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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Madt Hanau.

Erschein! täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, inb Samstags mit der Berliner Provinzial Correspondenz.

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Die Sspalt. geile

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Die SspalttgeZeile

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Donnerstag den 18. Mai.

1876

BesLMtMachunge» Kömgl. Landrathsamts dahier.

Die Herrn Bürgermeister der Gemeinden deS Bücherthals wollen diejenigen Armen in ihren Orten benennen, welchen eine Unterstützung aus der Schlingloff'schen Stiftung gewährt werden kann.

Hanau am 17. Mai 1876.

_________ Der Landrath.__________________________

Lägest««»

Deutschland in den türkische» Gewässern.

A. b. Schw. Merk.

Die Berliner Kanzlerkonferenz, die wie im Fluge sich eben abge­spielt hat, ist sogleich von einer praktischen Folge begleitet gewesen. Die Entsendung eines deutschen Panzeraeschwaders in die türkischen Ge­wässer ist offenbar nicht eine vereinzelte Maßregel der deutsch n Politik, sondern gehört zu den Abmachungen der Konferenz der drei Mächte Deutschland, Oestreich und Rußland. Uebereinstimmend wird gemeldet, daß die Konferenz eine Verstärkung der Seemacht in den türkischen Gewässern beschlossen habe, nicht nur um der strafenden Gerechtigkeit in Salonichi einen Sporn zu geben, sondern überhaupt der Türkei nachdrücklich zu zeigen, daß, wo irgend ähnliche Gelüste wie in Salo- nicht erwachen sollten, dies schlimme Folgen nach sich ziehen könnte. Zugleich soll das gemeinsame bewaffnete Auftreten der drei Staaten zur See ein Beweis für die Pforte sein, daß die Mächte es überhaupt Ernst nehmen, wenn sie jetzt Garantien für die Ausführung der ver­sprochenen Reformen verlangen, die ja nicht nur für die Aufständischen allein, sondern für die christlichen Unterthanen der Pforte im Allge- weinen den Schutz für eine erträgliche Existenz bilden sollen. Es wer­den 4 große Panzerfregatten, also Schlachtschiffe ersten Rangs, nebst einem Aviso (zum Rekognosziren und Ueber bringen von Depeschen), der den Verkehr mit den Konsuln zu vermitteln haben wird, deutscher- seit? in die türkischen Gewässer entsendet; nach Salonichi ist überdies die Glattdeckskorvette Medusa, wie bekannt, von Messina aus bereits unterwegs, das Kanonenboot Komet geht von Kiel aus gleichfalls da­hin ; das Kanonenboot Nautilus segelt von Port Said nach Konstanz tinopel, wo sich das Kanonenboot Meteor bereits befindet. Es ist also eine Entfaltung der jungen deutschen Macht zur See in größerem Um­fange beschlossen; unsere deutsche Flotte wird ebenbürtig den Flotten der andern Nationen im Mittelmeer vertreten sein. Bon den 4 Panzerfregatten sind namentlich Kaiser und Deutschland Schiffe von hervorragender Stärke, die in den fremdländischen Flotten kaum ihres­gleichen haben. Es sind schwimmende Festungen von Eisen; ihre Ar- mirung besteht aus 8 z-hnzölligen (26-Centimeter-Kanonen) in Batterie und einer 21-Centimeter-Kanone auf Deck. Die Panzerstärke beträgt 10 Zoll, und der Panzer trägt bis 6 Fuß unter Wasser noch 8 Zoll Dicke, wogegen der Vorder- und der Hintertheil des Schiffes, der Er­leichterung desselben wegen, ungepanzert sind. Die Aussendung dieser eisernen Kolosse wird eine starke Demonstration für den Frieden sein und als solche hoffentlich wirken.

Die politischen Berathungen, welche in der jüngsten Woche im Zusammenhänge mit dem Besuche des Kaisers Alexander von Ruß­land in Berlin abgehalten worden find, haben zu einer erneuten voll­ständigen Gemeinschaft der Entschließungen in Bezug auf die nothwen­digen Schritte gegenüber der Lage der Dinge in der Türkei geführt.

Nachdem der russische Reichskanzler und der österreichisch unga­rische Minister des Aeußern vom vorigen Donnerstag ab wiederholte gemeinsame Konferenzen mit dem Reichskanzler Fürsten Bismarck ge­habt, war bereits am Sonnabend das Einverständniß unter den drei Kaisermächten über die zur Wiederherstellung und Sicherung des Frie­dens in der Türkei und zum Schutze der Unterthanen europäischer Staaten zu ergreifenden Maßregeln in allen Beziehungen erreicht, so daß die gemeinschaftlichen Auffassungen und Vorschläge alsbald auch den Botschaftern von Frankreich, Großbritannien und Italien Behufs Einholung der Zustimmung ihrer Regierungen mitgetheilt werden ronnten.

