, das gesunkene Reich hat sich plötzlich aus dem Staube aufge­richtet, eS wird seine L-benskraft beweisen, den Aufstand überwältigen, eine Verfassung einstiger, seine Schulden bezahlen und Rußland eine Nase drehen. Wer aber nicht ganz diesem fröhlichen Optimismus sich hingibt, verlangt doch, daß man dem neuen Herrscher eine Probezeit vergönnis, und daß also Europa vorläufig wieder in eine abwartende Haltung zurücktreten müsse. Jr diesem Sinne ist der türkische Thron- Wechsel namentlich in Paris ausgenommen worden, wo man schon über den entschiedenen Rücknitt Englands von der europäischen Aklion ficht- lich betrefft n war und nun gerne die Gelegenheit ergreift, sich von der Intimität mit den nordischen Mächten wieder etwas loszuschälen und eine Mittelstellung zwischen diesen und England zu gewinnen. Von diesen mehr oder weniger optimistischen Auffassungen hebt sich nun die Sprache Rußlands scharf und auffallend ab. Russischerseits stellt man die Sache so tac, als ob durch das neueste Ereigniß die Lage der Türkei nur noch ernster getontbeu fei. Man ersehe daraus die Un­sicherheit aller Verhältnisse, die Unzuverlässigkeit r Versprechungen, man müsse unter diesen Umständen verstärkte Garantien für die Aus­führung der nothwendigen Reformen verlangen oder mindestens an den bisher verlangten festhalten und überhaupt der neuen Regierung nicht mtnber als der alten den Ernst Europas zeigen. Es steht zu vermuthen, daß diese Sprache Rußlands in kurzer Zeit durch die Ereignisse ge- rechtfertigt sein wird. Eine kleine Weile, so wird die Diplomatie wie« oer der Türkei gerade so gegenüberstehen, wie am Tage vor der Thron- ^tfetzung Abdul Aziz. Zwar wird es die neue Regierung nicht an enh9rQDLm Hnb Verheißungen fehlen lassen, aber sie werden dasselbe «noe nehmen, das noch immer diesen Reiormauläufen der Tüikel be-

- Offenbar haben die Altiürken und Jungtürken zum unfähigen Herrschers zusammengewirkt, ihre Eintracht wird die Brüche gehen, wenn er sich um die Verwirklichung der handelt. Schon die nächste und dringendste Aufgabe, ' n»»nl^^ ^'"'^'Sung der aufständischen Völkerschaften. ich. int hoff- i uungLlv». Auf die Zusurgeutenchefs wird die Nachricht au» f

tinopel geringen Eindruck machen; ihre Forderungen bleiben die gleichen, gleich viel wer aus dem Stamme OthmarL sich mit dem Schwert um» gürtet. Unter diesen Umständen scheinen noch immer diejenigen die besten Freunde sowohl der Türkei als des europäischen Friedens zu sein, welche der Türkei zuwuthen, auf das Verzicht zu thun, was sie nicht zu halten vermag. Ja diesem Sinne schreibt Lemoinne im Jour­nal des Debüts:Der beste Rath, den man der neuen türkischen Re­gierung geben könnte, wäre dieser: daß sie dem Aufstand von Bosnien und der Herzegowina ein Ende mache, indem sie die Verwaltung der Provinzen, die nichts mehr von ihr wissen wollen, aufgäbe. Dies wäre die einfachste Lösung der Kampagne, welche ganz Europa in Auf­regung bringt." Selbst in England, wo man an der augenblicklichen Sprengung der Dreikaiserpolitik die größte Freude hat und von Anfang an die Jsolirung der eigenen Regierung billigte, ist die unabhängige Presse weit davon entfernt, einen unvernünftigen Widerstand der Pforte ermuthigen zu wollen. Im Gegentheil redet auch die Times einer vollständigen Befreiung der aufständischen Provinzen das Wort.Wir halten aufrecht", so schreibt dieses Blatt,daß die Politik, welche Griechenland befreit, Serbien unabhängig gemacht, die Donaufärsten- thümer vereinigt hat, eine glückliche Politik gewesen ist. Niemand kann verkennen, daß in materieller und geistiger Hinsicht die Bewohner die­ser Provinzen voran sind denen, welche dem Sultan gehorchen, und daß sie es so weit nur durch ihre Unabhängigkeit gebracht haben. Athen und Bukarest sind Hauptstädte armer und im Vergleich mit der Türkei kleiner Staaten; aber sie stellen eine höhere Zivilisation dar als Slam- bul. Warum soll nicht auch die Herzegowina mit einer selbstständigen Verwaltung, unter der Oberherrschaft der Pforte, eine fortschreitende Bahn einschlagen können, auf der es allmählig zum Rang der bereits befreiten Länder emporsteigen könnte?"

Berlin, 3. Juni. In der Begleitung Sr. Majestät des Kai­sers und Königs nach Ems werden sich der Hofmarschall Graf v. Per« Poncher, der Chef des Militärkabinets General Major v. Albedyll, der Chef des Civilkabinets Geheime Kabinets-Rath v. Wilmowski, der Ge­heime Legations-Rath v. Bülow, der Kaiserlich russische Militär-Bevoll« mächtigte General v. Reutern, die Flügel Adjutanten General-Major Graf Lehndorff, Major v. Winterfeld und Major Graf Arnim und der Leib-Arzt General Arzt Dr. v. Lauer befinden.

Erörterungen, welche in den letzten Tagen über den Stand der parlamentarischen Arbeiten stattgefunden haben, lassen es, wie der -Trib." berichtet wird, möglich erscheinen, daß das Abgeordnetenhaus nicht vor dem 20. Juni seine Arbeiten wieder aufnimmt. Kommt eS dazu, so liegt auf der Hand, daß der SessionSschluß im Juni nicht mehr zu ermöglichen ist. Mit der nächsten Tagesordnung des Abge­ordnetenhauses, welche am Schluffe dieser Woche erwartet wird, soll eine Uebersicht über den Stand der Arbeiten erscheinen.

Gegen den Inhalt einer öffentlichen Urkunde und über dessen Gegentheil kann sowohl nach preußischem als auch nach französischem Rechte un Prozesse vom Verklagten der Eid angetragen w-rden. Er­kenntniß deS Over-Tribunals IV. Senats vom 6. April 1876.

In Köln ist am 2. d. M. der deutsche Anwaltstag unter Vorsitz des Geh. Justiz-Rath Dorn eröffnet worden. Die aus ca. 250 Juristen bestehende Versammlung nahm eine Resolution an, durch welche die Regelung der Anwaltschaft im Deutschen Reich durch eine reichsge- fetzliche Anwaltschaftsordnung für nothwendig eeklärt w.rd.

Jngolstadt, 4. Juni. Bei Rothenberg in Mittelfranken werden im Verlaufe dieses Sommers zur Instruktion der Eisenbahn- Kompagnie Sprengversuche stattfinden; als Spreng-Objekte sind die dieser mittelalterlichen Feste vorliegenden Erdwerke in Aussicht genom­men. Für todtere Ausbildung der Eisenbahn Kompagnie ist beab­sichtigt, für dieselbe hier einen UebungSplatz emzurichten, ferner dersel­ben die Zweigbahn vom Lokalbahnhofe Jngolstadt zur Geschoß-Fabrik zur Aufsicht, zum Unterhalte und Betriebe zu überweisen.

Speyer, 2. Juni. Heute Mittag fand die feierliche Bei-

int hoff. , setzung des verstorbenen Bischofs von Haneberg im Dom statt: der Konpan- $ Feierlichkeit woynten^die Bischöfe Ketteler von Mainz und Leonrod