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und Samstags mit der Berliner Provmztal-Correspondenz.
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Mittwoch den 26. April.
1876.
Bekanntmachungen Königl. LandrathSamtS dahier.
Die Ehefrau des Schreiners Philipp G e i b e l in Bergen, Eva, geborene Ruppert, wird vermißt.
Mittheilung über deren Verbleib ist an die Ortspolizeibehörde in Bergen zu richten.
Hanau am 21. April 1876.
Theodor Wolf aus Windecken hat um Entlassung aus dem Preußischtn Unterthanen-Verband, behufs seines Ueberzugs nach England nachzesucht.
Hanau am 24. April 1876.
Gesunden: Ein Messer. Ein Portemonnaie mit Geld. Ein Rechnenbuch mit der Inschrift „A. Ihm". Ein Rechnenbuch mit der Inschrift „Elisabeths Link". Ein neuer Hundemaulkorb. Ein Notiz- buch. Ein goldener Ring.
Hanau, am 26. April 1876.
Zur Lage im Orient.
A. d. Schw. Merl.
Das „bischen" Herzegowina hat in der letzten Zeit wieder einmal mehr als nöthig von sich reden lassen. Ein paar Allarmartikel der für die Erhaltung der Türkenwirthschaft so zärtlich besorgten N. Fr. Pr. haben namentlich in Oestreich eine förmliche Panik hervorgerufen und auch in Deutschland hie und da eine gewisse Beklemmung verursacht, von den erneuerten Aengsten der chronischen Börsenhypo- chondrie ganz zu geschwngen. Glücklicherweise liegen uns die Dinge im Orient so fern und haben die Redensarten vom Weltbrand und vom ungenausten Zündstoff, vom Pulverfaß und vom Schwefelhölzchen durch Gewohnheit so sehr den Reiz der Neuheit eingebüßt, daß der Schrecken und die Beunruhigung, mit denen östreichischer Pessimismus bange Gemüther manchmal zu erfüllen sucht, noch schneller, als er gekommen, wieder zu verfliegen pflegt. Ein einziger nüchterner, unbefangener Blick auf die thatsächlichen Verhältnisse reicht in der Regel aus, um alle übertriebenen Befürchtungen auf ihr richtiges, bescheidenes Maß wieder zu reduziren. Die ganze Unruhe und Unzufriedenheit mit der orientalischen Politik der Mächte, die seit Monaten von Wien aus künstlich unterhalten wird, entspringt lediglich jener kurzsichtigen, leidenschaftlichen Ungeduld, unangenehme und störende Vorgänge um jeden Preis aus der Welt schaffen zu wollen, jenem Aerger über die Hartnäckigkeit, mit der die Dinge absolut nicht die Raison annehmen mögen, die man ihnen so gerne vorgeschrieben hatte Die Thatsache, daß einige „tausend halbbarbarische Hammeldiebe" kein Verständniß für das ungarische Friedenswerk zeigen, daß sie sich herausnehmen, aller Beschwichtigungsversuche ungeachtet, beleidigende Zweifel in die Versprechungen der Türken zu setzen und lieber bis zum letzten Blutstropfen weiter kämpfen wollen, als unter las erbarmungslose Joch ihrer Tyrannen und Unterdrücker zurückzukehren, ;st allerdings für das adelige Magyarenvolk, das in der großen Politik des östreichischen Kaiserstaates den Ton an« gibt, höchst unbequem. Aber wir wüßten nicht, worin in dieser Verlegenheit der ungarischen Staatsmänner, die wir gerne zugeben wollen, eine besondere Beunruhigung für die Welt oder gar eine Gefahr für die Erhaltung des Frieders liegen sollte. Nachdem alle Versuche, die aufständischen Slaven zur friedlichen Unterwerfung zu bringen, an der Macht der Verhältnisse definitiv gescheitert sind, liegt die Aufgabe der europäischen Diplomatie offenbar lediglich darin, dem unaufhaltsamen Abbröckelungsprozeß des Osmanenreiches seinen natürlichen Verlauf zu lassen, damit die Loslösung der süd-westlichen Gebietstheile von der todten Hand in Konstantinopel möglichst gefahrlos und unter Vermeidung übler Zwichenfälle sich vollziehen kann. Und es liegt keinerlei Grund zur berechtigten Vermuthung nahe, als ob hierüber unter den maßgebenden Staatsmännern des Drei-Kaiser bundes ein Einversiändniß nicht zu erzielen sei. Mag sein, daß die östreichischen Politiker die Aufrechterhaltung des ehemaligen Status quo lieber gesehen hätten als Rußland, vaß die Errichtung von trebutären Vasallenstaaten in Bosnien und Herzegowina von den über Kroaten und rumänische Slaven herrschenden Magyaren mit mißvergnügten Augen betrachtet wird; so- I ialo die unabwendbare Nothwendigkeit einer Lösung in dieser Richtung!