Wenn das Nähere über das zu erwartende gemeinschaftliche Vor­gehen zunächst noch der öffentlichen Mittheilung entzogen bleiben mußte, so hat doch, wie dieProv.-Korr." hervorhebt, das allgemeine politische Bewußtsein vor Allem in der unzweifelhaften Thatsache Befriedigung gefunden, daß die neue Zusammenkunft dem europäischen Frieden neue ! Bürgschaften gebracht hat, und daß auch die orientalische Frage, so s schwierig und verwickelt sie ist und so drohend sie jeder Z-it für die ; Beziehungen der Großmächte erschien, Dank der entschiedenen Friedens- ! gemeinschaft, welche jetzt inmitten Europas aufgerichtet ist, den allge­meinen Frieden nicht stören soll.

Der Kaiser von Ru' land hat bald nach seiner Ankunft unter Hinweis auf die vereinigte Kraft der drei Kaiserreiche seinen festen Willen von Neuem bekundet, an dieser Grundlage einer mächtigen Frie­denspolitik fe tzuhalten, und dieser von den anderen Mächten mit glei­cher Entschiedenheit getheilte uns bethätigte Willen hat die großen Schwierigkeiten der augenblicklich schwebenden Fragen durch williges, bundesf.eundliches Entgege komwe.r überwinden lassen.

Ueber die diplomatischen Besprechungen der vergangenen Woche wird nachträglich noch bekannt, daß der russische Reichskanzler Fürst : Gortschakoff auch wiederholt mit dem englischen Botschaft r Lord Odo I Ruffel konferirt hat. Gegenstand dreser Besprechungen sollen central- . asiatische Angelegenheiten gewesen sein, und soll der Kanzler dem Bot- 5 schafter gegenüber darzethan haben, wie die Haltung Rußlands in die­ser Frage lediglich durch die Wahrung der russischen Interessen geboten gewesen sei. Die russischen Kreise verbreiten, daß die Darlegung Fürst i Gortschakoff's eine sehr entgegenkommende Aufnahme gefunden und so- > mit auch in dieser Frage eine Verständigung «ungebahnt fei, d.e sich den übrigen befriedigenden Erfolg-n der Berliner Conferenzen zur Seite stelle. (Trib.)

Berlin, 17. Mai. Abgeordnetenhaus. (Fortsetzung.) Im weiteren Verlaufe der gestrigen Sitzung kamen verschi dene Petitionen zur Berathung und in der heutigen (57.) Sitzung beantwortete nach einigen geschäftlichen Mittheiluw.en des Präsidenten der Minister des Innern, Graf zu Eulenburg, die Interpellation des Nbg. Windthorst (Meppen), welche lautet:

Beabsichtigt die Königliche Staatsregierung, den Häusern des Landtags noch in dieser Session eine Vorlage wegen Unterstützung derjenigen Landestheile einzubringen, welche durch Ueberschwemmungen und sonstige Naturereignisse im verflossenen Winter resp, im Anfänge dieses Frühjahrs so schwer gelitten haben?

dahin, daß noch in dieser Session dem Landtage ein bezüglicher Gesetz­entwurf werde vorgelegt werden, daß aber die Schwierigkeit der nöthi- , gen Erhebungen die Vorlage verzögert habe und daß aus demselben Grunde der Gesetzentwurf nicht auf positive Zahlen, sondern auf Wahr­scheinlichkeitsrechnung basirt sein werde.

Es folgte die Spezialdebatte über den Gesetzentwurf, betreffend den Ankanf nsb Ausbau der Bahnstrecken Halle-Lasse! und Nordhauscn- Nixei. Nach einem einleitenden Bortrage des Referenten Abg. Berger zu §. 1, welcher die KommissionSbeschlüsse empfahl, charakterisirte der Abg. Weber (Erfurt) das Verfahren der Magdeburg-Halberstädter Ei­senbahngesellschaft. Der Abg. Windthorst (Meppen) wollte, so lange die Frage der Reichseisenbahnen nicht entschieden sei, so wichtigen Ent­schließungen, wie die vorliegende, nicht seine Zustimmung geben Der Abg. Dr. Wehrenpfennig wandle sich gegen die vom Abg. Windthorst empfohlene Sistirungspolitik in Betreff des Eisenbahnwesens und befür­wortete die von der Kommission beantragte Resolution:

die Königliche Staatsregierung aufzufordern, die Magdeburg- Halberstädter Eisenbahngesellschaft mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zur baldigen Herstellung der Bahn Magdeburg-Erfurt an- zuhalten."

Der Handels-Minister Dr. Achenbach wendete sich ebenfalls gegen den Abg. Windthorst (Meppen). Nachdem noch die Abgg. Dr. Webren- pfennig, Weber und Windthorst (Meppen) gesprochen, wurde §. 1.

Die Staatsregierung wird ermächtigt: