Wl»nueut*at8e
«frei* :
Mhrltch 9 M«, ,awj. «M. LVP 1 BirrttljLbrltS
1 Stert »5 P„, Sfit auswärtige
Abonnenten
Bit dem betreff«« SS» $s6auff6Iea. M§ etnzelnrNum»
«er 10 $fg,
HanMer Anzeiger.
Zugleich Amtliches Orgrm für kkreir und Stadt Haua«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Lorrespondenz.
gnferrioa»«"! -V«it.
i Die Ifpcltigs ’ Sarmondzetl« »t.
deren Raum 2 10 $fg.
Sie «ffialt 8«tW W *fg.
Sie8fpaItige8«H« »0 $fg,
M 72,
Samstag den 25. März
1876.
Abonnement-Einladung.
Zu dem am 1. April d. J. beginnenden neuen Abonnement auf im Verlage des Rissigen Waisenhauses täglich mit „Unterhal- ngsblatt" und gediegenem Inhalte erscheinenden
„Hanauer Anzeiger“ erlauben wir uns hiermit ergebenst einzuladen.
Wie seither wird derselbe eine kurze Uebersicht der wichtigsten Tagesereignisse, amtliche und kirchliche Nachrichten enthalten, besonders aber den lokalen und provinziellen Angelegenheiten, Coursberichten und sonstigem Wissensweithen seine besondere Aufmerksamkeit widmen. .
Anzeigen finden bei der fortwährend im Steigen begriffenen starken Auflage den besten und wirksamsten Erfolg.
Der Abonnementspreis beträgt wie bisher 2 M. 25 Pf. pro Quartal, nur bei den durch die Post bezogenen Exemplaren erhöht sich der Preis um eine kleine Postgebühr. Nicht gekündigte Abonnements werden für stillschweigend erneuert angesehen.
Bestellungen auf den „Hanauer Anzeiger" nehmen alle Postanstalten, für hier die Exp dition
(Waisenhaus, Hammergasse 9) entgegen.______________________________________________________________________
Aetaammachuugen Komgl. Laudrachsamrs dahter.
Nach Mittheilung der Kaiserlichen Ober-Post-Direktion zu Frankfurt a. M. sind bei den im Kreise Hanau belesenen Kaiserlichen Telegraphen-Stationen pro 1875, Hanau und Bocke nheim, 15,712 Depeschen ausgegeben und 18,420 Depeschen angekommen.
Es fallen hiervon:
auf Hanau . . . 13,023 Depeschen aufgegeben,
„ „ . . , 14,533 „ angc kommen,
„ Bockenheim . 2,689 „ aufgegeben,
„ „ . 3,887 „ angekommen.
Hanau am 20. März 1876.
Gesuude»: Ein Petschaft „J. G. SCHULTZE". Eine Häckel- nadel von Siahl. Ein schwarzes Sammträschchen mit Perlenverzierung nebst Stahlkette. Eine Biblische Geschichte mit der Inschrift „Eigenthum der Schule zu Großauheim." Ein defektes deutsches Lesebuch Ein grauwollenes Halstuch mit weißen Streifen.
Hanau am 24. März 1876.
Gesunden: Ein Sack, enth. ca. ein Simmer Hafer.
Horau am 25. März 1876.
H. H. C. Am 22. März feierte man allenthalben in Deutschland den 79. Geburtstag des Kaisers Wilhelm, der trotz seines hohen Alters noch in ungebrochener geistiger und körperlicher Kraft dasteht, wie kein deutscher Kaiser vor ihm. Zu Anfang der abgelaufenen Woche starb zu Cannstatt im 66sten Lebensjahre Ferd. Freiligrath, der Dichter der Freiheit und der Revolution, der, was Liebe zu Freiheit und Vaterland anbelangte, von keinem andern übertroffen wurde. Als Lyriker gehörte er zu den Bedeutendsten, die Deutschland hervorgebracht. Die preuß. Fortschrittspartei hat den Verewigten dadurch geehrt, daß sie der Gemahlin desselben ein Beileidstelegramm folgenden Inhalts über- sandte: „Die Mitglieder der deutschen Fortschrittspartei beklagen tief den Verlust des treuesten Freundes, des begeistertsten Sängers des Volkes. Mit der schwer getroffenen Familie trauert das ganze Vaterland." — Das Preuß. Abgeordnetenhaus hat inzwischen die zweite Berathung des Etats erledigt und die dritte Lesung desselben in Angriff genommen, nachdem die erste Lesung des Emwmfs der Städteordnung für diejenigen Provinzen, in denen die neue Kreis- und Provinzial- Ordnung in Gültigkeit ist, durch Ueberweisung desselben an eine Com
mission beendigt worden war. Das preuß. Abgeordnetenhaus wird wohl noch 3 Monate beisammen bleiben müssen, auch wenn die Hoffnung der Ungeduldigen sich erfüllen sollte, daß sich bei der dritten Lesung des Etats, namentlich bei den Positionen deS Kultusetats, die langwierigen Debatten über Lehrbücher, Schulzwang und Religionsunterricht nicht wiederholen. — Der bayerischen Abgeordnetenkammer wurde ein Gesetzentwurf vorgelegt, welcher die Vervollständigung der bayerischen StaatSeisenbahnen betrifft. In der Sitzung vom vergangenen Montag interpellirte der Abg. Leffer in Betreff der den bayerischen Holzhandel schädigenden Eisenbahntarifsätze. Die Antwort des Ministerpräsidenten von Pfretzscher kulminirte darin, daß eine Ermäßigung der Tarifsätze ohne wesentliche Schädigung der Eisenbahnerträgnisse nicht möglich sei.
