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Hamuer Anzeiger.
Zugleich Amtlicher Orgax für KreiS und Stadt Haus«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner VrovinUal-Correspondenz.
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Montag den 27. März.
1876
Bekanntmachungen SämgL Landrathsamts dahier.
Die Herren Ortsvorstände werden auf das vom Herrn Landes- Direktor aufgestellte Formular zu Aufnahmen in das Landkrankenhaus aufmerksam gemacht. Dies Formular ist als Separat-Anlage in Nr. 13 des Amtsblattes pro 1876 veröffentlicht.
Die Herren Ortsvvrstände werden veranlaßt, nur das qu. Formular fortan zu benutzen. Dasselbe kann im hiesigen Waisenhause bezogen werden.
Hanan am 24. März 1876.
T a g e s s ch a u
— Dem Hause der Abgeordneten ist der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Uebertragung der Eigenthums- und sonstigen Rechte des Staates an Eisenbahnen auf das Deutsche Reich, vorgelegt worden. Derselbe hat folgenden Wortlaut:
§. 1. Die Staatsregierung ist ermächtigt, mit dem Deutschen Reiche Verträge abzuschließ-n, durch welche 1. die gesummten im Bau oder Betriebe befindlichen StaatSeisenbahnen nebst allem Zubehör und allen hinsichtlich des Baues oder Betriebes von Staatseisenbahnen bestehenden Berechtigungen und Verpflichtungen des Staates gegen angemessene Entschädigung kaufweise dem Deutschen Reiche übertragen werden; 2) alle Befugnisse des Staates bezüglich der Verwaltung oder des Betriebes der nicht in seinem Eigenthum stehenden Eisenbahnen, sei es, daß dieselben auf Gesetz, Konzession oder Vertrag beruhen, an das Deutsche Reich übertragen werden; 3) im gleichen Umfange alle sonstigen dem Staate an Eisenbahnen zustehenden Antheilsund anderweiten Vermögensrechte — gegen angemessene Entschädigung
— au das Deutsche Reich abgetreten werden; 4) ebenso alle Verpflichtungen des Staates bezüglich der nicht in seinem Eigenthum stehenden Eisenbahnen vom Deutschen Reiche gegen angemessene Vergütung übernommen werden, und 5) die Eisenbahnaufsichtsrechte des Staates auf das Deutsche Reiche übergehen.
§■ 2. Bezüglich der im §. 1 unter 1, 3 und 4 erwähnten Vereinbarungen bleibt die Genehmigung der beiden Häuser des Landtages Vorbehalten.
— Se. Durchlaucht der Fürst von Bismarck, Chef des 1. Magdeburgischen Landwehr-Regiments Nr. 26, ist zum General der Kavallerie befördert worden.
— Die kürzlich angeregte Frage, betreffend die Errichtung einer staatlichen Hochschule für darstellende Kunst (Theaterakademie), hat eine große Anzahl von Gesuchen hervorragender Bühnenleitungen nicht nur aus Preußen, sondern auch aus anderen deutschen Staaten zur Folge gehabt. Wie wir hören, sind diese Eingaben augenblicklich Gegenstand der Prüfung im Cultusministerium, dessen Chef einen seiner Räthe mit der Berichterstattung beauftragt hat. Im Uebrigen sind die Meinungen über Bedürfniß und voraussichtliche Resultate in Regierungskreisen sehr getheilt, zur al ein ungefährer Voranschlag die Kosten sehr beträchtlich erscheinen läßt und andererseits auch eine ausreichende Beschaffung genügender Lehrkräfte, die bereits in Erwägung gezogen, Schwierigkeiten zu bieten scheint. (Tue.)
W — Im preuß. Abgeordnetenhaufe ging am 25. d. M. Nachmittags vom Internationalen Post- und Tetegraphenbureau in Bern folgende telegraphische Anweisung ein: „Telegraphische und postalische Verbindung mit Mexiko durch Revolution unterbrochen. Keine Telegramme mehr annehmen."
— Eine Anzahl von Abgeordneten, die bis jetzt ein Doppel-Mandat, zum Abgeordnetenhause und Reichstage, inne haben, werden auf eines dieser Mandate für die nächste Session verzichten. Im Abgeordnetenhause ist u. A. ein Abgeordneter, der dem Landtage, dem Reichstage, dem Kreis- und Provinziallandtage, der Provinzial- und General- synode angehört, zugleich Amtsvorsteher, Standesbeamter, Vormund und zur Zeit sogar Geschworner.
— Die vielfach übliche Veröffentlichung von Fahrplan-Aendernugen lediglich unter Angabe der Nummer der betreffenden Eisenbahnzüge ohne weiteres Merkmal, insbesondere ohne alle Bezeichnung von Abgangszeit und Abgangsstation, bezw. Ankunftszeit und Ankunftsstation, erweist sich i
als ungenügend, indem die Zugnummern aus dem Coursbuche nicht ersichtlich und die vollständigen Fahrpläne, namentlich dem von den Eisenbahnstationen entfernter wohnenden Publikum, meist nicht zur Hand sind. Das Reichs-Eisenbahnamt hat deshalb Anlaß genommen, beiden Bundesregierungen — exkl. Bayerns — auf entsprechende Abhülfe hinzuwirken.
