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Hanmer Anzeiger.
Zugleich Amtliches Orga» für Kreis und Stadt Hasan.
Erscheint tsZlich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Lorrespondenz.
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M 76.
Donnerstag den 30. März.
1876.
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T a g e s s ch a n.
— Berlin, 29. März. Abgeordnetenhaus. (Fortsetzung.) In der heutigen (35) Sitzung wurden nach einigen geschäftlichen Mittheilungen des Präsidenten eine große Anzahl von Petitionen auf Antrag der betreffenden Kommissionen zur Erörterung im Plenum für ungeeignet erklärt. Es folgte der Bericht der Spezialkommission zur Untersuchung des Eisenbahnkonzessionswesens. Hierzu beantragten die Abgg. Dr? Lasker und v. Köller:
Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen:
Indem es von dem Bericht der „Spezialkommission zur Untersuchung des Eisenbahnkonzessionswesens" von den in demselben dar- gestellten Mißständen und den hieran sich anschließenden Borschlägen Kenntniß nimmt:
I. in Betreff des Eisenbahnkonzessionswesen und des Eisenbahn- baues a. die Erwartung auszusprechen, daß die Königliche Staatsregierung darauf Bedacht nehmen werde, den Mißständen, welche beim Privateisenbahnbau wahrgenommen und in Folge von Scheinmanipulationen und Umgehungen des Gesetzes ermöglicht worden sind, mit den Mitteln der den Staatsbehörden anvertrauten Konzessionsbefugniß und Aufsicht über den Eisenbahnbau entgegenzutreten; b. von weiteren Beschlüssen aber mit Rücksicht darauf, daß die von der Königlichen Staatsregierung eingebrachten und angekündigten Gesetzesvorlagen die Erörterung der in dem Bericht bargelegten Gesichtspunkte in Aussicht stellen, zur Zeit Abstand zu nehmen;
II. in Betreff des Aktienwesens die Königliche Staatsregierung aufzufordern, dahin zu wirken, daß die Reform der Gesetze über das Aktienwesen im Sinne a eines besseren Schutzes aller im öffentlichen Interesse gegebenen Gesetzesvorschrrften; b. der verstärkten Verantwortlichkeit aller bei Gründung. Leitung und Beaufsichtigung des Unternehmens betheiligten Personen; c. einer selbständigeren und wirksameren Kontrole über die Verwaltung; d. der leichteren Ver- solgbarkeit der Uebertretungen der im öffentlichen Interesse gegebenen Vorschriften
durch die Reichsgesetzgebung baldigst in Ancriff genommen werde.
Zunächst ergriff das Wort der Abg. v. Köller und führte aus, daß auf Grund der Königlichen Botschaft der vorliegende Bericht nicht eine Sammlung pikanter Enthüllungen, sondern die Klarstellung der durch das Systm Strousberg hervorgerufenen Mißstände enthalte, und daß die Direktive für die Korrektur in demselben gegeben sei. Nachdem der
Abg. v. Tempelhoff gesprochen, nahm beim Schlüsse des Blattes das Wort Abg. Dr. Lasker.
(Fortsetzung folgt.) (R. u. St.-A.)
— Berlin, 28. März. Die Bestimmungen über die Reise des Kaisers nach Wiesbaden und Baden sollen noch vom Wetter abhängig gemacht werden.
— Auch in der Times wird der Geburtstag des deutschen Kaisers freundlich besprochen. Selbst wenn der Kaiser bereits seine Laufbahn abgeschlossen hätte, sagt das leitende Blatt u. a., wäre sie als eine der wunderbarsten dieses Jahrhunderts zu bezeichnen. Sein Name wird auf ewige Z iten in der deutschen Geschichte im Zusammenhang mit den Ereignissen im Andenken leben, welche Deutschland über alle Besorgniß vor Frankreich erhoben und aus einem Bündel Staaten zu einer Nation gemacht haben. Der Kaiser mag sich noch dunkel an die schreckliche D-müthigung erinnern, welche der Tag von Jena über das überwundene Preußen hereinbrachte. Es ist interessant, daß er als Jüngling dann in der Armee diente, welche das erste ungefüge Vorbild der gewaltigen Maschine darstellte, die er selbst in seinen späteren Lebensjahren vervollkommnete, daß er zu Anfang und Ende seiner Laufbahn gegen Frankreich zu Feld zog und daß er, nachdem er sich bereits in dem Heere ausgezeichnet, welches den ersten Napoleon stürzen half, selbst ein halbes Jahrhundert später die Uebergabe Napoleon's III. entgegennahm. Es wäre schwer, eine dramatisch so abgeschlossene Laufbahn zu finden.