Die Liberalen in Oesterreich jubeln, daß der Kaiser sofort nach dem AustrittSakte der klerikalen Mehrheit aus dem Tyroler Landtage die Schließung desselben verfügte und daß das Schließungsdekret jenen Schritt der Majorität eine grobe Pflichtverletzung nannte. — Die Ungarn sind untröstlich darüber, daß noch immer keine AuSsicht vorhanden ist, die boSnischen Flüchtlinge, die dem gemeinsamen ungarisch- österreichischen Budget schon eine Million Gulden kosteten, los zu werden. Die übrigen Mächte scheinen überdies nicht die mindeste Lust zu haben, nach dem Vorschläge des „Pester Lloyd", diese Verpflegungskosten gemeinsam zu tragen und einen Theil Der Flüchtlinge bei sich aufzunehmen.
Die Budgetdebatte hat im italienischen Abgeordnetenhaus begonnen. Es ging dabei sehr heiß her. Der Deputirte Morana beantragte unter Anderem eine Motion, worin die Kammer ausspricht, daß das Ministerium in Anwendung des Mahlgesetzes den Steuerpflichtigen gegenüber unbillig verfahren sei. Als nun der Ministerpräsident die Vertagung dieser vorgeschlagenen Tagesordnung beantragte, sprach sich die Kammer mit 242 gegen 181 Stimmen gegen das Verlangen des Ministers auS. Daraufhin reichte das ganze Kabinet sein Entlassungsgesuch ein, welches vom Könige auch angenommen wurde. Der Führer der äußern Linken, Depretis, ist mit der Neubildung des Ministeriums beauftragt worden. — Kurz vor dem Sturze des Kabinets hatte der Unterrichtsminister Bonghi noch die Aufhebung der vatikanischen Universität in Rom angeordnet.
Die gemäßigt-liberal-republikanische Erklärung, welche die neue französische Regierung am 14. März in beiden Kammern abgegeben, ist, wie sich jetzt zeigt, nur von den konservativ- und den gemäßigt- republikanischen Deputirten mit Beifall ausgenommen worden. Ein großer Theil der Linken in beiden Kammern verlangt mit täglich größer werdender Entschiedenheit die Ausmerzung aller kompromittirten anti- republikanischen Präfekten, und diese Forderung ist im Volke sehr populär. Die Regierung aber möchte nur die schlimmsten Gegner entfernen und bezüglich der übrigen abwarten, in wie weit sie sich bessern. Der mandatlose Minister des Innern, Ricard, hat vorige Woche endlich ein Mandat erhalten. Der Senat ernannte ihn an Rochctte's Stelle mit großer Mehrheit zum Senator, ein Ereigniß, welches die Linken bejubelten, da Ricard aufrichtiger Republikaner ist. Freilich kam der die Freude abkühlende Wassersturz bald nach, indem der Senat eine Anzahl der von der Deputirtenkammer für ungültig erklärten Wahlen für gültig erklärte, indem die im Senate den Ausschlag gebende Fraktion der Konstitutionellen in dieser Frage meist mit der Rechten ging. Die Deputirtenkammer erklärte den Antrag aus sofortige Aufhebung des Belagerungszustandes für dringlich und der Ausschuß, dem dieser Antrag überwiesen worden war, sprach sich einstimmig für denselben aus. — Der Unterrichtsminister Waddington hat ein Stückchen seines Spezialprogrammes zum Besten gegeben. Er ließ die Professoren der Pariser Universität zu sich kommen und erklärte ihnen, daß er darauf dringen wolle, daß dem Staate das Recht zurückgegeben werde, die Universitätsgrade zu verleihen. Zur Bürübniß der Liberalen sagte der Mm ster aber nichts über die Einführung des Schul- zwanges, die Ausbesserung der Professorengehalte und die bessere Do- tirung der Universitäten. — In Paris scheint eine Aera der Arbeits-