— München, 24. März. In der heutigen Sitzung der Abgeordnetenkammer wurde der Antrag der Abgg. Stief u. Gen. auf Aufhebung des Schulgeldes bei den Volksschulen nach längerer Debatte mit 78 gegen 69 Stimmen abgelehnt. Der Kultus-Minister v. Lutz hatte sich bei der Berathung mit dem Antrag im Princip einverstanden erklärt.
— München, 24. März. Um die bisher bei den Depots der in Metz stehenden Infanterie-Regimenter Nr. 4 und 8 kommandirten aktiven Offiziere für den Truppendienst verfügbar zu machen, hat das Kriegsministerium bei dem zur Zeit bestehenden beträchtlichen Mangel an Offizieren in der daher. Armee beschlossen, bei genannten Stellen penfionüte Offiziere in Verwendung zu nehmen. — Zur Einhaltung der gesetzlichen Friedenspräsenzstärke soll mit Rücksicht auf die Erhöhung der Etatsstärke der Pionierbataillone (um 120 Gemeine) und der Eisenbahn-Kompagnie (um 1 Vizefeldwebel, 5 Unteroffiziere, 3 Gefreite und 23 Gemeine) eine Verrmgerung der Etatsstärke sämmtlicher Kavalerie-Regimenter um 2 Mann und Pferde per Eskadron, also um
zusammen 100 Mann und Pferde, eintreten.
(Augsb. Abdztg.)
— W ürzburg, 23. März. Vor dem hiesigen Bezirksgerichte stand gestern der Hantelsmann Leopold Bamberger, der durch seine Wechselgeschäfte mit der Studentenschaft von allen deutschen Universitäten in Verbindung stand, in Folge dessen denn auch von Leipzig, Erlangen, Marburg, Greifswald u. s. w. Studirende als Zeugen hierher gekommen waren. Die Anklage lautete auf 5 Verbrechen und 13 Versuche des Verbrechens der Privaturkunden-Fälschung, sowie auf 14 Vergehen der Benachtheiligung minderjähriger Personen. Bamberger legte seinen Kontrahenten in der Regel Blanketts zur Unterzeichnung vor, die er dann nachträglich erst ausfüllte. Die Staatsbehörde enthüllte ein wahrhaft schauerliches Bild über die Thätigkeit dieses Wucherers und beantragte 8 Jahre Zuchthausstrafe; das Urtheil wird erst in einigen Tagen verkündigt werden. (®<6«. stert.)
— Würzburg, 24. März. Gestern Nachmittag stürzte ein im Bau begriffener Eis-Keller im Kühbachsgrund ein und begrub fünf Arbeiter. Von diesen sind einer leicht und drei schwer verletzt, der fünfte war bis Abends 8 Uhr noch nicht aus dem Schütte befreit, so daß dessen Tod wohl vorauszusehen ist.
— Der „Politik" zufolge hat die Präger Statthalterei an die k. k. Bezirkshauptmannschaften einen Erlaß ergehen lassen, worin es heißt: Gutem Vernehmen nach hat die serbische Regierung in Berlin 60,000 Chassepot-Gewehre und die dazu gehörige Munition auf Kredit angekauft und steht im Begriffe, den Bezug dieser Waffen zu bewirken. In Folge dieses Erlasses des Ministers des Innern vom 12. ^ulr l. J. fordere ich Sie auf, sofort das Erforderliche zu verfügen daß die Durchfuhr jener Kriegsmittel nicht zugelasse», etwaige hermuch versuchte Transporte mit Beschlag belegt und die. Schuldtragenden der Ttrat- amtshandlung zugeführt werden.
— Zürich. Man berechnet die Verluste, welche die Stadt Zürich in Folge der andauernden Handelskrisis an Werlhpap,eren, Seide, Baumwolle rc. seit der letzten Steuertaxation erlitten, auf wenigstens 40 bis 50 Millionen Fr., was bei dem bisherigen Steuer- kapital von 200 Millionen eine Abnahme von 20 bis 25 Prozent ausmachte.
— Aus Neapel wird dem „Standard" unterm 19. d. gemeldet: „Der lang erwartete Ausbruch des Vesuv begann gestern Abend; die Lava floß nach Pompeji zu hinunter. Eine gewaltige Säule schneeweißen Rauchs, kolorirt durch das Feuer, welches der Spitze des Berges entsteigt, bietet einen prächtigen Anblick dar. Gewaltige Lavamassen wurden in die Höhe geschleudert."
— Der Aetna stößt Rauch und Flammen aus, der Seismograph zittert beständig und man erwartet einen demnächstigen Ausbruch.