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MM.Ä UZlich Mit Drsmchme der Bon«- mtb Feiertage, mit belletristischer Beilage- «nd Bamstags mit der Berliner PrsviKzial-CorrefpondeNz.

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Mittwoch den 10» Mai.

1876

TagesschNW.

Berlin, 9. Mai. Se. Majestät der Kaiser und König ha­ben gestern um 3 Uhr Nachmittags in Allerhöchstihrem PalaiS den bis- Herigeu Kaiserlich türkischen außerordentlichen und bevollmächtigten Bot­schafter Aristarchi Bey in feierlicher Audienz empfangen und aus dessen Händen ein Schreiben Sr. M- jestät des Sultans evtgegenzunehmen ge­ruht, wodurch er von sei.-em hiesigen Posten abberufen wird. Dem seitherigen türkischen Botschafter am hiesigen Hofe Aristarchi Bey, wel­cher gestern Nachmittag sein AbberufungSschreiben in feierlicher Audienz überreicht hat, ist von Sr. Majestät dem Kaiser und Könige Allerhöchst- dessen Ma morbüste nebst entsprechender Marmorkonsole als Andenken zum Geschenk gemacht und auf Allerhöchsten Befehl noch gestern Abend übersandt worden.

Der zum Amtsnachfolger des seitherigen Botschafters ernannte Edhem Pascha ist heute in Berlin eingi troffen.

B er lin, 8. Mai. Abgeordnetenhaus. (Fortsetzung.) In der heutige» (51.) Sitzung stellte zunächst der Minister des Innern die Beantwortung der Jnterpellatw» des Abg. Dr. Franz, betreffend die bei dem Erzpriester Teer in Ohlau abgehaltene Haussuchung, für einen der nächsten Sitzungstage in Aussicht. Es folgte die dritte Berathung des Tesetz-ntwurff, betreffend die Vertheilung der öffentlichen Lasten der Grundstückiitheilungen und die Gründung neuer Ansiedelungen in den Provinzen Preußen, Brandenburg, Pommern, Posen, Schlesien und Sachsen. In der Generaldebatte warnte zunächst der Abg. Dr. Larker vor der Gefahr des anscheinend liberalen §. 15 des Gesetzes, in welchem eine genaue Definition der Merkmale f.hle, wonach der Richter ermessen könne, ob die Verwaltungsbehörde uie Berechtigung zur Ansiedelung mit Recht versagt habe, und so die alte Praxis unter neuer Form erhalten werde. Er empfahl deshalb die von den Abgg. Dr. Hammacher und Lipke vorgeichlagene Fassung. Der RegieruugS Kommissar Geheimer Regierung«Rath Rothe wies nach, daß das vorliegende Gesetz viele Be­schränkungen der bisherigen Gesetzgebung habe fallen lassen, und daß der § 15 der Vorlage nur die negatwe Anforderung stelle, daß die neue Ansiedelung die Nachbarschaft nicht gefährde. Die Vorlage befolge also eine entschieden liberale Richtung. Nach kurzen Bemerkungen des Ministers für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten Dr. Frieder,thal und der Abgg. Dr. Hammacher, Stengel und Bening wurde die Ge­neraldiskussion geschlossen. In der Spezialdebatte wurden die §§. 1 big 12 nach den Beschlüssen der zweiten Lesung unverändert angenommen, nur im §. 4 wurde auf Antrag des Abg. Kümmert die Frist von 14 auf 21 Tage verlängert. Zu §. 13 empfahl Abg. Dr. Hammacher ein von ihm in Gemeinschaft mit dem Abg. Lipke gestelltes Amcndement, ; welches jedoch von dem Staats-Minister Dr. Friedenthal als zu kasuistisch bekämpft wurde. Da zahlreiche handschriftliche AmendementS eingegangen waren, so beantragte Abg. Dr. Laster im Interesse der Verständigung die Absetzung dieses Gegenstandes von der heutigen Tagesordnung. Sag Haus gab diesem Anträge statt, nachdem noch der Staats'Minister Dr. Friedenthal die Angriffe deS Abg. Dr. Lasker zurückgewiesen hatte. Es folgte die dritte Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die evauge- lisch- Kirchenverfassung in den acht älteren Provinzen der Monarchie. In der Generaldebatte sprach gegen die Vorlage nur der Abg. Dr. Verlach. In der Spezialdebatte wurden darauf die §§. 1 bis 9 nach kurzen Bemerkungen des Abg. Frhr. v. d. Recke unverändert nach den Beschlüssen zweiter Lesung angenommen. Bei §. 10 lenkte Abg. Schu- wann die Aufmerksamkeit des Hauses auf den kurmärkischen und neu- märkischen Aemterkirchenfonds, welcher die neuesten Bestimmungen der Gemeindekirchenordnung illusorisch mache, und wünschte dessen Aufhe- bung. §§. 10 und 11 wurden darauf bei Schluß des Blattes nach den Beschlüssen der zweiten Lesung angenommen.

(Fortsetzung folgt.) <R. u. st^a.)

