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noch hinzu, daß eskein schlechtes Zeichen ist, wenn Lehren von so vorzüglicher Qualität, wie solche die Altkatholiken sich zu eigen gemacht haben, nicht zu Massenübertritten veranlassen; denn es beweist nur, daß diese Lehren nichts Neues, daß sie dem gesammten Klerus, dem Volke eigenthümlich sind, und nur über ihre Anwendung eine Verschiedenheit der Ansichten besteht." (R. u. It^Anz.)

Frankfurt a. M., 29. März. Die Stadtverordnetenver­sammlung hat, nach demFrkf. I.", in ihrer gestrigen Sitzung mit 34 gegen 5 Stimmen eine Resolution angenommen, welche ausspricht daß die neue Städte-Ordnung, insbesondere aber das Dreiklassen-Wahlsystem sich für die hiesigen Verhältnisse nicht eigne. Von dieser Kundgebung soll dem Minister des Innern, sowie den beiden Häusern des Landtages Mittheilung gemacht werden.

Aus Kostheim wird berichtet, daß dort am 27. ds. Nach­mittags ein Knabe von 8 Jahren Hand an sein Leben legen wollte. Er hatte sich auf dem Abort an einem Nagel aufgehängt, wurde aber noch rechtzeitig entdeckt, abgeschnitten und wieder ins Leben zurückge­rufen.

Darmstadt, 28. März. Ein hiesiger am Typhus erkrankter Bürger K. wurde gestern ins Bürgerhospital gebracht. Im Delirium stürzte sich derselbe aus dem oberen Stockwerk auf die Straße und blieb auf der Stelle todt.

München, 29. März. In seiner gestrigen Sitzung hat der besondere Ausschuß zur Berathung des Gesetzentwurfes,eine Abgabe für das Halten von Hunden betreffend", den Wortlaut des Gesetzes, wie dieses der Kammer vorzuschlagen sei, festgesetzt; die in unserem gestrigen Berichte mitgetheilte Abgabenskala wurde beibehalten und, ab­gehend von früheren Aufstellungen, beschloss.«, daß nach Abzug der er­wachsenden Kosten für Hundezeichen, Visitationen rc. von der Brutto- Einnahme dem Staate und der betreffenden Gemeinde je fünfzig Pro­zent des Nettobestandes zuzufallen haben.

Pest, 29. März, Abends. In der heutigen Sitzung des Un­terhauses beantwortete der Minister-Präsident Tisza eine Interpellation wegen der eventuellen zwangsweise« Heimsendung der Flüchtlinge aus der Herzegowina dahin, daß die bisherige Gastfreundschaft nicht ver­pflichten könne, auch dann noch schwere Opfer zu bringen, wenn den Flüchtlingen die Heimkehr möglich geworden sei. Die Sitzungen des Unterhauses sind bis zum 20. April vertagt worden. (« u. St^Anz.)

DerNeue Sozialdemokrat" bringt ein Verzeichniß sozialisti- stischer Zeitschriften, dem zufolge die sozialistische Presse gegenwärtig zählt: in deutscher Sprache 42 Organe, in französischer Sprache 7, in italienischer 5, in holländischer, serbischer und russicher Sprache je 3, in czechlscher 2, in englischer, dänischer, spanischer, portugiesischer und griechischer Sprache je 1 Organ, zusammen also 70 Organe.

Paris, 29. März. Der Konseilpräsident Dufaure und der- Minister des Innern, Ricard, haben sich in der Kommission des Senats gegen eine allgemeine Amnestie ausgesprochen, dagegen für Begnadigung Einzelner.

DerMorning Post" zufolge sind die Berichte über eine Reise der Kaiserin Eugenik und des Prinzen Louis Napoleon nach Deutsch­land aus der Luft gegriffen und hat weder sie noch der Sohn Chisle- Hurst verlassen.

London, 29. März. DemEvening Standart" zufolge hat die Firma Streckeisen, Bischoff and Compagnie von der Seidenbranche, Great, Winchester buildings, London, ihre Zahlungen eingestellt. Die Passiva sollen 120,000 Pfd. Sterling betragen.

