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Samstag den 3» Juni.
1876
Rundschau.
H. H. C. In voriger Woche fand die sogen. Agrarierpartei, die bekanntlich die altkonservative Partei repräsentiit, einmal Gelegenheit, ihre Stärke zu erproben. Im schlesischen Wahlkreise Hirschberg-Schönau fand nämlich eine Ergänzungswahl für den Reichstag statt, bei der die Agrarier einen Kandidaten aufgestellt und alles aufgeboten hatten, demselben den Sieg zu sichern. Die Landräthe hatten den Parteiversamm- lunge« dieser Partei präsidirt und durch Gensdarmen und Schultheißen waren Flugblätter verbreitet worden, welche den nationall beralen Gegner in aller denkbaren Weise herabsetzten. Allein trotz alledem wurde Herr v. Bunsen mit 6095 St. gewählt, während Herr von Küster nur 1863 St. erhielt. Man ersieht an diesem Beispiele von Neuem, daß keine Partei, welche die Sonderinteressen eines einzelnen Standes verficht, auf die Mehrheit der Wähler rechnen kann. Die Agrarierpartei konstituirte sich doch zur Verfechtung der Interessen des Grundbesitzes. — Der, nebst dem Staatssekretär im auswärtigen Amte, v. Bülow, zum preuß. Staatsminister (mit Sitz und Stimme) ernannte neue Reichskanzleramtspräsident Hofmann ist bereits in Berlin eingetroffen, ebenso sein Vorgänger Delbrück, um ihm das Präsidium zu übergeben. — Fürst Bismarck beschäftigt sich jetzt wieder viel mit dem Reichseisenbahnprojekt. In Verbindung damit steht auch die Berufung des daher. Abg. v. Schlör nach Berlin. Schlör war früher Chef des bayerischen Handelsministeriums und gilt als Autorität in Eisenbahnangelegenheiten. Ob man ihn vielleicht bestimmen will, in Reichsdienste M treten? — Die bayerischen Klerikal-Patrioten haben keinen geringen Aerger darüber, daß die 5 Abgeordnetenwahlen in München I. so spezifisch liberal ausgefallen sind. Man hatte die ersten Wahlen kassirt, in der Hoffnung, daß die zweiten mehr zu Ungunsten der Linken ausfallen würden. Allein von 247 anwesenden Wahlmännern gaben nicht weniger als 246 ihre Stimme für die zuerst Gewählten ab. — Auch in Bayern hat sich vorige Woche eine sozialpolitische Gesellschaft katholischer Edelleute gebildet,, deren Tendenz wohl nichts weniger als eine fortschrittsfreundliche ist und die wohl mit der kürzlich in Böhmen konstituirten Großdeutschen Partei in Beziehung stehen dürfte, — am Ende auch mit den Agrariern! — Das preuß. Abg. Haus hat in der letzten Woche eine Reihe wichtiger Gesetze erledigt resp, endgültig an- genommen. Dasjenige über die Verlegung des Beginnes des Etats- zahres auf den 1. April, über die Besteuerung des Gewerbebetriebs im Umherziehen, über die Kompetenz der Verwaltung und der Verwal« tungSgerichte, über den Austritt aus den jüdischen Synagogengemeinden, und hat inzwischen auch die zweite Lesung der Städteordnung beendet, die eine sehr langwierige war. Die Entscheidung des Hauses (gegen die Fortschrittler und Ultramontanen) für das Dreiklaffenwahl- Weni für die Stadtverordnetenwahlen dürfte im Lande mit getheilten Gefühlen aufgenommen werden, obgleich die Dreiklassenwahl nur in öenjentgen von den östlichen Provinzen gelten soll, in welchen ein klassiftzirtes Wählen bereits eingeführt ist, also z. B. nicht auch in Hannover und Holstein. Auf die westlichen Provinzen hat die Städteordnung bekanntlich überhaupt noch keinen Bezug.
In Pest fanden in den letzten Tagen zw schen den Botschaftern von Deutschland, Frankreich, Rußland und Italien und dem Grafen Anbraffy häufig Konferenzen statt und der Telegraph zwischen P-st und wo der Kaiser von Rußland weilt, war in starker Thätigkeit. Jiaturlt^ drehten sich die Verhandlungen um die türkische Frage. Um gelben, darüber lassen sich nur Vermuthungen Möglicherweise über die kriegerische Haltung Serbiens, bissen w den Kampf gegen die Türkei jeden Tag zu erwarten st ht. H mÄ darüber in Wien und Pest ist eine ungeheure. - V°- SStrS ^ große böhmische Geschichtsforscher und czechische ?n Mann, der trotz ferner Begabung und ursprüng- vor lauter czechischen und p anslavistischen Ru» J wÄ rntata» P--.-I-» im 8«* t« ÄoA
Treffs der T.berregulirung hat Garibaldi nun doch seinen Kopf
durchgesetzt. Weil das Ministerium keine Miene machte, den Kammern einen deSfallsigen Gesetzentwurf vorzulegen, erklärte der alte Volksmann seinen Austritt aus dem Parlamente. Einen Bruch mit ihm wollte das Kabinet aber doch nicht zulassen, da derselbe leicht eine Spaltung in der Kammermehrheit hätte im Gefolge haben können, und so unterbreitete man dem Parlamente eiligst eine solche Vorlage, wodurch Ga- ribaldi bestimmt wurde, sein Mandat zu behalten.
