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Hanmer Inniger.
Zugleich Amtliches OvgKL^fLr Kreis mrd Stadt Hanau.
GrMriAt täglich mit Ausnahme der Gonu- und Feiertage, mit belletristischer (Beilage, und Samstags mit der Berliner Movinzial-Correspondenz.
Samstag den 8. April»
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10 Pfg. *
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1876.
Polizei-Verordnung.
Auf Grund des Gesetzes über die Polizei-Verwaltung vom 20. September 1867, wird nach Berathung mit der Stadtbehörde hierdurch angeordnet:
1) Die Besitzer von Hunden jeder Art sind verpflichtet dafür zu sorgen, däß ihre Hunde, sobald sich dieselben auf den Straßen oder sonst im Freien innerhalb der Gemarkung . Hanau befinden und nicht etwa an der Leine geführt werden, mit einem aus Draht gefertigten über die Schnauze hinausreichenden, das Beißen vollständig verhindernden Maulkorbe versehen sind.
2) Hunde, welche ohne einen solchen vorschriftsmäßigen Maulkorb betroffen werden und nicht an der Leine geführt sind, hat der Wasenmeister aufzufangen. Ausgenommen sind nur Jagdhunde während des Jagens.
3) Die aufgefangenen Hunde werden nach Verlauf von 3 Tagen getödtet, falls dieselben nicht innerhalb dieser Frist durch Erlegung von 30 Pfennigen Futterkosten für jeden Tag von den Besitzern ausgelöst werden.
4) Die ermittelten Besitzer der vorschriftswidrig betroffenen Hunde werden mit Geldbuße bis zu 9 Mark oder entsprechender Haftstrafe belegt.
5) Bei gleicher Strafe ist verboten Hunde auf den Friedhof, in öffentliche Wirthschaften und in andere Lokale, zu welchen Jedermann Zutritt hat, mitzunehmen oder dort umherlaufen zu lassen.
Diese Verordnung tritt mit dem 1. Mai d. I. in Kraft.
Hanau, am 3. April 1876.
Der Landrath.
Polizei-Verordnung.
Auf Grund des Gesetzes über die Polizei-Verwaltung vom 20. September 1867 wird nach Berathung mit der Stadtbehörde hierdurch angeordnet:
Composthaufen dürfen innerhalb der Gemarkung Hanau neben chaussirten Wegen und in nächster Nähe von bewohnten Gebäuden nicht angelegt werden. An anderen Orten im Felde sind dieselben stets mit Erde überdeckt zu halten.
Zuwiderhandlungen werden mit Geldbuße bis zu 15 Mark oder entsprechender Haft geahndet.
Hanau am 3. April 1876.
Der Landrath.
Der geisteskranke Johann Georg Heizenröther aus Sterbsritz ist aus dem Landkrankenhause hier entlaufen. Bekleidet war derselbe mit grauer wollener Jacke, grau gestreifter Drellhose, Hausschuhen, wollenen Strümpfen und weißleinenem Hemd. — Um Nachricht über dessen Aufenthalt wird ersucht.
Hanau am 4. April 1876.
Verloren: Ein goldenes Bracelett. Ein Zwicker in Schildkrott mit schwarzseidener Kordel.
Entflogen: 3 Kanarienvögel.
Gesunden: Ein Kinderschuh. Eine Damen-Manschette. Ein Strickzeug. Ern goldener Ring, zum Verschluß eines Medaillons gehörig. '
Zugelaufen: Ein schwarzer Dachshund.
Hanau am 8. April 1876.
Rundschau.
