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und ein NiederlafsungSvertrag mit der Schweiz. Am Schluß der Sitzung verabschiedete sich Präsident Delbrück mit bewegten Danket- Worten für die ihm bei Leitung der Geschäfte bewiesene Unterstützung. Der bayerische B vollmächtigte Pergler von Perglas richtete Namens des Bundesrathes einige Abschiedsworte an den scheidenden Vorsitzen­den, und der Minister" Hofmann, dessen Ernennung zum Reichskanzler- amtspräsidenten heute vom Kaiser vollzogen worden, nahm Gelegenheit, für seine künftige Geschäftsleitung das Vertrauen der Versammlung zu erbitten. Die offizielle Einführung des neuen Präsidenten ist wohl dem Reichskanzler, als seinem Chef, Vorbehalten. (Trib.)

Bezüglich des Competenzgesetzes und der S'ädteordnung gibt auch die Provinzialcorreipondenz jetzt dem Zweifel Raum, ob die we­nigen Wochen, auf welche die Session noch ausgedehnt werden kann, genügen werden, noch eine endliche Vereinbarung darüber zu erzielen. So bedenklich aber die Aussichten für das schließlich« Gelingen in die­sem Augenblicke stehen mögen, so dürste doch die Hoffnung nicht aufge- geben werden, daß bei den letzten Entschließungen und Entscheidungen in beiden Häusern die gemeinsame Ueberzeugung von der absoluten Dringlichkeit des Abschlusses der betreffenden Aufgaben gerade im jetzigen Zeitpunkte den Ausichlag geben und die Bereitwilligkeit ?ur allseitigen Verständigung fördern werde. Solle der unerläßliche Ausbau der er­folgreich begonnenen Verwaltungsreform nicht auf Jahre hinaus ins Stocken gera-hen, so müsse es ein Gegenstand allseitigen eifrigen Be­mühens der beiden Häuser im Verein mit der Regierung sein, die Frucht der bisherigen mühsamen Vorarbeit der gegenwärtigen Session zur Reffe zu bringen.

Bekanntlich liegt die Gefahr der Verschleppung zum guten Theile in der lässigen Ver Handlungsweise, die das Herrenhaus beliebt hat. Ob für dieses das in dem letzten Satze des halbamtlichen Blattes enthal­tene Präjudz sonderlich anspornenü wirken wird, bezweifelt dieTrib."

Das unbefugte Eindringen in einen ausschließlich zur Beförde­rung von Personen dienenden Wagen (Postwagen, Eisenbahnwagen rc.) ist nach einem Beschluß des Ober-Tribunals vom 27. April d. I. nicht als Hausfriedensbruch zu erachten. Dagegen ist das unbefugte Ein­dringen in einen Wagen, welcher von den darin fahrenden Personen (z. B. von herumziehenden Gauklern) als Wohnung benutzt wird, oder ein Wagen, der als G schäftsraum (Verkäufelokal) oder als amtliches Bureau (z. B. die in einen Ersenbahnzug eingeschloffmen Postwagen) benutzt wird, wohl als Hausfri-denLbruch zu bestrafen.

Bochum, 20. Mai. Der Oberpräsident von Westfalen hat den hiesigen Altkatholiken den Mitgebrauch der hiesigen Marienkirche und zwar Sonntag von 810 und 34 und Werktags von 910 Uhr eingeräumt. (D. M.)

Mainz, 25. Mai. Zu der am Sonntag ben 11. Juni hier stattfindenden Versammlung der Altkatholiken des Rhnn- und Main- gaues und der Pfalz haben Bischof Reinkens, Professor I. Friedrich und Professor Knodt ihr Erscheinen zuge'agt. Der Versammlun! geht ein feierlicher Gottesdienst voraus, den Pfarrer Steinwachs von Offtn- bach celebriren wird.

Straß bürg, 31. Mai. Von derStraßburger Zeitung" wird die Nachricht, daß der Ober-Präsident v. Möller um seine Ent­lassung nochgesucht habe, als aus der Luft gegriffen b zeichnet.