sich einmal herausgestellt hat, kann ein übereinstimmendes Handeln der beiden nächstbetheiligten Machte nicht weiter bezweifelt werden. Ob Rußland fernersehende Pläne noch in's Auge faßt und sich auf den weiteren Verfall des Osmanenreichs allmählich einzurichten gedenkt, kommt bei der gegenwärtigen Lage der Dinge sehr wenig in Betracht. Denn die Auflösung eines Reiches von dem Umfang der Türkei geht trotz aller Fäulniß und hoffnungslosen Erkrankung doch immer so außerordentlich langsam und zögernd vor sich, daß bei gutem Willen der Mächte es niemals an Zeit fehlen wird, ihre verschiedenartige Interessen von einem gemeinsamen Gesichtspunkt aus beständig unter einander auszugleichen. Hierbei atrr wird die bescheidene und schöne Aufgabe des uneigennützigen Vermittlers von dem Deutschen Reiche, als der am wenigsten betheiligten, und von redlichem FriedensbedürsM getragenen, stärksten Großmacht des Welttheils mit ruhiger Sicherheit gelöst werden können.
— Berlin, 25. April. Abgeordnetenhaus. (Fortsetzung.) Im weiteren Verlaufe der gestrigen Sitzung wurde nach einigen Bemerkungen des Abg. Dr. Bähr (Gaffel) der Gesetzentwurf, betreffend die Ablösung der Servituten in Schleswig-Holstein, der Agrarkommission überwiesen. Letzter Gegenstand der Tagesordnung war die zweite Berathung des Gesetzentwurf betreffend die Veränderung einiger Kreise in den Provinzen Preußen, Pommern.. Schlesien und Sachsen. Die Veränderungen in der Provinz Preußen wurden ohne Debatte bewilligt. In der Provinz Pommern wünschte Abg. Graf v. Königsdorff eine anderweitige Grenzregulirung des Kreises Rummelsburg. Nachdem der Referent Äbg. Rüppell den Standpunkt der Kommission, welche unveränderte Annahme der Borlage empfahl, vertreten und der Regierungs- kommissar Geh. R-'gierungs-Rath Herrfurth die Einwendungen des Abg. Frhrn. Dr. v. d. Goltz mit Hinweis auf die Beschlüsse der Kommission widerlegt hatte, wurden nach kurzen Bemerkungen der Abgg. v. Löper- Löpersdorff und Frhr. Dr. v. d. Goltz die übrigen Theile der Vorlage genehmigt, und darauf das Haus um 21/« Uhr bis Dienstag 1 Uhr vertagt.
In der heutigen (41) Sitzung gelangte ein Schreiben des Justiz- Ministers zur Verlesung, in welchem die Genehmigung des Hauses zur strafrechtlichen Verfolgung des Redacteurs der „Deutschen Eisenbahnzeitung" Joachim-Gehlsen me^en B leidigung des Hauses nachgesucht wird. Das Schreiben ging an die Geschäftsordnungs-Kommission. Beim Schlüsse des Blatts trat das Haus mit der Berathung des AntragS Knebel, betreffend die Gewährung von Staatszuschüsfm für ländliche Fortbildungsschulen, in die Tagesordnung ein.
(Fortsetzung folgt.) " ®t.-«->
— Der deutsche Kaiser wird am 1. Januar nächsten Jahres sein siebenzigjähriges militärisches Dienstjubiläum begehen. In den Offizierskreisen der deutschen Armee werden bereits jetzt Vorbereitungen getroffen, um den seltenen Ehrentag in würdiger Weise feiern zu können.
— Das unbefugte Verweilen in einem im gemeinsamen Besitze der Hausbewohner befindlichen Hausflur, wird, auch wenn der Zugang zu dem Flur durch keine Thür abzesperrt ist, als Hausfriedensbruch bestraft, wenn der Thäter auf die Aufforderung eines Hausbewohners sich nicht entfernt (Erkenntniß des Ober-Tribunals vom 29. März 1876.)
— S. M. S. „Luise" ist, telegraphischer Nachricht zufolge, am 24. d. M. von Melbourne in See gegangen. An Bord Alles wohl. Briefsendungen rc. für S. M. S. „Gazelle" sind vom 22. April cr. ab nach Kiel zu dirigiren.
— Der „Rhein. Cour." widerlegt jetzt die von demselben vor einigen Tagen gebrachte Nachricht aus Caub über ein sehr bedeutende« Vorrücken des Berges und eine erneut verfügte Räumung einer großen Anzahl Häuser. Die Messungen der letzten 10 Tage haben im Gegentheil eine Abnahme der b sh.rigen Bewegung konstatirt und -s fei nicht ein HauS weiter geräumt, sondern nur in einem Falle argeorbnet worden, daß ein geräumtes Haus nicht, wie es geschehen, wieder benutzt werden solle.
— Vom Rhein. Wie großen Schaden die Hochfluthen des Rheins angerichtet haben, dafür möge folgende Mittheilung als Beleg dienen. Das Dorf Mittel-Weiderich ist mit geringen Unterbrechungen