H. H. C. Die Volksvertretungen der deutschen Bundesstaaten sind jetzt fast alle bei der Arbeit. An allen Ecken und Enden hämmert und pocht es. Dieser Tage werden die Abgeordneten nun zwar das gesetzgeberische Werk einstellen, aber nur, um es bald nach den l
Osterfeiertagen wieder aufzunehmen. — Das preuß. Abg.-Haus hat vorige Woche, gelegentlich der ersten Lesung des Berichtes der Untere suchungskommission über das Eisenbahnkonzessionswesen, den erfreulichen Beschluß gefaßt, auf die Abänderung desselben sowie des Aktienwesens, behufs Verhinderung unsittlicher Gründern, hinzuwirken, und vom Ministertische aus wurde im Allgemeinen eine zustimmende Antwort gegeben. Der Gesetzentwurf, betr. Gewährung einer Zinsgarantie für die Bahn Halle»Sorau-Guben, wurde nebst noch 2 anderen minder wichtigen Vorlagen der Budgetkommission überwiesen, ebenso der Bericht der Staatsschuldknkommission. Die Vorlage, betr. Einverleibung des Herzogthums Lauenburg in Preußen, wurde auch in 2tev Lesung genehmigt, wenn auch mit verschiedenen Aenderungen. Lauenburg heißt - danach „Kreis Lauenburg" und wird zur Provinz Schleswig-Holstein geschlagen. — Das bayerische Abg.-Haus beräth noch immer am Budget. Als Intermezzos werden hier und da Einträge und Interpellationen gestillt. So stellte der Abg. Grießenbeck einen Antrag auf Ver- einfachung der Verwaltung und Verminderung des Verwaltungsbeam- renpersonals, und so interpellirte der Abg. Heer, wann wohl die Steuerreformgesetz.Vorlage gemacht werde. Das Hundesteuergesetz wird diese Woche noch zur Verhandlung kommen. — In den württembergi- schen Kammern kam, wie bekannt, die Reichseisenbahnfrage aus's Tapet. Obgleich nun die Regierung sowohl, als auch Abgeordnetenhaus und Herrnhaus sich entschieden (Ersteres mit 78 gegen 6 St., Letzteres einstimmig) gegen den Ankauf von Eisenbahnen durch das Reich aus- sprachen, so ist man doch in den norddeutschen reichseisenbahnfreund- lichen Kreisen keineswegs verstimmt über dieses Votum, weil sich nämlich die 3 gesetzgebenden Faktoren Württemberg's bei dieser Gelegenheit zugleich für die Schaffung eines ReichseisenbahngesetzeS aussprachen, also die Nothwendigkeit einer gewissen Centralisation des Eisenbahnwesens anerkannten, welches Zugeständniß man als einen ersten Schritt auf dem Wege zur Gutheißung des Reichseisenbahnsystems ansieht. Eine Ansicht, die sicherlich sehr sanguin ist. — Dem sächs. Abg.-Haus wurde eine Vorlage über das Verhältniß zwischen Staat und kathol. Kirche gemacht. Dieselbe ist ziemlich scharf eingreifend und gibt Alles das auf einmal, was in Preußen durch die Maigesetze und später stückweise geliefert wurde. — Fürst Bismarck feierte am 1. April seinen 61. Geburtstag. Daß die Beglückwünschungen zu Tausenden einliefen, kann man sich denken. — Das Reichsgesetz, betr. der Hülfskassen, an dessen Zustandekommen man bereits zu zweifeln anfing, ist dieser Tage auch vom Bundesrathe genehmigt worden. Zur selben Stunde gelangte auch die betr. Kommission des preuß. Abg.-Hauses mit der Vorbe- rathung der evangel. Kirchenverfassung für die 8 östlichen Provinzen Preußens zu Ende, und zwar genehmigte sie dieselbe mit 10 gegen 7 Stimmen, unter diesen 7 sind 5 Fortschritiler. Das Domkapitel zu Münster wurde zur Wahl eines Büthumsverwesers vom Oberprä,identen aufgefordert.
In Oesterreich hegt man jetzt die beste Hoffnung, daß die soeben begonnenen Konferenzen zwischen den c-s und translerthamschen Ministern über die Erneuerung des Ausgleiches diesmal zu einer Limgung führen werden. . . .
Die italienischen Kammern haben sich bis zum 25. April vertagt. Das neue Kabinet hat jedoch vor Thorschluß noch bewen durch den Ministerpräsidenten Depretis sein Programm zum Besten gegeben. Danach soll das Wahlgesetz im Sinne der Freiheit abgemdert werden, sollen die Deputirten unabhängig und unverletzlich, die Staatsbeam en verantwortlich sein, soll die finanzielle Lage der Beamten ^verbessert, der Richterstand unbedingt unabhängig gemacht werden, sollen ^. etz- entwürfe betr. größerer Sicherung d-r Gewssenssrethert und betr. der Verwaltung des Kirchenvermögens cingebracht, soll eine Steuerreform voraenvmmen und sollen die Handelsverträge im Sinne der Handelsfreiheit geprüft werden. Die Gegner machen diesem Programm den Vorwurf, daß es nur sehr allgemein gehaltene Versprechen enthalte. Die Liberalen und Radikalen aber setze--. große Hoffnungen in die Leistungen des Kabinets Depretis, welches ja einige Leute enthält, welche Freunde der republikanischen Staatsform und Dutzbrüder Garibaldi's sind.