Metz, 28. Mai. Die hiesige Stadt war bis jetzt noch nicht im Bezirkstag vertreten, da bei den erstmaligen Wahlen wie auch bei den zahlreich angeordneten Neuwahlen stets nur solche Abg. gewählt wurden, welche das ihnen übertragene Mandat nach kürzerer oder län­gerer Zeit wieder niederlegten oder welche desselben wegen Eidesverwei­gerung wieder verlustig erklärt werden mußten. Die Folgen dieser Protestpolitik, wie sie seither von der Mehrzahl der hiesigen Wähler beliebt wurde, traten bald in fühlbarer Weise hervor. U. a. wurde vom Bezirkstag bei Vertheilung der Beiträge zur Unterhaltung der Straßen auf die einzelnen Gemeinden die Stadt Metz mit einer so hohen Summe belastet, daß sich der hiesige Gemeinderath veranlatzt sah, in dieser Angelezenheit dem Oberprä!. vorstellig zu werden, ein Schritt, der natürlich ohne Erfolg blieb, da die betreffenden vielleicht richtigen Aufklärungen hätten in der Bezirksversummlung gegeben w irden sollen. Auf den 10. und 11. Juni hat nun der Bezirkspräsident wieder einmal eine Neuwahl angeordnet, deren Ergebniß zeigen wird, ob man bei den bisher gemachten Erfahrungen die seither befolgte Protestpolitik beibe­halten wird oder nicht.

Wien, 1. Juni. DerPresse" wird von zuständiger Seite gemeldet, daß das der Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft gehörige DampfbootRadetzky" am 29. v. M- auf der Fahrt stromaufwärts nach Turnseverin bei Rohava gezwungen wurde, ungefähr 150 Insurgenten bei Kodolslui zu landen. Dieselben fassten sich unbeanstandet in meh­reren kleinen Stationen »»bewaffnet als gewöhnliche Passagiere ein, holten bei Rahova aus ihren Koffern Revolver hervor und zwangen den Kapitän, der nur eine schwache unbewaffnete Mannschaft zur Ver­fügung hatte, unter Androhung des Todes die Anesch ffuag zu voll­ziehen.

In Pesther Freimaurerkreisen wird versichert, Sultan Murad

sei als Thronfolger einer Freimaurer-Loge beigetreten und bekleide noch in diesem Augenblick eine höhere Würde in dem Orden.

Rotterdam, 29. Mai. Endlich ist die Unterzeichnung des Vertrages mit Preußen zu Stande gekommen, wodurch der an Holland grenzende nordöstliche Theil Deutschlands mittelst eines Kanals mit den Provinzen Drenths und Overyffel in nähere Verbindung gebracht wird. Das bedeutendste derartige Kanalprojekt, welches den Rhein mit der Maas verbinden soll, (Krefeld-Benlo) harrt aber noch der Genehmigung Seitens Preußens. Im nächsten Monat soll in Breda eine Zu- sammenkunft sicher päpstlicher Zouaven aus Belgien und Holland stall- finden, den beiden Staaten, welche das verhältnißmäßig größte Kontin­gent zur Schlüffelsoldatenarnne geliefert haben. Man sieht diese Gäste nicht gerade gerne und sie sind auch im öffentlichen Kredit tiefer ge< funken, da fast keiner dieser früheren Handlanger der päpstlichen Miß­wirthschaft in Rom sich herbeiließ, für Atchin, wo man doch Soldaten nöthig hat, Dienste zu nehmen. Es beweist eben wieder die alte, von klerikaler Seite stets geleugnete Thatsache, daß das Vaterland des nie- derländischen Katholiken in erster Linie Rom ist. Nach den statisti­schen Ausweisen des Kolonial-Ministeriums sind bis jetzt im Kriege mit Atchin etwa 200 Offiziere und 5000 Soldaten und Unteroffiziere gefallen, an Wunden oder Krankheiten gestorben. (Schw. Merk.)

Paris. 31 Mai. Der italienische Gesandte, Ritter Nigra, hat heute dem Marschall Mac Mahon sein Abberufungsschreiben über­reicht und tritt am nächsten Montag seine Reise über Ems nach St. Petersburg an.