Berlin, 6. Mai. DerSchw. Merk." schreibt: Die kommende Woche wird nun Aufschlüsse über die so viel vorausbesprochene Konferenz bringen. In Konstantinopel' scheint man einige Besorgniß zu empfinden und es nimmt sich aus, als wäre es der Türkei ange- stchts der verkündeten Zusammenkunft der drei Minister nicht recht qe- heuer. Edhem Pascha erhielt Befehl, feine Abreise zu beschleunigen. M heute in Wien eingetroffen sein und wird morgen, spätestens" I Montag, hier erwartet. Die bevorstehenden Besprechungen zu Dreien- 1

wollen gar nicht zu der bekannten Vorstellung des Sultans passen, daß es der Pforte bei geschicktem Manövriren doch vielleicht gelingen könnte, Deutschland von dem Dreikaiserbund loSzulösen und für sich zu gewin­nen. Die Blätter bringen jetzt allerlei Enthüllungen über die Gründe, die Ariftarchr's Abberufung veranlaßt hätten. Die Behauptung einiger Blätter, der Großvezier Mahmud erstrebe für den Fall seines späteren Rücktritts den Berliner Botschafterposten, ist irrthümlich und beruht auf einer Verwechslung. Wie ich früher gemeldet, hofft vielmehr der Minister des Auswärtigen Reschid Pasü a nach seinem späteren Rücktritt hier Botschafter zu werden. Auch bekäMpfte er früher schon Aristarchis ' Ernennung zum Botschafter. Einem Abendblatt zufolge soll Edhem j beauftragt fern, Seitens der Türkei einer europäischen Commission zu- ] zustimmen, die mit der Ausführung der Reformen beauftragt wäre. Es ist dies bekanntlich eine der Forderungen der Insurgenten, aber die ; Nachricht b-. darf der Bestätigung. Die Türkei hat die Welt bis jetzt - an rechtzeitige Zugeständnisse nicht gewöhnt. Doch wird sie sich unter (dem Druck der hier erwarteten Besprechungen wohl dazu bequemen : müssen. Ob es zu einer Intervention kommt, ist für die nächste Zeit ; noch immer füglich. Wiener Korrespondenzen beschäftigen sich damit ; und betonen, daß davon nur gefurochen werd.« könne, wenn Oestreich ! im Einverständniß mit anderen Kabineten und gleichsam als ihr Man- i datar eintrete. ES war aber stets nur von einer solchen Einmischung die Rede und bis vorgestern wollten offi^öfe Wiener Erklärungen von der Intervention im Allgemeinen noch immer nichts wissen. Man wird das Vorkcmmr. indessen mit der bezeichneten Einschränkung im Auge behalten wollen. Falsch ist die Behauptung, die Türkei habe selbst militärische Hülfe nachgesucht. Das türkische Rundschreiben vom 27. April beanspruchte bekanntlich nur die moralische Muhülfe der Mächte. Ueber dieses Rundschreiben enthalten Wiener Blätter noch immer irrthümliche Angaben. So wird u. A. behauptet, die Türkei habe darin die Mächte für den Kriegsfall verantwortlich gemacht. DiSraeli hat nun aber im Parlament bestätigt, die Türkei habe jede Kriegsabsicht in Abrede gestellt. Dazu will jene Angabe nicht passen, die überdies von Unterrichteten als unrichtig bezeichnet wird. Aristarchi hat inzwischen seine Abberufungsschreiben erhalten und eine Audienz bei dem Kaiser zur Ueberreichung derselben nachgesucht. Dieselbe hat heute noch nicht stattgefunden.

Berlin, 8. Mai. Wie dieTrib " hört, war die Abreise des Grafen Andraffy von Wien auf gestern (Dienstag) bestimmt festge­setzt; sechs Mitglieder des Auswärtigen Amtes begleiten ihn. Der Minister wird hier in der österreichischen Botichaft wohnen. Die Con- ferenzen finden beim Fürsten Bismarck statt, der Geheime Rath Bncher wird das Protokoll führen.

Berlin, 8. Mai. DieNordd. Allgem. Ztg." bezeichnet die durch die Blätter gegangenen Meldungen von Verhandlungen zwi­schen dem Finanzminister und dem Präsidenten des Eisenbahnamtes über den Ankauf der preußischen Bahnen, wobei Letzterer mit angeb­licher Zust mmung des Reichskanzlers die Bezeichnung des Kaufpreises begehrt habe, mit diesem Ansinnen aber bis zur Vorlegung einer Voll­macht von dem Reichstage und dem Bundesrathe abzewiesen sei, als aus der Luft gegriffen.

In Folge der aus Salonichi eingegangenen Nachrichten hat S. M. S. .Medusa", welches gegenwärtig im Mittelmeere auf einer UcbungSfahrt sich befindet, den Befehl erhalten, sich sofort von Messina «ach Salonichi zu begeben.

Gleichzeitig werden dort auch die russische und die österreichische Kriegsflagge vertreten sein, indem bereits von Petersburg und Wien Weisung ertheilt ist, daß sofort Kriegsschiffe dieser Mächte nach Sa­lonichi abgehen sollen.

Die Kommission deS Hauses der Abgeordneten für die Städte- ordnung hat sich in der zweiten Lesung dahin ausgesprochen, daß öag Dreiklassen-Wahlsystem in denjenigen Stadtgemeinden außer Anwendung bleiben soll, in denen zur Zeit eine Eintheilung der Wahlberechtigten nach Klassen oder Berufsständen nicht stattfindet. Dagegen wurde mit 10 gegen 10 Stimmen abgelehnt, daß auch in anderen Stadtgemeinden das gleiche Wahlrecht durch Ortsstatut eingeführt werden könne.

Königsberg, 8. Mai. Nach Schluß der Sonnabendandacht der Römisch-Katholiken in der katholischen Kirche scheint, nach derK.