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Freitag den 2. Juni.
1876
Bekanntmachung.
Dienstag den 8. August er., von 9 Uhr Vormittags ab, sollen hierselbst circa 120 Gestütpf-rde, bestehend aus Landbeschälern, Mutterstuten (meistens bedeckt) 4jährigen Hengsten, Stuten und jüngeren Fohlen, meistbietind gegen Baarzahlung verkauft werden.
Sämmtliche 4jährigen und älteren Pferde sind mehr oder weniger geritten. Die zu verkaufenden Pferde werden am 7. August von 7 bis 10 Uhr Morgens geritten, sowie am 6. und 7. August Nachmittags von 3 bis 6 Uhr auf Wunsch an der Hand gezeigt.
Für Personenbeförderung zu den bezüglichen Zügen vom und zum Bahnhöfe wird am 6., 7. und 8. August gesorgt sein.
Trakehnen, den 9. Mai 1876.
Der Landstallmeister gez. von Dassel. Wird veröffentlicht
Hanau am 31. Mai 1876.
Der Landrath.
Die Königliche Regierung zu Cassel hat unterm 18. Mai er. in Nr. 25 des Amtsblattes eine Bekanntmachung, b?n für Civileleven zu Anfang Oktober d. I. in der Königlichen Central» Turn-Anstalt zu Berlin beginnenden Kursus betr., erlassen, worauf Interessenten aufmerksam gemacht werden.
Hanau am 29. Mai 1876.
Der Landrath.
Tageßschs«.
Die Revolution in Constantinopel.
A. d. Schw. Merl.
Während die Verhandlungen über das der h. Pforte zu überreichende Memorandum zwischen den abendländischen Mächten noch fortdauern, hat sich in Konstantinopel eine Revolution vollzogen, die zwar nicht ganz überraschend kommt, aber doch mit einem ganz neuen Faktor zu rechnen zwingt. Man hat in der That voraussehen können, daß die Softas, die politisirende Jugend von Siambul, nachdem ihr die Demonstration gegen ein unfähiges Ministerium gelungen war, ermuthigt durch den Erfolg, über kurz oder lang das Ziel sich noch höher steckn werde. Sie hatten es auf eine Umwandlung des Regierungssystems, auf eine Regeneration des ganzen Reichs abgesehen und eine solche war mit dem schwachen Abdul Aziz an der Spitze ein Unding. Nun scheint zwar der Thronwechsel sich ohne den Druck einer äußeren Kundgebung, le- diglich im Innern des Palastes abgespielt zu haben, er bestand blos darin, daß Sultan suis heureux (ein Beiname, der ihm von seinem LieblingSwort bei d.r Pariser Nukstillnna geblieben ist), mit seinen Weibern nach einem andern Palast gebracht wordm ist. Allein es ist nicht daran zu zweifeln, daß der Thronwechsel der allgemeinsten Zu- stimmung sich erfreut und daß der Beisatz der offiziellen Depesche: .Auf allgemeinen Wunsch der Bevölkerung" diesmal wörtlich zu nehmen ist. Abdul Aziz repräsentirte zuletzt b!oS noch das träge Geschehenlassen, absoluten Fatalismus, das Schopenhauer'sch; Nirvana. Das kann allenfalls ein Philosoph erlauben, aber nicht der Monarch eines aufgeregten in seiner Existenz sich bedroht fühlenden Volkes. Eimn solchen Manst in solcher Zeit an der Spitze zu wissen, hat für alle lebenskräftigen Elemente im Reich der Osmanli ein Gedanke des Un- Muths, des Zorns, der Verzweiflung sein müssen. Jetzt durchzuckt wieder em Strahl von Hoffnung und Lebensmuth das hinwelkende Merch. Die Mächte mussi« darauf gefaßt sein, künftig einem Willen L 5 ®m zu begegnen, einem Willen, um den sich alles schaa- n uoch einen Glauben an die Fahne des Propheten hat. sich zeigen, ob noch und wie viel Lebenskraft im Reich S oDt^tn '^ Die Gefahr, daß das alttürkische Element ^ Widerstandes zusammenraffen, dem Willen des AvenolandS trotzen und an den religiösen Fanatismus appelliren werde,
liegt unter diesen Umständen nahe. Allein es wäre vorschnell, die Folgen des Ereignisses Voraussagen zu wollen. Denkbar ist auch, daß in das Serail ein kluger, berechnender Geist eingezogen ist, der, anstatt verwegen Alles auf eine Karte zu setzen, die Katastrophe hinauszuschie« bcn, zu vermeiden versteht Jedenfalls hat die laumsche Wirthschaft ein Ende, die bisher im Serail herrschte und die zuletzt in den täglichen Ministerveränderungen und den persönlichen Aengsten des Sultans gipfelt» ; dieser Umstand macht es erklärlich, daß die Veränderung auch ’ außerhalb Konstantinopel einen günstigen Eindruck hervo^gebracht hat. ; Nun wird angesichts der neuesten Dinge das Projekt einer Konferenz der 6 Mächte an Boden gewinnen. Die Zeit rückt näher, da das ! Dreikaiserbündniß sich in der That, nicht blos in Worten bewähren j muß.
