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Ammer Ameiger.

Zugleich Amtlicher Orgau für Kreis und Stadt Hanau.

MMrint täglich mit Ausnahme der Gönn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und GamstagS mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

Dienstag den 2. Mai.

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1876.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts dahier.

Konrad S chak in Eckenheim beabsichtigt auf seinen an der Straße nach Preunqesheim belegenen Feldgrundstücken Karte H. Nr. 43 und 44 eine Talgschmelzerei anzulegen und hat hierzu um Genehmigung nach §. 16 der Gewerbe Ordnung nachgesucht.

Es wird solches mit der Aufforderung bekannt gemacht, etwaige Einwendungen gegen diese Anlage binnen 14 Tagen hier anzubringen, widrigenfalls nach Ablauf dieser Frist Einwendungen im Verfahren nicht mehr berücksichtigt werden können.

Die betreffenden Zeichnungen liegen in meinem Geschäftslokal zur Einsicht offen.

Hanau, am 27. April 1876.

Der Landrath.

Wagner Heinrich Röder auS Langenselbold, zuletzt in Bruchköbel wohnhaft, hat sich der Ernährung seiner Frau und dreier unmündiger Kinder entzogen und soll sich in der Umgegend von Frankfurt aufhal­ten. Es wird behufs Veranlassung der Heimweisung desselben um Nachricht gebeten.

Hanau, am 28. April 1876.

Zugelaufen: Ein schwarzer Hund mit weißer Schnauze und spitzen Ohren, weiblichen Geschlechts (welcher inzwischen 5 Junge ge­worfen). Empfangnahme bei Herrn Wilhelm Löschengruber in Langenselbold.

Hanau, am 27. April 1876.

Gefunden: Ein Zollstock. Ein Portemonnaie mit etwas Geld. Ein Regenschirm. Zwei Zulegemesser. Ein s. g. Kringel.

Verloren: Ein Hundemaulkorb.

Entlaufen: Ein brauner Hühnerhund mit 4 weißen Pfoten, weißer Brust; weiblichen Geschlechts.

Hanau, am 2. Mai 1876. _____________________________

Lagesschan.

r DerR. u. St.-A." Nr. 103 enthält: Bekanntmachung, be­treffend Abänderung des Betriebs-Reglements für die Eisenbahnen Deutschlands. Vom 24. März 1876.

Für die zur Zeit hierselbst schwebendende Untersuchung gegen diesozialistische Arbeiterpartei Deutschlands" wegen Verletzung deS Bereinsgesetzes ist eine vom Ober-Tribunal in einem Erkenntniß vom 5. April d. J. gegebene Definition des BegriffsVerein" im straf­rechtlichen Sinne von Interesse. Dieselbe lautet folgendermaßen:Der Richter ist rechtlich nicht gehindert, aus der Regelmäßigkeit der Ver­sammlungen einer bestehenden Vereinigung und der Leistung von Bei­trägen im Interesse eines bestimmten politischen Parteiprogrammes auf das Vorhandensein eines die Realisirung dieses Parteiprogramms ge­richteten Vereins zu schließen. Es würde dagegen auch namentlich der Umstand, daß den Versammlungen der einen Beitrag leistenden Mitglie­der auch sonstiger Gesinnungsgenossen beiwohnen dürfen und ein ständi- ger Vorsitz von den angeklagten Leitern der Vereinigung nicht geführt wird, kein Hinderniß abgeben, indem eS für den Begriff des VereinS nur auf das Bestehen einer Organisation zur Verwirklichung des Ver­einszwecks unter einer äußeren Leitung, nicht aber auf größere oder ge­ringere Jntensivität dieser Gliederung ankommt, und könnte deshalb selbst ein ständiger Wechsel in der Leitung der Vereinsangelegenheiten die jeweiligen augenblicklichen Vorsteher nicht von Erfüllung der gesetz- lichen Verbindlichkeit gegenüber der Polizeibehörde entbinden." In der strafgerichtlichen Untersuchung gegen die sozial-demokratischen Agi- tatoren Hasenclever, Ecks, Reimer, Hurlemann und Kapell, welche we­gen Vergehens gegen das Vereinsgesetz vom hiesigen Stadtgericht und sodann vom Kammergericht, unter definitiver Schließung, der von ihnen geleiteten Vereine (desAllgemeinen deutschen Zimmerbundes", der Ber- liner Ortsvereine desselben, sowie der Berliner Ortsvereine desAllge­meinen deutschen Arbeitervereins" und desAllgemeinen deutschen Mau­rer. und Sleinhauer-Vereins") zu Geldstrafen verurtheilt worden wa- ren, ist die gegen die verurlheilenden Erkenntnisse von den Angeklagten ' eingelegte Nichtigkeitsbeschwerde vom Ober-Tribunal in der Sitzung vom 1 7. April d. I. zurückgewiesen worden. (8t. u. St^Anzo ^ 1

Die Briessendungen rc. für S. M. S.Nymphe" sind bis inkl. 2. Mai er. nach Neufahrwasser, vom 3. bis inkl. 13. Mai er. nach Kiel, vom 14. bis HL 20. Mai cr. nach Eckernförde, vom 21. Mai bis inkl 27. dess. Mts. nach Kiel, vom 28. Mai bis inkl. 3. Juni cr. nach Saßnitz auf Rügen, vom 4. bis inkl. 10. Juni er. nach Neufahrwasser, vom 11. bis inkl. 17. Juni cr. nach Kiel, vom 18. bis inkl. 24. Juni er. nach Saßnitz auf Rügen, vom 25. Juni bis 1. Juli er. nach Warnemünde und vom 2. Juli cr. bis auf Weiteres nach Kiel zu dirigiren.