Rom, 1. Juni. (D-putirtenkammer.) Minister Melegari theilte auf Anfrag Rasponis mit, daß die vorliegenden Nachrichten über die Ereignisse in Konstantinopel noch unvollständig seien, er könne den Charakter der Bewegung und der Ereignisse, wilch-, sie bestimmten, noch nicht konstatiren, könne ind.ß erklären, daß die Bevö.ke-ung die Ereig­nisse mit Befriedigung aufnahm, keine Gegenströmung bemerkbar, keine Unruhen stattfanden. Melegari schloß indem er versicherte, daß die Regierung befahl, die italienischen Kriegsschiffe in den türkischen Ge­wässern hätten die italienischen Unterthanen gegen jede Gefahr zu schützen.

S t. Petersburg, 31. Mai. DasJournal de St. Peters- bourg" bespricht in seiner heutigen Nummer den Thronw-chsel in Kon- stantinvpel unD hebt hierbei die Schwierigkeiten hervor, welche sich dem n-uen Sultan Murad entgegenstellten und die durch die Art seiner Thronbesteigung nicht vermindert würden. Eins sei aber gewiß, daß die Fürsorge Europas ein Weitergreifen der Krisis im Orient zu ver­hüten unvermindert bleibe. Das Einvernehmen der Mächte bleibe nach wie vor unerschütterlich in dem Wunsche, von der türkischen Regierung,, gleichviel wllche es sei, die Ausführung der unentbehrlichen Reformen zu erlangen. Der Artikel gibt schließlich der Hoffnung Ausdruck, daß der neue Souverän den Wünschen der Mächte entgegenkommen möge; hierdurch werde er seine Aufgabe erleichtern und zugleich den Mächten gegenüber den Beweis führen, daß er nicht das Werkzeug eines reli­giösen oder nationalen Fanatismus werden wolle.

Konstantinopel, 1. Juni. Sultan Murad hat den Hain dels-Minister Saadullah Bey zu seinem ersten Sekretär ernannt und mehrere Verbannte zurückgeruftn. Derselbe begibt sich nächsten Freitaz in die Moschee Ejuv und wird demnächst eine Proklamation an die Be­völkerung erlassen. Die Angehörigen der hiesigen auswärtigen Kolonien halten morgen eine Versammlung ab, worin wegen Ueber: echang einer Adresse an den neuen Sultan beschlossen werden soll. Die Abfahrt der Flotte von hier ist aufgeschoben. (& «. st-amo

Ueber die Entthronung des Sultans wird derPolitischen Korrespondenz" aus Konstantinopel gemeldet, daß dieselbe weder durch eine Volkserhebung hervorgerufen sei, nodp sich als eine eigentliche Pa­lastrevolution charaltensire. Vielmehr habe man es gtwiffetmaßen mit einer Ministerrevolution zu thun. Der Sultan habe sich mit seinen Ministern im Konflikt befunden wegen des Verlangens, den erschöpften Kriegslasten Geld aus seinem P-ioatschatze vorzustcrcken. Der Scheich ul Islam, Harrulich Effendi, habe im Verfolg dieser Konfl kte in An­wesenheit sämmtlicher Minister dem Sultan angetiinDigt, daß das Volk mit seiner Regierung unzufrieden und er demnach entthront sei. Un­mittelbar nach dieser Erklärung des Scheich ul Islam wurden der Sul­tan und die Sultanin Valide gewaltsam nach dem Schosse Topkhana gebracht, wo er sich lebend in schwerem Gewahrsam btfi «Det.

Quebec, 31. Mai. Spät Abends ist man der Feuersbrunst, wovon die Stadt heimgesucht war, Herr geworden; gegen 1000 Häuser sind verbrannt, der verursachte Schaden wird auf eine Million Toll, geschätzt.

Southampton, 31. Mai. Das Postdampfschiff des Nord­deutschen LloydRgein", welches am 20 d. M. von New Dock abge- gangen war, ist heute wohloehaltrN hier ang-kommen unD hat nach Landung der für Southampton bestimmten Passagiere, Post und Ladung, die Reise nach Bremen fortge) §t. DerRyem" üoervnngt 305 Passa­giere und volle Ladung.