St. Petersburg, 25 März. Zur festlichen Begehung des Geburtstages des deutschen Kaisers hatten sich am Mittwoch gegen 200 Angehörige des deutschen Reiches in dem festlich geschmückten Saale des Hotel Demuth versammelt. Die gehobene Stimmung, welche, wie in früheren Jahren, so auch diesmal unter den Anwesenden herrschte, äußerte sich zunächst in der lauten Begeisterung, in welcher das vom General von Schweinitz ausgebrachte Hoch auf den Kaiser Alexander von Rußland ausgenommen wurde. Dem ersten Toast folgte die von der Versammlung stehend mitgesungene russische Nationalhymne. Der zweite der offiziellen Toaste galt dem Heiden des Tages, dem Kaiser Wilhelm, dem Hort des auf blutigen Schlachtfeldern siegreich erkämpf­ten Friedens, der dritte dem deutschen Reiche, schloffen sich an jenen die Klänge des Heil Dir im Siegeskranz, so folgte diesem Die Wacht am Rhein, wie immer die schon hochgehenden Wogen der Begeiste­rung der Versammlung noch steigernd. Auch der letzte der offiziellen Toaste, welcher dem General von Schweinitz und den übrigen anwesen­den Vertretern des deutschen Reiches galt, wurde nach denHamb. Nachr." mit lautem Jubel ausgenommen.

Moskau, 23. März. Hier, wo das Herz des großen russ. Reiches schlägt, wie der Moskowiter im Gegensatze zu St. Petersburg gerne bemerkt, indem er für die Residenz a. d. Newa die moderne Zi­vilisation mit ihrer Pracht und Macht als dem Haupt des Landes gebührend, nicht ganz neidlos gelten läßt; hier, unter nahe an 200 Landsleuten der deutschen Kolonie des Kaisers Geburtstag festlich zu begehen und Zeuge zu sein von dem festen Bande, das dieser Tag um

die Deutschen auch an diesem östlichen Posten schlingt, ist sicherlich eine Freude für Jeden, dem sie zu Theil geworden. Im Slawjanski Bazar, dessen Festsaal in rein russ. Stile die Veriammlung bei jedem Blicke gemahnt, wie nahe wir hier dem Osten sind, inmitten eines gastfreien und gemüthreichen Volkes, herrschte an diesem Tage die deutsche Sprache in Wort und Lied; Trinksprüche und Gesänge der Liedertafel in freier Abwechselung. Deutsche und russ. Flaggen, die Büsten der beiden Kaiser schmückten den Saal. Ihnen, die neben den verwandtschaftlichen Banden durch sympathische Gefühle sich so nahe stehen in gegenseitiger Achtung und wahrer Freundschaft, galten die ersten warmen Toaste und weitere schlössen sich, nach hiesiger Sitte, dann an. Nicht allein Geschäftsleute, unter denen fast alle Landsmannschaften vertreten waren, darunter wieder Schwaben nicht zum kleinsten Theile, auch russ. Eisen­bahn- und Telegraphenbeamte deutscher Nationalität waren mit herbei- gekommen, z. B. von Nischnei-Nowgorod in 15stündiger Eisenbahn- fahrt, des Kaisers Geburtstag unter Landsleute» zu begehen. (Schw. M-M

Philadelphia, 10. März. Der Weltausstellungsplatz ist jetzt für Besucher geschlossen und wird erst am 10. Mai wieder eröffnet werden. In der Stadt wird es immer lebendiger und fort und fort kommen Massen von Ausstellungsgegenständen an, die sogleich an ihre bestimmte Plätze gebracht werden. Ueberall wird auf das fleißigste gearbeitet, damit der Eröffnung am 10. Mai nichts mehr im Wege steht.

Eine Depesche derTimes" aus Philadelphia meldet die daselbst erfolgte Ankunft des DampfersHammonia" aus Hamburg mit den Ausstellungs Kommissären der Schweiz und 1200 Tonnen Aus- stellungsartikeln aus der Schweiz. Deutschland, Oesterreich, Dänemark und Aegypten. Gleichzeitig ist derNederland" aus Antwerpen mit dem belgischen Kunstkommissar und 960 Kisten aus Belgien, Rußland und Deutschland angekommen.