Wiesbaden, 1. Mai. Heute Vormittag um 11 Uhr ist die belgische Königsfamilie hier angenommen und am Bahnhöfe von sämmt- 5 lichen hier anwesenden Fürstlichkeiten empfangen worden. Heute Abend findet großes Diner zu Ehren der belgischen Majestäten statt. Nach der Ankunft des Königs der Belgier begaben sich Se. Majestät der Kaiser in Begleitung des Großherzogs und der Großherzogin von Baden nach Caub; dieselben werden mit der Kaiserin zusammentreffen und ge­meinschaftlich in Lorch dejeuniren, worauf die Kaiserin nach Coblenz und die andern Herrschaften nach Wiesbaden zurückkehren. Auf dem Bahnhof zu Rüdesheim nahm der Kaiser vom dortigen Bürgermeister Bericht über den gestrigen Unglücksfall entgegen, welcher sich als sehr b-deutend herausstellt; die Zahl der Todten beläuft sich auf mindestens 25, meistens Personen aus Rüdesheim, Bingen und Geisenheim; auch ein Fräulein Nachelsky aus Ostpreußen befindet sich unter den Todten. (N. Franks. Pr.)

(Zum 1. Mai.) Am 1. Mai 1776 wurde von Adam Weis- Haupt, Professor des kanonischen Rechts in Jngolstadt, der Illuminaten­orden gestiftet. Zu seiner Blütyezeit umfaßte der Orden mehr als 2000 Glieder. Der Zweck war, das Volk von dem anerzogenen Aber­glauben zu der Aufklärung des gebildeten Mannes hinüberzuführen und durch Beseitigung des kirchlichen Dogma und Kultus, sowie durch Ver­breitung des Desmus und einer republikanischen Denkart ein Vernunft­reich herzustellen. Unter dem Kurfürsten Karl Theodor wurde der Orden 1784 aufgehoben, allein der Geist und die Richtung desselben ließ sich mit Polizeiwaffen nicht unschädlich machen. Ein erbitterter Kampf wider die Kirche und Kirchlichgesinnten setzte sich fort. Die über dem Zwiespalt der Kirche erhabene Aufklärung, welche beabsichtigt worden, kam nicht zu Stande.

Kiel, 28. April. Die Korvette Gazelle, Kapitän v. Schlei- nitz, ist nach zweijähriger Abwesenheit in der Südsee heute glücklich hier eingelaufen. An Bord ist Alles wohl. («mu. stg.)

Je mehr die Erkenntniß durchdringt, daß zwischen der englischen und der deutschen Regierung das beste Einvernehmen in allen praktischen und politischen Fragen herrscht, je besonnener und billiger beurtheilt die englische Presse die innere und äußere Politik des Deutschen Reiches.

In Bezug auf die auswärtige Politik zollt sie seit geraumer Zeit dem Fürsten Bismarck volle Anerkennung für seine Bemühungen eine fried­liche Lösung der orientalischen Wirren durch allseitige Vermittlung her- beizuführen. In Bezug auf die innere Politik des Reiches spricht die Times heute in einem Leitartikel aus, daß die Eisenbahnvorlage ein neuer Beweis der Energie des Fürsten Bismarck und seines StrebeuS für die Einigung Deutschlands sei. Auf diesem Felde bethätige er aber­mals seine hohe Einsicht in das, was politisch und ökonomisch Deutsch­land noth thue. DerDaily Telegraph" hebt neben der ökonomischen Seite die einigende und strategische Wichtigkeit des Gesetzentwurfs her­vor und betont die Umsicht, mit der Deutschland trotz feiner Siege auf die Abwendung zukünftiger Gefahren bedacht sei. In einem andern Artikel setzt dieTimes" in Anknüpfung an römische Nachrichten über angebliche Unterhandlungen auseinander, wie undenkbar ein Ausgleich mit den Ultramontanen sei, so lange diese nicht die Hoheit des Staates aner kennen.

Ueber ein Schiffsunglück auf dem Rhein liegen folgende Te­legramme vor:

Bingen, Sonntag, 30. April, Abends. Heute Nachmittag platzte der Kessel des zwischen hier und Rüdesheim fahrenden Trajekt­bootes; die Zahl der durch diesen Unglücksfall ums Leben gekommenen Personen wird auf einige Dreißig angegeben.

Rüdesheim, Sonntag, 30. April, Abends. Dem Dampfkessel des an der hiesigen Landungsbrücke liegenden TrajektbootesLuise"