Frankreich hat schon wieder einen Koryphäen der konservativrepublikanischen Partei verloren. Casimir Parier, der Freund Thiers', starb nämlich soeben nach kurzem Krankenlager. Beinahe wäre Pärier neulich der Nachfolger Rieard's im Ministerium des Innern geworden und dann wäre der gewiß einzig dastehende Fall eingetreten, daß ein Staat bis 3 Wochen zwei Mimster des Innern durch den Tod verloren hätte. — Viel Aufsehen erregt der Protest, den einige Hundert Pariser Studenten gegen den Beschluß der romanischen Studentenschaft, die deutschen Studenten zu einem demnächst abzuhaltenden internationalen Studentenkongreffe zuzulassen, eingebracht haben. Das Motiv ihres Protestes bildet die Annexion Elsaß-Lothringens. Dieser Protest wird übrigens den einmal gefaßten Beschluß nicht abändern, zumal eine Anzahl italienischer Studenten die Erklärung abgegeben hat, daß sie sich nicht betheiligen würden, wenn die deutschen Kollegen ausgeschlossen werden sollten. — Der Berichterstatter der Kammerkommission über den Gesetzentwurf, welcher das Gesetz über den höheren Unterricht dahin abändert, daß dem Staat das Recht der Verleihung der Grade wieder gegeben wird, hat dem Hause die Ansichten der Kommission, welche die Vorlage gutheißt, mitgetheilt. Letztere wird ohne Zweifel die Genehmigung beider Kammern erhalten. Die. Ultramontanen aber sind empört über diese Anmaßung der Regierung, der Deputirten und der Senatoren und die Bischöfe richten nicht nur an Mac MaPn, sondern auch an beide parlamentarische Körperschaften schon jetzt lebhafte Proteste gegen jene Modisizirung. Die Freude dieser Herren über die glücklich errungene „Freiheit des Unterrichts" war sonach eine sehr kurze. Ihr Widerstand wird ebenso leicht überwunden werden als der neuliche Angriff der Monarchisten im Senate gegen das Kabinet, wegen des Rundschreibens des sel. Ministers Ricard an die Präfekten, abgeschlagen wurde, des Rundschreibens, welches die Agitationen und Machinationen der Monarchisten „aufrührerisch" genannt hatte.
Obwohl der die baSkischen Vorrechte aufhebende Gesetzentwurf, welcher den spanischen Kammern kürzlich unterbreitet wurde, nur eine Halbe, schwankende Maßregel ist, wie alle politischen Akte der gegenwärtigen Regierung, so sind die Herren Basken darüber doch in eine solche Aufregung gerathen, daß die Regierung sich genöthigt gesehen hat, über die Provinzen Navarra und BiScaya den Belagerungszustand zu verhängen. General Queseda, der dortige LandeSkommandirende, hat denselben soeben proklamirt. Die Aufregung ist um so gefährlicher, als nicht nur die karlistischen, sondern auch die liberalen Barken gesonnen sind, sich ihre Fueros nicht nehmen zu lassen. Man spricht davon, die Basken wollten sich mit den Republikanern verbinden und es existire bereits eine baskisch-republikanische Verschwörung. Die spanische De- Putirtenkammer genehmigte den Verfassungsentwurf mit 285 gegen 40 Stimmen. Gleichwohl ist die Stimmung im Volke keine sonderlich gehobene, einmal wegen der Halbheit der Regierungsmaßregeln und dann wegen des vom Ministerium acceptirten Planes zur Regelung des Finanzwesens, wodurch die Staatsgläubiger in großen Schaden kommen. Und große Geldopfer bringt der echte spanische „Patriot" dem Vaterland« bekanntlich nicht gern und gutwillig. Die Großmutter des Königs Alfonso, Christine, die bekanntlich vorige Woche aus dem Exil nach Spanien zurückgekehrt ist, hat sich nicht lange in Madrid ausgehalten, sondern, nach Umarmung des gekrönten Enkels, sich nach Aran- juez begeben, wo „die schönen Tage" sonach wieder ihren Anfang genommen haben. Warum die Jsabella nicht gleich mitgekommen ist, verschweigt die Fama. Böse Zungen behaupten, sie wolle nicht eher nach ihrem Heimathslande zurückkehren, als bis der §. 11 der Äerfas-