Lokales von hier und Umgegend, sowie Provinzielles.

Hanan, 31 März 1876.

Soeben wird uns die erfreuliche Nachricht, daß Herr Oberleh­rer Becker mit Einstimmigkeit zum Nealschul-Direktor gewählt wor­den sein soll.

Einer der drei letzten würdigen Veteranen, die als Kurhess. freiwillige Jäger den Krieg gegen Frankreich mitmachten, und welcher noch beim letzten Erinnerungstage imCarlsberg" vorigen Jahres mitfeierte, Herr Oberamtsrichter a. D. Mülhause zu Steinau, wurde gestern zur großen Armee abberufen und befinden sich noch zwei seiner Kameraden, Herr Rentner Etienne Gärtner, sowie Herr Buchhalter a. D. Franz Limbert, beide dahier, am Leben.

Das gestern Abend im Saalezur großen Krone" für die unM glücklichen Schönebecker Seitens des Weins'schen Gesangvereins, unter freundlicher Mitwirkung einiger Damen, aufgefübrte Concert bot des Genusses viel. Abgesehen ron den vollendet gesungenen Chören, des Duetts ausEine Nacht auf dem Meere" und der SolopartieDer Wirthin Töchterlein", welche Vorträge mit reichen Beifallsbezeugungen ausgenommen wurden, fanden auch die von einigen hiesigen Damen, unter Mitwirkung des Meister Lucan vier- und achthändig gespielten Klavier- pieyen, sowie die beiden Deklamationen unserer beliebten Frl. Lösser, von denen insbesondere die letztere unsere junge Damenwelt sichtlich er­freute, die allerbeifälligste Aufnahme. Auch der edle Zweck, den der Weins'sche Gesangverein mit diesem Concert im Auge hatte, war, bei einer äußerst zahlreichen Zuhörerschaft, vom besten Erfolge gekrönt und somit der doppelte Zweck erreicht: unserem kunstliebenden Publikum ei­nen genußreichen Abend geboten und die unglücklichen Schönebecker in ausgiebigster Weise unterstützt zu haben.

Interessenten zur Nachricht, daß von morgen (1. April) ab das Postschalter Morgens um 7 Uhr für den Verkehr geöffnet ist.

Gestern machte ein frecher Eindringling den Störchen auf dem Horn und Götz'schen Hause einen Besuch in der Absicht, die berech­tigten Insassen aus dem Reste zu vertreiben. Das Storchenpaar be­kämpfte den in so unlauterer Absicht gekommenen Stammesgenossen aufs kräftigste und trieb ihn zur Flucht. Eine Anzahl Leute beobachte­ten von der Straße aus dieses Vorkommniß.

Wie uns mitgetheilt wurde, soll das Mädchen, dessen Auffindung im Stadtgraben unser gestriges Blatt meldete, zum Theile durch die Prophezeihungen einiger Kartenschlägerinnen zu diesem verzweifelten Schritte getrieben worden sein. Die Betreffende verlangte von diesem Orakel" Auskunft, wie eS ihr im Ehestand ergehen würde und zu­fälligerweise soll sie von den Kartenschlägerinnen über diesen Punkt be­trübende Nachrichten erhalten haben. So bedauerlich es auch sein muß, daß bei unserem guten Volksschulunterricht noch irgend Jemanden zu solch lächerlichen Mitteln greifen kann, um etwas über die Zukunft zu erfahren, so verwerflich ist eS auf der anderen Seite, daß es noch Per­sonen gibt, die in gewinnsichtiger Weise ein solch nichtsnutziges Geschäft betreiben, dessen Ausübung man allenfalls nur noch bei einem alten halbwilden Zigeunerweibe suchen sollte. Nicht allein strenge Rügen, sondern exemplarische Strafe verdienen Solche, die, wie schon gesagt, in