— Köln. An acht neuen Forts sind seit fast 14 Tagen die Arbeiten wieder aufenommen und werden fleißig gefördert. Einige dieser neuen Festungsbauten, bei welchen überhaupt ca. 3000 Maurer und Erdarbeiter in nächster Frist beschäftigt werden dürften, sind der Vollendung nahe. 6 Pulvermagazine werden im Juli fertig gestellt.
— Bessungen, 28. März. Gestern Abend fand man in der Pferdeschwemme der Artillcriekasern. die Leiche eines seit etwa 4 Wochen vermißten Soldaten.
— Babenhaufen, 25. März. Am Mittwoch hat sich dahier ein Soldat des hier garnisonirenden Dragoner-Regiments Nr. 23 erschossen. Derselbe war aus Bayern gebürtig und wurde gestern beerdigt. Das Motiv zu dem verzweifelten Entschlüsse ist nicht bekannt.
— Aus Bayern, den 27, März. Die lib. Münch. Nachr. theilen die Hauptstellen der Motive der Reichseisenbahnvorlage mit und fügen daran vom bayer. Standpunkte aus folgende Bemerkungen: „Hieraus ist ersichtlich, daß Preutzen die Idee der Uebertragung seiner eigenen Bahnen an das Reich nicht zu dem Zwecke gefaßt hat, den eigenen Einfluß auf Kosten der deutschen Bundesstaaten zu verstärken, sondern im Gegentheil durch Aufgabe der Eigenthumsrechte an preuß. Staatsbahnen und Uebertragung betreiben an das Reich die Jnkonve- nienzen, welche eine konsequente preußische StaatSbahnpolrtik für d:e von dem preußischen Bahnnetz beeinflußten Eisenbahnen deutscher Bundesstaaten mit sich führen würde, zu vermeiden. Der Grundgedanke des Projektes wäre mithin ein solcher, welcher sich weit eher der Zustimmung der deuischen Bundesstaaten erfreuen müßte, als ihren Wiüer- stand hervorrufen. Em Blick auf die Karte genügt, um zu zeigen, baß die bayerischen Eisenbahnen von dem Reichseifenbahnprosikc zunächst gänzlich unberührt bleiben. Für Preußen liegt der Schwerpunkt der ganzen Freue darin, daß die einheitliche Leitung seines Staatsbahn- netzes, welche ihm bei der gegenwärtigen Sachlage, wo dieses Netz durch Bahnen anderer Bundesstaaten vielfach unterbrochen wird, unmöglich gemacht ist, durch Zusammenfassung des gesammten in Betracht kommenden Eisenbahnkomplexes in der Hand des Reiches ermöglicht wird. Von diesem Standpunkte aus erscheint uns eine prinzipielle Gegnerschaft Bayerns gegen das Zustandekommen des Projektes im Bundesrathe nicht angezeigt. Bayern hat offenbar kein Interesse daran, Preußen auf den in den Motiven zum Gesetzentwurf klar angedeuteten Weg zu drängen, daß es den Einfluß auf die ihm hinderlichen deutschen Bahnen, welchen es in der Hand des Reiches zu konzentriren geneigt ist, sobald dieses ein solches Arrangement zurück weist, durch volle Ausübung der ihm zu Gebote stehenden Macht für sich selbst erwirbt. Die Motive zeigen deutlich, daß es vollständig in Preußens Belieben liegt, den d.:rch