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— Se. Moj-stät der König haben Allcrgnädigst geruht: dem i Staats-Minister und bisherigen Präsidenten des Reichskanzler-Amts, Delbrück, das Großkreuz des Rothen-Adler-Ordens mit Eichenlaub zu verleihen; sowie den Großherzoglich hessischen Präsidenten des Gesammt- Ministeriums und Minister des Großherzoglichen Hauses und des Aeußeru Hofmann zum Präsidenten des Reichskanzler-Amtes zu er* nennen.
— Berlin, 1. Juni. Abgeordnetenhaus. (Fortsetzung.) Im . weiteren Verläufe der gestrigen Sitzung des Hauses der Abgeordneten i wurden mit Ausnahme einiger aus Konsequenz der früheren Beschlüsse i nöthigen redaktionellen Mod-fikatwnen die übrigen Paragraphen der ■ Städte-Ordnung unverändert nach den Beschlüssen zweiter Lesung ae« nehwigt. Nur wurde im §. 15 auf den Antrag des Abg. Sauerstem ■ ein zweijähriger Wohnsitz in der Stadtgemeinde als Erforderniß zur j Erlangung des Gemeinde-Bürgerrechts bestimmt und auf Antrag deS [ ^dg. Windthorst (Meppen) ein neuer §. 51a. ausgenommen: „Bei Wu der wähl (des Bürgermeisters) ist die Bestätigung nicht erforderlich." , Darauf wurde das Gesetz im Ganzen definitiv genehmigt. An der De- ' batte nahmen Theil: der Minister M Innern Graf zu Eulenburg, der Regierungs-Kommissar Geh. Ober-Regierungs-Rath Wohlers, die Abgg.
; Lanenstein, Jung, Miguel, Dr. Löwe, Windthorst (M.ppen). Kiesel, i Krech, Knörcke, Graf Bethusy Huc, Cremer, Dr. Hammacher, Dr. Bir- ^cm, Ostendmf, Osterrath, Dr. Lasker, Röstet und Knebel. Schluß 5^4 Uhr. Nächste Sitzung unbestimmt.
(Fortsetzung folgt.) <$. euer.)
! — Berlin, 30. Mai. Die im künftigen Monat zu Bern
> stattfintende Konferenz in Sachen der Gotthard Eisenbahn wird von ■ Deutschland aus nicht beschickt werden. Die Reichsregierung hat den Schweizer Bundesrath ersucht, die Interessen Deutschlands bei der Kon- ; ferenz zu vertreten, da diese sich von den Interessen der übrigen bethei- i l’gten Regierrmgen ohnehin nicht trennen ließen. — Der Abg. Wmdt- : Horst (Bielefeld), der seit einigen Tagen sehr leidend ist. Hot sich ge* i nöthigt gesehen, in seine westfälische Heimath abzureisen. Der von ihm . eingebrachte Antrag der Fortschr.-P. betreffend die Strafvollstreckung wird erst nach den Pfingstferien zur Verhandlung kommen. — Fürst
: Bismarck hat nach seiner Ankunft in Friedrichs ruh sogleich d e Fluren । seiner weiten Besitzung in Begleitung einiger Freunde und F-unlien- i Mitglieder durchstreift und sich von allen neuen Einrichtungen persönlich i Kenntniß verschafft. Sein Generalbevollmächtigter, v. Dosel, machte hierbei den Führer. Auf einen Vorschlag, welcher dem Fürsten gemacht
■ worden ist, sich doch in Friedrichsruh ein konfortables Schloß zu er* f bauen (jetzt wohnt derselbe noch immer während seines kurzen Aufent- Halts bei dem Pächter der Gastwirthschafr) soll der Reichskanzler etwi* ; dert haben: Wenn ich ins 81!ertheil gehe, kann ich noch genug bauen, 5 vor läufig habe ich noch mit dem Reichsausbau zu thun. " "<Pr. Bl.)
— Berlin, 1. Juni. In der gestern Mittag 1 Uhr abgehal- temn letzten Sitzung des BundeSraths vor den Ferien, die sehr zahlreich besucht war, wurden sämmtliche noch restirerbe Gegenstände erledigt. An neuen Vorlagen erschien noch eine Uebersicht hber die bis zum 1. März er. den Bundesregierungen überwiesenen Münzbeträge